Ausgefallen wegen Xavier: Neuer Termin für Lesung mit Henning Scherf im Marstall

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Ahrensburg (ve). Zum zweiten Mal hat ein Sturm der Reihe „Literatur live“ eine Veranstaltung verhagelt. Doch es gibt einen neuen Termin.

Marstall: Henning Scherf referiert über sein Buch zum Thema "Sterben und Tod". Foto: Senatspressestelle Bremen, Anja Raschdorf

Marstall: Henning Scherf referiert über sein Buch zum Thema „Sterben und Tod“. Foto: Senatspressestelle Bremen, Anja Raschdorf

Leider musste die für den 5. Oktober 2017 mit dem ehemaligen Bremer Bürgermeister geplante Veranstaltung wegen des Sturms ausfallen. Veranstalter Joachim Becker von der Buchhandlung Stojan: „Bedauerlicherweise erhielten wir die Nachricht, dass alle Züge von Bremen nach Hamburg gestrichen worden sind, erst um 16.30 Uhr, so dass sich etliche Gäste leider umsonst auf den Weg in den Marstall gemacht hatten.“

Lesung mit Henning Scherf: Ersatztermin noch im Oktober

Kurzfristig allerdings wurde ein neuer Termin vereinbart. Der Vortrag im Ahrensburger Kulturzentrum Marstall zum Thema ‚Das letzte Tabu – Über das Sterben reden und den Abschied leben lernen‘ findet jetzt am Donnerstag, 26. Oktober 2017, um 19.30 Uhr statt. Bereits gekauft Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit.

Die Veranstaltung ist in der Reithalle des Kulturzentrum Marstall, Lübecker Straße 8 in Ahrensburg. Die Reihe Literatur live wird veranstaltet vom Kulturverein Marstall, der Buchhandlung Stojan und der Weinhandlung 20 Wines und in diesem Fall zusätzlich in Kooperation mit dem Hospizverein Ahrensburg. Die Eintrittskarten kosten im Vorverkauf zwölf Euro zuzüglich Gebühr und sind in der Buchhandlung Stojan unter der Telefonnummer 04102 / 50 431 sowie im Internet unter www.ticketmaster.de erhältlich. Im Foyer werden Getränke ausgeschenkt, Parkplätze finden sich hinter dem Marstall.

Henning Scherf fragt: Wie wollen wir sterben?

Henning Scherf, der als Kind wie so viele seiner Generation das Sterben im Krieg und auf der Flucht erleben musste, beschreibt in seinem Buch ganz persönliche Erfahrungen mit dem Tod – bittere wie tröstliche – und verbindet diese Erfahrungen mit der gesellschaftlichen Frage danach, wie wir heute sterben wollen.

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in einer industrialisierten Gesellschaft, in der jeder eine Rolle zu erfüllen hat. Wir sterben, angeschlossen an Schläuche auf der Intensivstation eines Krankenhauses und wenn wir Glück haben, ist jemand da, der unsere Hand hält. Immer öfter nehmen sich Menschen im hohen Alter das Leben, weil sie einsam sind, weil sie ihren wenigen und weit weg wohnenden Kindern und Enkeln nicht zur Last fallen wollen. Wir diskutieren sogar in unserem Parlament die Möglichkeit der Sterbehilfe, weil viele von uns dies wollen, weil unsere europäischen Nachbarn dies zum Teil schon praktizieren, weil wir den Tod nicht in Demut erwarten können, sondern im Griff haben wollen, weil wir Angst vor der Einsamkeit am Ende haben. Wir lassen uns anonym bestatten, weil ohnehin niemand da wäre, der unser Grab pflegt. Wir verdrängen unsere Trauer und machen so weiter wie bisher, weil unsere Funktionsgesellschaft das so von uns erwartet. Das alles sind Trends unserer Zeit.

Sterben, Tod, Trauer: Ein Weg gegen die Angst

Doch es gibt auch die Gegenbewegung. Es gibt ehrenamtliche Hospizhelferinnen, die Familien unterstützen, wenn einer ihrer Angehörigen sterben muss, damit ein Sterben zuhause möglich ist. Es gibt Hospize, die Sterbende liebevoll aufnehmen, die niemanden zuhause hätten, der ihnen beistehen könnte. Es gibt ehrenamtliche Gruppen, die Trauernden beistehen. Es gibt neue Formen der Beerdigung, die aus einem verkrusteten und Angst einflößenden Ritual einen persönlichen Abschied zu machen versuchen. Wir erleben also gerade so etwas wie eine gesellschaftliche Kursänderung, noch nicht konsistent, noch nicht in allen Bereichen, noch nicht von allen vollzogen, aber ein Anfang ist gemacht.

Henning Scherf, Dr. jur., geb. 1938, war lange Jahre Sozial-, Bildungs- und Justizsenator und von 1995 bis 2005 Bürgermeister und damit Ministerpräsident des Bundeslandes Bremen. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und ist neunfacher Großvater.

Übrigens: Schon einmal musste wegen eines fast namensgleichen Sturmes eine Veranstaltung im Marstall kurzfristig ausfallen: „Piet Klocke kommt nicht in den Marstall – wegen Xaver„.

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