Die Bundestagswahl 2017 in Ahrensburg: Stimmen der Parteien vor Ort

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Ahrensburg (ve). Die FDP strahlt. Nicht nur über die zehn Prozent auf Bundesebene, sondern über 14, 15 oder sogar 16 Prozent in einzelnen Wahlkreisen der Region.

Bundestagswahl 2017 in der Stadt Ahrensburg: "10+" ist Motto, Ziel und Ergebn is - auf der gemeinsamen Wahlparty von FDP Ahrensburg, Ammersbek, Großhansdorf, Hoisdorf und Siek mit Gabriela Späthe, Marion Clasen und Carsten Pieck (von links). Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Bundestagswahl 2017 in der Stadt Ahrensburg: „10+“ ist Motto, Ziel und Ergebn is – auf der gemeinsamen Wahlparty von FDP Ahrensburg, Ammersbek, Großhansdorf, Hoisdorf und Siek mit
Gabriela Späthe, Marion Clasen und Carsten Pieck (von links).
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Und doch benennt Carsten Pieck, Ortsverbandsvorsitzender Großhansdorf, Hoisdorf, Siek, ein Signal, dass er nicht gut heißen kann: „Das Wahlergebnis zeigt, dass die Menschen das Vertrauen in die etablierten Parteien immer mehr verlieren, dass ist das betrübliche Signal dieser Wahl.“ Es seien nicht nur Menschen mit radikalen Positionen, die vor allem die AfD gewählt haben, sondern auch „Menschen, die einfach frustriert sind. Das habe ich auch an den Infoständen im Wahlkampf erlebt, teilweise sogar mit Aggressionen.“

Das vorläufige Wahlergebnis zum Bundestag 2017 in Ahrensburg

Die FDP ist bundesweit neben der AfD der Wahlsieger, die Liberalen mit einem Zuwachs von etwa fünf Prozent, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen haben leicht gewonnen, die CDU ist der größte Verlierer, die SPD der zweitgrößte Verlierer. Für Ahrensburg sieht das bei den Zweitstimmen wie folgt aus, das vorläufige Ergebnis der Ahrensburger Wahlkreise, wie es die Stadt auf ihrer Internetseite veröffentlicht:
CDU: 32,2 Prozent
SPD: 21,3 Prozent
Bündnis 90/Die Grünen: 15 Prozent
FDP: 14,3 Prozent
Die Linke: 7,4 Prozent
AfD: 7,3 Prozent
NPD: 0,1 Prozent
FREIE WÄHLER: 0,5 Prozent
MLPD: 0,0 Prozent
BGE: 0,5 Prozent
ÖDP: 0,2 Prozent
Die PARTEI: 1,2 Prozent

Das vorläufige Ergebnis der Bundestagswahl 2017 für die Stadt Ahrensburg in der Zweitstimme. Quelle: Internetseite der Stadt Ahrensburg

Das vorläufige Ergebnis der Bundestagswahl 2017 für die Stadt Ahrensburg in der Zweitstimme.
Quelle: Internetseite der Stadt Ahrensburg

Bundestagswahl 2017 in der Stadt Ahrensburg: Im Wahllokal in der Fritz-Reuter-Schule beginnt das Auszählen der Stimmen. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Bundestagswahl 2017 in der Stadt Ahrensburg: Im Wahllokal in der Fritz-Reuter-Schule beginnt das Auszählen der Stimmen.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

„Man kann dieses Wahlergebnis nicht schön reden“, gesteht Maik Neubacher, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes, am Rande einer nicht eben von großer Freude beherrschten Wahlparty. Und vor allem werde es der Arbeit von Kanzlerin Angela Merkel nicht gerecht: „Sie hat viele Dinge richtig gemacht in den vergangenen zwölf Jahren.“ Das Wahlergebnis sei ein Signal an die Parteispitze, Themen ernst zu nehmen. Zum Beispiel mit Blick auf die Flüchtlingspolitik zu sehen, dass mancher im Land fürchte – um den Merkel’schen Satz abzuwandeln – wir würden es eben nicht schaffen.

Mit Blick auf das Wahlergebnis für die AfD sagt Maik Neubacher: „Etwa 13 Prozent der Wähler sind eben nicht zufrieden damit, wie und welche Themen die CDU angesprochen hat. Die CDU könnte diese Menschen – vielleicht nicht alle, aber einige – besser erreichen.“ So sieht er dann auch für die schon am Wahlabend vielfach diskutierten Idee der Jamaica-Koalition aus CDU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen keinen einfachen Weg: „Gerade auf Bundesebene gibt es viele Positionen bei den Grünen, die mit der CDU nicht machbar sind. Das ist einfach manches zu fundamentalistisch.“ Da sei im Bund die Situation anders, als auf Landesebene, so Neubacher.

Bundestagswahl 2017 in der Stadt Ahrensburg: CDU-Stadtverbandsvorsitzender Maik Neubacher (rechts) mit Vorstand und Parteimitgliedern. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Bundestagswahl 2017 in der Stadt Ahrensburg: CDU-Stadtverbandsvorsitzender Maik Neubacher (rechts) mit Vorstand und Parteimitgliedern.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Die Grünen sind erstmal zufrieden mit ihrem Wahlergebnis, heißt es auf der Wahlparty ihrer Partei. „Das ist ein gutes Ergebnis für die Grünen“, so Horst Marzi vom Ortsverein. Aber überschwengliche Freude will mit Blick vor allem auf das Ergebnis der AfD, die zwar nicht in Ahrensburg aber im Bund vor den Grünen liegt, nicht aufkommen: „Das diese Partei jetzt im Bundestag sitzt, ist nicht gut“, so ein Mitglied der Partei. Noch eines sehen die Grünen kritisch: den Blick auf die Politik ihrer Partei. Horst Marzi: „Mich macht es traurig, dass so wenig Menschen darüber nachdenken, wie die nächste und die übernächste Generation auf dieser Erde leben sollen.“

Flüchtlingspolitik – für die einen zentrales Thema, für die anderen nicht

Inhaltlich habe vor allem die Flüchtingspolitik in ihrem Wahlkampf eine Rolle gespielt. Grünen-Politikerin Cordelia Koenig, Mitglied in einigen Ausschüssen der Stadtverordnetenversammlung: „So mancher hat mir im Wahlkampf gesagt, dass sie viele Themen wie öklogische Lebensweise oder ähnliches bei den Grünen mittragen würden – aber eben nicht die Flüchtlingspolitik der Grünen.“

Bundestagswahl 2017 in der Stadt Ahrensburg: Auf der Wahlparty der SPD, rechts im Bild der Landtagsabgeordnete Tobias von Pein und der Stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Eckart Boege (von links). Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Bundestagswahl 2017 in der Stadt Ahrensburg: Auf der Wahlparty der SPD, rechts im Bild der Landtagsabgeordnete Tobias von Pein und der Stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Eckart Boege (von links).
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Das wiederum hat die Ahrensburger SPD anders erlebt, die Flüchtlingspolitik war nicht beherrschendes Thema an ihren Infoständen, so Eckart Boege, seit März Stellvertretender Vorsitzener des Ortsvereins: „Die Leute haben viele Themen angesprochen, nicht nur eines.“ Über das Abschneiden seiner Partei ist er zerknirscht, „ratlos“, wie er sagt: „Das Ergebnis ist super bitter für die SPD. Wir haben ordentliche Regierungsarbeit geleistet und viel für die Menschen erreicht, für die wir da sein wollen. Das Ergebnis spiegelt diese Leistung nicht wieder.“

Für den Ahrensburger Landtagsabgeordneten Tobias von Pein, auch Sprecher der SPD-Landtagsfraktion zum Thema Rechtsextremismus/Demokratiefeindlichkeit, ist vor allem der Blick nach rechts wichtig: „Es erschreckt mich, dass der Rechtspopulismus so eine breite Unterstützung findet und das so viele nach Vorurteilen wählen. Unsere Aufgabe ist jetzt, zu analysieren, wie das kommt.“ Die Aufgabe im Bundestag sei es, diesen Stimmen Paroli zu bieten, von Pein: „Wir müssen zeigen, das Deutschland weltoffen ist und sich nicht abschottet.“

Die Flüchtlingspolitik sei für ihn nicht der Grund des schlechten Abschneidens, die politischen Entscheidungen seien richtig gewesen: „Es gibt vielleicht Fehlentscheidungen in der Umsetzung, aber nicht im Grundsatz. Es muss für die Integration der Menschen noch vieles besser werden, es hätte vielleicht mehr Geld investiert werden müssen“, die Flüchtlingspolitik selber aber sei richtig. Von Pein: „Kritik daran muss man auch aushalten können.“

Der Weg in die Opposition ist für die Ahrensburger gar nicht mal so abwegig, Boege: „Als Kanzlerkandidat Martin Schulz das im Fernsehen angesagt hatte, gab es zum einzigen Mal an diesem Abend Applaus in unserer Runde.“

Bundestagswahl 2017 in der Stadt Ahrensburg: Auf der Wahlparty von Bündnis 90/Die Grünen. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Bundestagswahl 2017 in der Stadt Ahrensburg: Auf der Wahlparty von Bündnis 90/Die Grünen.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Das sieht die FDP etwas anders, denn, so Marion Clasen, FDP Ahrensburg, Gabriela Späthe, FDP Ammersbek, und Carsten Pieck auf ihrer gemeinsamen Wahlparty, die Liberalen wollten sich nicht unter Druck setzen lassen. Gabriele Späthe: „Wir haben im Wahlkampf gemerkt – die Menschen wählen uns, weil sie uns als authentische Partei wahrnehmen, sie schätzen die gerade Linie unserer Politik.“

Hohe Wahlbeteiligung in Ahrensburg

Einige in Ahrensburg waren auch noch gut gelaunt: die Wahlhelfer. Auf knapp 90 Prozent Wahlbeteiligung blickt zum Beispiel der Wahlbezirk in der Fritz-Reuter-Schule. Ein großer Tag, so empfinden es die Wahlhelfer. Holdi, eigentlich als Fußballfan und ATSV-Anhänger eher auf dem Sportplatz zu finden, aber auch gerne mal Wahlhelfer: „Die Menschen sind hier heute morgen in das Wahllokal gekommen und haben uns sogar dafür gedankt, dass wir das hier machen. Da macht die Arbeit doch richtig Spaß!“ Und sogar Warteschlangen habe es am Tag gegeben, berichten die Wahlhelfer. Und dann kippen sie die Wahlzettel aus der Urne auf den Tisch und machen sich daran, die Stimmen auszuzählen.

Das wiederum macht Bürgervorsteher Roland Wilde – mit dem Ergebnis seiner christdemokratischen Partei ist er nicht zufrieden – doch stolz: „Eine Wahlbeteiligung von 82,7 Prozent ist gut für die Stadt Ahrensburg. Ich habe in der Stadt vor allem auch gut gelaunte Helfer in den Wahllokalen getroffen.“

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