Stadtverordnetenversammlung: ‚Ja‘ zum neuen Schwimmbad = Aus für das alte badlantic

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Ahrensburg (ve). Der Beschluss erfolgte einstimmig – und das will schon etwas heißen. Die Stadtverordneten haben sich für einen Neubau des Schwimmbades ausgesprochen.

Schriftzug des badlantic in Ahrensburg am Eingang. Foto:Silke Mascher

Schriftzug des badlantic in Ahrensburg am Eingang.
Foto:Silke Mascher

Für Thomas Bellizzi von der FDP war es ein besonderer Moment. Er hatte vor sechs Jahren bereits die Idee gehabt, das heutige badlantic abzureißen und durch einen kleineren Neubau zu ersetzen. Nun stand er vor seinen Kolleginnen und Kollegen in der Stadtverordnetenversammlung und erinnert sich: „Wie bin ich damals dafür ausgelacht worden – heute halten den Vorschlag viele für richtig.“

Mit diesem Beschluss wird sich für die Anlage am Reeshoop alles ändern. Das große Freizeitbad mit seinem Wellenbecken und tiefen Sprungbecken wird abgerissen und auf dem Gelände ein Neubau entstehen. Das Freibad soll in seiner Form erhalten bleiben.

Allerdings eines ist wichtig: In welcher Form und an welcher Stelle auf dem Grundstück genau das neue Schwimmbad gebaut wird, wurde nicht entschieden. Gestern ging es nur darum, einen Grundsatzbeschluss ‚Neubau oder Sanierung Altbau‘ zu fällen. Nach dem Beschluss nun soll ein Planungsmanagement ins Leben gerufen werden, der einen konkreten Vorschlag für den Neubau erarbeiten soll. Die bisherige Planzeichnung zum Beispiel diente nur als Skizze und nicht als Vorgabe für den Neubau.

Neues Konzept für das Ahrensburger Schwimmband badlantic: Bei dieser Variante wird das Schwimmbad am gleichen Standort neu gebaut. Grafik: © Architekturbüro geising + böker

Neues Konzept für das Ahrensburger Schwimmband badlantic: Bei dieser Variante wird das Schwimmbad am gleichen Standort neu gebaut.
Grafik: © Architekturbüro geising + böker

Fest steht allerdings für die neue Anlage: Sie soll allen Kindern in Ahrensburg Schwimmunterricht ermöglichen, allen Vereinen und Verbänden Trainingsraum und Trainingszeiten geben und passionierten Schwimmerinnen und Schwimmern Zeiten und Raum für ihr Hobby. Das Freibad bleibt weiter für Schwimmbadfreuden im Sommer. Die Cottage Sauna und der Neubau werden enger zusammengeführt, so dass eine gemeinsame Nutzung besser möglich ist.

Attraktionen, die darüber hinaus gehen, wird es nicht geben. Bündnis 90/Die Grünen wollten noch eine Rutsche in der Einrichtung unterbringen, das allerdings wurde von den anderen Fraktionen bei Enthaltung der CDU und der FDP abgelehnt. Damit ergebe sich zum einen die Gefahr, doch wieder in Konkurrenz mit Freizeitbädern der Region zu geraten. Das soll mit dem Grundsatzbeschluss vermieden werden, da die Stadt die Investitions- und Folgekosten nicht finanzieren möchte. Auch der Umstand, dass eine Rutsche nicht durch vermehrte Eintrittsgelder refinanziert werden könne, ließ die Abgeordneten mehrheitlich Nein sagen.

Damit endet in Ahrensburg die Geschichte eines wegweisenden Spaßbades. Das badlantic mit seiner großen Anlage war lange Vorreiter und Trendsetter für fröhliche Freizeit im Schwimmbad. Nach 34 Jahren und auch verpasster Investitionen ist die Technik allerdings überaltert und ohne Sanierungen mittelfristig nicht mehr einsetzbar. Und auch in modernere Attraktionen wurde in den vergangenen Jahrzehnten nicht investiert, so dass das badlantic als Freizeitbad seinen Platz in vorderster Reihe längst verloren hat.

Zudem schreibt das badlantic seit langem rote Zahlen. Die Verluste in Höhe von etwa 1,5 Millionen Euro jährlich mussten schon immer aus der Stadtkasse ausgeglichen werden, lange Zeit sogar aufgrund vertraglicher Vereinbarungen gegenüber dem damaligen Betreiber. Zum Ende des Jahres 2014 konnte die Stadt dann den Vertrag auflösen, das Schwimmbad wurde wieder vollständiger Eigenbetrieb der Stadt. Die jährlichen Verluste allerdings bleiben.

Der Beschluss eines Neubaus ist vor allem vor diesem Hintergrund entstanden. Das derzeitige Defizit wäre durch eine Sanierung des – so der Gutachter – „heute überdimensionierten“ Schwimmbades nur noch größer geworden. Die Stadtverordneten hoffen darauf, dass nach dem Neubau das aus dem laufenden Betrieb entstehende Defizit des Bades entscheidend reduziert werden kann. Zumal laut Gutachter Kosten für den Neubau und die Sanierung etwa in gleicher Höhe entstehen würden.

Nicht mit entschieden wurde, was weiter auf dem Gelände entwickelt werden könnte. Die Gutachter hatten die Idee, dass am alten Standort und auf dem jetzigen Parkplatz Geschosswohnungsbau entstehen könnte. Erlöse aus dem Grundstücksverkauf könnten den Neubau des Schwimmbades refinanzieren. Doch Bürgermeister Michael Sarach betonte nach Anfragen aus der Nachbarschaft und der benachbarten Gastronomie: „Was dort schlussendlich umgesetzt wird, ist jetzt noch nicht entschieden. Wir werden mit den Anwohnern und den benachbarten Betrieben darüber Gespräche führen.“ So solle vermieden werden, dass den alteingesessenen Betrieben durch den Neubau des badlantics ein Nachteil entsteht.

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2 Kommentare

  1. Sabine Heinrich on

    Was mich interessiert: Wird es denn zumindest einen abgeteilten Sprungbereich geben? Ich finde es schon sehr schade, dass ich im Badlantic nur noch sehr selten die Möglichkeit habe, vom 1-Meter-Brett zu springen – vom 3-Meter-Brett erst recht nicht. Beide sind so gut wie immer gesperrt. Im vor Jahren „zusammengeschrumpften“ Freibad gibt es diese Möglichkeit des Springens gar nicht.
    Ich stimme Ihnen zu, Britta – hier wird offensichtlich wieder zu kurz gedacht – und an die Kinder und Jugendlichen schon gar nicht, die mehr möchten, als nur ihre Bahnen zu ziehen.
    Wenn dann noch überhöhte Eintrittspreise (auch für Vereine) verlangt werden, dürfte es für das neue Badlantic auch bald wieder finanziell klamm werden.

  2. Mal wieder ein Beispiel dafür, dass nicht an die Attraktivität Ahrensburg für Kinder und Jugendliche gedacht wird. Ich bin in Ahrensburg aufgewachsen und vor 25 jahren war Ahrensburg über seine Stadtgrenzen hinaus bekannt für sein Schloss -und das Badlantic! Nun hat Ahrensburg schon den Vorteil, dass viele junge Familien, die sich Haus und Garten aufgrund der Immobilienpreisentwicklung in Hamburg nicht mehr leisten können, auf Umland ausweichen. Und zusätzlich wird ein Neubaugebiet in unmittelbarer Nähe, adressiert an junge Familien, gebaut. Aber das unmittelbare Freizeitbad wird reines Funktionsbad? Wie schon bei der schlechten Planung der Kita-Plätze wird auch hier wieder zu kurz gedacht und nur an die Kosten gedacht. Dass ein schönes Freizeitbad insgesamt die Attraktivität der Stadt auch in Zukunft konstant hoch halten kann wird ignoriert. Werden wir dann also alle nach Volksdorf ausweichen, damit der Spaß beim Sport nicht zu kurz kommt..

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