Bundestagswahl an der Beruflichen Schule: Sie wollen ‚Schule ohne Rassismus‘ sein

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Ahrensburg (ve). Sie haben Forderungen, Wünsche und Ideen. Für einen besseren Schulalltag an der Beruflichen Schule Ahrensburg. Und deswegen machen sie Wahlkampf.

"Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage": Die Berufliche Schule Ahrensburg veranstaltet im Rahmen dieser Aktion eine schulinterne Bundestagswahl. Die Parteien mit ihren Spitzenkandidaten sowie Politiklehrer Stefan Wodarz, Schulleiter Joachim Steußloff und Landrat Dr. Henning Görtz. Foto:ahrensburg24.de

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“: Die Berufliche Schule Ahrensburg veranstaltet im Rahmen dieser Aktion eine schulinterne Bundestagswahl. Die Parteien mit ihren Spitzenkandidaten sowie Politiklehrer Stefan Wodarz, Schulleiter Joachim Steußloff und Landrat Dr. Henning Görtz.
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Es ist Bundestagswahl 2017 – doch was ist das eigentlich? Stefan Wodarz, an der Beruflichen Schule unter anderem Lehrer für Politik, wollte, dass seine Schülerinnen und Schüler das so richtig am eigenen Leib erfahren. Und hat den Wahlkampf zum Unterrichtsthema gemacht.

Bundestagswahl: An der Schule mit ganz neuen Parteien

Und zwar mit allem drum und dran: Gründung einer Partei, Erarbeiten eines Parteiprogrammes, Benennen der aktiven Parteimitglieder inklusive der Spitzenkandidaten. Ein halbes Jahr lang haben die Schülerinnen und Schüler daran gearbeitet und heute in der Aula vor vollem Saal ihre Parteien vorgestellt. Mit dabei: Schulleiter Joachim Steußloff und Landrat Dr. Henning Görtz, der ja als Vertreter des Kreises auch Schulträger ist. Noch eine weitere Rolle hat Görtz für die Schule übernommen, doch dazu kommen wir später.

Der Wahlkampf sollte realistisch sein und so sollte das Wahlprogramm nicht Deutschland oder die große weite Welt zum Thema machen, sondern das Leben in der Schule. „Freies WLAN“, „Freie Parkplätze für Schüler“, „Besseres Essen in Mensa und Cafeteria“, „Gemütliche Couchecken für Pausen, Klönen und Hausaufgaben“ sind die Inhalte, die Parteien wie „Die Pinke Partei“ (DPP), „Die Elite“, die „Deutsche Bildungs Partei“ (DBP), die Partei „Political Generation Z“, die SPA, P.A.P.A. und die SSP auf dem Zettel haben. Aber auch: Organisieren der Nachhilfe von Schüler zu Schüler oder Ideen zur Integration der nicht-deutschen Schüler aus den Klassen für Deutsch als Zweitsprache.

"Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage": Die Berufliche Schule Ahrensburg veranstaltet im Rahmen dieser Aktion eine schulinterne Bundestagswahl. Die Spitzenkandidaten aller Parteien traten an das Podium und erläuterten ihre Parteiprogramme. Foto:ahrensburg24.de

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“: Die Berufliche Schule Ahrensburg veranstaltet im Rahmen dieser Aktion eine schulinterne Bundestagswahl. Die Spitzenkandidaten aller Parteien traten an das Podium und erläuterten ihre Parteiprogramme.
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Mal mit plakativen Sätzen wie „Wenn Ihr uns wählt, werden wir mit Leidenschaft kämpfen“ wie bei der DBP, mal mit ersten Ideen zur Finanzierung wie bei der Partei „P.A.P.A.“ und mal mit einem einem fertigen Konzept für die  Umsetzung der Ideen wie bei der SSP warben die Parteien und ihre Spitzenkandidaten um die Stimmen ihrer Mitschüler. Und wurden alle zunächst schon mal mit reichlich Applaus belohnt.

Wahlkampf für 2.400 Schülerinnen und Schüler der Beruflichen Schule Ahrensburg

Inhaltlich stehen die 2.400 Schülerinnen und Schüler der Beruflichen Schule vor einer kleinen Herausforderung, denn die meisten Punkte der Parteiprogramme ähneln sich. Aber – das ist wie im richtigen Leben, denn auch in der großen Politik sind die Themen immer die gleichen. Doch die Umsetzung ist unterschiedlich: Mal wird schlicht gefordert, mal wird das Miteinander in den Vordergrund gestellt, mal wird an die Verantwortung der Schüler selber appelliert, mal wird die Forderung mit einem Konzept unterfüttert. Besonders außerdem: Es ist quasi ein multimedialer Wahlkampf mit Imagefilmen, Plakaten, Infoständen und Infozetteln. Richtig viel Arbeit also für die Parteien.

"Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage": Die Berufliche Schule Ahrensburg veranstaltet im Rahmen dieser Aktion eine schulinterne Bundestagswahl. An Infoständen informieren die Parteien über ihre Programme. Foto:ahrensburg24.de

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“: Die Berufliche Schule Ahrensburg veranstaltet im Rahmen dieser Aktion eine schulinterne Bundestagswahl. An Infoständen informieren die Parteien über ihre Programme.
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„Es ist sehr beeindruckend“, ist Joachim Steußloff nach der Vorstellung – bei der er sich die Ideen der Schüler auch aufgeschrieben hat – ein bisschen stolz auf seine Schüler, „was hier vorgetragen worden ist und was die Schüler alles auf die Beine gestellt haben.“ Landrat Görtz hat ebenfalls genau zugehört: „Jede Partei hat ihren eigenen Weg gefunden, Schwerpunkte zu setzen und Inhalte zu transportieren. Das hat mich beeindruckt.“ Vor allem eines legt Görtz allen Schülern in der Aula dann ans Herz: „Wer nicht wählen geht, stärkt die radikalen Parteien. Und mit denen geht es dem Land in jedem Fall schlechter.“ Vielleicht Inspiration für einige, auch an der Bundestagswahl am 24. September schließlich teilzunehmen.

Aufgerufen sind alle Schülerinnen und Schüler sowie alle Lehrerinnen und Lehrer der Beruflichen Schule, inklusive explizit der ausländischen Schülerinnen und Schüler. Denn die Berufliche Schule ist auch Zentrum für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) für Schüler, die älter sind als 16 Jahren. Die nicht-deutschen Staatsbürger können an der Bundestagswahl am 24. September zwar nicht teilnehmen, wohl aber an der Bundestagswahl der Beruflichen Schule. Noch bis zum 15. September kann die Stimmenabgabe erfolgen, dann werden die Stimmen ausgezählt.

Das Logo von "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage"<br /> Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Das Logo von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“
Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ des Vereins Aktion Courage

Die Beteiligung der DaZ-Schüler hat Methode, denn mit diesem politischen Projekt möchte sich die Berufliche Schule als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ vorstellen. Bisher ist in Ahrensburg die Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule als eine solche Schule ausgezeichnet. Vor den Sommerferien veranstaltete sie im Rathaus ihr Projekt, die Ausstellung „“Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ des Julius-Leber-Forums der Friedrich-Ebert-Stiftung“ – so berichtete ahrensburg24.de: „Projekt der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule: Schule ohne Rassismus – Wie geht das?

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist ein Projekt des Vereins Aktion Courage, zu dem sich 1992 Bürgerinitiativen, Menschenrechtsgruppen, Vereine und Einzelpersonen zusammen gefunden haben. Sie wollten dem gewalttätigen Rassismus in Deutschland etwas entgegen setzen. Schulische Bildung ist dabei der große Schwerpunkt.

Um diesen Titel tragen zu dürfen, muss die Schule etwas leisten. Zum einen muss ein politisches Projekt umgesetzt werden – daher der Wahlkampt zur Bundestagswahl. Zum zweiten muss die Schule eine Paten benennen können, der das Konzept nach außen trägt. Und dazu hat sich – jetzt kommen wir zu seiner weiteren Rolle – Dr. Henning Görtz bereit erklärt. Der dritte Punkt wird noch zu erfüllen sein: 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler müssen sich mit ihrer Unterschrift dazu bekennen, dass sie Rassismus und seine Erscheinungsbilder im schulischen Alltag an der Schule verhindern werden.

Bevor er diese Unterschriften sammelt, ist Stefan Wodarz aber noch im Wahlkampf-Modus: „Heute hat alles gut geklappt, aber ich glaube, wir waren alle nervös. Und das gehört ja auch dazu.“ Bis zum 15. September möchten er und seine Kolleginnen und Kollegen noch dafür sorgen, dass möglichst viele Stimmen abgegeben werden. Und dann bleibt nur noch die Spannung, wer am Ende die meisten Stimmen bekommen wird.

"Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage": Die Berufliche Schule Ahrensburg veranstaltet im Rahmen dieser Aktion eine schulinterne Bundestagswahl. Politiklehrer Stefan Wodarz, Landrat Dr. Henning Görtz und Schulleiter Joachim Steußloff (von rechts) setzen sich für "Schule ohne Rassismus" ein. Foto:ahrensburg24.de

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“: Die Berufliche Schule Ahrensburg veranstaltet im Rahmen dieser Aktion eine schulinterne Bundestagswahl. Politiklehrer Stefan Wodarz, Landrat Dr. Henning Görtz und Schulleiter Joachim Steußloff (von rechts) setzen sich für „Schule ohne Rassismus“ ein.
Foto:ahrensburg24.de

"Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage": Die Berufliche Schule Ahrensburg veranstaltet im Rahmen dieser Aktion eine schulinterne Bundestagswahl. Foto:ahrensburg24.de

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“: Die Berufliche Schule Ahrensburg veranstaltet im Rahmen dieser Aktion eine schulinterne Bundestagswahl.
Foto:ahrensburg24.de

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