Kinder aus Tschernobyl zu Gast: Mit Pryvit das Schloss Ahrensburg erleben

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Ahrensburg (ve). 20 Kinder schauen staunend auf Bilder und Wandschmuck: Sie kommen aus der Ukraine und dürfen das Schloss Ahrensburg kennen lernen.

Kinder aus Tschernobyl zu Gast in Großhansdorf und Ahrensburg, organisiert wird die Reise vom Verein Pryvit. Die Reisegruppe hat an einem ihrer ersten Tage das Schloss Ahrensburg besucht. Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Kinder aus Tschernobyl zu Gast in Großhansdorf und Ahrensburg, organisiert wird die Reise vom Verein Pryvit. Die Reisegruppe hat an einem ihrer ersten Tage das Schloss Ahrensburg besucht.
Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Seit 1987 sind jedes Jahr Kinder aus der Region Tschernobyl zu Gast in Großhansdorf. Seit einigen Jahren obliegt die Organisation dieser Reise dem Verein Pryvit mit seinem Vorsitzenden Wulf Garde. Und er hat am Freitag die 20 Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine begrüßt, denen der Verein in diesem Jahr einen besonderen Ferienaufenthalt in Großhansdorf und Ahrensburg bereiten möchte.

Pryvit – Kinder aus Tschernobyl erleben besondere Ferien

Gleich eine der ersten Programmpunkte ihrer Reise war der Besuch im Schloss Ahrensburg. Begleitet von Carsten Mahns von der Freiwilligen Feuerwehr Ahrensburg erlebten sie die Ausstellung des Museums und staunten über die Exponate. „Mir sind als erstes die Kronleuchter aufgefallen, die sind toll“, freut sich der kleine Artem. Seine Freundin Vika ist ebenso angetan: „Ich finde es spannend zu sehen, wie man die Kerzen mit einem Gerät an- und ausmachen kann. Und die Bilder“, ergänzt das Mädchen, „sind auch besonders schön.“

Kinder aus Tschernobyl zu Gast in Großhansdorf und Ahrensburg, organisiert wird die Reise vom Verein Pryvit. Artem und Vika (von links) aus der Region Tschernobyl in der Ukraine. Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Kinder aus Tschernobyl zu Gast in Großhansdorf und Ahrensburg, organisiert wird die Reise vom Verein Pryvit. Artem und Vika (von links) aus der Region Tschernobyl in der Ukraine.
Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Betreut werden die 20 Kinder und Jugendlichen von Ivan und der Dolmetscherin Daria. Ivan ist vor 16 Jahren aus Russland nach Deutschland gekommen und studiert inzwischen in Hamburg. Daneben engagiert er sich intensiv bei dem Verein Pryvit – das Wort heißt übrigens „hallo“ auf ukrainisch.

„Wir haben uns in den vergangenen Jahren dazu entschieden, auch Jugendliche mit auf diese Reise zu nehmen, und nicht nur Kinder“, erläutert Ivan. Ursprünglich sollten Kinder aus der Region Tschernobyl in Deutschland entspannte Ferien erleben können. Die Kinder und ihre Familien leiden noch immer unter den Folgen der Atomkatastrophe in dem dortigen Kernkraftwerk im Jahr 1986. Die Menschen dort müssen mit erhöhten Werten radioaktiver Gifte leben.

Eine Reise für Kinder und Jugendliche mit Freizeit und ärztlicher Versorgung

„Aber die Jugendlichen haben später auch kaum eine Chance, auf diese Reise mitzukommen, deswegen sollen sie ihre Chance jetzt bekommen“, so Ivan. Der Verein habe im Nachgang des Ferienaufenthaltes auch Entwicklungen bei den Kindern beobachten können: „Einige gewinnen einen neuen Blick auf die Welt und eine neue Perspektive“, so Ivan, „wenn sie sehen, dass es noch etwas anderes gibt, als nur die Region Tschernobyl.“

Kinder aus Tschernobyl zu Gast in Großhansdorf und Ahrensburg, organisiert wird die Reise vom Verein Pryvit. Ivan, er kommt ursprünglich aus Russland (links), engagiert sich im Verein und begleitet zusammen mit der Dolmetscherin Daria aus Kiew (rechts) die Kinder bei ihrem Reiseprogramm in Ahrensburg, Großhansdorf und Hamburg. Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Kinder aus Tschernobyl zu Gast in Großhansdorf und Ahrensburg, organisiert wird die Reise vom Verein Pryvit. Ivan, er kommt ursprünglich aus Russland (links), engagiert sich im Verein und begleitet zusammen mit der Dolmetscherin Daria aus Kiew (rechts) die Kinder bei ihrem Reiseprogramm in Ahrensburg, Großhansdorf und Hamburg.
Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

So verstärken manche Kinder ihr Engagement in der Schule und nehmen eine Berufsausbildung auf. „Wir zeigen den Kindern zum Beispiel spielerisch, welche Berufe es alles gibt“, erzählt Ivan, „so sollen sie bei ihren Aufenthalt auch ein bisschen mehr von der Welt kennen lernen.“

Allerdings – die Freizeit bleibt die große Attraktion dieser Reise. In diesem Jahr stehen wieder ein Besuch des Miniaturwunderlandes an – mit Besuch der Plaza der Elbphilharmonie. Sie sind bei der Feuerwehr Ahrensburg und der Feuerwehr Großhansdorf zu Gast und dürfen durch das Norderstedter Arriba und den Kletterwalt Lütjensee toben. Sie werden in Hamburg Farmsen Eislaufen und im Erlebnispark Grabau die Natur kennen lernen. Schließlich geht es auch in den Serengeti-Park und nach Dahme an die Ostsee. Und auch Bürgermeister Janhinnerk Voß wird die Gruppe wieder im Großhansdorfer Rathaus begrüßen.

Ukrainisches Dankfest in Großhansdorf am 19. August 2017

Dazu kommen zahlreiche Arztbesuche, zu denen Ärzte der Region die Kinder einladen. So können sie sich in einer Ahrensburger Kinder-Zahnarztpraxis behandeln lassen und sie werden in der Parkklinik Manhagen von Kinder- und von Augenärzten untersucht. Für all‘ das werden sie sich mit einem ukrainischen Dankfest bedanken, zu dem der Verein und die Kinder zum Sonnabend, 19. August 2017, ab 15 Uhr in das Schullandheim Erlenried, Radeland 42 in Großhansdorf, einladen. Gäste sind willkommen.

Daria begleitet die Kinder bei allem – und ist doch selber genauso gespannt. Die junge Frau aus der Nähe von Kiew studiert derzeit Deutsch an der Universität in Kiew und möchte gerne Übersetzerin werden. Sie hatte sich als Dolmetscherin für diese Reise beworben, nachdem Kommilitoninnen ihr von dem Projekt und dem Verein aus Deutschland erzählt hatten. „Ich finde es sehr toll, dass ich auf diese Weise Deutschland kennen lernen kann“, freut sie sich. Ein Ziel bleibt ihr noch: „Ich möchte gerne nach Nürnberg fahren und das Albrecht-Dürer-Haus sehen. Ich habe schon viel über Dürer gelesen, daher interessiert es mich sehr.“

28 Stunden Busfahrt von der Ukraine nach Deutschland

„Auch das ist etwas, zu dem wir uns bewusst entschieden haben“, ergänzt Ivan, „wir wollen gerne jedes Jahr einer neuen Studentin oder einem neuen Studenten als Dolmetscher die Fahrt ermöglichen. Auf diese Weise können mehrere Studenten von der Arbeit unseres Vereins profitieren.“

Artem und Vika profitieren auf ihre Weise, der kleine Artem zum Beispiel war schon von der Anreise im Bus begeistert – und die dauerte immerhin 28 Stunden. Vika ist beeindruckt von den Häusern in Deutschland und auch davon, dass alles so sauber ist. „Und wir wünschen uns“, so Ivan, „dass diese Reise vielleicht etwas dazu beiträgt, dass die Kinder eine Prespektive für sich sehen.“

Kinder aus Tschernobyl zu Gast in Großhansdorf und Ahrensburg, organisiert wird die Reise vom Verein Pryvit. Die Reisegruppe hat an einem ihrer ersten Tage das Schloss Ahrensburg besucht. Foto:©Mahns/Feuerwehr Ahrensburg

Kinder aus Tschernobyl zu Gast in Großhansdorf und Ahrensburg, organisiert wird die Reise vom Verein Pryvit. Die Reisegruppe hat an einem ihrer ersten Tage das Schloss Ahrensburg besucht.
Foto:©Mahns/Feuerwehr Ahrensburg

Kinder aus Tschernobyl zu Gast in Großhansdorf und Ahrensburg, organisiert wird die Reise vom Verein Pryvit. Die Reisegruppe hat an einem ihrer ersten Tage auf Einladung der Freiwilligen Feuerwehr Ahrensburg die Innenstadt erkundet. Foto:©Mahns/Feuerwehr Ahrensburg

Kinder aus Tschernobyl zu Gast in Großhansdorf und Ahrensburg, organisiert wird die Reise vom Verein Pryvit. Die Reisegruppe hat an einem ihrer ersten Tage auf Einladung der Freiwilligen Feuerwehr Ahrensburg die Innenstadt erkundet.
Foto:©Mahns/Feuerwehr Ahrensburg

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