Gastbeitrag der IHK zu Lübeck: Das ist in 2018 wichtig

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Stormarn (ve/pm). Die Herausforderungen für die Wirtschaft: Die IHK zu Lübeck setzt für 2018 Schwerpunkte bei Digitalisierung, Ausbildung und Kundenorientierung. ahrensburg24.de veröffentlicht den Ausblick der IHK als Gastbeitrag.

Themenbild IHK zu Lübeck. Foto:ahrensburg24.de

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Die Digitalisierung stellt die Wirtschaft vor tief greifende Veränderungen. Eine leistungsfähige Breitbandinfrastruktur, IT-Sicherheit, Datenschutz und die erforderlichen Basiskompetenzen der Mitarbeiter beschäftigen die Unternehmen derzeit. „Zugleich stehen die Betriebe aller Branchen vor der Herausforderung, mit dem hohen Tempo der Entwicklung Schritt zu halten. Wer jetzt den Anschluss verliert, könnte seine Wettbewerbsfähigkeit einbüßen“, sagte Friederike C. Kühn, Präses der IHK zu Lübeck. Die IHK hat es sich daher zum Ziel gesetzt, ihre Mitglieder beim Thema Digitalisierung noch intensiver als bisher zu unterstützen. Das kündigte Kühn in der IHK-Jahrespressekonferenz an.

Investition in die Digitalisierung: Vorbereitung für Mittelständler

Bereits im November hatte die IHK-Vollversammlung beschlossen, Geld für die Digitalisierungs-Strategie in den Wirtschaftsplan einzustellen. „Damit werden wir in die technische Ausstattung investieren, den Service für unsere Mitglieder erhöhen, mehr Beratungsangebote schaffen und vor allem unsere Nähe zu unseren Kunden weiter ausbauen“, so Kühn. „Es kommen große Veränderung auf Wirtschaft und Gesellschaft zu. Um den Mittelstand darauf vorbereiten zu können, müssen wir uns besser und effizienter aufstellen.“ Mit der Investition will die IHK die technischen Voraussetzungen für weitere digitale Angebote schaffen und die Beratung der Mitglieder intensivieren.

Neue Impulse gibt die IHK der Region mit einem Arbeitskreis Künstliche Intelligenz, der den Unternehmen die Chancen der Digitalisierung aufzeigen soll, und dem Netzwerk „Produzieren für Morgen“. Dieses verbindet Unternehmen und Experten an den Hochschulen ebenfalls mit dem Ziel, die Digitalisierung für die eigene Produktion zu nutzen.

Digitalisierung ist auch der Schwerpunkt auf dem traditionellen Neujahresempfang der IHK zu Lübeck am Mittwoch, 17. Januar 2018, in der Lübecker Musik- und Kongresshalle. Zu diesem Ereignis erwartet die IHK rund 1.400 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Wissenschaft und öffentlichem Leben. Am 7. Februar 2018 informieren sich rund 500 Teilnehmer aus der Wirtschaft auf der IT-for-Business-Kongressmesse, einem in dieser Form einmaligen Angebot in Norddeutschland.

Konjunkturklima-Index der IHK zu Lübeck bei 125 Punkten

Der Zeitpunkt für Investitionen ist günstig, betonte IHK-Hauptgeschäftsführer Lars Schöning. Die anhaltend gute Konjunktur ermöglicht den Unternehmen den Spielraum, in die Zukunft zu investieren. Ausgehend von einer zwar guten, aufgrund der weltpolitischen Lage aber unsicher eingeschätzten Lage zum Jahreswechsel 2016/17 hat sich die Lage der regionalen Wirtschaft wie auch in den Vorjahren positiv entwickelt. Bundesweit war bereits von einer drohenden „Überhitzung“ der Konjunktur die Rede. Schöning: „Zu Beginn des vierten Quartals 2017 hat sich die Stimmung in der schleswig-holsteinischen Wirtschaft im Vergleich zum Sommerquartal gehalten: Der Konjunkturklima-Index der IHK zu Lübeck, der einen Wert zwischen null und 200 annehmen kann, beträgt beachtliche 125 Punkte. Besonders die Unternehmen in der Industrie schätzen ihre Lage als sehr günstig ein.“

Insgesamt schätzen 52,3 Prozent der Befragten die gegenwärtige Lage als gut ein.39,8 Prozent bewerteten die Situation als befriedigend, nur 7,9 Prozent der Unternehmen gaben ihre Lage als schlecht an. Die Unsicherheit über die künftige Bundesregierung, der Brexit und die US-Wahl haben bisher keine großen Auswirkungen auf die Wirtschaft im Hansebelt. Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate haben sich die Erwartungen zur Geschäftslage folgerichtig verbessert. Insgesamt bewerten 22 Prozent der Unternehmen die Entwicklung für die Zukunft positiv. 64,1 Prozent erwarten gleich bleibende Geschäfte, und 13,9 Prozent rechnen mit einem Rückgang der wirtschaftlichen Entwicklung. Erfreulich ist die Entwicklung im Arbeitsmarkt. In den Kreisen unseres IHK-Bezirks sind die Arbeitslosenquoten auf einem historischen Tiefststand zu verzeichnen. Im Kreis Stormarn herrscht mit einer Quote von 3,2 Prozent faktisch Vollbeschäftigung. Davon ist auch der Kreis Segeberg mit 4,4 Prozent Erwerbslosenquote nicht weit entfernt. Das gute Weihnachtsgeschäft und die vor allem von deutschen Gästen getragenen Rekordzahlen im Tourismus sprechen für ein Anhalten der Konjunktur.

Die IHK zu Lübeck: Ratgeber für die Mitglieder

Damit diese erfreuliche Entwicklung anhält und krisenfest wird, hat die IHK zu Lübeck 2017 ihre Aktivitäten für ihre Mitglieder deutlich verstärkt. Mit der von der Vollversammlung angestoßenen Initiative „Mein Unternehmen Zukunft“ hat die IHK ein bundesweit beispielloses Programm pro Unternehmertum entwickelt. Ziel ist es, das Image der Unternehmer deutlich zu verbessern und das „Feuer für Unternehmertum“ neu zu entfachen, um mehr Menschen zum Schritt in die Selbstständigkeit zu motivieren – als Gründer oder als Nachfolger. Grundlage dafür ist, dass die Menschen, die ihr Unternehmen Zukunft selbst gestalten wollen, unternehmerisch denken und handeln. „Wir haben fünf Zielgruppen identifiziert, die wir erreichen wollen. Außer Unternehmern und den am Nachfolgeprozess beteiligten Übergebern und Übernehmern sind es Fachkräfte sowie Studenten und Auszubildende“, sagte Kühn. „Auch Schülern wollen wir ein positives Bild vom Unternehmertum und der Führung eines eigenen Betriebes vermitteln. Diese Initiative ist bis zum Ende der Legislaturperiode der Vollversammlung 2021 ausgelegt.“

Damit geht eine Ausweitung der Beratungsangebote der IHK für ihre Mitglieder und Existenzgründer einher. „Wir setzen unseren konsequenten Kurs der Service- und Kundenorientierung fort“, so Schöning. „Im Zuge der Initiative ‚Mein Unternehmen Zukunft‘ haben wir innovative und ungewöhnliche Formate entwickelt, um mehr Gründungsinteressierte zu erreichen. Dabei rücken wir auch vom rein erfolgsorientierten Denken der Vergangenheit ab und zeigen auf, dass auch Risiko und Scheitern zum Unternehmertum dazu gehören.“ Mit der fckup N8 habe die IHK ein topaktuelles Thema aufgegriffen. Bei zwei Terminen in Lübeck standen das Scheitern und das Wiederaufstehen im Mittelpunkt. Jeweils mehr als 120 Teilnehmer diskutierten angeregt mit den Unternehmern auf dem Podium.

„Entgegen dem negativen Bundestrend ist das Interesse an Gründungsberatung und -veranstaltungen in unserem Bezirk gleichbleibend“, sagte Schöning. Mehr als 400 Frauen und Männer informierten sich konkret über die Möglichkeiten zur Gründung eines Unternehmens im Haupt- oder Nebenerwerb. Um diesen Trend zu verstetigen, warb die IHK auch an Schulen für die Themen Unternehmertum und Existenzgründung. In Ahrensburg, Mölln, Lübeck und Lauenburg haben rund 200 Schüler mit IHK-Beratern und ehrenamtlichen Unternehmern über die Selbstständigkeit diskutiert.

Die sogenannte Jamaika-Koalition hat das Ziel, Schleswig-Holstein zum unternehmerfreundlichsten Bundesland in Deutschland zu machen. „Dafür muss das Gründerklima stimmen“, forderte der Hauptgeschäftsführer. Möglich sei es, die Vorgründungsberatung wieder zu aktivieren, damit sich schon frühzeitig die Weichen bei den potenziellen Gründern richtig stellen lassen und nicht im Nachhinein eine aufwendige Korrektur durch BAFA-Krisenförderung erfolgen muss. Auch die landesweiten Gründercamps sollten offen sein für Interessenten, die nicht bei der Agentur für Arbeit gemeldet sind. „Denkbar wäre auch ein Gründungszuschuss für Nicht-Arbeitslose. Passend hierzu würde ein landesweites Portal für die Gewerbeflächensuche helfen“, so Schöning.

Die IHK werde im kommenden Jahr auch in Kooperation mit der Handwerkskammer Lübeck ihre Beratungsaktivitäten ausbauen und jeweils dreimal in Eutin, Ratzeburg, Ahrensburg und Norderstedt sowie zweimal in Bad Segeberg kurze Wege für Interessenten bieten. „Auch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Hochschulen am Gründercube und am Technik Zentrum Lübeck werden wir fortsetzen“, kündigte Schöning an.

Ebenso wichtig sei es, Unternehmer zu motivieren, das Feuer für Unternehmertum an die nächste Generation weiterzugeben. „137 Selbstständige suchten 2017 zum Thema Nachfolge in Einzelgesprächen den Rat der IHK zu Lübeck. Das ist eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr, als es nur 66 Beratungen waren. Sie belegt deutlich den zunehmenden Handlungsdruck der Inhaber“, sagte Schöning. Auch 128 Übernahmeinteressenten nutzten das Beratungsangebot. In sechs Veranstaltungen im gesamten Kammerbezirk sensibilisierten und informierten sich insgesamt rund 300 Abgeber und Übernehmer über dieses volkswirtschaftlich bedeutende Thema. Ein Highlight war der Aktionstag Unternehmensnachfolge. Schöning: „Im kommenden Jahr werden wir dieses Engagement weiter fortsetzen und gemeinsam mit den Handwerkskammern im Land unsere Unternehmensnachfolgebefragung bei 20.000 Unternehmen mit einer Geschäftsführung älter als 55 Jahre vornehmen.“

Auch Beratungsangebote in den Bereichen Energieeffizienz, Umwelt, IT-Sicherheit und Außenwirtschaft will die IHK im kommenden Jahr weiter stärken. „Ein mittlerweile etabliertes Format ist ein Außenwirtschaftsseminar für Auszubildende. Das ist ein echter Mehrwert für die jungen Fachkräfte und die Unternehmen“, so Schöning. In diesem Zusammenhang verwies er auf die anhaltend hohen Anstrengungen von IHK und Unternehmen in der Ausbildung. „Das Duale System ist ein idealer Einstieg in das Berufsleben. Obwohl es demografisch bedingt weniger Schulabgänger gibt, haben unsere Unternehmen auch 2017 wieder auf hohem Niveau ausgebildet. Insgesamt haben wir 3970 Ausbildungsverträge registriert, nur 80 Verträge oder zwei Prozent weniger als im Vorjahr.“ Die Wirtschaft im Hansebelt hat auch 2017 wieder ausreichend Ausbildungsplätze angeboten. „Allerdings blieben rund 800 Plätze unbesetzt“, so Schöning.

Wichtig für die Wirtschaft: Fehmarnbelt-Querung, Autobahn 20, Ausbau der Autobahn 21 und des Elbe-Lübeck-Kanals

Netzwerke sind für die IHK-Arbeit von großer Bedeutung. „Im zu Ende gehenden Jahr haben wir die Politikberatung deutlich verstärkt. Die Landesarbeitsgemeinschaft IHK Schleswig-Holstein hat vor der Landtagswahl im Mai Forderungen an die Wirtschaftspolitik gestellt. Die neue Landesregierung hat viele unserer Punkte aufgenommen“, sagte Kühn, die auch Präsidentin der IHK Schleswig-Holstein ist. Mit dieser starken Stimme setzt sich die Wirtschaft auch weiterhin für den Bau der festen Fehmarnbelt-Querung, den Bau der A20, den Ausbau der A21 und des Elbe-Lübeck-Kanals und weiterer Projekte ein.

Bei den ShortSeaShipping Days 2018 am 20. und 21. Juni 2018 ist die IHK bereits zum dritten Mal Co-Veranstalter. Die IHK erwartet gemeinsam mit dem deutschen ShortSeaShipping Inland Waterway Promotion Center (spc) mehr als 500 Teilnehmer zum Branchentreffen für den Kurzstreckenseeverkehr in der Lübecker Musik- und Kongresshalle.

Von großer Bedeutung war auch der erste Kongress „Frauen in Führung im Norden“ in Lübeck. Bundesfamilienministerin Katarina Barley hatte es sich nicht nehmen lassen, mit den rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu diskutieren. Ein Höhepunkt der zweitätigen Veranstaltung war die Verleihung des ersten Unternehmerinnenpreises der Investitionsbank Schleswig-Holstein, um den sich mehr als 100 von Frauen geführte Unternehmen beworben hatten.

Über die Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein hinaus engagiert sich die IHK zu Lübeck in der IHK Nord und kooperiert eng mit der IHK zu Schwerin sowie dem HanseBelt Verein. „Diese Unternehmerinitiative hat eine große Erfolgsgeschichte geschrieben. 2018 besteht sie seit zehn Jahren“, so Kühn. Auch das Netzwerk der Ernährungswirtschaft „foodregio“ wird zehn Jahre alt. Auf ein Jahrzehnt erfolgreicher Arbeit blickt auch das Fehmarnbelt Business Council (FBBC) zurück, dessen Geschäftsstelle in der IHK in Lübeck untergebracht ist. Die IHK beteiligt sich zudem mit einem Tag der Offenen Tür am Sonnabend, 9. Juni 2018, an den Feierlichkeiten zum 875-jährigen Bestehen der Hansestadt.

Trotz der umfangreichen Aufgaben und der anstehenden Investitionen für 2018 hat die IHK-Präses eine gute Nachricht für die Mitgliedsunternehmen: „Wir wollen die Betriebe entlasten. Die Vollversammlung hat daher im November auf Empfehlung des Präsidiums und des Haushaltsausschusses beschlossen, im kommenden Jahr nicht die vollen Beiträge zu erheben, sondern diese für 2018 um 15 Prozent zu mindern.“

Quelle: IHK zu Lübeck

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