Lesermeinung: Überlegungen zu dem offenen Brief des Nabu

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Lesermeinung zur Debatte um die Baumschutzsatzung: Überlegungen zu dem offenen Brief des NABU Ahrensburg 12. Juli 2017 von Reinhard Günther aus Ahrensburg.

Der offene Brief des Nabu Ahrensburg zum Thema Baumschutz ist m.E. eine selbstgerechte Hochstilisierung des immer wieder hervorgekramten Totschlagarguments des Naturschutzes der besserwissenden und selbsternannten „Naturschutzpäpste“ und ist für jeden Grundstückseigentümer eine nicht mehr hinnehmbare und unerträgliche Zumutung, weil hier ein eklatanter Eingriff in das Privateigentum und das Selbstbestimmungsrecht eines jeden Bürgers erfolgt.

Wir alle, und nicht nur allein in Ahrensburg, leben doch wohl unbestritten auf einer mit mehr als üppigem Grün ausgestatteten Fläche. Deshalb vorab eins: Kein Mitbürger ist prinzipiell weder ein Naturfrevler noch speziell ein Baumfrevler, wie im Grunde genommen mit einer Baumschutzsatzung (BSchS) als stillschweigender Vorsatz unterschwellig uns Bürgern gegenüber fortlaufend impliziert werden soll.

Die Stadtverwaltung ist generell davon natürlich – wg. besserer Moral? – wieder ausgenommen, für diese gilt die BSchS nicht, wie seinerzeit bei der angestrebten Verkrüppelung der Linden mittels Kastenformschnitt erkennbar wurde!

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Ebenso sind auch die Landwirte ausgenommen, die alle 10 Jahre die Knicks auf den Stock setzen müssen / dürfen, obwohl es auch dort nach 10 Jahren eventuell schon Bäume gibt, die die Mindestmaße der derzeit gültigen BSchS überschreiten.

Die Stadtverwaltung sollte unter anderem einmal aufgefordert werden zu berechnen, wie viele Quadratkilometer Blattfläche von Bäumen und Gehölzen zur Photosynthese und damit zur Sauerststoffproduktion zur im gesamten Stadtgebiet zur Verfügung stehen, damit dann festgestellt werden kann, wie viel Blattfläche bei Beseitigung eines Baumes (vermutlich noch nicht einmal in lächerlichen Promille berechenbar!) dann in Relation zur gesamten Blattfläche in der Stadt verschwindet.

Unter anderem ist auch unter diesen Gesichtspunkten die BSchS für den privaten Grundstückseigentümer komplett überflüssig. Auch gerade hinsichtlich des Ursprungs der BSchS, als nach dem Krieg die stärksten Bäume in den Städten zwecks Brennholzgewinnung zum Überleben der Bevölkerung gefällt wurden, ist diese hinfällig, weil sich die Zeiten lange geändert haben und wir heute überall im Land im grünsten Paradies leben.

Im gesamten gesellschaftlichen Leben gibt es meines Erachtens kein Beispiel dafür, wo nach einer unbestimmten Zeit – Bäume wachsen zeitlich nicht gleichmäßig – nach Erreichen des Baumumfangs von 78,5 Zentimeter beziehungsweise 25 Zentimeter Durchmesser eines „geschützten“ Baumes, dieser als persönliches Eigentum gepflanzte Baum urplötzlich der Verfügungsgewalt des Grundstückseigentümers entzogen wird.

Es sollte ausschließlich gelten, wie zum Beispiel beim Edelweiß, dass entweder eine Pflanze grundsätzlich geschützt ist oder von vornherein eben nicht geschützt ist.

Hinzu kommt – sehen Sie sich zum Beispiel einmal als Vergleich die BSchS von der Nachbargemeinde Ammersbek an -, dass dort zum Beispiel ganz andere Maße, auch für erzwungene Ersatzpflanzungen, zum Tragen kommen. Daran ist zu erkennen, dass eine BSchS ohne jegliche biologische Begründung überall im Land der reinsten Willkür unterliegt, sie ist in jedem Fall überall eine reine Willkürsatzung. So müssen bei einem Baumumfang von 2,4 Meter in Ahrensburg acht (!) Ersatzbäume, in Ammersbek hingegen nur drei Ersatzbäume gepflanzt werden! Warum? Genau. Willkür ohne logische Begründung!

Als Vergleich zur Unverhältnismäßigkeit der Bestrafung eines Bürgers durch eine BSchS zu einem warmblütigen Lebewesen mag nachfolgendes Geschehnis gelten:
Als vor einigen Jahren in Großhansdorf einer älteren Frau deren kleiner Hund ausbüxte, auf die Autobahn lief und dort ein wenig Verkehrschaos anrichtete, wurde die Polizei gerufen, um den Hund einzufangen. Weil das nicht gelang, setzte sich ein Polizeibeamter – mit Vorsatz (!) – in den Streifenwagen und fuhr den Hund tot. Kein Hahn krähte danach, weil so ein Hund vom Gesetz her leider nur als Sache behandelt wird. Andererseits ist so ein Hund als warmblütiges Lebewesen mit allen Empfindungen aber genauso aufgebaut wie wir Menschen auch. Deshalb ist im Vergleich zu einem Hund ein Baum, auch wenn dieser noch wächst, nichts weiter als ein „totes“ Stück Holz.

Hier wird doch ein Baum unverständlicherweise höher bewertet als moralische Grundwerte gegenüber Tieren und Menschen.

Wenn auch, wie seinerzeit im Verfahren gegen den Sülfelder Schweinebauern die Zerstückelung der Leiche des eigenen Sohnes nicht einmal eine Bestrafung wegen der Störung der Totenruhe (weil der zerstückelte Tote noch nicht unter der Erde gelegen hat?) geschweige denn das Beiseiteschaffen eines zerstückelten Toten juristisch geahndet werden kann, dann steht auch hier das Beseitigen eines „geschützten“ Baumes mit einer Strafandrohung von bis zu 100.000 Euro in keinem Verhältnis dazu.

Wo leben wir denn eigentlich? Das darf und kann nicht sein, das ist doch alles eine abstruse, verkehrte Welt!

Wenn in unserer Gesellschaft immer wieder von der Eigenverantwortung und Eigeninitiative gefaselt wird, dann wird mit einer BSchS genau das Gegenteil praktiziert, der Bürger letztendlich unverhältnismäßig bevormundet und zum unmündigen Deppen degradiert. Die Politiker sollten sich endlich einmal dazu durchringen, die BSchS in Ahrensburg für den privaten Grundstückseigentümer abzuschaffen und gegebenenfalls nur für den öffentlichen Bereich zu erhalten. Politiker in Kommunen, in denen es keine BSchS gibt und vermutlich auch ansatzweise keinen Baumfrevel, scheinen viel mehr Vertrauen in ihre eigenen Mitmenschen zu haben.

Wußten Sie übrigens, dass Herr Fielmann jedes Jahr für einen seiner Mitarbeiter einen neuen Baum pflanzt und dass er insgesamt schon weit über eine Million Bäume in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gepflanzt hat? Und das alles sind keine Ersatzpflanzungen gewesen, sondern ausschließlich Neuanpflanzungen, aus denen dann in circa 30 Jahren gewaltige und stattliche Bäume werden!

Was sollen wir denn nun den neuen Grundstücksbesitzern unter anderem im Neubaugebiet Erlenhof raten, die vermutlich auch einige geschützte Bäume anpflanzen werden, damit diese sich eines fernen Tages nicht ebenfalls wegen der BSchS maßlos ärgern? Denen die Empfehlung abgeben, die Bäume gegebenenfalls bis zu den Grenzmaßen wachsen zu lassen, um sie dann wieder zu fällen, damit der gewaltige Ärger wegen der BSchS ausbleibt?

Genau aus diesen Überlegungen heraus ist es eigentlich unhaltbar, private Grundstückseigentümer wegen der Geringfügigkeit eines im persönlichen Eigentum stehenden selbst gepflanzten und dann auch wieder beseitigten Baumes zu bestrafen. Das kann und sollte für die Zukunft doch nun wirklich nicht der Weisheit letzter Schluß sein, wenn immer wieder die Eigenverantwortung der Bürger eingefordert wird.

Die nicht hinnehmbaren Äußerungen von Stadtverordneten, dass eine geänderte BSchS urplötzlich zu einer „Baumfällsatzung“ mutiert, unterstellt, dass dann jeder Haus- und Grundstückseigentümer unverständlicherweise unter den Generalverdacht eines maßlosen Baumfrevlers und Naturschänders gestellt wird. Im großen Interesse von vermutlich Tausenden betroffenen Grundstückseigentümern bundesweit zwecks Bestrafung auf Grundlage einer bestehenden BSchS sollte einmal überlegt werden, ob nicht mit einer Musterklage durch die Instanzen bis zum BVerfG über die Rechtmäßigkeit dieser Willkür-Baumschutzsatzungen bezüglich der Eigentumsrechte endgültig einmal Klarheit geschaffen werden sollte.

Reinhard Günther
Ahrensburg

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