BürgerStiftung Region Ahrensburg und Lesepaten: Streit um das Projekt

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Ahrensburg (ve). Wer finanziert und organisiert das Projekt „Kinder und Lesen“ in den Kindergärten und Einrichtungen? Darüber sind die Akteure jetzt in einen Streit geraten.

Eine der ehrenamtlichen Lesepaten mit Kindern. Foto: BürgerStiftung Region Ahrensburg

Eine der ehrenamtlichen Lesepaten mit Kindern. Foto: BürgerStiftung Region Ahrensburg

Die BürgerStiftung Region Ahrensburg hat vor 15 Jahren das Projekt „Kinder und Lesen“ ins Leben gerufen. Zahlreiche Freiwillige engagieren sich seitdem und lesen als Lesepaten Kindern in Kindergärten und anderen Einrichtungen vor. Ein großes Projekt ist auch das Lesefest, dass mittlerweile alle zwei Jahre stattfinden, geplant ist es für 2018.

Doch dieses Projekt steht nun vor dem Aus. Die BürgerStiftung möchte es nicht weiter betreuen, die Lesepaten jedoch sehen es als Projekt der BürgerStiftung. Die Zusammenarbeit soll auslaufen, so sieht es die BürgerStiftung, die Lesepaten selber nennen den Vorgang „Kündigung“.

Mehr noch: Diese Kündigung sei unvermittelt und ohne Vorwarnung mitten in den Vorbereitungen für das Lesefest ausgesprochen worden, das Lesefest damit gefährdet. Die BürgerStiftung hat außerdem den Einrichtungen in einem Schreiben mitgeteilt, dass die Lesepaten nicht mehr unter der Organisation der BürgerStiftung stehen. Dass verstehen die Lesepaten als Untergrabung ihrer Arbeit.

„Etwas, was wir nicht leisten können, können wir nicht anbieten“, sagt Dr. Michael Eckstein von der BürgerStiftung Region Ahrensburg. „Wir haben kein Personal, dass sich um die Lesepaten und das Lesefest kümmern kann, also müssen wir das Engagement in andere Hände legen.“ Das Projekt sei nicht als Teil der Stiftung angelegt, sondern lediglich als Anschubhilfe. Eckstein: „Und die dauert nun schon 15 Jahre.“

Für die Lesepaten bricht damit eine Welt zusammen: „Überraschend, von einem Tag zum anderen, und ohne Vorankündigung hat die Bürgerstiftung Region Ahrensburg das Projekt „Kinder und Lesen“ nach 15 Jahren erfolgreicher Arbeit vieler ehrenamtlicher Mitarbeiter zum Ende des Jahres 2017 beendet. Zeitgleich wurden Fakten geschaffen, indem die Kindergärten und Schulen parallel zu dieser Kündigung schriftlich informiert wurden. Sozusagen Vollbremsung in voller Fahrt.“

Lesestunde in Weihnachtszeit - Lesepaten der BürgerStiftung. Foto: BürgerStiftung Region Ahrensburg

Lesestunde in Weihnachtszeit – Lesepaten der BürgerStiftung. Foto: BürgerStiftung Region Ahrensburg

Auch für das Lesefest in 2018 sind die Prognosen durchaus unterschiedlich, Dr. Eckstein: „Die Organisation des Festes ist eigentlich fertig, jetzt muss es nur noch umgesetzt werden.“ Die Lesepaten können das nicht nachvollziehen: „Die Organisation des Lesefestes steht vor dem Aus. Die umfangreichen Vorbereitungen, die ehrenamtliche Mitarbeiter hierfür bereits geleistet haben, waren vergeblich.“

Unterschiedliche Wahrnehmung auch über die Vorgeschichte: „Ich habe mehrfach darauf hingewiesen, dass das Projekt Kinder und Lesen nicht dauerhaft von der BürgerStiftung organisiert werden kann“, so Eckstein. Die Lesepaten betonen, ihnen sei erst in der jüngsten Vorstandssitzung überhaupt mitgeteilt worden, dass das Projekt „Kinder und Lesen“ „zum Großwerden“ geplant war und dann eigenverantwortlich übernommen werden sollte.

Das Lesefest stellt ein noch größeres Problem dar, denn es ist in der Vorbereitung sehr aufwändig. Nach Ansicht der BürgerStiftung sei es zudem in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem Fest in den Einrichtungen geworden, ohne größere öffentliche Aufmerksamkeit.

Auch die Lesepaten sind sich darüber bewusst, dass nur eine neue Form der Organisation das Projekt am Leben erhalten kann. Von beiden Seiten wird über die Gründung eines Vereins gesprochen, die BürgerStiftung sieht das als große Chance, die Lesepaten als schwer umsetzbar. Und dennoch: „Die Lesepaten und Lesepatinnen sind sich aber einig und lassen sich nicht entmutigen. Weitergehen muss es. Dafür sind ihnen die Kinder viel zu wichtig.“ Ob dieser Verein schließlich auch das Lesefest organisieren kann, ist nicht geklärt.

 

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2 Kommentare

  1. Sabine Heinrich on

    Was ich am Verhalten von Frau Sarach nicht verstehe ist, dass sie diese „Lesepatenangelegenheit“ hier vor der Öffentlichkeit umfassend ausbreitet und das Verhalten von Herrn Dr. Eckstein in ein fragwürdiges Licht rückt. Ob das, was sie schreibt, wirklich den Tatsachen entspricht, kann ich natürlich nicht beurteilen.
    Hätte sie – bevor sie diesen Beitrag geschrieben hat – nicht das Gespräch mit Dr. Eckstein suchen können? Das ist m.E. der normale Weg, um Konflikte zu bearbeiten und bestenfalls aus der Welt zu schaffen.
    Ob sie wirklich für „die“ Lesepaten spricht? Oder nur für eine kleine Minderheit der engagierten Frauen und Männer?
    Aus 40 Jahren Schulpraxis mit Elternabenderfahrungen weiß ich, dass es oft eine kleine, dominant auftretende Minderheit ist, die keineswegs die Meinung der großen Mehrheit vertritt, aber so tut, als ob dies der Fall sei.
    Ob Frau Sarach mit ihrem Kommentar dem Fortbestehen des Projektes mehr genutzt als geschadet hat, wird sich zeigen.
    Ich bin immer noch der Meinung, dass man zuerst im Gespräch versuchen sollte, Probleme zu lösen, bevor man sich an die Medien wendet.
    Übrigens: Ich kenne Herrn Dr. Eckstein nicht persönlich, bekomme aber seit Jahren mit, wie stark er sich für die Bürgerstiftung engagiert.
    Meine Frage an Frau Sarach und diejenigen, die hinter ihr stehen: Hätten Sie ihm nicht Lösungsvorschläge unterbreiten können, bevor Sie sich an die Öffentlichkeit wenden? Vielleicht haben Sie das auch getan, und ich habe es hier und im MARKT überlesen.

  2. Sabine Sarach on

    Seit fast drei Jahren bin ich ehrenamtliche Leiterin des Projektes Kinder und Lesen in Ahrensburg. In dieser Zeit war nie die Rede von einem Ende des Projektes. Ich habe hiervon erst am 9. November durch eine Mail von Dr. Eckstein erfahren.
    Noch am 4. Oktober hat Herr Dr. Eckstein ein Gespräch mit mir geführt über meine weitere Arbeit als Projektleiterin und ein bevorstehendes Ende des Projektes dabei mit keinem Wort erwähnt. Auch bei einem von Dr. Eckstein organisierten Treffen aller Lesepaten der Stiftung am 22. August ist dieses Ende nicht thematisiert, andererseits aber über die Anwerbung neuer Lesepaten und Projektleiter gesprochen worden. Insofern bin ich außerordentlich verwundert über die Aussage Dr. Ecksteins, er habe mehrfach auf das Ende des Projektes in der Bürgerstiftung Region Ahrensburg hingewiesen.
    Ebenso erstaunt mich die Aussage, die Arbeit für das Projekt und insbesondere für das Lesefest könne die Bürgerstiftung nicht mehr leisten. Meines Wissens konnten bisher alle anfallenden Arbeiten vom Büro der Bürgerstiftung, das dem Projekt mit vier Wochenstunden zur Verfügung steht, in Zusammenarbeit mit der Projektleitung und einer Arbeitsgruppe der Lesepaten gut erledigt werden.
    Das Angebot von Dr. Eckstein, die Lesepaten bei der Gründung eines Vereins zu unterstützen, ist keinesfalls ausreichend. Diesem erfolgreichen und beliebten Projekt droht jetzt das Aus.

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