Einwohnerversammlung zur Bahnlinie: Elf Kilometer Lärmschutzwände sollen gebaut werden

1

Ahrensburg (ve). Das, was die Stadt Ahrensburg groß gemacht hat, steht ihr heute im Weg: der Bahnhof. Und so ringt die Stadt um einen geeigneten Schutz vor dem Lärm des Zugeverkehrs.

Einwohnerversammlung 2017 in Ahrensburg. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Einwohnerversammlung 2017 in Ahrensburg.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Im Zuge des Neubaus der S-Bahnlinie S4 wird entlang der Gleise auf dem gesamten Stadtgebiet von Ahrensburg neuer Lärmschutz erforderlich. Was sich zunächst als sehr vorteilhaft für alle anhört, hat jedoch einen Haken: Der Lärmschutz müsste erfolgen mit Lärmschutzwänden in Höhe von drei bis sechs Metern entlang des gesamten Stadtgebietes. Und das wiederum finden manche ist des Guten zu viel.

Bürgervorsteher Roland Wilde hatte nun zu einer Einwohnerversammlung eingeladen, um darüber zu sprechen, wie die Anwohner Ahrensburgs den Bau der Lärmschutzwände beurteilen. Knapp 200 Ahrensburgerinnen und Ahrensburger folgten der Einladung.

Neue Lärmschutzwände entlang der zukünftig ausgebauten Bahnstrecke auf Ahrensburger Stadtgebiet: Die Stadtverwaltung hat digitale Vorschauen gefertigt. Im Bild der Bereich in der Manhagener Allee. Grafik/Montage:Stadtverwaltung Ahrensburg

Neue Lärmschutzwände entlang der zukünftig ausgebauten Bahnstrecke auf Ahrensburger Stadtgebiet: Die Stadtverwaltung hat digitale Vorschauen gefertigt. Im Bild der Bereich in der Manhagener Allee.
Grafik/Montage:Stadtverwaltung Ahrensburg

„Es geht nicht darum“, betonte Bauamtsleiter Peter Kania, „das wir hier den Lärmschutz in Frage stellen. Dass die Bürgerinnen und Bürger vor Lärm geschützt werden müssen, ist unstrittig.“ Ein Großteil der von Seiten der Deutschen Bahn vorgeschlagenen Lärmschutzwände werde also nicht hinterfragt, Ahrensburg werde keine Maßnahmen gegenüber der Bahn ergreifen, um auf diese Planung einzuwirken. Nur ein kleiner Abschnitt in der Innenstadt auf einer Länge von etwa 400 Metern solle ohne Wände bleiben.

Lärmschutzwände: In den Außenbereichen drei Meter hoch, in der Innenstadt sechs Meter hoch

Das bedeutet, dass entlang der acht Kilometer Bahnstrecke zwischen Brauner Hirsch und der Grenze zu Delingsdorf beidseitig Lärmschutzwände aufgestellt werden. Abgestuft je nach Nähe der Wohnbebauung auf der Rückseite der Wände werden sie bei größerem Abstand eine Höhe von drei Metern haben, bei naher Bebauung sollen sechs Meter hohe Wände aufgestellt werden. Jenseits einiger kleinen Bereiche, in denen keine Wohnbebauung ist und daher auch keine Wände geplant sind, und mit Aussparung der Innenstadt ergibt sich dadurch eine Gesamtlänge der Lärmschutzwände durch das Stadtgebiet von elf Kilometern.

Auf der Einwohnerversammlung ging es nun ausschließlich um die Frage des Lärmschutzes in der Innenstadt auf besagten etwa 400 bis 450 Metern vom Regionalbahnhof aus Richtung Norden. Die Deutsche Bahn ist gesetzlich verpflichtet, den Lärmschutz zu erstellen. Kann er nicht durch Lärmschutzwände gesichert werden, müssen andere Schallschutzmaßnahmen erfolgen. Diese sind meist teurer oder aus anderen Gründen derzeit in der Planung der Deutschen Bahn nicht enthalten. Die Stadt Ahrensburg möchte durch eine Stellungnahme gegenüber der Deutschen Bahn Einfluss auf diese Planung nehmen. Diese Stellungnahme ist übrigens auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung des Bauausschusses am Mittwoch, 4. Oktober 2017, um 19 Uhr im Peter-Rantzau-Haus.

Alternativer Lärmschutz: Lärmschutzwände direkt an den Gleisen, Schienenstegdämpfer oder das büG

Der Diplom-Physiker Frank Dittmar von der ted GmbH stellte als Referent des Abends vor, was die Alternative zu Lärmschutzwänden in der Innenstadt seien. In Frage kämen niedrige Lärmschutzwände direkt an den Gleisen, Schienenstegdämpfer und das so genannte „besonders überwachte Gleis“ (büG). Letzteres wird öfter als allgemein üblich speziell abgeschliffen wird, dadurch soll der Lärm, der direkt an den Rädern der Züge entsteht, verringert werden. Auch der Einbau von Schallschutzfenstern in den umliegenden Wohunungen und Häusern gehöre dazu.

Alle Maßnahmen zusammen schaffen es allerdings nur, annähernd den gleichen Lärmschutz zu gewährleisten, wie die Lärmschutzwände. So erhoffte sich Bürgervorsteher Wilde und die Verwaltung eine Rückmeldung aus der Bevölkerung, was diese sich denn wünsche.

Der Schutz vor Lärm hat für die Bürger Vorrang

Sie wünschte sich auf der Versammlung in erster Linie Schutz vor Lärm. Eine Ahrensburgerin und Anwohnerin des Wulfsdorfer Weges schilderte beinahe unter Tränen die gesundheitlichen Schäden, die ihr – bestätigt durch ärztlicher Untersuchung – durch den Lärm zugefügt worden seien. Anwohner der Bismarck- und der Waldstraße ließen vertreten durch Jürgen Plage forderte, dass die für den Ahrensburger Bahnhof geplante Nutzung alter Gleise für Überholvorgänge verhindert werden müsse, da dadurch noch mehr Lärm entstünde. Eine Anwohnerin gab mit Nachdruck zu bedenken, dass – sollten keine Lärmschutzwände in der Innenstadt aufgestellt werden – die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt eben durch die vorbeirauschenden Züge verliere. Lärmschutzwände seien daher vorzuziehen seien.

So entstand auf der Einwohnerversammlung der Eindruck, dass die hohen Wände nicht in Frage gestellt werden. Widerspruch dagegen wurde nur durch einen Anwohner laut, der argumentierte, dass bei Verzicht auf den Ausbau der S-Bahnlinie S4 der Lärmschutz entfallen könne. „Seien Sie doch froh“, entgegnete Frank Dittmar, „dass die S4 kommt, nur dadurch haben Sie einen Anspruch auf Lärmschutz.“

Im Weiteren kritisierte insbesondere Professor Wilhelm Hummeltenberg, dass das Zahlenmaterial, auf dem das Lärmschutzgutachten fuße, auf Basis der Prognose für 2025 nicht aktuell sei und das notwendige Überholgleise in Wandsbek, Ahrensburg und Bad Oldesloe weitere Lärmquellen darstellten. Für ihn sei die Frage entscheidend, in welcher Form die Anzahl der Züge zwischen den Strecken Richtung Hamburg und Richtung Lüneburg aufgeteilt werden könne. Erst bei Beantwortung dieser Fragen könne und auf Basis von Prognosen für 2010 könne tatsächlich benannt werden, welche Lärmbelastung für die Ahrensburger entstünden. Die aktuellen Berechnungen und ihr Ergebnis, ein Lärmschutz in der Innenstadt ohne Lärmschutzwände sei möglich, zog er in Zweifel.

Lesen Sie auch:
Lärmschutzwände der Deutschen Bahn: „Gefahr“ für die Innenstadt und schwer zu verhindern
Lärmschutzwände in Ahrensburg: Wie können sie verhindert werden?

Einwohnerversammlung 2017 in Ahrensburg. Auf dem Podium: Bauamtsleiter Peter Kania, Birgit Reuter von der Stadtverwaltung, Bürgervorsteher Roland Wilde, Bürgermeister Michael Sarach, Stadtjustiziar Thomas Reich und Referent Frank Dittmar (von links). Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Einwohnerversammlung 2017 in Ahrensburg. Auf dem Podium: Bauamtsleiter Peter Kania, Birgit Reuter von der Stadtverwaltung, Bürgervorsteher Roland Wilde, Bürgermeister Michael Sarach, Stadtjustiziar Thomas Reich und Referent Frank Dittmar (von links).
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

image_pdfimage_print
Teilen.

1 Kommentar

  1. Liebe Mitbürger,
    was mich als direkt betroffenen Bahnanlieger in der Waldstraße besonders stört, ist, dass die Deutsche Bahn offenbar aus Kostensenkungsgründen eine Güterzugüberholungsstrecke für 835 m lange Züge in der Ahrensburger Innenstadt auf dem Gleis 5 plant. Durch die erforderlichen Weichen wird der schienennahe, niedrige Lärmschutz verhindert! Außerdem entsteht zusätzlicher Lärm durch diese und der zusätzlichen Kurvenfahrt vom Gleis 5 auf das jetzige Gleis 2. Ohne diesen Lärmschutz aber haben wir den Lärm des zukünftigen Transeuropagüterverkehrs bei Tag und Nacht mindestens in der Innenstadt und und natürlich auch in unseren Gärten.
    Mit freundlichen Grüßen
    Jürgen Plage

Kommentieren