St. Johanneskirche: Beschluss zur Entwidmung wurde aufgehoben

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Ahrensburg (ve). Der neue Gemeinderat der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Ahrensburg hat einen großen Schritt gemacht: Er hat den Beschluss zur Entwidmung der St. Johanneskirche aufgehoben.

Ein Blick von oben auf die Stadt Ahrensburg Richtung St. Johanneskirche. Foto:© Silke Mascher/ahrensburg24.de

Ein Blick von oben auf die Stadt Ahrensburg Richtung St. Johanneskirche.
Foto:© Silke Mascher/ahrensburg24.de

In nur einem kurzen Satz wurde dieser Beschluss im Rahmen einer Pressemitteilung zur jüngsten Sitzung des Kirchengemeinderates mitgeteilt. Der Beschluss erfolgte in nicht öffentlicher Sitzung, die Abstimmenden waren mehrheitlich für die Rücknahme des Beschlusses zur Entwidmung.

Beschluss zur Entwidmung: Im Jahr 2013 in der Gemeinde heftig debattiert

Mit dem Beschluss zur Entwidmung der St. Johanneskirche begannen in der Gemeinde im Jahr 2013 unruhige Tage. Nach Aussagen des damaligen Kirchengemeinderates erforderte ein strukturelles Defizit im Haushalt der Gemeinde eine Reduzierung der kirchlichen Standorte. Die Wahl fiel damals darauf, die Johanneskirche zu schließen, um sie später entwidmen zu lassen. Doch die Gemeindeglieder, die im Umfeld dieser Kirche wohnten, wollten diesen Beschluss nicht hinnehmen und kämpften für eine Erhalt des Gebäudes und des kirchlichen Lebens dort.

Inzwischen ist das Gemeindehaus und das Pastorat an den Verein Heimat verkauft, dort sind Unterkünfte für Flüchtlinge errichtet worden. Die St. Johanneskirche wird nach einer vertraglichen Finanzierungsvereinbarung zwischen Kirche und Verein vom Förderverein St. Johanneskirche Ahrensburg bewirtschaftet, seit Ostern 2014 finden dort auch wieder Gottesdienste statt.

Neuer Kirchengemeinderat – neue Debatte über St. Johannes

Mit der Neuwahl des Kirchengemeinderates im vergangenen November 2016 sind auch sechs Mitglieder des Fördervereins in den Rat gewählt worden. Schon damals war zu erahnen, dass die Rolle der St. Johanneskirche in dem Gremium neu debattiert werden wird. „Dies haben wir dann ausführlich und sehr intensiv auf einer Klausurtagung im Sommer dieses Jahres gemacht“, erläutert es Florian Lemberg, Sprecher des Kirchengemeinderates, gegenüber ahrensburg24.de.

Der neue Kirchengemeinderat der Evanglisch-lutherischen Kirchengemeinde Ahrensburg vor der St. Johanneskirche. Foto:pm

Der neue Kirchengemeinderat der Evanglisch-Lutherischen Kirchengemeinde Ahrensburg vor der St. Johanneskirche.
Foto:pm

Mit dem Beschluss will der Kirchengemeinderat die Gemeinde vor allem wieder befrieden, Lemberg: „Die viel beschworenen Gräben sollen überwunden werden. Es war notwendig und an der Zeit, dieses Zeichen zu setzen.“ Der Kirchengemeinderat wünsche sich, dass die Gemeindemitglieder wieder aufeinander zugehen und zu einem neuen Miteinander finden können. Das können sie zum Beispiel schon auf der nächsten Versammlung der Gesamtgemeinde. Sie ist am Sonntag, 5. November 2017, um 11 Uhr im Gemeindezentrum an der Schloßkirche Ahrensburg, Am Alten Markt.

Haushalt der Kirchengemeinde: „Kein strukturelles Defizit mehr“

Zudem, ergänzt Lemberg, sei der damalige Grund für den Beschluss zur Entwidmung nicht mehr in dieser Form vorhanden: „Das strukturelle Defizit im Haushalt der Gemeinde sehen wir in dieser Form nicht mehr.“ Durch das neue Raumkonzept sei das Haus der Kirche im Gartenholz nicht mehr als Standort zu finanzieren, dort wird ein Kindergarten einziehen, und im Kirchsaal Hagen seien Vermietungen erfolgt. „Wir sehen jetzt finanziell in eine entspanntere Zukunft“, beschreibt es Lemberg.

Kirchengemeinde und Förderverein: Finanzierungsvereinbarung hat Bestand

Genau genommen hat der jetzige Beschluss aber keinen Einfluss auf den Haushalt der Gemeinde. Denn die Finanzierungsvereinbarung, die die Bewirtschaftung des Kirchengebäudes in die ehrenamtlichen Hände des Fördervereins gelegt hat, hat noch mindestens zwei Jahre Bestand und wird derzeit auch nicht angetastet. Finanziell bleibt die Bewirtschaftung der Johanneskirche Aufgabe des Vereins. Und Verein wie Kirchengemeinderat schließen es nicht aus, dass der Vertrag auch nach Ablauf der Laufzeit verlängert werden könnte.

Dr. Klaus Tuch vom Förderverein: „Vielleicht ist das Engagement, das hier an St. Johannes auf ehrenamtlicher Basis entstanden ist, sogar Vorbild für andere Teile der Gemeinde. Wir haben es hier erlebt, wieviel Motivation entstehen kann und wie viel mit ehrenamtlichem Engagement bewegt werden kann.“ Dabei vermutet Tuch, dass es langfristig ohne finanziellen Einsatz von Seiten der Kirchengemeinde für St. Johannes auch nicht gehen wird.

Für Dr. Klaus Tuch als Sprecher des Fördervereins ist es eine „Genugtuung, dass nach mehreren Jahren jetzt endlich wieder Vernunft einkehrt und der Beschluss vom Tisch ist.“ Im Sinne der Gesamtgemeinde sei dieser neue Beschluss ein Schritt nach vorne.

Dass der Beschluss in nicht öffentlicher Sitzung gefällt worden ist, sieht Florian Lemberg, selber Mitglied im Förderverein der St. Johanneskirche, nur am Rande als schwierig: „Wir müssen sehen, dass es nach Kirchenrecht bestimmte Dinge gibt, die nicht in öffentlicher Sitzung behandelt werden dürfen. Dazu gehört dieses Thema.“ Im Gemeinderat sei zudem mit starken Emotionen debattiert worden. „Und“, ergänzt Lemberg, „wir müssen auch sehen, wo wir mit der Arbeit des neuen Gemeinderates jetzt schon sind – wir haben unglaublich viel erreicht. Unsere Sitzungen sind öffentlich und es werden von vielen Gemeindegliedern intensiv Fragen gestellt, wichtige Punkte werden in öffentlichen Gesprächen geklärt.“

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