Baumfällung zum Bauprojekt Georg-Sasse-Straße: Nabu kritisiert „Faulstellen im Gutachten“

0

Ammersbek (ve). Wie berichtet, setzt sich der Nabu Ammersbek für den Erhalt des alten Baumbestandes am Bahnhof Hoisbüttel ein. Und zweifelt ein Gutachten an, das die Fällung empfiehlt.

Der alte Baumbestand direkt am Bahnhof Hoisbüttel in Ammersbek. Foto:©Nabu Ammersbek

Der alte Baumbestand direkt am Bahnhof Hoisbüttel in Ammersbek.
Foto:©Nabu Ammersbek

Das große Eckgrundstück Hamburger Straße / Georg-Sasse-Straße soll bebaut werden. Planer haben in der Gemeinde bereits Ideen vorgestellt und öffentlich diskutiert. Einer der Kritikpunkte von Naturschützern: Der alte Baumbestand am Bahnhof – eine Linde und zwei Buchen – soll dem Neubau weichen. Bereits Ende Mai hatte der Nabu Ammersbek eine Unterschriftensammlung an Bürgermeister Horst Ansén übergeben, mit der Bürgerinnen und Bürger sich für den Erhalt der Bäume aussprechen. Nun nimmt der Nabu Stellung zu einem Gutachten zu den Bäumen.

Gutachten zum Baumbestand: Nabu zweifelt Unabhängigkeit des Gutachters an

Dem Nabu liegt dieses Gutachten vor, in dem die Fällung einer der beiden Buchen empfohlen wird. Das Gutachten wurde im Auftrag der Investoren erstellt. Und so mag der Nabu seiner Aussage nicht trauen: „Das Ergebnis überrascht nicht wirklich, denn es ist der Baum, für den die bisherigen Pläne am stärksten verändert werden müssten“, schreibt der Ortsverband in einer Mitteilung.

Mehr als 1.300 Bürger unterstützen die Forderung des Nabu Ammersbek, teilt der Verband mit. Sie hoffen darauf, dass die Bebauung am U-Bahnhof Hoisbüttel so geplant wird, dass das Ensemble aus einer 220 Jahre alten Linde und zwei mindestens 120 Jahre alten Buchen auf dem Grundstück des ehemaligen Lottbeker Krugs erhalten werden kann.

Wie der Nabu schreibt, berichtet der Gutachter von „Faulstellen und Risse in der Gabel“ der doppel- stämmigen Blutbuche, deren Alter er auf 150 Jahre schätzt. Er gehe „von einer akuten Beeinträchtigung der Bruchsicherheit“ aus und empfehle „die Fällung“. Grundlage dieser Empfehlung sei eine „Inaugenscheinnahme“ und eine einzige schalltomographische Aufnahme in 1,30 Meter Stammhöhe.

Naturschützer fordern einen öffentlic bestellten Baumsachverständigen

Für den Nabu sei ein Gutachten, „das vom Investor in Auftrag gegeben wurde, der vorher bereits dem Bauamt seine Fällungswünsche mitgeteilt hat“, nicht unabhängig und daher nicht ausreichend glaubwürdig. Erschwerend komme hinzu, so die Ammersbeker Naturschützer, dass der Gutachter nicht als Baumsachverständiger „öffentlich bestellt“ ist.

Der Nabu Ammersbek schreibt: „Nach Sichtung der Gutachten und Rücksprache mit anerkannten Experten hat der NABU zudem sachliche Mängel gefunden und fordert dringend eine von der Gemeinde beauftragte unabhängige Untersuchung mit mehreren schalltomographischen Messungen in verschiedenen Höhen. Auch zu einem möglichen Baumerhalt sollten Aussagen getroffen werden.“

1.320 Unterschriften an Bürgermeister Horst Ansén übergeben

Kritisch sieht der Nabu auch eine der Fällungsempfehlung anhängende „Vorprüfung zum Artenschutz mit Artenschutzrechtlicher Einschätzung“, die zu dem Schluss komme, dass die Fällung „aus artenschutzrechtlicher Sicht als zulässig angesehen werden“ kann. Diese „Vorprüfung“ sei fachlich nicht vertretbar und unüblich. Auch zeige sie Widersprüche und fehlende Artenkenntnis des Gutachters. Der Nabu: „Sollte auch ein zweites Gutachten eine Verkehrsgefährdung ergeben, die nicht durch Sicherungsmaßnahmen zu beseitigen ist, muss eine artenschutzrechtlich vorgeschriebene Prüfung vor einer Fällung methodisch korrekt erfolgen.“

In dem Schreiben an den Bürgermeister, mit dem der Nabu Ammersbek die restlichen der insgesamt 1.320 Unterschriften der Gemeinde übergibt, sieht die zweite Vorsitzende, Angelika Schmidt, die Gemeinde „vor allem auch politisch in der Pflicht, einen neutralen, öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen mit der Untersuchung der Verkehrssicherheit der Bäume zu beauftragen.“

Die Baumaßnahme und die Frage der Bäume war auch Thema bei der Vorstellung des Planes kürzlich in Ammersbek. Auch dort äußerte sich Petra Ludwig-Sidow besorgt über die Planungen in dieser Form, der die Bäume weichen müssten. ahrensburg24.de berichtete: „Neubau an der Ammersbeker Georg-Sasse-Straße: „Super Idee – aber bitte anders!“

image_pdfimage_print
Teilen.

Kommentieren