Innenministerium: Polizeistation Ammersbek bleibt erhalten/Polizei und Gemeinde bleiben skeptisch

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Ammersbek (ve). Das ist sozusagen kurz vor knapp: Zum Jahresende sollte die Polizeistation in Ammersbek eigentlich geschlossen werden. Doch wie Innenminister Hans-Joachim Grote heute bekannt gibt, wird dieser Prozess gestoppt.

Zahlreiche Polizeistationen in Schleswig-Holstein, die eigentlich auf der Liste der zu Schließenden stehen, sollen erhalten bleiben, teilt das Ministerium für Inneres, ländliche Räume und Integration, am heutigen 18. September 2017. In Stormarn betrifft dies insbesondere Ammersbek.

Keine Schließung von neun Polizeistationen: Beschluss der neuen Landesregierung

Die neue Koalition aus CDU, Grünen und FDP hatte in ihrem Koalitionsvertrag bereits die Bedeutung einer starken Polizeipräsenz vor Ort betont, zudem war es im Landtagswahlkampf ein Wahlkampfthema der CDU. Innenstaatssekretär Torsten Geerdts habe, so heißt es in der Mitteilung, in den vergangenen Wochen zur Schließung vorgesehene Polizeistationen in Schleswig-Holstein besucht und intensive Gespräche mit den Beamtinnen und Beamten vor Ort geführt. Mit dem Ergebnis, dass neun zur Schließung vorgesehenen Stationen nun nicht mehr geschlossen werden

Noch im Dezember des vergangenen Jahres hatte die Vorgänger-Regierung aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und SSW mitgeteilt, dass die Schließung der Ammersbeker Station zum Ende des Jahres 2017 definitiv umgesetzt werde. So berichtete ahrensburg24.de: „Planung wird umgesetzt: Zwei Stormarner Polizeistationen schließen„.

Gewerkschaft der Polizei warnt vor zu hoher Arbeitsbelastung

Eine Reaktion von Seiten der Gewerkschaft der Polizei (GdP) der Polizeidirekation Ratzeburg sieht den Erhalt gerade der Stormarner Stationen auch kritisch. Zwar begrüße die Regionalgruppe Lauenburg-Stormarn der Gewerkschaft der Polizei, genauso wie der Landesbezirk, grundsätzlich die Entscheidung zum Erhalt kleinerer Dienststellen. Ziel der neuen Struktur im Bereich der Polizeidirektion Ratzeburg sei es auch gewesen, einen Ausgleich der Arbeitsbelastung zwischen den städtischen und den kleineren Stationen zu schaffen.

Im Umkehrschluss betont die Gewerkschaft daher, dass ein Erhalt der kleinen Stationen nur mit einer Verbesserung der Personalsituationen in den großen Stationen einher gehen könne: „Das Konzept zur Umorganisation, dass zur Schließung kleinerer Dienststellen führt und auch noch die Schließung von Ammersbek, Aumühle und Nusse vorgesehen hatte, war auch aus gewerkschaftlicher Sicht schlüssig. Auf diese Weise sollte unter anderem erreicht werden, dass sich die Arbeitsbelastung der Kollegen nach gleichen Kriterien verteilt, Einsatzstreifen mit zwei Beamten besetzt sind und der Bürger verlässliche Öffnungszeiten von Polizeidienststellen garantiert werden.“

Ein Abweichen von diesem Konzept dürfe deshalb nicht zur Folge haben, dass Kolleginnen und Kollegen auf größeren Dienststellen mehr belastet werden, so die Gewerkschaft. Ebenso dürfe die Einsatzpräsenz auch in den Ballungsräumen nicht leiden. Schon jetzt sei festzustellen, dass es in der Polizeidirektion Ratzeburg keine Bezirksdienste zur Betreuung der Bevölkerung in den Städten gibt. Marco Hecht-Hinz, Vorsitzender der Regionalgruppe: „Wer also in unserer Region kleine Dienststellen erhalten will, muss hier auch zukünftig für entsprechenden Personalzuwachs sorgen.“

Ammersbeks Bürgermeister: „Bitte keine Symbolpolitik“

Ammersbeks Bürgermeister Horst Ansén findet zwar die Botschaft, dass die Schließung nicht erfolgt, an sich gut, warnt aber vor einer Symbolpolitik: „Das Konzept rund um die Schließung der Wache war schlüssig und hat auch für Ammersbek eine Versorgung der Gemeinde sichergestellt. Das Gemeindegebiet wird von den Polizeidienststellen Ahrensburg und Bargteheide aus mit versorgt und das funktioniert auch.“ Sollte die Wache nun erhalten bleiben, müsse auch sichergestellt werden, dass entsprechend Personal vor Ort ist, Ansén: „Die Reduzierung des Personals ist vor dem Hintergrund der Schließung bereits umgesetzt worden.“ Früher waren dort sechs Beamtinnen und Beamte vor Ort, heute sind es noch zwei. Von denen wird einer bald in den Ruhestand verabschiedet werden. Und eines wundert den Bürgermeister dann doch: „Wir sind als Gemeinde bisher offiziell vom Innenministerium nicht über den neuen Beschluss informiert worden.“

Die beiden Beamten in Ammersbek vor Ort werden im Innendienst eingesetzt, die Polizeistation ist wie auch in Großhansdorf heute als reine Ermittlungsstation konzipiert.

Landesweit: Diese Stationen werden nicht geschlossen

Für Innenminister Grote aber ist entscheidend: „Die Polizistinnen und Polizisten vor Ort sind für die Menschen wichtige Ansprechpartner, wichtige Vertrauenspersonen. Sie kennen ihren Ort, sie wissen, worauf es ankommt in ihren Dörfern und Städten, wissen wo es Probleme geben könnte. Diese Kompetenz ist für die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl der Menschen im Land von unschätzbarem Wert. Deshalb ist es für uns von zentraler Bedeutung, dass die Polizei auch in der Fläche Ansprechpartner für die Menschen bleibt.“

Von der Rücknahme der Schließung sind landesweit Polizeidirektionen betroffen, bei denen die Schließung noch nicht komplett vollzogen war. Dazu gehören insgesamt Grube, Lensahn, Schönwalde, Hutzfeld, Süsel, Nusse, Aumühle, Ammersbek und Rickling. In Großenbrode wird es, wie bisher, eine Sprechstunde geben. Die Stationen Elmschenhagen und Kronsburg in Kiel werden als neue Station Wellsee zusammengelegt. Die Ein-Mann-Stationen in Börnsen und Escheburg waren praktisch zeitgleich mit der Regierungsübernahme geschlossen worden, so das Ministerium. Nach Rücksprache mit den Verantwortlichen vor Ort wurde entschieden, dass es bei dieser Entscheidung bleibt.

Themenbild Polizei. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

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