Der Flächennutzungsplan und Ahrensburgs Süden: Streit um potenzielle Neubaugebiete

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Ahrensburg (ve). Das war eine bemerkenswerte Aussage: „Ich brauche Ihre Unterstützung“, ruft Bürgermeister Michael Sarach den Anwohnern im Süden Ahrensburgs zu.

Bürgerveranstaltung zum Flächennutzungsplan auf Einladung des Bürger- und Grundeigentümerverein Waldgut Hagen: Etwa 160 Anwohner aus dem Waldgut, dem Hagen und Ahrensfelde waren dabei. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Bürgerveranstaltung zum Flächennutzungsplan auf Einladung des Bürger- und Grundeigentümerverein Waldgut Hagen: Etwa 160 Anwohner aus dem Waldgut, dem Hagen und Ahrensfelde waren dabei.
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Geschehen ist dies auf einer Veranstaltung, die der Bürger- und Grundeigentümerverein Waldgut Hagen eingeladen hatte. In den übervollen  Kirchsaal Hagen kamen etwa 160 Anwohner. Und sie stritten zu einem großen Thema: der Neufassung des Flächennutzungsplanes.

Diskussion über die Neufassung des Flächennutzungsplanes

Im Rahmen des Flächennutzungsplanes wird die Entwicklung der Stadt Ahrensburg für die kommenden 15 bis 20 Jahre überplant. Unter anderem soll dort festgelegt werden, auf welchen Flächen neue Wohngebiete und neue Gewerbegebiete entstehen könnten. Seit 2011 arbeiten Politik und Verwaltung an der Neufassung des 40 Jahre alten – und häufig geänderten – Planes. In der nun vorliegenden Fassung wird dort im Süden Ahrensburg für einige Fläche und auch auf bisherigen Landschaftschutzflächen Wohnbebauung vorgeschlagen.

Das wollen die Anwohner im Süden der Stadt verhindern und suchten nun das Gespräch mit Bürgermeister Sarach, an dessen Seite auf dem Podium Bauamtsleiter Peter Kania. Und Sarach erläuterte den Sachverhalt wie folgt: „Wir haben von Seiten der Verwaltung Vorschläge gemacht, auf welchen Flächen Wohnbebauung erfolgen könnte. Einige – wie der Erlenhof Nord oder eine Fläche zwischen dem Ahrensburger Kamp und Großhansdorf – sind von der Politik abgelehnt worden. Dafür mussten im Plan nun neue Flächen gefunden werden.“ Diese liegen zum großen Teil in den Ortsteilen Hagen und Waldgut Hagen – zum Unmut der Anwohner.

Ein Großteil der Argumente in der sehr intensiven Debatte bezog sich auf zwei Punkte: Landschaftschutzgebiete sollten als solche weiterhin bestehen und die Wohn- und Sozialstruktur der Ortsteile im Süden Ahrensburgs sollte erhalten bleiben. Durch den Bau von mehrgeschossigen Mehrfamilienhäusern sehen die Anwohner beides in Gefahr, die dörfliche und von grünen Gärten geprägte Struktur der Einfamilien- und Reihenhäuser würde verdrängt werden.

Bürgerveranstaltung zum Flächennutzungsplan auf Einladung des Bürger- und Grundeigentümerverein Waldgut Hagen: Bürgermeister Michael Sarach und Bauamtsleiter Peter Kania auf dem Podium. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Bürgerveranstaltung zum Flächennutzungsplan auf Einladung des Bürger- und Grundeigentümerverein Waldgut Hagen: Bürgermeister Michael Sarach und Bauamtsleiter Peter Kania auf dem Podium.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

„Das kann ich nachvollziehen, aber es muss neue Flächen für Wohnraum geben“, so Sarach. „Warum überhaupt?“, kam die Rückfrage aus dem Saal. Viele Zwischenrufe am Abend zeigten, dass für diese Frage im Saal nur wenig Verständnis war.

Diskussion um potenzielle Neubaugebiete im Süden Ahrensburgs

„Wir müssen Wohnraum schaffen“, versuchte Sarach es zu erklären, „weil der Druck auf dem Wohnungsmarkt so groß ist und wir die Nachfrage an Wohnungen nicht befriedigen können.“ „Na und?“ kam ein Rückruf aus dem Saal. „Wir müssen es machen, weil wir ein Mittelzentrum sind und dazu verpflichtet sind“, so Sarach. „Sollen die Leute doch nach Großhansdorf ziehen“, so ein Zwischenruf aus dem Saal. Bis sich eine Anwohnerin meldete: „Wenn hier anderen Menschen das Recht abgesprochen wird, ein Haus oder eine Wohnung in Ahrensburg zu beziehen, finde ich das befremdlich.“

Der Druck auf den Wohnungsmarkt ist kein Ahrensburger Problem. Der Bedarf an neuem Wohnraum ist in Hamburg und der Region Südholstein ungebrochen, der Kreis Stormarn insgesamt ist aufgefordert, ausreichend neuen Wohnraum zu schaffen – inklusive Ahrensburg. Die Stadt hat sich in ihrem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) zu einem „moderarten Wachstum“ bekannt, das allerdings mit der heutigen Einwohnerzahl von 34.000 bereits erreicht ist. Schon jetzt wird sich nach Beschlüssen zum Neubau in der Kastanienallee und entlang der Hamburger Straße sowie zum Lindenhof und zur Alten Reitbahn die Innenstadt darüber hinaus stark verändern.

Und so lautet die eigentliche Frage: Ist Ahrensburg bereit, sein Stadtbild durch Schaffung von Wohnraum zu verändern und dem Druck nachzugeben? Oder besteht die Stadt darauf, nur langsam zu wachsen?

Genau diese Debatte wird in der Politik geführt, wenn Flächen für Wohnbebauung im Flächennutzungsplan gesucht werden. Immer wieder geht es dann insbesondere auch um die Zahl, wieviel Wohneinheiten Ahrensburg tatsächlich neu vorhalten sollte. In der Verwaltung wird die Zahl von 1.500 bis 2.000 Wohneinheiten genannt, die im Flächennutzungsplan abgebildet werden sollten. „Wer gibt Ihnen das vor?“, kam dann auch im Hagen die Frage an den Bürgermeister. „Unsere Stellung als Mittelzentrum“, so Sarach.

Und so bewegte sich der Streit auf zwei Ebenen: Zweifel überhaupt an der Notwendigkeit, für Ahrensburg Neubaugebiete zu planen. Und wenn doch, dann bitte nicht in den Dorfstrukturen im Süden der Stadt. Ersteres konnte Bürgermeister Sarach nicht vertreten, letzteres zumindest nachvollziehen.

Bürgermeister Sarach: „Ich brauche Ihre Unterstützung“

Und damit kommen wir zurück zur Bitte um Unterstützung des Bürgermeisters und die Frage, wo denn überall im Stadtgebiet Neubaugebiete geplant werden könnten. Die Verwaltung habe die neuen Vorschläge im Flächennutzungsplan auf den Süden der Stadt bezogen, wohl wissend, dass das keine Lösung sein kann. „Ich wollte vielleicht auch ein bisschen eine politische Diskussion in Gang setzen“, so Sarach. „Wenden Sie sich also bitte an die Politik“, so Sarach, „und machen Sie deutlich, dass diese Planung der Flächen zur Wohnbebauung nicht in Ihrem Sinne ist. Das ist eine Entscheidung der Politik!“ Die dann andere Flächen, die derzeit aus der Diskussion raus genommen sind, wieder ins Gespräch bringen müssten.

Eines ist klar: Werden die Wohneinheiten nicht in Ahrensburg gebaut, müssten sie in anderen Orten gebaut werden. Die Preise für Wohnraum oder Grundstücke in Ahrensburg – Bürgermeister Sarach: „Auch die Stadt kann sich derzeit den Ankauf von Grundstücken kaum leisten“ – würde dadurch weiter steigen. Die politische Entscheidung über Neubaugebiete ist also auch eine politische Entscheidung über die Preisstruktur der Mieten und Kaufpreise in Ahrensburg.

Gelöst werden konnten die Fragen im Kirchsaal Hagen unter einer konstruktiven Moderation des Ammersbeker Rechtsanwaltes Rolf Finkbeiner nicht. Nun geht es wieder in die politische Diskussion.

Weitere Themen auf der Versammlung

Noch zwei weitere Themen wurden fast erbittert diskutiert: Die Frage, ob die Struktur der Wohnbebauung in den Straße Am Rehm bis Burgweg erhalten werden kann oder ob sie durch Neubauprojekte gefährdet ist. Peter Kania verwies darauf, dass im Zuge eines neuen Verwaltungsgerichtsurteiles die Genehmigungen nach Paragraf 34, der dort gilt, strenger seien. Zudem sagte er zu, sich das Gebiet anzuschauen und zu prüfen, ob eine Erhaltungssatzung möglich ist.

Und schließlich wurde die Verkehrssituation diskutiert, insbesondere der Ausbau des Spechtweges. Die Anwohner sehen durch den Ausbau den Knick und die untergeordnete Struktur des Spechtsweges gefährdet und warnen davor, dass der Ausbau die Verkehrsbelastung stark ansteigen lassen würde. Nun soll es demnächst ein Gespräch geben mit der Verwaltung und Anwohnern des Spechtweges.

Bürgerveranstaltung zum Flächennutzungsplan auf Einladung des Bürger- und Grundeigentümerverein Waldgut Hagen (BGV): Jürgen Siemers vom Vorstand des BGV vorab im Gespräch mit Bürgermeister Michael Sarach und Bauamtsleiter Peter Kania (von links). Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Bürgerveranstaltung zum Flächennutzungsplan auf Einladung des Bürger- und Grundeigentümerverein Waldgut Hagen (BGV): Jürgen Siemers vom Vorstand des BGV vorab im Gespräch mit Bürgermeister Michael Sarach und Bauamtsleiter Peter Kania (von links).
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

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