Paradigmen-Wechsel in der Schulpolitik: Ahrensburg setzt auf die Offene Ganztagsschule

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Ahrensburg (ve). Dieser Beschluss kann die Schullandschaft in Ahrensburg nachhaltig verändern: Einstimmig hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, zukünftig eine Offene Ganztagsschule in Ahrensburg anzubieten.

Abschied von dem Altbau der Ahrensburger Grundschule am Reesenbüttel: Ein Blick in das Altgebäude vor den Abbrucharbeiten. Nun wird die Schule auch inhaltlich neu aufgestellt. <br /> Foto: © Silke Mascher /Archiv ahrensburg24.de

Abschied von dem Altbau der Ahrensburger Grundschule am Reesenbüttel: Ein Blick in das Altgebäude vor den Abbrucharbeiten. Nun wird die Schule auch inhaltlich neu aufgestellt.
Foto: © Silke Mascher /Archiv ahrensburg24.de

Die Offene Ganztagsschule soll zunächst an der Grundschule am Reesenbüttel eingeführt werden und auch dort nur nach einer eingehenden Prüfung. Politisch geprüft werden die Vergabe an den Träger und die Wirtschaftlichkeit des von ihm vorgelegten Konzeptes. Erst wenn dieses die Politik überzeugt, erfolgt nach erneuter Zustimmung der Gremien die Einrichtung der Offenen Ganztagsschule. Noch gibt es also reichlich Hintertüren.

Doch schon jetzt sorgt der Beschluss für Wirbel bei Pädagogen, Eltern und Erziehern. Denn derzeit gewährleistet die Arbeiterwohlfahrt (AWO) die Betreuung der Grundschulkinder in ihren Horten. Diese wären mittel- bis langfristig nicht mehr erforderlich. Die AWO sorgt sich daher schon jetzt um die Zukunft ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Offene Ganztagsschule: Von der Grundschule gewünscht

Die Umstellung auf eine Offene Ganztagsschule erfolgt auf Wunsch der Ahrensburger Grundschulen. Der einstimmige Beschluss der Stadtverordnetenversammlung führt dennoch ein bisschen ins Niemandsland. Zwar gibt es ein umfassendes Konzept der Grundschule, dafür gab es eine Lenkungsgruppe der Ahrensburger Grundschulen. Doch unbekannt ist, wer es wie umsetzen wird, die Vergabe erfolgt erst nach einer europaweiten Ausschreibung.

Offene Ganztagsschule: Politisch gewünscht

Unbekannt ist auch die Finanzierung, denn die Planung fußt auch auf der politischen Aussage der neuen Landesregierung, die Offenen Ganztagsschulen an den Grundschulen zu unterstützen. Dies ist bisher allerdings eben nur eine Ankündigung. Definiert ist bereits der Anteil der Eltern, ihre Beiträge sollen 50 Prozent der Kosten finanzieren. Derzeit wird mit monatlichen Beiträgen in Höhe 95 Euro für den Mittagsplatz, 161 Euro für den Dreiviertelplatz und 207 Euro für den Ganztagsplatz gerechnet. Dazu kommen die Kosten für das Mittagessen in Höhe von 60 Euro.

Dennoch steht der Beschluss argumentativ auf festem Fundament. Hintergrund ist die Frage, wie der zunehmende Bedarf der Ganztagsbetreuung an Grundschulen gewährleistet werden kann.

Gerade in Ahrensburg ist das für viele Eltern ein ärgerliches Thema. Hortplätze werden grundsätzlich nur vergeben an Eltern, die durch Arbeitsverträge einen Bedarf anmelden können. Trotzdem gibt es in der Stadt seit Jahren nicht genug und immer wieder Wartelisten. Viele Eltern fürchten, dass sie mit dem Übertritt ihrer Kindergartenkinder an die Grundschule ihrer Berufstätigkeit nicht mehr nachkommen können.

Politik und Verwaltung haben mit immer neuer Ausweitung des Angebotes und dem Bau immer neuer Gebäude versucht, der Entwicklung gerecht zu werden. In den Augen vieler Eltern allerdings nur mit zweifelhaftem Erfolg. Der Paradigmen-Wechsel ist daher von der Politik bewusst mit der Aussicht beschlossen worden, nachhaltig die Betreuungssituation der Kinder verbessern zu können.

Entscheidend dafür: Die Offene Ganztagsschule (OGS) unterliegt dem Schulgesetz und nicht der Heimaufsicht. Vorgaben für Betreuung und Raumausstattung sind daher in der OGS parallel zum Schulalltag leichter umzusetzen. Dazu kommt die bereits genannte politische Aussage der Landesregierung mit der Perspektive, dass mittelfristig die Städte und Gemeinden von der Landesregierung zum Paradigmen-Wechsel veranlasst werden.

Und schließlich kommt eines zum Tragen: Eine OGS ist ein Angebot des Schulträgers und somit nicht mehr nur nach Antrag in Anspruch zu nehmen. Die OGS ist offen für alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von der Berufstätigkeit ihrer Eltern.

Das Konzept der Grundschule am Reesenbüttel ist umfassend ausgearbeitet. Die OGS bietet den Kindern freie Zeit zum Spielen, Hilfe bei den Hausaufgaben und Freizeitangebote in vielen verschiedenen Kursen. Die OGS kann flexibel gewählt werden entweder als Betreuung bis 14 Uhr oder als Betreuung bis 17 Uhr mit flexibler Abholungszeit. Betreut werden sollen die Kinder von Erzieherinnen und Erziehern, Heilpädagogen sowie Honorarkräften in den Arbeitsgruppen und Freizeitangeboten.

Der Neubau eines Gebäudeteils der Grundschule am Reesenbüttel – der sich bereits um ein halbes Jahr verzögert hat – ist mit Blick auf Hortbetreuung geplant. Die Klassenräume sind so konzipiert, dass sie sich auch für eine Hortbetreuung eignen. Dazu gibt es einen neuen Schulhof.

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