Ammersbek: Grundschule Bünningstedt wird ein Neubau

0

Ammersbek (ve). „Es ist schon komisch“, wundert sich Bürgermeister Horst Ansén, „da will man eine Bildungseinrichtung für die Zukunft aufstellen und dann muss man sich dafür rechtfertigen.“

Das Logo der Grundschule Bünningstedt und der Blick in die Zukunft: Soll sie saniert oder neu gebaut werden? Grafik: Grundschule Bünningstedt/Montage:ahrensburg24.de

Das Logo der Grundschule Bünningstedt und der Blick in die Zukunft: Soll sie saniert oder neu gebaut werden?
Grafik: Grundschule Bünningstedt/Montage:ahrensburg24.de

Rechtfertigen musste er sich auf der Sitzung der Gemeindevertretung Ammersbek. Und zwar vor dem Hintergrund intensiver Kritik von Einwohnern an dem Vorhaben, die Grundschule Bünningstedt als Neubau zu planen. Die Kritiker hätten es lieber gesehen, dass das jetzige Gebäude der Schule saniert wird.

Die Gemeindevertreter waren auf der Dezember-Sitzung aufgefordert, eine Entscheidung genau über die Frage zu treffen – Neubau oder Sanierung.  Und auch sie sahen sich der Kritik ausgesetzt, vorschnell eine Entscheidung zu treffen, die der Gemeinde vor allem finanzielle schade, sollten sie sich für den Neubau aussprechen. Auch wurde der Wunsche geäußert, dass Betroffene sich an der Entscheidung direkt beteiligen sollten.

Kritik in der Einwohnerfragestunde: „Politik während einer Zigarettenpause“

Die heftige Kritik der Anwohner – auch ein offener Brief war an die Gemeinde geschrieben worden: Die Gemeindevertreter hätten sich nicht umfassend über die Unterschiede beider Planungen informiert, hätten voreilig „bei einer Zigarettenpause“ weitreichende Entscheidungen getroffen und die Entscheidung ohne Fachwissen getroffen. Auch habe es zuwenig Informationen an die Bürger und Anwohner über den Fortschritt der Verhandlungen gegeben, eine angekündigte Informationsveranstaltung sei nicht erfolgt.

Neubau oder Sanierung der Grundschule Bünningstedt: Umfangreiche Vorarbeiten in den Gremien

Bürgermeister Ansén und in der Debatte auch Gemeindevertreter verwahrten sich gegen derartige Vorwürfe. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, erläutert es etwa Rita Thönnes von der SPD, „wir haben lange und ausführlich und in mehreren Sitzung über das Thema gesprochen“.

Bürgermeister Ansén sah sich in der Einwohnerstunde und während der Debatte in der Pflicht ausführlich Stellung zu nehmen: „Neubau oder Sanierung – wir müssen entscheiden, wofür wir das Geld ausgeben, es geht darum, die wirtschaftlichere Lösung zu finden, die nicht immer die günstigste sein muss.“ Dafür einen Kredit aufzunehmen, sei ein legitimes Mittel und nicht verwerflich.

Hauptgrund für einen Neubau ist für den Bürgermeister, dass die Schule insgesamt mit ihrer Raumplanung, technischen Ausstattung und modernen Anforderungen auf die Zukunft ausgerichtet werden kann. „Das ist bei einer Sanierung nicht möglich“, so Ansén, „mehr noch: Es ist absehbar, dass bei einer Sanierung in den kommenden Jahren immer weiter investiert werden muss, dann könnte eine Sanierung am Ende sogar teurer werden.“

Rita Thönnes betrachtet die aktuelle Situation: „Wir waren vor Ort, auf dem Dachboden im Keller der Schule, da wird der Sanierungsstau besonders klar und deutlich.“ Und Christiane Maas von der CDU fügt an: „Die lange Bauzeit bei einer Sanierung ist den Schulkindern nicht zuzumuten.“

Neubau: Kritik der UWA und der Grünen

Bündnis 90/Die Grünen und die UWA sehen das anders. Gordian Okens von der UWA: „Die Schule bietet ein schönes Ambiente, es ist ein alter Backsteinbau und eine gute Bausubstanz.“ Er moniert zudem, dass die Sorgen der Anwohner nicht genügend berücksichtig worden sind und wünschte sich einen Runden Tisch zur Klärung und Aufarbeitung.

Umfassend ist auch die Kritik von Bündnis 90/Die Grünen. Sie kritisieren im übrigen auch die Arbeit in den Gremien, Angelika Schmidt: „Es liegen noch nicht alle Entscheidungsgrundlagen auf dem Tisch, es liegen noch nicht die genauen Zahlen zur Sanierung auf dem Tisch, bisher wurde nur in den Ausschüssen über die Frage debattiert.“

Inhaltlich sehen die Grünen nicht nur die Bausubstanz als erhaltenswert, sondern stellen auch konzeptionell den Neubau in Frage. So sehen sie keinen erhöhten Raumbedarf für Fach- und Gruppenräume, über die auch die Grundschule Hoisdorf nicht verfüge. Mehr noch stellt sie aber in Frage, ob eventuell sinkende Schülerzahlen der Zukunft eine derartige Verschuldung der Gemeinde rechtertigen könnten.

Die Baukosten: Fünf Millionen Euro und keinen Cent mehr?

Denn die unterschiedlichen Baukosten sind es, an denen sich die Meinungen der Gemeindevertreter scheiden. Mit dem Beschluss für einen Neubau geht die Gemeinde derzeit von Baukosten in Höhe von fünf Millionen Euro aus – . Gegengerechnet werden müsste der Verkauf des alten Grundschulgeländes, auf dem die Schule nicht neu gebaut werden soll, dadurch sollen Einnahmen von einer Million Euro erzielt werden. Vier Millionen Euro müsste die Gemeinde also finanzieren und sie wird dafür einen Kredit aufnehmen müssen.

Die Sanierung des alten Gebäudes würde weniger als vier Millionen Euro nach derzeitger Planung kosten. Beide Berechnungen allerdings sind derzeit Grobplanungen. Ansén: „Irgendwann im Laufe des Prozesse muss man die Entscheidung treffen, in welche Richtung man gehen will, beide Planungen bis ins Detail duchzuführen ist nicht machbar.“ Nicht zuletzt verursacht dass zusätzliche Planungskosten.

Die Gemeindevertretung hat eine recht eindeutige Entscheidung getroffen, mit einer Mehrheit von 14 Jah-Stimmen bei vier Nein-Stimmen der Grünen und der UWA wurde beschlossen, dass nun detailierte Planungen für einen Neubau der Grundschule Bünningstedt in Angriff genommen werden. „Damit können wir nun“, so Ansén, „im Januar eine Informationsveranstaltung für alle Interessierten machen und das Vorhaben ausführlich vorstellen.“ Die Anwohner, die Kritik geäußert hatten, lud er zu sich ins Rathaus zu einem direkten Austausch ein.

Die Anwohner bei einer Beschlussfassung zu beteiligen, hielt die Gemeindevertretung nicht für den richtigen Weg, die gewählten Vertreterinnen und Vertreter hätten die Aufgabe zu entscheiden, hieß es von mehreren Seiten.

image_pdfimage_print
Teilen.

Kommentieren