Rallye Baltic Sea Circle Team BMW Fans: Schweden – top, Russland – gruselig

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Ahrensburg (ve). Das war kein Erholungsurlaub und keine Vergnügungsfahrt – aber Spaß gemacht hat die Rallye Baltic Sea Circle dem Team BMW Fans. Das berichten sie nach ihrer Rückkehr im Gespräch mit ahrensburg24.de.

Baltic Sea Rallye 2017: Bilder der Tour vom Team BMW Fans aus Ahrensburg und Großhansdorf. Foto:©Team BMW Fans

Baltic Sea Rallye 2017: Bilder der Tour vom Team BMW Fans aus Ahrensburg und Großhansdorf.
Foto:©Team BMW Fans

„Das Schönste waren die ersten Tage in Schweden“, schwärmt Robert Büttner, der zusammen mit Ingo Ahrens, dem Vater seiner Freundin, natürlich in einem BMW – daher der Teamname – rund um die Ostsee gefahren ist. „Die Sonne hat geschienen, wir lagen gut in der Zeit – an der ersten Station waren wir insgesamt die ersten – und ich bin sogar im Meer baden gegangen.“ Doch Schweden war nur ein kleiner Teil der Strecke, die durch zehn Anrainerstaaten der Ostsee führt.

Rallye Baltic Sea Circle: Start im sonnigen Schweden

Der Ahrensburger und der Großhansdorfer hatten sich einen alten BMW gekauft und damit an dieser besonderen Rallye teilgenommen. Besonders, weil keine Fahrten auf der Autobahn erlaubt sind, weil man einen Oldtimer benutzen muss und weil keine Navigationsgeräte genutzt werden dürfen und man trotzdem durch wildfremde Länder fahren muss. Und natürlich zahlreiche Aufgaben in einem Roadbook erledigen muss.

Die Fahrt durch Russland zum Beispiel: „Russland hat mich entsetzt“, gesteht Ingo Ahrens. „Wir sind durch Murmansk gefahren und dann Richtung baltische Staaten – überall war nur Schrott.“ Der Müll lag am Straßenrand, die Plattenbauten sahen aus, als seien sie unbewohnbar und waren doch bewohnt, Dreck überall. „Auch die Straßen sind kaputt, Schlaglöcher, keine Gehwege. Trotzdem fahren die Russen sehr riskant – als ob ein Menschenleben nicht zählt.“ Und tatsächlich hätten sie viele Kreuze mit Hinweis auf tödliche Verkehrsunfälle gesehen, „kaputte Autoteile lagen wie Trophäen daneben.“ So manches gefährliche Überholmanöver russischer Lastwagen haben sie entsetzt überstanden.

Team BMW Fans: Stundenlanges Warten an der russischen Grenze

Die Einreise – an der Grenze zwischen Finnland und Russland und bei Kaliningrad – sei speziell: „Man muss stundenlang warten, unzählige Papiere ausfüllen und dann wieder warten. Dann darf kein geöffnetes oder frisches Lebensmittel im Auto sein – wir mussten Tomaten und Kartoffeln vor der Grenze wegschmeißen.“ Vor Kaliningrad dauerte die Wartezeit auf die russischen Zollbeamten so lange, dass sie sich erstmal auf der Motorhaube eine Essen zubereitet haben. Und: „Freundliche Gesichter sieht man bei den Zollbeamten überhaupt nicht.“

Baltic Sea Rallye 2017: Bilder der Tour vom Team BMW Fans aus Ahrensburg und Großhansdorf. Wild Campen in Russland. Foto:©Team BMW Fans

Baltic Sea Rallye 2017: Bilder der Tour vom Team BMW Fans aus Ahrensburg und Großhansdorf. Wild Campen in Russland.
Foto:©Team BMW Fans

Doch Russland war nur ein Teil, sie haben das Nordkap und die Mitternachtssonne gesehen, sie haben Rentieren zu Hauf die Vorfahrt gelassen – „die stört es auch nicht, wenn man hupt, die laufen einfach weiter“ – sie haben im Kombi geschlafen oder wild gecampt. „Der Tag bestand meist aus frühstücken, zehn Stunden Autofahrt, dann Zeltplatzsuche, Abend essen, schlafen und wieder frühstücken.“ Viel Zeit für Sightseeing blieb da wenig, „das ist es auch, was wir am meisten bedauern, eigentlich sieht man nicht viel.“ In Riga und Tallinn haben sie es aber doch getan uns sich ein paar Stunden frei genommen. Die Sädte haben sie genossen, in Riga mit Blick auf das Meer im Hafen gecampt.

Besonders schwer gefallen ist den BMW Fans, die beide beruflich in Autowerkstätten stehen, der Besuch des Autofriedhofes in Südschweden im Moor Kyrkö Mosse. Autowracks sind dort mitten im Wald sich selber überlassen und gammeln buchstäblich vor sich hin. „Wir haben noch geguckt, ob man vielleicht Ersatzteile mitnehmen kann – aber alles, was nicht komplett fest an einem Auto ist, wurde bereits abgeschraubt“, schmunzeln beide.

Rallye-Feeling: Gemeinsam fahren, gemeinsam feiern

Und noch eines macht die Rallye Baltic Sea Circle besonders: Die Teams begegenen sich auf der etwa 7.500 Kilometer langen Strecke doch recht häufig, erkennbar immer an den Rallye-Aufklebern. Da wurde dann schon mal der große Grill eines Teams gemeinschaftlich genutzt. Und das Team BMW Fans war bald begehrt – als KfZ-Meister. „Aber wir konnten auch nicht immer helfen“, sagen sie.

An ihrem BMW 5er E34 520i gekauft, Baujahr 1996, mussten sie allerdings nur zwei Glühbirnen austauschen, alles andere lief reibungslos. Zwei andere Teams aus der Region, das Team Entschleuniger und das Team Dassower Waterkant Bängels, waren ebenfalls dabei, gemeinschaftlich sind sie zu dritt durch Russland gefahren, der Sicherheit wegen. Und zwei große Partys für alle – die die Locations gefunden haben – wurden vom Veranstalter ausgerichtet. In Norwegen in Gimsøya etwas spartanisch aber mit schönem Blick aufs Meer, in Estland mit viel Gastfreundschaft.

Baltic Sea Rallye 2017: Bilder der Tour vom Team BMW Fans aus Ahrensburg und Großhansdorf. Treffen der Rallye-Teilnehmer. Foto:©Team BMW Fans

Baltic Sea Rallye 2017: Bilder der Tour vom Team BMW Fans aus Ahrensburg und Großhansdorf. Treffen der Rallye-Teilnehmer.
Foto:©Team BMW Fans

Spenden sammeln müssen die Teams auch, in Jahr 2016 ist bei 202 Teams und 456 Mitfahrern eine Summe von 386.000 Euro zusammen gekommen. Für 2017 liegen noch keine Zahlen vor. Sie wollen ihre Spende zum einen den Autonomen Jugendwerkstätten in Hamburg spenden, zum anderen soll ein Projekt der Kinderunfallhilfe unterstützt werden. Bei diesem Projekt geht es um die Früherziehung von Kindern in Straßenverkehr.

Das Roadbook war für Büttner und Ahrens keine Bibel, sie haben umgesetzt, was möglich war. „Wir haben 407,5 von 895 Punkten und das ist schon ok so“, sagt Robert Büttner. Verfahren haben sie sich auch, vor Russland zum Beispiel sind sie 70 Kilometer in die falsche Richtung gefahren. „Wir waren nicht die einzigen und so hat jeder, der sich schon auf dem Rückweg befand, Falschfahrern versucht, ein Zeichen zum Umkehren zu geben – aber wir hatten das am Anfang auch nicht verstanden.“

Baltic Sea Rallye 2017: Bilder der Tour vom Team BMW Fans aus Ahrensburg und Großhansdorf. Bei der Ankunft in Hamburg. Foto:©Team BMW Fans

Baltic Sea Rallye 2017: Bilder der Tour vom Team BMW Fans aus Ahrensburg und Großhansdorf. Bei der Ankunft in Hamburg.
Foto:©Team BMW Fans

Das Schlimmste war der Schluss der Tour durch Polen – es hat nur und in Strömen geregnet. Da galt für das Team BMW Fans nur noch Augen zu und durch bis nach Hause. „Wir sind die Nächte durchgefahren, einfach um voran zu kommen“, sagt Ingo Ahrens. Offensichtlich erfolgreich, denn dadurch sind sie einen Tag früher angekommen, als geplant – bereits am Sonnabend. „Am Sonntag sind wir dann zu der Großveranstaltung in Hamburg gefahren, bei der alle Teams ankamen.“ Und jetzt, ein paar Tage später ist bereits alles Geschichte.

Naja, ein paar hundert Fotos gilt es auszuwerten, den BMW zu verkaufen und vielleicht doch noch das eine oder andere zu verarbeiten. Oder bereits für eine neue Rallye planen: „Wir finden es gut, dass bei diesem Veranstalter nicht alles so wichtig genommen wird. Es ist alles etwas lockerer. Vielleicht machen wir nochmal eine Rallye mit – dann abe auf einer anderen Strecke und nicht in einem Kombi, sondern eher einem T4.“

Der Vorbericht auf ahrensburg24.de: „Rallye The Baltic Sea Circle: Am Start sind auch die BMW Fan’s aus Stormarn

Und der Blick auf 2017: „The Flat Chicken-Team auf der Baltic Sea Rallye: Kommt heil wieder!!!

Baltic Sea Rallye 2017: Bilder der Tour vom Team BMW Fans aus Ahrensburg und Großhansdorf. Ingo Ahrens und Robert Büttner (von links). Foto:©Team BMW Fans

Baltic Sea Rallye 2017: Bilder der Tour vom Team BMW Fans aus Ahrensburg und Großhansdorf. Ingo Ahrens und Robert Büttner (von links).
Foto:©Team BMW Fans

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