Autor Henning Scherf im Marstall fragt: Wie möchten wir sterben?

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Ahrensburg (je/pm). Was ist ein guter Tod? Wie sterben wir? Wie möchten wir sterben? – Mit diesen Fragen hat sich Henning Scherf ausgiebig beschäftigt.

Marstall: Henning Scherf referiert über sein Buch zum Thema "Sterben und Tod". Foto: Senatspressestelle Bremen, Anja Raschdorf

Marstall: Henning Scherf referiert über sein Buch zum Thema „Sterben und Tod“. Foto: Senatspressestelle Bremen, Anja Raschdorf

Im vergangenen Jahr veröffentlichte der ehemalige Bremer Bürgermeister das Buch „Das letzte Tabu – Über das Sterben reden und den Abschied leben lernen“. Unter demselben Titel hält Henning Scherf am Donnerstag, 5. Oktober 2017, um 19.30 Uhr einen Vortrag im Marstall.

Marstall: Vortrag von Henning Scherf

Henning Scherf, der als Kind wie so viele seiner Generation das Sterben im Krieg und auf der Flucht erleben musste, beschreibt in seinem Buch ganz persönliche Erfahrungen mit dem Tod – bittere wie tröstliche – und verbindet diese Erfahrungen mit der gesellschaftlichen Frage danach, wie wir heute sterben wollen.

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in einer industrialisierten Gesellschaft, in der jeder eine Rolle zu erfüllen hat. Wir sterben, angeschlossen an Schläuche auf der Intensivstation eines Krankenhauses und wenn wir Glück haben, ist jemand da, der unsere Hand hält. Immer öfter nehmen sich Menschen im hohen Alter das Leben, weil sie einsam sind, weil sie ihren wenigen und weit weg wohnenden Kindern und Enkeln nicht zur Last fallen wollen. Wir diskutieren sogar in unserem Parlament die Möglichkeit der Sterbehilfe, weil viele von uns dies wollen, weil unsere europäischen Nachbarn dies zum Teil schon praktizieren, weil wir den Tod nicht in Demut erwarten können, sondern im Griff haben wollen, weil wir Angst vor der Einsamkeit am Ende haben. Wir lassen uns anonym bestatten, weil ohnehin niemand da wäre, der unser Grab pflegt. Wir verdrängen unsere Trauer und machen so weiter wie bisher, weil unsere Funktionsgesellschaft das so von uns erwartet. Das alles sind Trends unserer Zeit.

Doch es gibt auch die Gegenbewegung. Es gibt ehrenamtliche Hospizhelferinnen, die Familien unterstützen, wenn einer ihrer Angehörigen sterben muss, damit ein Sterben zuhause möglich ist. Es gibt Hospize, die Sterbende liebevoll aufnehmen, die niemanden zuhause hätten, der ihnen beistehen könnte. Es gibt ehrenamtliche Gruppen, die Trauernden beistehen. Es gibt neue Formen der Beerdigung, die aus einem verkrusteten und Angst einflößenden Ritual einen persönlichen Abschied zu machen versuchen. Wir erleben also gerade so etwas wie eine gesellschaftliche Kursänderung, noch nicht konsistent, noch nicht in allen Bereichen, noch nicht von allen vollzogen, aber ein Anfang ist gemacht.

Henning Scherf, Dr. jur., geb. 1938, war lange Jahre Sozial-, Bildungs- und Justizsenator und von 1995
bis 2005 Bürgermeister und damit Ministerpräsident des Bundeslandes Bremen. Er ist verheiratet, hat
drei Kinder, ist neunfacher Großvater und lebt in Deutschlands berühmtester Haus- und
Wohngemeinschaft.

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Die Buchvorstellung mit Henning Scherf wird gemeinsam vom Hospiz Ahrensburg und der Kooperation Literatur Live veranstaltet. Die Eintrittskarten kosten im Vorverkauf zwölf Euro zuzüglich Gebühr und sind in der Buchhandlung Stojan unter der Telefonnummer 0 41 02 / 50 431 sowie im Internet unter www.ticketmaster.de erhältlich.

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