70 Jahre Sozialverband Deutschland in Großhansdorf: „Besser wäre, es gebe uns nicht“

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Großhansdorf (ve). Seinen 70. Geburtstag feierte die Ortsgruppe Großhansdorf des Sozialverbandes Deutschland mit großer Freude – und etwas Bedauern.

70 Jahre Sozialverband Großhansdorf: Feierstunde in der Mensa des Schulzentrums mit Irmtraut Sarau, Vorsitzende des Kreisverbandes, Bürgermeister Janhinnerk Voß, dem Vorsitzenden des Ortsverbandes Andreas Behrens sowie Jutta Kühl, Stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes (von links). Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

70 Jahre Sozialverband Großhansdorf: Feierstunde in der Mensa des Schulzentrums mit Irmtraut Sarau, Vorsitzende des Kreisverbandes, Bürgermeister Janhinnerk Voß, dem Vorsitzenden des Ortsverbandes Andreas Behrens sowie Jutta Kühl, Stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes (von links).
Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Der Sozialverband hilft Menschen, die in Not sind. Zum Beispiel bei der Durchsetzung ihrer Rechte gegenüber Kranken- oder Rentenversicherungen, gegenüber Staat und Regierung. Er hilft Menschen, denen es oft genug von sich aus schwer fällt, sich für ihre Rechte stark zu machen. Er hilft Menschen, die einfach nur ein wenig durch das soziale Netz gefallen sind, bei der Durchsetzung ihrer Rechte. Hervorgegangen ist der Verband aus dem Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands.

In Großhansdorf wurde der Ortsverband vor 70 Jahren gegründet. Mit einer kleinen Feierstunde wurde dies gefeiert. Gerne gekommen waren Bürgermeister Janhinnerk Voß sowie Irmtraut Sarau, Vorsitzende des Landesverbandes, und Jutta Kühl, Vorsitzende des Kreisverbandes Stormarn. Sie gratulierten dem amtierenden Vorsitzenden Andreas Behrens und seinem Team sowie den 121 Mitgliedern des Verbandes.

Sozialverband Großhansdorf: 121 Mitglieder

Ilka Behrens, Schatzmeisterin des Ortsverbandes: „Vielfach sind wir gefordert, zum Beispiel Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind oder die eine Behinderung haben, zu untertützen, damit ihre Rechte durchgesetzt werden können. Auch, weil manche gar nicht wissen, was ihnen eigentlich zusteht. Und wer sollte ihnen sonst helfen?“

Deutliche Zahlen hat Jutta Kühl, Stellvertretende Vorsitzende des Sozialverbandes Schleswig-Holstein: „Wir haben in 17.700 Verfahren 9,5 Millionen Euro erwirkt.“ Fälle also, in denen Menschen ohne die Hilfe des Sozialverbandes auf ihnen zu stehende Mittel hätten verzichten müssen. Jutta Kühl empfindet dabei eine Entwicklung zum Negativen: „Ich sehe das Klima des Sozialen und Solidarischen in Frage gestellt.“ Die Sozialstaatlichkeit sei im Grundgesetz verankert, doch heute nicht mehr überall gültig, zum Beispiel, so Kühl, wenn Kinder und Jugendliche von Armut bedroht sind.

70 Jahre Sozialverband Großhansdorf: Feierstunde in der Mensa des Schulzentrums. Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

70 Jahre Sozialverband Großhansdorf: Feierstunde in der Mensa des Schulzentrums.
Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

„Seit der Wirtschaftskrise 2008 wissen wir“, so Kühl, „das der einseitige Glaube an das Kapital der Vergangenheit angehören sollte.“ Die Festigung des demokratischen Fundamentes mache stabile soziale Sicherungssysteme erforderlich. So spreche sich der Sozialverband seit langem für eine solidarische Bürgerversicherung und Umstellung der Rentenversicherung aus. Fünf Forderungen skizzierte Jutt Kühl: Der Verband forderte gerechte Arbeitslöhne, auskömmliche Renten, die Bereitstellung von ausreichend bezahlbarem Wohnraum, die Sicherung der medizinischen Versorgung sowie die Ausweitung des Bundesteilhabegesetzes. „Heute ist es doch häufig so“, benannte es Kühl, „dass die Rente eine Strafe für die Lebensleistung ist.“

Umstände, die in Großhansdorf nicht überall gelten, weiß Ilka Behrens: „Den Großhansdorfern geht es überwiegend gut.“ Neben der Hilfe bei Rechtsfragen zeigt sich der Großhansdorfer Sozialverband in erster Linie für Kontaktpflege. Behrens: „Wir laden einmal pro Monat in den Räumen des Deutschen Roten Kreuzes zu einem Kaffeenachmittag.“

Bürgermeister Voß: „Schön wäre es, wenn die Leistungen des SoVD nicht notwenig wären“

Das Engagement des Sozialverbandes weist für Bürgermeister Voß – selber Mitglied im Verband – auch auf einen Misstand: „Es klingt eventuell etwas eigenartig, aber am schönsten wäre es doch, wenn es kein Vereinsjubiläum gäbe, wenn der Sozialverband mit all‘ seinen Leistungen nicht notwendig wäre. Wenn Politik und Gesellschaft für eine ausreichende und reibungslose Versorgung und Sicherheit für alle sorgen könnten. Wenn soziale Gerechtigkeit herrschen würde und jedermann berechtigte Forderungen erfüllt bekäme.“ Dies sei aber, so Voß, aus vielen Gründen wohl nicht möglich und auch ein Wunsch, der nie in Erfüllung gehen wird.

Bei der Feier in der Mensa des Schulzentrums wurde jedenfalls das möglich, was Voß sich und dem Sozialverband wünschte: „Einfach mal wieder gemütlich klönen, in einer Zeit, die als „sozial kalt“ gilt.“

70 Jahre Sozialverband Großhansdorf: Feierstunde in der Mensa des Schulzentrums. Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

70 Jahre Sozialverband Großhansdorf: Feierstunde in der Mensa des Schulzentrums.
Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Themenbild Sozialverband Deutschland, SoVD. Foto:©ahrensburg24.de

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