Zum G20-Gipfel in Hamburg: Der etwas andere Bericht

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Hamburg (ve). ahrensburg24.de bei G20 – ein kleiner Einblick in ein Mega-Ereignis. MIT VIDEO.

Bilder vom G 20-Gipfel in Hamburg. Demonstration am Sonnabend, 8. Juli 2017, durch die Hamburger Innenstadt. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Bilder vom G 20-Gipfel in Hamburg. Demonstration am Sonnabend, 8. Juli 2017, durch die Hamburger Innenstadt. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

G20 – was ist das eigentlich? Das ist, wenn Regierungschefs in der Elbphilharmonie sitzen und man ihren Gesichtern nicht ansehen kann, ob sie von der „Ode an die Freude“ – deren Text für sie aktuell ist wie kaum ein anderer – wirklich ergriffen sind. Das ist, wenn gleichzeitig draußen vor der Tür Menschen – Demonstranten und Polizisten auf je einer Seite – sich die Köpfe einschlagen. G20 ist irgendwie komplett abstruß und surreal.

Alles rund um die Elbphilharmonie zum Beispiel war geschlossen, Fluttore zu, Wasserwerfer im Einsatz, berittene Polizei und Polizeibeamte geschützt mit Schutzschilden. Freitag am frühen Abend: Plötzlich wie aus dem Nichts war der Block der schwarzen Aktivisten zusammengerottet. Lautsprecher-Ansagen forderten Passanten auf, sich in Sicherheit zu bringen, und aus den schwarz Gekleideten wurde flugs eine brüllende Masse. „Wir sind friedlich, was seid Ihr?“, war ihr Argument. Die Polizei entschied sich zur Auflösung dieser Versammlung, versuchte, die gewaltbereite Spreu vom Weizen zu trennen.

Das klappte nicht immer. Das Halstuch über Mund und Nase und schon war die Gewalt da, Pyrotechnik in der Luft. Kein Spaß, bedrohlicher Ernst. Vermummte wurden gejagt von der Polizei, immer wieder versuchten die Beamten, die Gewaltbereiten zu isolieren, einzukesseln.

Bilder vom G 20-Gipfel in Hamburg. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Bilder vom G 20-Gipfel in Hamburg. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Doch G20 ist eben auch das, die Krawalle, die Zerstörungen, der öffentlich verurteilte Gewalt-Protest. Wurde der Polizei für den Donnerstag Abend ein „zu frühes“ Eingreifen vorgeworfen, so war es am Freitag „zu spät“, mit dramatischen Folgen für das Schanzenviertel. Diesem Protest, der keine politische Aussage hat und somit auch nichts Sinnvolles zur Debatte beitragen kann, wollen wir hier keinen weiteren Raum geben.

Dafür gab es übrigens auch spontane Sperrungen, durch die dann auch Journalisten, Anwohner oder Zufallsgäste nicht mehr durchgelassen wurden. Ein Davonkommen war nur mit Ortskenntnis möglich, zu der die Polizisten – vielfach nicht aus Hamburg – keine Auskunft geben konnten. Gespenstisch, vor einer Straßensperre mit vielen Polizisten zu stehen mit vier Hubschraubern über dem Kopf und einer plötzlich so durchdringenden Staatsgewalt. Die im übrigen auch mit zahlreichen Kontrollen anhand einer Liste nach Journalisten fahndeten, denen sie die Akkreditierung aus uns unbekanntn Gründen entziehen sollten.

Und G20 ist der Ort der Demonstrationen. Eine Kundgebung, die sicher nicht in die Gefahr eines Versammlungsverbotes kam, gab es direkt vor dem Pressezelt am Freitag Mittag: Eine einzelne Frau stand mit zwei russischen Fahnen behängt vor dem Eingang Ost der Messehallen. Wie lange sie dort stehen wolle, fragten wir sie. „Den ganzen Tag“, antwortete sie. Und warum? „Aus Solidarität mit der russischen Politik, die ich sehr gut finde.“ Ok – auch das lassen wir jetzt mal so stehen.

Bilder vom G 20-Gipfel in Hamburg. Demonstration am Sonnabend, 8. Juli 2017, durch die Hamburger Innenstadt. Zwei Aktivisten seilten sich von der Fußgängerbrücke ab und breiteten einen Banner aus. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Bilder vom G 20-Gipfel in Hamburg. Demonstration am Sonnabend, 8. Juli 2017, durch die Hamburger Innenstadt. Zwei Aktivisten seilten sich von der Fußgängerbrücke ab und breiteten einen Banner aus.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Am Sonnabend dann der lange Tross vom Rathausplatz zum Heiligengeistfeld. Er hatte eine kleine Schreckminute, als hinter den vorausgehenden Polizisten sich zwei Aktivisten von der Fußgängerbrücke über die Ost-West-Straße mit einem Transparent abseilten. Kurze Schnappatmung und Adrenalin bei den Beamten, dann kam die Entwarnung vom Chef, die Polizisten liefen weiter und die Aktivisten hingen bis zu Ende des Demonstrationszuges in den Seilen.

Die Linken-Politikern Katja Kipping erklärte den Demonstranten von einem der Wagen aus, warum sie demonstrierten, der Schauspieler Rolf Becker von einem anderen Wagen aus.

Und von vielen anderen Wagons aus – eine Auto-Verleihfirma mit einem bibliophilen Namen übrigens machte an diesem Tag ein gutes Geschäft – wurde der Kapitalismus und die Machtstrukturen dieser Welt mit guten und mit weniger guten Argumenten verteufelt. „A free hug“ stand auf einem Schild – ob’s hilft??? Skurrile Botschaften waren auf anderen Plakaten.

Die Demonstranten wollten zwar Öffentlichkeit und öffentlich gehört werden, aber direkt in die Kamera von ahrensburg24.de wollten sie dann doch nicht lächeln. Zwei Damen, die sich politische Botschaften wie beim Kinderschminken ins Gesicht gemalt hatten, machten von ihrem Foto-Verweigerungsrecht Gebrauch – schade, nun verschwindet die Botschaft mit der abendlichen Dusche. Auch eine Clownsgruppe entschwand mit den Worten „Wir geben keine offiziellen Fototermine“. Und doch kam die Rückmeldung gegenüber der Presse, dass den Krawallen zu viel Aufmerksamkeit geschenkt worden sei und die Botschaften der friedlichen Demonstranten unter fehlender Aufmerksamkeit litten.

Bilder vom G 20-Gipfel in Hamburg. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Bilder vom G 20-Gipfel in Hamburg. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Andere monierten gegenüber ahrensburg24.de auf einer Demonstration, die sich gegen soziale und institutionelle Verwerfungen richtete und die Freiheit und Entfaltungschancen für viele Menschen forderte, ein ungebührliches Verhalten. Das Fahrrad von ahrensburg24.de stand nämlich quer zur Laufrichtung des Demonstrationzuges am Rande, so dass Demonstranten an der Seite des Zuges um diese Fahrrad herum gehen mussten. Das Fahrrad – ein optimales Schutzschild für die Erstellung der Fotos – sollte doch möglichst längsseits hingestellt werden, kam die Aufforderung von passierenden Demonstranten. Ja, Ordnung muss halt sein, auch auf einer Demonstration.

Aprpos Ordnung – ahrensburg24.de hat die Helden des Widerstandes beobachtet. Dem mit roten Tüchern und schwarzen Kaputzen vermummte Block entwischen direkt hinter unserer Kamera vier Helden, sprangen geschwind auf den Gehweg an ein Schaufenster und sprühten „Its right to rebel“ auf die Scheibe. Übrigens in genau dieser und damit nicht ganz korrekten Schreibweise. Die Welt wird sich ändern nach dieser tapferen Tat der politischen Akteure.

G20 ist abstruß und skurril – es geht damit weiter, dass die abgesperrten Straßen in der Hamburger Innenstadt eine perfekte Einladung sind zum Fahrrad fahren und Spazieren gehen. Eine Eisdiele mit Blick auf das Spielcasino am Bahnhof Dammtor lag plötzlich nahezu idyllisch in einer sonnigen, ruhigen Innenstadt. Auf diese Weise haben so manche Hamburger, die nicht gerade stundenlang im Stau standen, die Tage genossen. Sie wandelten entlang herrlich freier Straße ohne Lärm und Gestank.

Sie mussten nur immer wieder langen Kolonnen von Polizeiautos inklusive langen Kolonnen von Wasserwerfern ausweichen. Wer weiß eigentlich, wie viele Fahrzeuge die Polizei hat? Keinen Quadratmeter in der Innenstadt gab es, auf dem nicht mindestens ein Reifen eines Polizeiwagens stand. Und doch: Offensichtlich musste die Polizei sich doch noch Fahrzeuge leihen, eines mit der Aufschrift einer Verleihfirma und kleinen Polizeiaufklebern daneben reihte sich in die Massen.

Bilder vom G 20-Gipfel in Hamburg. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Bilder vom G 20-Gipfel in Hamburg. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Und man wurde den Eindruck nicht los, dass die Polizisten an diesem Tag bestens Kolonne fahren üben konnten. Immer mit Martinshorn von mindestens zwei oder drei Fahrzeugen begleitet rasten sie die Straßen entlang, transportierten Truppen oder anderes oder begleiteten wichtige schwarze Fahrzeuge. Übrigens – auch davon waren gefühlt alle, die in der Bundesrepublik derzeit angemeldet sind, auf den Hamburger Straßen.

Polizeibeamte, die nicht gerade in einem Auto saßen, standen zur Sicherung des Geländes überall in der Innenstadt. Das Messegelände, in dem die Unterhändler tagten, war abgesichert, rundherum stand gefühlt alle zehn Meter ein Polizist. Gespenstisch, eine Innenstadt zu erleben, in der neben Polizisten und Polizeifahrzeugen die Passanten in der Minderheit sind.

„Um 12 Uhr war der Dissenz behoben“, so spricht Angela Merkel über die Arbeit mit Donald Trump während der Pressekonferenz. Und ruft zu einem gesamtgesellschaftlichen Statement gegen gewaltbereits Demonstranten auf. Sie findet es richtig, dass G20 in einer Großstadt stattfindet, das sei schon notwendig alleine wegen der Hotelkapazitäten. „Ich wünsche mir“, so Merkel, „dass es eine Trennung gibt zwischen den friedlichen Demonstrationen – das spornt uns an, das hilft uns – und der blindwütigen Gewalt.“

Bilder vom G 20-Gipfel in Hamburg. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Bilder vom G 20-Gipfel in Hamburg. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Bilder vom G 20-Gipfel in Hamburg. Schülerinnen und Schüler von Hamburger Schulen präsentierten auf großen Tafeln im Medienzentrum die Standpunkte der 20 Staaten. Im Bild Schüler Niclas Könneke, Désirée Schwindenhammer vom Hamburger Weg und Schüler Marcel Timm. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Bilder vom G 20-Gipfel in Hamburg. Schülerinnen und Schüler von Hamburger Schulen präsentierten auf großen Tafeln im Medienzentrum die Standpunkte der 20 Staaten. Im Bild Schüler Niclas Könneke, Désirée Schwindenhammer vom Hamburger Weg und Schüler Marcel Timm.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

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