Grünen-Vorsitzende Peter in Ahrensburg: Ein offenes Ohr für die Belange der Geflüchteten

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Ahrensburg (ve). Über zwei Stunden hat sich Simone Peter, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, kürzlich in Ahrensburg für den Verein Freundeskreis für Flüchtlinge Zeit genommen. Und brauchte während dieser Zeit ein offenes Ohr.

Simone Peter, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen (rechts), zu Besuch beim Freundeskreis für Flüchtlinge im Ruki, der Geschäftsstelle des Freundeskreises in der Flüchtlingsunterkunft Rudolf-Kinau-Straße, im Bild: Britta Ritterhoff vom Freundeskreis und Ragnar Rohweder (Bündnis 90/Die Grünen). Foto:ahrensburg24.deSimone Peter, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, zu Besuch beim Freundeskreis für Flüchtlinge im Ruki, der Geschäftsstelle des Freundeskreises in der Flüchtlingsunterkunft Rudolf-Kinau-Straße. Foto:ahrensburg24.de

Simone Peter, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen (rechts), zu Besuch beim Freundeskreis für Flüchtlinge im Ruki, der Geschäftsstelle des Freundeskreises in der Flüchtlingsunterkunft Rudolf-Kinau-Straße, im Bild: Britta Ritterhoff vom Freundeskreis und Ragnar Rohweder (Bündnis 90/Die Grünen).
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Ihr gegenüber saßen Vorstand und Mitglieder des Vereins, Aktive, Paten, Geflüchtete sowie Vertreterinnen und Vertreter des Netzwerkes Migration und Integration in Ahrensburg zusammen mit Mitgliedern des Vorstandes und der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen in Ahrensburg und Stormarn. Und sie alle hatten etwas zu sagen zum Thema Situation der Flüchtlinge in Ahrensburg.

Um es vorweg zu nehmen: Die Situation der Flüchtlinge sei gerade in Ahrensburg vielfach gut, hieß es. Allerdings: Nun seien sie im deutschen (Behörden-)Alltag angekommen und der bereitet so manche Probleme. Das größte: Aufenthaltserlaubnis, Asylverfahren, Anhörung, Wohnraum, Sprachkenntnisse, Arbeit.

Problematisch für Geflüchtete: Asylverfahren, Wohnraumsuche, Spracherwerb

„Ich kenne den Fall zweier Männer, die sich auf der Flucht kennen gelernt haben und gemeinsam von Wien aus nach Ahrensburg gekommen sind“, berichtet etwa Britta Ritterhoff vom Freundeskreis für Flüchtlinge. „Der eine hatte nach wenigen Wochen den Status der Duldung, der andere wartete anderthalb Jahre auf seine Anhörung.“ Das sei sehr belastend für die Menschen, denn Unterschiede dieser Art beobachteten sie immer wieder. Und sie seien nicht zu erklären.

Simone Peter, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, zu Besuch beim Freundeskreis für Flüchtlinge im Ruki, der Geschäftsstelle des Freundeskreises in der Flüchtlingsunterkunft Rudolf-Kinau-Straße. Foto:ahrensburg24.de

Simone Peter, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, zu Besuch beim Freundeskreis für Flüchtlinge im Ruki, der Geschäftsstelle des Freundeskreises in der Flüchtlingsunterkunft Rudolf-Kinau-Straße.
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Izabella, die mit ihrer Familie geflüchtet ist und mit Ehemann und Kindern in Ahrensburg lebt, berichtet: „Ohne den Status der Anerkennung sind wir ohne Unterstützung. Ich bin dem Freundeskreis daher sehr dankbar, dass sie uns helfen.“ Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) habe Papiere der Familie nicht anerkannt, die Anhörung sei mit einem Dolmetscher, mit dem die Verständigung nicht ganz funktionierte, schwierig gewesen. Die Anerkennung als Flüchtlinge sei abgelehnt worden. Die Juristin hat nun dagegen geklagt und die Familie wartet auf den Ausgang des Verfahrens. Auch der Zugang zu Deutschkursen und ähnlichem und damit der Weg zu einer Integration sei damit verwehrt.

Simone Peter sprach sich für faire und umfassende Verfahren aus und eine Stärkung des Bundesamtes aus: „Es war 2015 ein relevantes Politikversagen, dass sich Deutschland nicht auf eine größere Zahl von Flüchtlingen vorbereitet hat“, so Peter.

Der Wunsch: Unterstützung bei Arbeitssuche und Sprachkursen

Instituionell sei auch das Problem der Arbeitsfindung, ergänzt Ritterhoff. Selbst wenn ein Geflüchteter und ein Arbeitgeber sich über eine Einstellung einig werden würden, schildert sie, sei das behördliche Verfahren so kompliziert und langwierig, das Arbeitgeber es nicht immer abwarten könnten. Ritterhoff: „Die können nicht immer monatelang darauf warten, dass sie jemanden einstellen können.“ Das führe zu Frust auch bei den Arbeitgebern, die Geflüchteten eigentlich Arbeitsplätze bieten könnten und wollten.

Um arbeiten zu können, müsse die deutsche Sprache beherrscht werden, weiß Ahmad. Er hat heute Deutschkenntnisse auf dem Niveau C1 des Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Sprachen, möchte beim Freundeskreis für Flüchtlinge selber Arabisch-Kurse anbieten. Doch in puncto Sprachenerwerb stießen Geflüchtete erneut an Grenzen, so Ahmed: „Das JobCenter vermittelt nur Sprachkurse bis zum Niveau B2. Für viele Arbeiten braucht es aber mehr Sprachkenntnisse.“ Wie sollten die erlernt werden, fragt Ahmed, wenn die Geflüchteten mit dem Mindestmaß an Deutschkenntnissen bereits in Arbeit vermittelt werden sollen. „Das Erlernen der Sprache muss noch mehr gefördert werden“, hat er beobachtet.

Mehr noch ergänzt Andreas Lang vom Freundeskreis für Flüchtlinge: „Die Geflüchteten haben es mit vielen behördlichen Vorgängen und Formularen zu tun. Viele davon verstehen nicht einmal wir Deutschen. Wie sollen sie diese Formulare und Anweisungen verstehen und umsetzen können?“

Simone Peter, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen (rechts), zu Besuch beim Freundeskreis für Flüchtlinge im Ruki, der Geschäftsstelle des Freundeskreises in der Flüchtlingsunterkunft Rudolf-Kinau-Straße. Links im Bild Dorothea Schmidt vom Netzwerk Migration und Integration. Foto:ahrensburg24.de

Simone Peter, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen (rechts), zu Besuch beim Freundeskreis für Flüchtlinge im Ruki, der Geschäftsstelle des Freundeskreises in der Flüchtlingsunterkunft Rudolf-Kinau-Straße. Links im Bild Dorothea Schmidt vom Netzwerk Migration und Integration.
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Nicht nur für Geflüchtete bestünde zudem das Problem der Wohnungsnot, berichteten sowohl Kardo Lateef, Bufdi im Bruno-Bröker-Haus, als auch der Kommunalpolitiker Christian Schubbert-von Hobe. Es gebe in Ahrensburg zu wenig Wohnraum zu günstigen Preisen und auch zu wenig Wohnraum für große Familien.

Politisch und gesellschaftliches Umdenken fordert das Netzwerk Migration

Den Blick weitete schließlich Dorothea Schmidt vom Netzwerk für Migration und Integration in Ahrensburg. Sie führte an, dass ein Einwanderungsgesetz für Deutschland wichtig sei. Und führte ein Beispiel aus dem Alltag Nicht-Deutscher an: „Geflüchteten ist es unter bestimmten Bedingungen möglich, ihre Familie nach Deutschland zu holen. Nicht-Deutschen ist es teilweise nicht einmal möglich, ein Visum nur für den Besuch ihrer Verwandten zu bekommen.“ Diese unterschiedliche Behandlung der gleichen Bedürfnisse seien den Menschen nicht zu vermitteln.

Schmidt beobachtete zudem das Problem der Segregation: „Es ist schwierig, wenn Eltern sich zum Beispiel die Schule für ihre Kinder anhand des Anteils von Ausländern aussuchen. Ich halte es für wichtig, dass interkulturelle Kompetenz auch institutionell, zum Beispiel an den Schulen, vermittelt wird.“

Reichlich Input für Simone Peter. Sie bestätigte die vielen Beobachtungen ihrer Gesprächspartner. Ein Einwanderungsgesetz zum Beispiel stünde auf der Agenda ihrer Partei, das BAMF müsse gestärkt und seine Mitarbeiter qualifiziert werden, Formulare und Formalitäten vereinfacht werden. Deutschland brauche mehr bezahlbaren Wohnraum, auch für die Geflüchteten, „das ist ein politischer Brennpunkt“, so Peter. Und die Grünen befürworteten die Familienzusammenführung, „die Trennung ist unfassbar und ein massives Integrationshemmnis“, so Peter.

Und dann machte sie doch noch ein bisschen Wahlkampf und warb für ihre Partei, die vieles daran setze, die ihr in diesem Kreis geschilderten Probleme zu lösen.

Simone Peter, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, zu Besuch beim Freundeskreis für Flüchtlinge im Ruki, der Geschäftsstelle des Freundeskreises in der Flüchtlingsunterkunft Rudolf-Kinau-Straße. Foto:ahrensburg24.de

Simone Peter, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, zu Besuch beim Freundeskreis für Flüchtlinge im Ruki, der Geschäftsstelle des Freundeskreises in der Flüchtlingsunterkunft Rudolf-Kinau-Straße.
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