Sommernachtstraum auf dem Trockenen: Ein Wandelkonzert ohne Wandel

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Ahrensburg (ve). Der 150. Geburtstag des Kreises Stormarn ist mehr oder weniger ins Wasser gefallen – so auch das Geburtstagsgeschenk der Stadt Ahrensburg.

Ein sehr freier Sommernachtstraum mit Armin Diedrichsen und Lidwina Wurth sowie dem Fidelen Blasquartett hat dem Publikum in der Remise im Marstall viel Freude bereitet. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Ein sehr freier Sommernachtstraum mit Armin Diedrichsen und Lidwina Wurth sowie dem Fidelen Blasquartett hat dem Publikum in der Remise im Marstall viel Freude bereitet.
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Es sollte ein Wandelkonzert mit dem Sommernachtstraum frei nach William Shakespeare werden, gezeigt an drei Spielorten Schloßkirche, Schloß und Marstall. Doch dafür gab es zuviel Regen. Und so entschieden sich die Akteure, die Aufführung nicht open air sondern quasi closed air in der Remise zu zeigen.

Etwa 70 Gäste wandelten also nicht von Spielort zu Spielort, sondern saßen brav im Veranstaltungsraum. Und genossen eine kurzweilige Aufführung des Sommernachtstraumes frei nach den Gebrüdern Johann und Wolfgang von Goethe.

So jedenfalls führte Hauptdarsteller Armin Diedrichsen die Gäste lachend in das Stück ein. Und in der Tat hatte er die Hochzeit von Oberon und Titania und das Drama um Pyramus und Thisbe im Sommernachtstraum sehr frei adaptiert und mit Operettenarien oder Schlagern locker angereichert. Sängerin und Darstellerin Lidwina Wurth – mal als Titania, mal als Hofnarr Puck – wandelte zwischen den Jahrhunderten mit viel Spaß und Spielwitz. Der Schalk, der dabei Diedrichsen und Wurth in den Augen abzulesen war, machte diese Inszenierung aus.

Ihr und Armin Diedrichsen oblag es, dem interessierten Publikum zu erklären, wie der Elfenkönig und seine Göttergattin auch ihren 50. Hochzeitstag noch fröhlich feiern können. Das erscheint angesichts eines eher lockeren Verständnisses des Begriffes „Treue“ zunächst verwunderlich. Doch Diedrichsen und Wurth werfen mehr die These auf, dass nicht eben die Treue eine Ehe festigt, sondern mehr die Untreue – mit ihrer Versöhnung nach dem unausweichlichen Streit.

Ein sehr freier Sommernachtstraum hat dem Publikum in der Remise im Marstall viel Freude bereitet. Im Bild Ulrike Jaeger und Anna Brünner mit Armin Diedrichsen, begleitete vom Fidelen Blasquartett. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Ein sehr freier Sommernachtstraum hat dem Publikum in der Remise im Marstall viel Freude bereitet. Im Bild Ulrike Jaeger und Anna Brünner mit Armin Diedrichsen, begleitete vom Fidelen Blasquartett.
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Quasi einen Gastauftritt hatten außerdem Ulrike Jaeger und Anna Brünner in den Rollen von Pyramus und Thisbe. Und Regisseur Diedrichsen bricht einfach zu gerne die vierte Wand, als dass er Pyramus und Thisbe dies nicht auch tun ließ. Eine stark überzeichnete Maske und Gestik der beiden wirkte aberwitzig und wurde ihren Rollen als Rüpel gerecht. Und wer wollte, konnte die Textblätter in den Händen der Rüpel auch gerne als Kunstgriff bezüglich der vierten Wand interpretieren.

Ein sehr freier Sommernachtstraum hat dem Publikum in der Remise im Marstall viel Freude bereitet. Im Bild Ulrike Jaeger und Anna Brünner mit Armin Diedrichsen und die dritte (oder vierte?) Wand, begleitete vom Fidelen Blasquartett. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Ein sehr freier Sommernachtstraum hat dem Publikum in der Remise im Marstall viel Freude bereitet. Im Bild Ulrike Jaeger und Anna Brünner mit Armin Diedrichsen und die dritte (oder vierte?) Wand, begleitete vom Fidelen Blasquartett.
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Stichwort ‚vierte Wand‘: Das ist auch durchaus wörtlich zu nehmen. Denn mangels einer Wand auf der Bühne im kunstvoll reduzierten Bühnenbild aus zwei Notenständern, einer Clownsnase, einer Blume und einer Flasche Wein – die übrigens genussvoll von Oberon und Titania (oder waren es Diedrichsen und Wurth?) geleert wurde, also – mangels einer Wand wurden kurzerhand Tagelöhner angeheuert. In Form von vier Gästen im Saal, die als Wand auf der Bühne stehend eine hervorragende Figur abgaben. Ist das Spielen einer Wand jetzt eigentlich nach dem Spielen eines Tisches (soll ja großes Thema in der Schauspielschule sein) schon die zweite Klasse der Schauspielschule?

Schön wäre es gewesen, hätte man diese Episoden des Sommernachtstraumes durch das Schlossensemble wandelnd bei Sonnenschein erlebt. Doch naja – wenn es regnet, regnet es eben und das Zuschauen im Saal machte offensichtlich ebenfalls vielen Spaß, wie der begeisterte Applaus vermuten lässt.

Ein sehr freier Sommernachtstraum mit Armin Diedrichsen und Lidwina Wurth sowie dem Fidelen Blasquartett hat dem Publikum in der Remise im Marstall viel Freude bereitet. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Ein sehr freier Sommernachtstraum mit Armin Diedrichsen und Lidwina Wurth sowie dem Fidelen Blasquartett hat dem Publikum in der Remise im Marstall viel Freude bereitet.
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