Lesermeinung zum Flächennutzungsplan: Was soll aus unserer Stadt werden?

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Lesermeinung zum Beitrag „Flächennutzungsplan in der Einwohnerversammlung: Ahrensburg will gar nicht wachsen, oder?“ von Maik Neubacher, Ahrensburg.

Das Thema Flächennutzungsplan (FNP) geistert nun schon seit vielen Jahren durch unsere Stadt. Ähnlich wie in vielen anderen Themen droht auch dieses, sich zu einer unendlichen Geschichte zu entwickeln.

Schon längst sind nämlich die politischen Leitlinien für den FNP gesteckt. Die Politik hat mehrheitlich im Sinne der Anwohner entschieden und entsprechende Beschlüsse verabschiedet. Insbesondere im Außenbereich ist eine zusätzliche Wohnbebauung nicht erwünscht. Der grüne Charakter unserer Stadt soll erhalten bleiben.

Diese politischen Entscheidungen können sich auf breite Zustimmung in der Bevölkerung stützen. Dennoch werden sie von der Verwaltungsspitze ignoriert. In den unzähligen Entwürfen, kaum einer kennt noch den aktuellen Stand, tauchen neue Wohnbauflächen auf und verschwinden wieder. Dann sind sie plötzlich wieder vorhanden und fast jeder fragt sich, haben wir nicht kürzlich etwas Anderes entschieden? Wenn der Bürgermeister unserer Stadt die Mehrheitsentscheidungen akzeptieren würde, hätte in der Zwischenzeit schon alles in trockenen Tüchern sein können.

Stattdessen konzentriert sich die Verwaltung demgegenüber sklavisch auf eine Landessichtweise, die einen Zuwachs von weiteren 1.400 Wohneinheiten für Ahrensburg bis zum Jahr 2030 prognostiziert.
Um diese vorgeblichen Planungen des Landes zu erfüllen, werden schon mal große Wohnkomplexe auf die grüne Wiese gesetzt. Dabei wird das Wohl der Stadt und der Natur außer Acht gelassen. Die Verwaltungsleitung, die ja immerhin von den Bürgern unserer Stadt gewählt worden ist, sollte doch die Interessen der Stadt auch gegenüber Kiel vertreten und sich dafür stark machen, nach eigenem lokalem Ermessen zu wachsen.

In der letzten Einwohnerversammlung ist vorgeschlagen worden, einzelne Flächen – entsprechend den getroffenen Beschlüssen – wieder aus der Bebauung herauszunehmen. Auf diesen Vorschlag hin stellte der Bürgermeister fest, dass man in diesem Falle auf den verbleibenden Flächen größer bauen müsse, um die Vorgaben des Landes zu erfüllen. Können also Außenflächen nur dann naturbelassen bleiben, wenn der Stadtkern einbetoniert wird? Wenn dies so wäre, ist mein Vorschlag, wir bauen einen 200 Meter hohen Wolkenkratzer im Zentrum und weisen damit vermutlich ausreichend Wohnflächen nach.

In der selben Einwohnerversammlung gab es die berechtigte Frage nach möglichen Konsequenzen, wenn die Stadt nicht in dem Maße Wohnungsbauflächen ausweist. Der Bürgermeister fand dazu wie immer keine klare Antwort. Ich schon: Wir müssen keine Konsequenzen von Seiten des Landes befürchten! Ahrensburg alleine entscheidet, was wo wie geschieht. Punkt! Und es gibt Parteien, die die Sorgen der Bürger ernstnehmen. Denn Verwaltung dient dem Bürger.

Maik Neubacher, Ahrensburg

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2 Kommentare

  1. Jochen Proske on

    Ein Flächennutzungsplan dient als Orientierung für die Stadtentwicklung in den kommenden zwanzig Jahren. Gewiss kann man über die eine oder andere Potenzialfläche unterschiedlicher Meinung sein und in der Tat ist das Agieren der Verwaltungsspitze der Stadt nicht immer glücklich und transparent gewesen in diesem wichtigen Feld.

    Neben aller berechtigten Kritik an der einen oder anderen Vorlage bleibt jedoch aus meiner Sicht festzuhalten,

    dass die CDU – deren Vorsitzender Herr Neubacher ist – sich seit Jahren konsequent jeglicher Planung verweigert und stattdessen lieber von Mal zu Mal, wie es gerade passt, entscheidet. Die Folgen dieser Verweigerung sind meines Erachtens in der Stadt nicht mehr übersehbar, beispielsweise bei der Frage der teilweise widersinnigen Verkehrsführungen, die dem gewachsenen Autoverkehr schon lange nicht mehr gewachsen sind oder bei der Frage der innerstädtischen Parkplätze. Hier werden mit den Stimmen der CDU Parkareale verkauft, ohne dass es umgehende Überlegungen über Ersatz gibt;

    dass die Grünen, deren Fraktion Herr Langbehn angehört, leider auch als zu oft nicht zukunftsorientiert entscheiden. Zum Beispiel wurde die konventionell landwirtschaftlich genutzte Ackerfläche Erlenhof Nord mit den Stimmen der Grünen aus dem Entwurf rausgenommen, und das im Namen des Kampfes gegen eine weitere Versiegelung von Flächen. Und? Als es um die alternativen Wohnprojekte in Wulfsdorf ging, war die Versiegelung des Bodens den Grünen egal – da wollten ja auch ihre Wählerinnen und Wähler bauen. Und wenn in Ahrensburg keine Flächen für den Wohnungs- und Hausbau ausgewiesen werden, dann bauen die Menschen eben in Delingsdorf oder Siek oder Brunsbek und versiegeln den Boden dort und fahren mit dem Auto nach Ahrensburg, belegen die Parkplätze, sorgen für Staus, Lärm und Abgase. Logisch ist das nicht.

    Noch einmal: die SPD will keinen unendlichen Zuwachs an Bauflächen, wir wollen aber zu einer realistischen und ausgewogenen Planungsgrundlage durch einen neuen Flächennutzungsplan kommen, damit in den kommenden Jahren und Jahrzehnten die Stadt maß- und planvoll wachsen kann. Das ist im Interesse Ahrensburgs und dem sehen wir uns verpflichtet. Gerne stehen wir für Gespräche mit allen Fraktionen bereit, um zu einem möglichst breit getragenen und sinnvollen Beschluss zu kommen.

    Jochen Proske
    SPD Ahrensburg
    Stadtverordneter

  2. Dirk Langbehn on

    Hi Maik,
    Sehr gut geschrieben. Danke.
    Dem kann ich voll und ganz zustimmen.
    Es ist schon erstaunlich, wie der Bürgermeister gegen die Mehrheit der Fraktionen und BürgerInnen agiert. Und das nicht zum ersten Mal. Und das trotz seiner immer wieder wiederholten Aussagen, dass die Verwaltung nichts entscheidet sondern nur ausführendes Organ ist. Wann fängt er mal an, diese Aussage auch einmal durchzuführen?…

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