Reformations-Jubiläum in Ahrensburg: Ein stimmungsvoller Gottesdienst, mal humorvoll, mal zweifelnd

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Ahrensburg (ve). Wenn die Gemeinde auf die Worte eines katholischen Priesters in einer evangelisch-lutherischen Kirche applaudiert, muss es ein besonderer Tag sein.

Gottesdienst in der Schloßkirche Ahrensburg aus Anlass des 500-jährigen Jubiläums der Reformation. Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Gottesdienst in der Schloßkirche Ahrensburg aus Anlass des 500-jährigen Jubiläums der Reformation.
Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

War es auch: der Festtag zu 500 Jahre Reformation. Also zu 500 Jahre Kirchentrennung, evangelisch-lutherische Glaubenstradition, Neuerfindung einer christlichen Kirche, zu 500 Jahre Martin Luther und seine 95 Thesen an der Wittenberger Schloßkirche. Und das damals eben gegen jene katholische Kirchentradition.

500 Jahre Reformation und Martin Luther: „Ein Geschenk“

Kaplan Thorsten Weber von der Katholische Pfarrei Maria Hilfe der Christen in Ahrensburg, Bargteheide und Großhansdorf war es, der diesen Applaus hervorrief. Seinen Worten zum Gottesdienst setzte er ein „dieses Jubiläum ist aus katholischer Sicht so eine Sache“ voraus und ein gut gelauntes „Wenn der liebe Gott mich, den evangelisch getauften Christen, als katholischen Priester in diese evangelische-lutherische Kirche zur Feier des Reformationstages stellt, zeigt es, dass er einen besonderen Humor hat.“

Die in Ahrensburg gelebte Ökumene, die nicht nur in diesem Gottesdienst zum Tragen kommt, wird von vielen Seiten gelobt, doch Weber blickte umfassender: „Die Trennung der Kirche war für uns Katholiken eine Niederlage“, mit Folgen für das Private wie Eheschließungen bis hin zu den großen Glaubenskriegen. „Doch die Reformation hat uns viel geschenkt“, nicht nur die Lieder der evangelischen Gottesdienste, sondern eben auch eine Bibel in deutscher Sprache als „Hausbuch“, wie Weber es nannte. „Das war und ist zutiefst kulturprägend und ist der große Verdienst von Martin Luther.“ Das Geschenk der Katholiken seien die Liturgie und Sakramente.

Gottesdienst in der Schloßkirche Ahrensburg aus Anlass des 500-jährigen Jubiläums der Reformation. Gestaltet wurde er von Pastor Oliver Okun, Pfarrer Michael Grodecki, Pastor Jens Kugler, Pastor Sascha Reuse, Pastorin Susann Kropf, Pastorin Angelika Weißmann, Kaplan Thorsten Weber (von links) und Pastor Dieter Kurz (nicht im Bild) Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Gottesdienst in der Schloßkirche Ahrensburg aus Anlass des 500-jährigen Jubiläums der Reformation. Gestaltet wurde er von Pastor Oliver Okun, Pfarrer Michael Grodecki, Pastor Jens Kugler, Pastor Sascha Reuse, Pastorin Susann Kropf, Pastorin Angelika Weißmann, Kaplan Thorsten Weber (von links) und Pastor Dieter Kurz (nicht im Bild)
Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Ökumenischer Gottesdienst der christlichen Kirchen in Ahrensburg

In Ahrensburg wurde der bundesweite Feiertag zu 500 Jahren Reformation mit diesem ökumenischen Gottesdienst gefeiert. Mit dabei waren die Ahrensburger Freikirchen und damit die Freie Evangelische Gemeinde, die Pfingstgemeinde und die Baptistengemeinde sowie die Katholische Kirche und die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde als Gastgeber in der Schloßkirche.

Die Pastoren und Pfarrer Angelika Weißmann, OLiver Okun, Susann Kropf, Jens Kugler, Sasche Reuse, Dieter Kurz, Thorsten Weber und Michael Grodecki gestalteten den Gottesdienst. Musikalisch begleitet wurde er von der Kantorei der Schloßkirche unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Ulrich Fornoff sowie der Chor der Freien Evangelischen Gemeinde unter der Leitung von Maren Endreß.

Die Reformation: Die Hoffnung auf eine glückliche Zukunft

Pastorin Susann Kropf gab in ihren Worten dem Zweifel Raum: „500 Jahre Reformation bedeutet auch 500 Jahre Streit, Unsicherheit, Zweifel. Der Anfang der Reformation war schwer, gegen eine Kirche der Macht und des Besitzes – und es wurde nicht leichter.“ Manchmal fühle sich die Kirche an wie ein „Verein der Unglücklichen, wie eine Selbsthilfegruppe“, Kropf blickte provokativ auf sinkende Zahl der Gläubigen und fehlenden Einfluss in der Gesellschaft.

Doch nicht die Vergangenheit oder die Gegenwart sei das Ziel des evangelischen Glaubens, sondern die Zukunft, betonte Kropf mit Blick auf die Bergpredigt. „Einer hat damals den Anstoß gegeben“, so Kropf, „die Entwicklung geht weiter.“ Kropf: „Wann ist die Kirche glücklich? Wenn sie „Geben und Zulassen“ kann, statt „Haben und Machen“.“

Die Schloßkirche war zum Gottesdienst der Reformation übervoll, selbst im Kirchengang saßen Gottesdiensbesucher auf dem Boden. Wie selten konnte in den gemeinsamen Liedern bei so vielen Sängerinnen und Sängern die Wirkung und Bedeutung des evangelischen Liedgutes erlebt werden. Berührend auch der gemeinsam gesungene Kanon „Dona nobis pacem“. Wie selten verließen die Besucher beseelt und vielfach mit herzlichen Dankesworten an die Pastoren die Kirche. Nicht zuletzt der Ausgang der Gemeinde aus der Kirche dauerte so lange, wie selten.

Gottesdienst in der Schloßkirche Ahrensburg aus Anlass des 500-jährigen Jubiläums der Reformation. Die Kirche ist bis auf den letzten Sitz- und Stehplatz voll, selbst im Altarraum und im Chorgestühl nehmen die Gottesdienstbesucher Platz. Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Gottesdienst in der Schloßkirche Ahrensburg aus Anlass des 500-jährigen Jubiläums der Reformation. Die Kirche ist bis auf den letzten Sitz- und Stehplatz voll, selbst im Altarraum und im Chorgestühl nehmen die Gottesdienstbesucher Platz.
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