Festakt zu 150 Jahre Kreis Stormarn: Gefeiert als Erfolgsmodell

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Reinbek (ve). „150 years from now“ singt Patrick Niemeier in seinem Song „Thy sky above your hometown“ im Festsaal des Schlosses Reinbek. Wie wird die Welt dann aussehen? Und wie sah sie vor 150 Jahren aus?

Festakt 150 Jahre Kreis Stormarn: Kreispräsident Hans-Werner Harmuth vor den geladenen Gästen im Festsaal des Schlosses Reinbek. Das Schloss war vor 150 Jahren Amtssitz der ersten Kreisverwaltung. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Festakt 150 Jahre Kreis Stormarn: Kreispräsident Hans-Werner Harmuth vor den geladenen Gästen im Festsaal des Schlosses Reinbek. Das Schloss war vor 150 Jahren Amtssitz der ersten Kreisverwaltung.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Vor 150 Jahren sah die Welt zumindest so aus, dass die Lenker und Leiter in Deutschland eine Gebietsreform umsetzten und die Landkreise entstehen ließen. Der Landkreis Stormarn feiert dies in 2017 mit über (!) 150 Veranstaltungen in den Städten und Gemeinden, mit einem großen (und regennassen …) Sommerfest und mit einem Empfang für geladene Gäste am gestrigen Freitag Abend. Und steht damit so manch‘ anderen Landkreisen voraus, die wenig feierten. Gemeinsam mit der Landesregierung allerdings haben die Landkreise am Nachmittag des gleichen Tages das Jubiläum in Eutin gefeiert.

Kreispräsident Hans-Werner Harmuth und Landrat Dr. Henning Görtz hatten viele Gäste zum offiziellen Geburtstag, unter ihnen Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz, die Bundestagsabgeordneten Franz Thönnes (SPD), Dr. Nina Scheer (SPD) und Norbert Brackmann (CDU), der Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) sowie Landtagsabgeordnete, Kreistagsabgeordnete, die Stadtpräsidentin Lübecks Gabriele Schopenhauer und der Landrat des Kreises Herzogtum Lauenburg, Dr. Christoph Mager, die frühere Kreispräsidenten Christa Zeuke und Hubert Priemel, zahlreiche Bürgermeister und Abgeordnete sowie Vertreter vieler kreisweiten Vereine und Verbände. Eigentlich alle, die Stormarn verbunden sind. Nicht dabei – da im Urlaub – war der frühere Landrat Klaus Plöger.

150 Jahre Stormarn: Die Vergangenheit und Zukunft der Verwaltung

Gefeiert wurde mit Redebeiträgen, einem Festbeitrag und geselligem Beisammensein. Und mit der gegenseitigen Selbstversicherung, dass die Kreise eine sinnvolle Einrichtung sind. Eine Versicherung, die nicht von ungefähr kommt, wird doch immer wieder über Kreisreformen, Gebietsreformen, Zuschnitte und Zuständigkeiten debattiert.

Großhansdorf weiß ein Lied davon zu singen, denn es ist erst 1937 dem Kreis Stormarn zugeordnet worden. Glashütte und Harksheide wiederum verließen den Kreis erst vor 37 Jahren, um Stadtteile von Norderstedt dann Teil des Kreises Segeberg zu werden. Auch Wandsbek gehörte lange dazu und war im 19. Jahrhundert sogar Sitz des Landratsamtes. Heute gehören zu Stormarn 55 Gemeinden. Wie sagt Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach am Rande der Veranstaltung: „Ich habe in Mecklenburg-Vorpommern alleine drei Gebietsreformen mitgemacht.“

Und daher – was eigentlich ist ein Landkreis? „Es ist der Mittler zwischen dem Staat und der kommunalen Bürgerschaft, ein Selbstverwaltungorgan“, beschrieb es der Verwaltungswissenschaftler und Festredner Professor Dr. Utz Schliesky. Von der Idee her also eigentlich gelebte Demokratie, die Verwaltungen sollen die Umsetzung der Gesetze und Verordnungen bürgernah machen – die Verwaltungen als direkter Ansprechpartner der Gesetzgebung. Und mit den Kreistagen zugleich ein demokratisches Selbstbestimmungsinstrument sichern.

Landkreise und 150 Jahre Geschichte

Vor 150 Jahren war das neu, die Zuständigkeit des Kreises lag bei der Polizeiverwaltung, Steuererhebung, Schulaufsicht. Heute stehen die Aufgaben der Kreisverwaltung irgendwo zwischen Kommunaler Verwaltung, Landesverwaltung und Bund. Schulaufsicht ist für einen Teil der Schulen geblieben, Soziales, Bauen, Ordnung, Kommunalaufsicht, Kultur, Jugend und Sport kamen hinzu.

Festakt 150 Jahre Kreis Stormarn: Der Verwaltungswissenschaftler und Festredner Professor Dr. Utz Schliesky. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Festakt 150 Jahre Kreis Stormarn: Der Verwaltungswissenschaftler und Festredner Professor Dr. Utz Schliesky.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Und trotzdem spricht auch Utz Schliesky von einer Neuordnung der Kreise – allerdings mit Blick mehr auf die vierte Dimension, die Digitalisierung. Vernetzung und digitale Prozesse lassen behördliche Hierachien dahinschmelzen und sie lassen sich von Gebiets- oder sogar Landesgrenzen nicht beeindrucken. Sie geben ein Tempo vor, dem die vielen behördlichen Strukturen und Arbeitsprozesse heute gar nicht gerecht werden könnten. Die Arbeit aller Behörden stehe vor einem ihrer größten Umwandlungsprozesse.

„Die Zukunft der Kreise liegt also eigentlich darin“, so Utz Schliesky, „die Digitalisierung modern umzusetzen. Die Umsetzung behördlicher Vorgänge in digitale Programme muss dabei vom Bürger aus gedacht werden und nicht von der Verwaltung aus.“ Dies konsequent in die moderne Zeit zu führen, gelänge so lange nicht, wie Behörden jeweils in ihren eigenen IT-Systemen verharrten und sich keine gemeinsames Angebot als eGovernment etabliere. Mit einer unglücklichen Außenwirkung: Das Verharren schwäche das Ansehen der Kreise, denn in der Lebenswirklichkeit ihrer Bürgerinnen und Bürger sei die digitale Welt längst Alltag.

Etwas vorsichtiger äußerte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) auf dem Festakt in Eutin. Die preußische Idee der Kreise habe sich bewährt, so der Ministerpräsident. Ablehnend äußerte er sich zu Kreisgebietsreformen. Die vielfach behaupteten Synergie-Effekte von Großkreisen würden in der Praxis in Schleswig-Holstein auch ohne Gebietsreform erreicht, etwa durch die Zusammenarbeit über Kreisgrenzen hinweg. „Wenn Kreise Optimierungsbedarf sehen, sind Sie es, die auf das Land zukommen. Dann sind wir beratender Partner„, sagte der Regierungschef.

Festakt 150 Jahre Kreis Stormarn: Gut gelaunt erinnerte Landrat Dr. Henning Görtz an die Geschichte des Kreisees. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Festakt 150 Jahre Kreis Stormarn: Gut gelaunt erinnerte Landrat Dr. Henning Görtz an die Geschichte des Kreisees.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Für Landrat Dr. Henning Görtz ist der Kreis Stormarn ein Erfolgsmodell. Die „Sandwich-Lage“ zwischen den Metropolen Hamburg und Lübeck habe der Kreise für sich außerordentlich nutzen können und vor allem eine wirschaftliche Erfolgsgeschichte daraus gemacht. Wie begrüßte noch gleich Kreispräsident Harmuth Wirtschaftsminister Buchholz zu Beginn des Abends: „Sie wissen, in Stormarn wird das Geld verdient, das Sie in Kiel ausgeben.“

Bilanz bis heute für Stormarn: Einer der wirtschaftsstärksten Regionen in der Bundesrepublik

54.000 Arbeitsplätze gibt es in Stormarn, 1.790 Unternehmen haben sich seit der Gründung der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) im Kreis angesiedelt, das wachsende Gewerbegebiet Beimoor in Ahrensburg ist eines der größten des Landes. Der Kreis Stormarn gehört mit seinen knapp 240.000 Einwohnern zu den zehn Kreisen der Bundesrepublik mit der stärksten Kaufkraft. Die Arbeitslosigkeit ist niedriger, als im Bundesdurchschnitt, der Haushalt des Kreises ist schuldenfrei.

Görtz: „Stormarn steht im Vergleich zu anderen Kreisen auch deshalb ganz weit oben, weil oftmals zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen getroffen worden sind.“ Dazu gehöre die Gründung der WAS oder die Trägerschaft der Sparkasse und die Gründung der Sparkassenkulturstiftung, dazu gehöre genauso das Ehrenamt zum Beispiel im Kreisfeuerwehrverband, im Kreisjugendring, im Kreissportverband, gemeinsam mit dem Herzogtum Lauenburg im Tourismusmanagement und vieles mehr.

„Die kommunale Familie funktioniert“, so Görtz, „wir haben einen harmonischen und konstruktiv zusammenarbeitenden Kreistag, eine hervorragend aufgestellte Verwaltung, eine gut Wirtschaftsstruzktur, leistungsstarke kommunale Unternehmen, ein gut gespanntes soziales Netz sowie ein motiviertes Ehrenamit und damit eine hohe Lebensqualität.“

Festakt 150 Jahre Kreis Stormarn: In einer Ausstellung wurde das Kinderbuch "Stormarn Bilderbuch" mit Illustrationen von Dorothea Desmarowitz vorgestellt. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Festakt 150 Jahre Kreis Stormarn: In einer Ausstellung wurde das Kinderbuch „Stormarn Bilderbuch“ mit Illustrationen von Dorothea Desmarowitz vorgestellt.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Zu Beginn des Festjahres äußerten Kreispräsident Harmuth und Landrat Görtz den Wunsch, dass die hier lebenden Menschen sich als Stormarner und Stormarnerinnen fühlen sollten. Die zahlreichen Veranstaltungen, die von eben diesen Stormarnerinnen und Stormarnern im Laufe dieses Jahres angeboten werden – nicht zuletzt zum Beispiel der Erfolg der Bildvorträge „150 Jahre Kreis Stormarn“ zu den einzelnen Städten und Gemeinden – lässt vermuten, dass so mancher diesen Wunsch erhört hat. Oder wie Görtz es selber an den Schluss seiner Rede setzt: „Es ist schön, in Stormarn zu leben.“

Geburtstagsgeschenke gab es übrigens auch noch: Eine Hymne „Een Lees för Stormarn“ von Cord Denker (Text) und Andis Paegle (Musik) – auf plattdeutsch – und ein „Stormarn Bilderbuch“, gestaltet von Dorothea Desmarowitz, das an die 8.000 Kindergartenkinder des Kreises frei verteilt wird. Es zeigt kindlich aufbereitete Szenen aus dem ganzen Kreisgebiet zum Beispiel am Gut Wulfsdorf, in der Rathausstraße in Bargteheide oder vor dem Schloss Reinbek.

Festakt 150 Jahre Kreis Stormarn: Landrat Dr. Henning Görtz und Kreispräsident Hans-Werner Harmuth. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Festakt 150 Jahre Kreis Stormarn: Landrat Dr. Henning Görtz und Kreispräsident Hans-Werner Harmuth.
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