Atelierbesuch Landrat Görtz bei Thomas Klockmann: Fasziniert vom Siebdruck

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Ahrensburg (ve). Die große Zeit des Siebdrucks ist vorbei – aber nicht für Thomas Klockmann. Er findet für die Drucktechnik eine moderne Sprache.

Atelierbesuch: Landrat Dr. Henning Görtz (rechts) bei Thomas Klockmann (links) in seiner Werkstatt für Siebdruck im Dorf Allmende. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Atelierbesuch: Landrat Dr. Henning Görtz (rechts) bei Thomas Klockmann (links) in seiner Werkstatt für Siebdruck im Dorf Allmende.
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Stormarns Landrat Dr. Henning Görtz folgt der Tradition und macht Atelierbesuche. Jetzt ließ er sich von der Faszination über den Siebdruck anstecken. Der Künstler Thomas Klockmann hat sich dieser Technik verschrieben und widmet ihr seit 1999 seine künstlerische Existenz.

Der Siebdruck von Thomas Klockmann: Auf den Spuren von Warhol und Rauschenberg

„Der Siebdruck ist die letzte Drucktechnik, die vor der Revolution durch die digitalen Medien entstanden ist“, erläutert Klockmann gleich zu Beginn des Besuches von Landrat Görtz und Vertretern der Presse. „Er war in den 60er Jahren als Technik sehr weit verbreitet und erreichte Bedeutung bis in die große Kunst von Andy Warhol oder Robert Rauschenberg.“

Und auch wenn Klockmann technisch diese vordigitale Zeit im Blick hat, so ist er doch nicht von gestern: „Ich kombiniere die Technik mit dem Computer und erstelle meine Grafiken digital. Das gibt mir ein unglaubliches Repertoire an Bildern und Möglichkeiten. Dann drucke ich diese Bilder im Siebdruck-Verfahren. Die Farben und die Haptik, die dann durch den Siebdruck entstehen – das kann kein Computer-Drucker dieser Welt.“

Die Geschichte einer Druckmaschine

Klockmann und seine Besucher stehen in einem nicht sehr großen Atelier mitten auf Allmende im Gewerbetrakt des Dorfprojektes. Der Raum mit einer kleinen Galerie wird unaufdringlich beherrscht von einem etwa ein mal 1,20 Meter großen Tisch, durchsetzt mit kleinen, im Raster angeordneten Löchern und mit einem Gestänge am Rand. Darunter ein alt gedienter, handelsüblicher Stausauger. Und tatsächlich: Das ist die Druckmaschine.

Atelierbesuch: Landrat Dr. Henning Görtz bei Thomas Klockmann in seiner Werkstatt für Siebdruck im Dorf Allmende. Auf diesem Tisch entstehen die Drucke. Die Farbe wird mit einem Schieber durch das Sieb gedrückt. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Atelierbesuch: Landrat Dr. Henning Görtz bei Thomas Klockmann in seiner Werkstatt für Siebdruck im Dorf Allmende. Auf diesem Tisch entstehen die Drucke. Die Farbe wird mit einem Schieber durch das Sieb gedrückt.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

„Ich habe sie vor 15 Jahren einem Gymnasium in Harburg abgekauft“, erläutert Klockmann. „In den 60er Jahren war die Drucktechnik so wichtig, dass diese Anlage aus Drucktisch und Waschtisch im Gymnasium für den Kunstunterricht angeschafft worden war. Später fand sie dann keine Verwendung mehr.“ Seit knapp 15 Jahren aber, seitdem Klockmann sein Atelier auf Allmende hat, gibt sie ihm die große Freiheit für seine Kunst.

Beim Siebdruck wird eine lichtempfindliche Folie belichtet, so dass überall dort, wo Farbe durchdringen soll, Löcher entstehen. Es ergibt sich ein Raster aus Löchern, dass bei großen Vergrößerungen deutlich sichtbar ist. Dieses Sieb wird auf den löchrigen Tisch gelegt. Mittels des Staubsaugers wird ein Unterdruck erzeugt, der Sieb und Papier an die Tischplatte fest andrückt. Dann kann der Drucker – also Thomas Klockmann – die jeweilige Farbe durch das Sieb auf das Papier drucken. Für jede Farbe wird damit eine eigene Folie und ein eigener Druckvorgang erforderlich.

Drucke von Klockmann: Mit der Technik viel Inhalt erzeugen

Doch das ist nur die Technik. Eigentlich geht es dem gebürtigen Lübecker, der heute um die Ecke von Allmende auf der Hamburger Seite der Stadtgrenze wohnt, um die Inhalte und Aussagen seiner Bilder. „Ich beobachte viel, stöbere nach Bildern und Aussagen“, erläutert er. Seine Werke schließlich entstehen aus der Kombination gefundener Versatzstücke als eine Art Collagen. Die Versatzstücke können – ganz in der Tradition des künstlerischen Siebdruckes – Bilder einer Illustrierten sein, grafische Elemente oder sonst irgendetwas vom Wegesrand.

Atelierbesuch: Landrat Dr. Henning Görtz bei Thomas Klockmann in seiner Werkstatt für Siebdruck im Dorf Allmende. Fertige Drucke des Künstlers in verschiedenen Formaten. Vorne in Schwarz-weiß Drucke auf Glas. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Atelierbesuch: Landrat Dr. Henning Görtz bei Thomas Klockmann in seiner Werkstatt für Siebdruck im Dorf Allmende. Fertige Drucke des Künstlers in verschiedenen Formaten. Vorne in Schwarz-weiß Drucke auf Glas.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

An diesem Punkt etwa kommt der Alt-68er und Geisteswissenschaftler Klockmann ins Spiel. Den 1954 geborenen Ethnologen, Religionswissenschaftler und Psychologe, früher hat er in der Völkerkunde-Sammlung Lübecks gearbeitet, bewegen Fragen nach der Utopie, nach der Rolle und Aufgabe der Kunst, danach, was der Mensch und der Künstler kann und soll.

So zeigt einer seiner Drucke seine Silhouette in Rückenansicht mit Blick auf eine stürmische Landschaft zwischen zwei schönen Damen, „Go with the wind“ steht darunter, in Anlehung an den Romantitel „Gone with the wind“. „Die Kunst geht nach dem Brot“, könnte man mit Gotthold Ephraim Lessing ergänzen. Der Künstler, der sich den Anforderungen des Marktes stellen, liefern muss – und seien es belanglose Bilder schöner Damen. Und doch auch seiner Vorstellung treu bleiben möchte.

Seine Themen: Die Utopie, die Realität und der Humor

Ein anderes Bild, ein Kleinformat, zeigt die Silhouette eines Luftballons und grafische Elemente. „Der Luftballon lag auf einer Wiese, Blätter warfen Schatten darauf“, erzählt Klockmann. In dem Bild steckt für den Künstler ein Stück buddhistische Lebensfrage und die Überlegung, ob es diese Welt überhaupt gibt. Auf diese Weise unterlegt Klockmann seine Bilder mit den großen und kleinen philosophischen Betrachtungen, liebt die Konfrontation des Einfachen mit dem Komplexen – und füllt das Ganze gerne mal mit reichlich Humor.

Der Künstler Thomas Klockmann in seinem Atelier im Dorf Allmende. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Der Künstler Thomas Klockmann in seinem Atelier im Dorf Allmende.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Klockmann kann, so betont er immer wieder, seinen Vorstellungen treu bleiben in seinen Stunden in dem kleinen Atelier. Seminar zu Siebdruck und Auftragsarbeiten für Grafiken ergänzen seine künstlerische Tätigkeit. Seine Drucke wiederum verkauft er hauptsächlich über Ausstellungen.

Etwa eine Stunde lang blieb Dr. Görtz, war fasziniert von der Arbeit des Hamburgers: „Ich kann Ihre Faszination und Leidenschaft für Ihre Kunst spüren“, so Görtz, „das beeindruckt mich sehr. Und auch, dass in dieser Kunst Handwerk und Philosophie eine so große Rolle spielen.“ Und nicht zuletzt für Klockmann die Kommunikation: „Jeder kann meine Bilder selber für sich entdecken“, sagt er über die vielen Ebenen seiner Drucke, „aber ich teile mich auch gerne mit und spreche über meine Werke und die Ideen dahinter.“

Im Internet sind die Arbeiten von Thomas Klockmann unter www.kukii.de zu finden, sein Atelier ist im Bornkampsweg 38B in Ahrensburg.

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