Hannelore Hoger: Zwischen Fernseh-Berühmtheit und Theater-Leidenschaft

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Ahrensburg (ve). Hannelore Hoger ist gut gelaunt. Denn sie blickt – auch in ihrem Buch „Ohne Liebe trauern die Sterne“ – auf ein recht erfolgreiches Schauspieler-Leben zurück.

Die Schauspielerin Hannelore Hoger bei der Lesung ihres Buches "Ohne Liebe trauern die Sterne" im Ahrensburger Marstall im Rahmen der Reihe "Literatur live". Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Die Schauspielerin Hannelore Hoger bei der Lesung ihres Buches „Ohne Liebe trauern die Sterne“ im Ahrensburger Marstall im Rahmen der Reihe „Literatur live“.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Die 1942 geborene Hamburgerin hat diesen Rückblick am Montag Abend vor einem ausverkauften Ahrensburger Marstall gewagt. Mit viel Lachen und Freude im Gesicht schildert sie ihren Werdegang, ihre Erlebnisse und Prägungen und immer wieder ihre Leidenschaft für ihren Beruf. Dabei rutscht sie gerne auch mal in ein unkonventionelles Plaudern, verliert ihren eigenen Faden und knotet ihn flugs an einer anderen Stelle zu einem ganzen Knäuel wieder zusammen.

Nur eines ist ihr Beruf nicht, wird deutlich: einfach. Sie hat ihre Karriere auf den harten Brettern der Theaterbühnen begonnen, morgens Probe, Abends Vorführungen. „Manches mal gab es drei oder vier Aufführungen an einem Tag“, erzählt sie, „oder wir fuhren als Tourneetheater auf die Dörfer, spielten in Land-Gaststätten auf kleinen Bühnen. Dann saßen wir zwischen Probe und Aufführung auch noch im Bus.“

Hannlore Hoger: Geprägt durch Gustav Gründgens, Peter Zadek und Alexander Kluge

Gespielt hat sie während dieser ersten Jahre unter Kurt Hübner, Peter Zadek, Alexander Kluge. Aufgewachsen ist sie als Tochter eines Ohnsorg-Theater-Mannes, geprägt hat sie die Zeit, in der sie als Schauspiel-Schülerin die Inszenierungen von Gustav Gründgens in Hamburg förmlich in sich aufsog, wie sie erzählt. Das Theater der 60er und 70er Jahre – experimentierfreudig, intensiv, sozialpolitisch. Und Hannelore Hoger mittendrin.

Die Schauspielerin Hannelore Hoger bei der Lesung ihres Buches "Ohne Liebe trauern die Sterne" im Ahrensburger Marstall im Rahmen der Reihe "Literatur live". Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Die Schauspielerin Hannelore Hoger bei der Lesung ihres Buches „Ohne Liebe trauern die Sterne“ im Ahrensburger Marstall im Rahmen der Reihe „Literatur live“.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Dafür waren Entbehrungen erforderlich – nicht nur die viele Proben- und Arbeitszeit. Ihre Tochter Nina, selber eine bekannte Schauspielerin, konnte sie nicht selber großziehen, sie musste zurück auf die Bühne. „In den ersten Wochen nach meiner Rückkehr an das Theater bekam ich einen Job im Büro“, erinnert sie sich im Marstall – und schließt an diesen Satz eine gehaltvolle Pause. Schnell war klar, dort blieb sie nicht lange, ließ ihre Tochter auch bei ihrer Mutter zurück. „Meine Tochter hat mir nie Vorwürfe gemacht“, sagt sie heute.

Trotzdem sie eine leidenschaftliche Bühnenschauspielerin ist, wagte sie doch den Schritt ins Fernsehen. „Über diesen Schritt haben die Kollegen damals noch die Nase gerümpft“, ließ sie ihre Ahrensburger Gäste wissen, „heute wollen es alle.“ Und wie es so geht – das Fernsehen machte sie einem breiten Publikum bekannt und schließlich zu einer der erfolgreichsten Schauspielerinnen Deutschlands.

Ihre große Rolle der Bella Block, ursprünglich eine Romanfigur der Hamburger Autorin Doris Gercke, mimt sie seit 25 Jahren. Hannelore Hoger lachend: „Eigentlich ist Bella Block weit über die Altersgrenze des Ruhestandes hinaus.“ Der wird nun auch tatsächlich erfolgen, denn nach 25 Jahren soll alsbald die letzte Folge der Bella Block-Krimis ausgestrahlt werden.

„Ohne Liebe trauern die Sterne“: Ein Buch ohne Schauspiel-Skandale

Auf der Bühne des Marstalls saß sie an diesem Abend auch mit Uwe Neumann, Lektor ihres Buches, für ein Interview. Der fragte Hannlore Hoger: „Du hast in deinem Buch keine Skandale aufgewühlt oder Schlechtes über Kollegen geschrieben – bis Du so ein netter Mensch?“. „Ooh – ich habe doch auch etwas Kritisches geschrieben“, entgegnet Hoger sofort und ergänzt: „Aber eigentlich stimmt es, denn es gibt keinen Grund, warum ich das tun sollte, es war vieles einfach nett.“

Die Schauspielerin Hannelore Hoger mit ihrem Lektor Uwe Neumann bei der Lesung ihres Buches "Ohne Liebe trauern die Sterne" im Ahrensburger Marstall im Rahmen der Reihe "Literatur live". Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Die Schauspielerin Hannelore Hoger mit ihrem Lektor Uwe Neumann bei der Lesung ihres Buches „Ohne Liebe trauern die Sterne“ im Ahrensburger Marstall im Rahmen der Reihe „Literatur live“.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Doch der Abend ist mehr, als ein Rückblick auf ihre Schauspiel-Karriere. Sie erinnert sich an das Aufwachsen im zerstörten Hamburg, an ihr Familienleben mit den drei Geschwistern, erzählt viel von ihrem Vater und noch mehr von ihrer Mutter. „Meine Mutter war sehr warmherzig, aber auch sehr kämpferisch – sie hat so manchen Prozess ausgefochten“, sagt sie lachend. „Und sie saß bei allen meinen Premieren aufgeregt im Publikum. Sie hat mir sehr viel bedeutet.“

Eines wurde klar an diesem Abend: Aus einer Hannelore Hoger hätte nie und nimmer etwas anderes werden können, als eine Schauspielerin. Die Welt der Rollen und Szenen, der Inszenierungen, Masken und Wandlungen ist die ihre. Dabei ist ihr eines bewusst: „Talent gehört zum Erfolg dazu, sicher, aber ich habe vor allem auch sehr viel Glück gehabt. Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort die richten Leute kennen lernen, ohne das geht es nicht.“

Das Buch „Ohne Liebe trauern die Sterne“ ist im Rowohlt Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich. Sie nennt es „Bilder aus meinem Leben“ im Untertitel. Die Lesung im Marstall Ahrensburg war die letzte der Saison 2017 in der Reihe „Literatur live“, eine Veranstaltungsreihe des Kulturzentrums Marstall, der Buchhandlung Stojan und der Weinhandlung 20 Wines.

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