Jugendsinfonieorchester Ahrensburg: Dirigent Michael Klaue verabschiedet sich nach 25 Jahren

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Ahrensburg (ve). Genau 25 Jahre stand Michael Klaue am Pult des Jugendsinfonieorchesters Ahrensburg. Jetzt verabschiedet er sich in den Ruhestand.

Das Jugendsinfonieorchester Ahrensburg mit seinem Dirigenten Michael Klaue bei Probenarbeiten. Das Bild entstand im Jahr 2014 im Eduard-Söring-Saal. Foto:©ahrensburg24.de

Das Jugendsinfonieorchester Ahrensburg mit seinem Dirigenten Michael Klaue bei Probenarbeiten. Das Bild entstand im Jahr 2014 im Eduard-Söring-Saal.
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Nein – das ist kein normaler Abschied. Michael Klaue, eigentlich Musiklehrer an der Stormarnschule Ahrensburg, hat die Leitung des Jugendsinfonieorchesters Ahrensburg (JSOA) 1993 von Karl-Heinz Färber übernommen. Der hatte das Ensemble 25 Jahre zuvor gegründet und damit den Grundstein für den wichtigsten Klangkörper der Stadt Ahrensburg gelegt. Diese beiden Dirigenten haben damit ein halbes Jahrhundert lang das symphonische Orchester geprägt.

Und auch der Klangkörper ist kein normaler. Es ist ein Jugendorchester, eingebettet in den Musikunterricht eines Gymnasiums. Träger ist ein Verein, finanziell gefördert wird es von der Stadt Ahrensburg, die Politik gewährte jüngst eine Erhöhung der Zuschüsse. Und durch seine Konzerte in Hamburg, Schleswig-Holstein und inzwischen weltweit in den USA, Japan und China ist es vor allem auch ein Aushängeschild der Schlossstadt und ein ganz besonderes Identifikationsmerkmal für die Stormarnschule.

Michael Klaue und das Jugendsinfonieorchester Ahrensburg: Wehmut und Dankbarkeit

„Ich denke mit Dankbarkeit und mit Wehmut an die vergangenen 25 Jahre“, gesteht Michael Klaue im Gespräch mit ahrensburg24.de. „Ich habe das eine oder andere bewegen können in den vergangenen Jahren. Und ich würde es immer wieder tun.“ Das Wort „Plackerei“ entwischt ihm bei seinem Rückblick: „Die Intensität der Musikerinnen und Musiker beim Musizieren genauso wie beim Publikum – das ist die Plackerei wert!“.

Das Jugendsinfonie-Orchdester Ahrensburg unter der Leitung von Michael Klaue im Ballsaal des Atlantic Grand Hotels Travemünde. Foto:©Jugendsinfonie-Orchester Ahrensburg

Das Jugendsinfonie-Orchdester Ahrensburg unter der Leitung von Michael Klaue im Ballsaal des Atlantic Grand Hotels Travemünde.
Foto:©Jugendsinfonie-Orchester Ahrensburg

Ihm gegenüber sitzen junge Nachwuchsinstrumentalisten, die sich an die große symphonische Literatur wagen, Klaue: „Aufgrund der Größe des Orchesters machen wir nur um die ganz großen Komponisten wie Gustav Mahler oder Johannes Brahms einen Bogen, allen anderen stellt sich das klassisch-romantische Orchester.“ So auch beim Abschiedskonzert von Klaue am 3. Februar 2018 in der Laeiszhalle, Komponisten wie Felix Mendelssohn-Bartholdy oder Jean Sibelius stehen auf dem Programm.

Dieses Programm fordert nicht nur die Lehrenden und den Dirigenten, sondern natürlich die Lernenden. „Für die Schülerinnen und Schüler ist die Mitarbeit im Orchester ein große Herausforderung und hart an der Grenze der Belastbarkeit“, weiß Michael Klaue, „aber: Wenn das nicht wäre, würde das Orchester an seiner Attraktivität verlieren. Das finden auch die Schüler.“ Dazu gehört auch, das stets zum Programm ein Solokonzert gehört, zu dem dann einer oder eine der Instrumentalisten nach vorne treten muss.

Und es bedeutet vor allem eines: Nachwuchsmusikerinnen und -musikerin wird es ermöglicht, symphonische Musik als Akteure inmitten eines großen Orchester zu erleben.

Die Schüler übrigens hätten vor allem Interesse an den klassischen bis romantischen Werken, Zeitgenössisches kommt ihnen nicht so gerne aufs Pult: „Das hat mich doch erstaunt, dass gerade die Jugendlichen da keine so große Offenheit zeigen“, so Klaue. Insbesondere, weil das Orchester durch Kontakte zu jungen Komponisten häufiger die Gelegenheit habe, Uraufführungen zu spielen, bedauert Klaue diese Zurückhaltung. Mehr Spielfreude gäbe es da für Filmmusik und Musicals, „dem muss man auch nachkommen“, betont Klaue, „eine gute Mischung der Programme macht den Erfolg des Orchesters aus.“

Abschlusskonzert 700 Jahr-Feier: Dirigent Michael Klaue forderte und bekam von seinem Jugendsinfonieorchester den vollen Klang. Foto:ahrensburg24.de

Abschlusskonzert 700 Jahr-Feier: Dirigent Michael Klaue forderte und bekam von seinem Jugendsinfonieorchester den vollen Klang.
Foto:ahrensburg24.de

Klaue ist nicht nur Dirigent und künstlerischer Leiter, er ist Ideengeber, Organisator, treibende Kraft, das Gesicht des Orchesters, Lehrer, Motivator und eine unermüdliche Kraft bei der Entdeckung von Neuem. So gehört seit langem der Austausch mit den Vereinigten Staaten von Amerika zum Leben des Orchesters, das war schon Karl-Heinz Färber wichtig. Doch Klaue intensivierte dies, da er Dozent beim Blue Lake Fine Art Camp ist, das den Austausch noch beförderte. In den 90er Jahren wendete sich nach der Wende der Blick nach Osteuropa. Heute denkt das Orchester global, mit Konzertreisen nach Japan und China stellte er seine Musiker vor neue Herausforderungen. Klaue: „Diese Reisen sind Völkerverständigung und Jugendkultur – und auf der Basis des Austausches, bei dem alle Beteiligten in Familien leben, sind sie ein besonderes Erlebnis.“

Doch – auch wenn Michael Klaue ziemlich viele Fäden des Orchesters in seinen Händen hält, alle sind es dann doch nicht. „Ich habe viele Helfer und Unterstützer“, möchte er nicht unerwähnt lassen. Das seien zum einen der Vorstand und die Mitglieder des Vereins unter dem Vorsitzenden von Dr. Jens Voß sowie die Mitarbeiterinnen bei der Stadtverwaltung. Die Probenarbeit der inzwischen drei Ensembles – dem Mittwochs-Orchester, dem Freitags-Orchester, beide für jüngere Schülerinnen und Schüler, sowie dem Sinfonieorchester – wird von vielen getragen, die Register- und Gruppenproben betreuen.

Vor diesem Hintergrund war es Klaue möglich, eines seiner Ziele zu erreichen: „Ich wollte, dass das Orchester mehr Auftritte hat, als nur ein Konzert jährlich in der Laeiszhalle.“ So sind es inzwischen Gastspiele in der Region und natürlich zahlreiche Konzertreisen. Eines jedoch hat er nicht erreichen können: „Ich hatte mir gewünscht, dass das Register der Streicher stärker wird.“ Doch Klaue musste feststellen, dass es zwar reichlich Nachwuchs gibt an jungen Leuten, die Geige oder Bratsche lernen – aber nicht genügend, die den Anforderungen in dem symphonischen Orchester gewachsen sind. Klaue: „Bei den Streichern steht das Orchester stets an der unteren Grenze dessen, was erforderlich ist.“ Kontrabässe zudem gäbe es gar nicht, da ist das Orchester meist auf Aushilfen angewiesen.

Das Jugendsinfonieorchester Ahrensburg auf der Bühne der Laeiszhalle in Hamburg. Foto: © Axel Stein

Das Jugendsinfonieorchester Ahrensburg auf der Bühne der Laeiszhalle in Hamburg.
Foto: © Axel Stein

Konzert in der Laeiszhalle am 3. Februar

Zum Schuljahresende 2017/2018 geht der Lehrer Michael Klaue in den Ruhestand. Damit ist das diesjährige Konzert in der Laeiszhalle am Sonnabend, 3. Februar 2018, sein letztes. Für das Mittwochs- und das Freitagsorchester gibt es aller Voraussicht nach einen Nachfolger. Die Nachfolge am Pult des JSOA ist allerdings noch nicht geklärt. Klaue: „Ich fände es schön, wenn die Konstruktion erhalten bliebe, dass dies ein Lehrer der Stormarnschule übernimmt. Denn dadurch ist gewährleistet, dass es immer Nachwuchs gibt.“ Eine solche Lehrkraft zu finden, ist allerdings für Schule und Trägerverein eine Herausforderung.

Für jetzt bereiten Klaue und das Orchester die Ouvertüre „Ruy Blas“ von Felix-Mendelssohn-Bartholdy und die Suite „Finlandia“ von Jean Sibelius vor – letzteres übrigens mit Beteiligung vieler Ehemaliger. Außerdem werden sie ein James Bond-Medley spielen, Ausschnitte der Filmmusik zu „Pirates of the Caribbean“, zu „Star Trek“ und zum Phantom der Oper spielen. Karten zu dem Konzert zum Preis von 13 bis 19 Euro, ermäßigt 9 bis 12 Euro, gibt es online unter www.jsoa.de sowie im Sekretariat des Orchesters, zu erreichen unter der Rufnummer 04102 / 88 03 16. Zudem gibt es Karten im Sekretariat der Stormarnschule, Waldstraße 14 in Ahrensburg, in der Rathausapotheke in Ahrensburg und an der Abendkasse der Laeiszhalle in Hamburg.

Doch das ist nicht der ganze Abschied: Am Freitag, 15. Juni 2018, gibt es ab 17 Uhr eine große Jubiläumsfeier zum 50. Geburtstag des Orchesters und zum Abschied von Michael Klaue. Und der Termin für das nächste Konzert in der Laeiszhalle steht auch schon, es ist 27. Januar 2019. Vielleicht ist Michael Klaue dann ja als Zuhörer dabei.

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