Neubau des Badlantic: Mehr Training, weniger Spaß

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Ahrensburg (ve). Eine Ära geht zu Ende: Das heutige Badlantic ist Geschichte – wahrscheinlich.

Neues Konzept für das Ahrensburger Schwimmband badlantic: Bei dieser Variante wird das Schwimmbad am gleichen Standort neu gebaut. Grafik: © Architekturbüro geising + böker

Neues Konzept für das Ahrensburger Schwimmband badlantic: Bei dieser Variante wird das Schwimmbad am gleichen Standort neu gebaut.
Grafik: © Architekturbüro geising + böker

Der Konsenz scheint deutlich: Der Hauptausschuss favorisierte in seiner Sitzung am Montag Abend den Abriss und Neubau in verkleinerter Version des Schwimmbades Badlantic. So wurde es in einem Gutachten vorgeschlagen und nach Debatten in zwei Sitzungen sehen die Mitglieder des Ausschusses dies als beste Variante. Entgültig entscheiden wird darüber die Stadtverordnetenversammlung am Montag, 17. Juli 2017. Sie tagt ab 19.30 Uhr im Marstall, Lübecker Straße 8.

Die Diskussion um die Frage Neubau oder Sanierung wird geführt, seit die Stadt die Anteile an dem Schwimmbad wieder übernommen hat und damit Planungshoheit hat. Aufgrund des Alters der Anlage sind Investitionen unerlässlich. Es zeichnete sich schnell ab, dass eine Sanierung und ein Neubau in verkleinerter Form keinen großen Unterschied auf der Kostenseite machen.

So berichtete ahrensburg24.de im Jahr 2015: „Sanierung oder Neubau badlantic: Ist weniger manchmal mehr?

Doch diese für die Stadt große Entscheidung sollte nicht ohne die Ahrensburger stattfinden. So wurden Vereine und Verbände nach Wünschen gefragt. In dem nun vom Hauptausschuss beschlossenen Vorschlag sind einige dieser Wünsche eingeflossen.

So berichtete ahrensburg24.de: „Neubau oder Sanierung badlantic? Sie sind gefragt! Vereine kritisieren Neubau-Planung

Neu im Neubau: Acht Schwimmbahnen, Sprungturm, weitere Räume

Nun soll in dem Neubau des Schwimmbades zusätzliche Räumlichkeiten für den Schul- und Vereinssport entstehen, dafür werden Investition in Höhe von 300.000 Euro geplant. Außerdem wird das Becken größer als ursprünglich geplant mit acht statt sechs Schwimmbahnen, das macht weitere Investitionen in Höhe von 980.000 Euro erforderlich. Und schließlich gibt es eine Ein-Meter- und Drei-Meter-Sprunganlage, integriert in das vergrößerte Sportbecken, zum Preis von 345.000 Euro. Die prognostizierten Gesamtkosten für das Bad erhöhen sich dadurch von etwa 11,7 Millionen Euro auf circa 13,5 Millionen Euro.

Insgesamt verlässt die Stadt Ahrensburg mit dieser Entscheidung einen Wettkampf, den sie vor 34 Jahren selber in Gang gesetzt hat. Damals war das Freizeitbad Badlantic mit seinem Wellenbad und dem Spaßfaktor in der Region eine große Attraktion und Trendsetter. Andere Städte haben sich dem Wettbewerb gestellt und so steht es heute in Konkurrenz zu moderneren Anlagen. Ahrensburg zieht sich nun zurück auf eine Daseinsvorsorge, die den Sportlerinnen und Sportlern und den Freizeitschwimmern gerecht werden will.

Bündnis 90/Die Grünen: Wie wäre es mit einer Rutsche?

Und doch kommt die Frage einer Rutsche auf. Bündnis 90/Die Grünen beantragten die Prüfung, ob eine Rutsche in den Neubau des Bades integriert werden könne und damit der Freizeitwert der Anlage erhöht werde. Diesen Vorschlag tragen nicht alle Fraktionen mit, da er wieder eine Konkurrenz zu den Freizeitbädern bewirken würde. Und es scheut sich so mancher Politiker vor den Folgekosten. Wie die Verwaltung berechnet hat, würden von der Rutsche zwölf Prozent mehr Besucherinnen und Besucher angelockt und damit 78.000 Euro zusätzliche Eintrittsgelder generiert werden können. Dem entgegen stehen die Kosten für Investition und Unterhalt.

Und noch etwas wurde auf der Sitzung des Hauptausschusses bereits im Juni 2017 deutlich: die Betroffenheit der Anwohner. Sie monierten in der Einwohnerfragestunde, dass die Anlieger bei der Planung nicht beteiligt worden seien. So steht in Frage, inwieweit der Betrieb der benachbarten Restaurants vom neuen Standort des Schwimmbades im hinteren Bereich des Grundstückes sowie von möglichen Neubauten am alten Standort beeinträchtigt werden könnte. Dies sei jedoch, so entgegnete Bürgermeister Michael Sarach, im Rahmen des Verfahrens zum Bebauungsplan der Fall.

Und wer macht das Projektmanagement?

Für die Bauphase allerdings stehen noch weitere Entscheidungen aus. So steht in Frage, werde die Planung und Umsetzung des Bau hauptamtlich betreuen solle. Das Schwimmbad wird betrieben von der Badlantic Betriebs GmbH, einer Tochter der Stadt Ahrensburg. Kontrolliert wird dessen Geschäftsführung vom Aufsichtsrat mit Mitgliedern aus Verwaltung und Politik. Entscheidungen rund um den Neubau trifft damit die Politik. Die ehrenamtlichen Politiker können jedoch kein Planungsgremium für einen derartigen Neubau sein. Eine Entscheidung, wie genau das Projektmanagement aussehen könnte, steht noch aus.

Die SPD schlug daher vor, ein Projektmanagement zu installieren, dem auch Vereine und Verbände zuarbeiten könnten.

Die Politik folgte mit ihrer Einschätzung den Aussagen des Gutachtens. Dort wurde analysierte, dass das derzeitige Schwimmbad für die Region überdimensioniert ist und ein kleineres Schwimmbad ausreichen würde. Dies sollte insbesondere den Vereinen und dem Schwimmunterricht zur Verfügung gestellt werden. Ein Freizeitbad würde auch langfristig in Konkurrenz zu ähnlichen Einrichtungen in der Region stehen und daher nachhaltig höhere Investitionen erforderlich machen. Gerade weil dies für das derzeige Badlantic nicht erfolgt ist, steht die Stadt jetzt vor dem Sanierungsstau und der Grundsatzfrage.

Gleichzeitig würde es möglich, dass eine engere Verbindung zwischen der Sauna-Anlage und dem neuen Schwimmbad entstehe. Der Wechsel zwischen Sauna und Schwimmbad ist Besuchern heute nur erschwert möglich, das würde sich ändern. Davon versprechen die Planer sich zum einen eine größerer Attraktivität für beide Bereiche und zudem Kostenersparnis durch Synergieeffekte.

Die etwa gleich hohen Kosten für Neubau oder Sanierung – inzwischen besteht allerdings durch die neuen Erweiterungen eine Differenz von etwa zwei Millionen Euro – bedingen jedoch unterschiedliche Folgekosten. Derzeit zahlt die Stadt Ahrensburg knapp 1,7 Millionen Euro jedes Jahr als Zuschuss zu den Betriebskosten des Schwimmbades. Dieser Betrag würde sich laut den Planungen um eine Million Euro reduzieren. Zudem würde es durch den veränderten Standort des Bades im hinteren Bereich des Grundstückes möglich werden, auf dem bisherigen Gelände Wohnbebauung zu erstellen. Eines der Hauptargumente für den Neubau.

Neues Konzept für das Ahrensburger Schwimmband badlantic: Bei dieser Variante wird das Schwimmbad am gleichen Standort neu gebaut. Grafik: © Architekturbüro geising + böker

Neues Konzept für das Ahrensburger Schwimmband badlantic: Bei dieser Variante wird das Schwimmbad am gleichen Standort neu gebaut.
Grafik: © Architekturbüro geising + böker

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