Neujahrsempfang in Ammersbek: Der letzte für Bürgervorsteherin Reckling

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Ammersbek (ve). Ammersbek wird nach dem 6. Mai 2018 nicht mehr dieselbe Gemeinde sein. Ja – auch wegen der Kommunalwahlen und der neu gewählten Gemeindevertretung. Aber noch viel mehr, weil die Bürgervorsteherin dann nicht mehr Ingeborg Reckling heißen wird.

Neujahrsempfang 2018 der Gemeinde Ammersbek: Bürgervorsteherin Ingeborg Reckling und Bürgermeister Horst Ansén blickten auf 40 Jahre Ammersbek. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Neujahrsempfang 2018 der Gemeinde Ammersbek: Bürgervorsteherin Ingeborg Reckling und Bürgermeister Horst Ansén blickten auf 40 Jahre Ammersbek.
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Ingeborg Reckling ist die dienstälteste Bürgervorsteherin im Kreis Stormarn und ihr politisches Engagement ist so alt, wie die Gemeinde selber. Denn Ammersbek feiert in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag und genauso lange ist Ingeborg Reckling Gemeindevertreterin. Seit 1990 ist sie Bürgervorsteherin mit einer Unterbrechung, während der Jürgen Kinza Bürgervorsteher war.

„Neun Jahre waren wir hier gemeinsam Gastgeber“, sagte Bürgermeister Horst Ansén, „und ich habe mich immer sehr über Deinen kurzweiligen Humor gefreut. Ich danke Dir sehr herzlich für diese Zeit und Dein Engagement.“ Diese Worte stellte Ansén seinem Grußwort auf dem Neujahrsempfang voraus und noch eine Botschaft mehr: Er war es, der die Bürgerinnen und Bürgern im Saal wissen ließ, dass Ingeborg Reckling bei der Kommunalwahl nicht mehr antritt. Sie selber hatte sich in ihrem Grußwort vorher dazu nicht geäußert. Die Worte und der Dank von Horst Ansén an sein Gegenüber im politischen Amt wurden im Saal mit großem Applaus und anerkennenden Rufen bestätigt.

Neujahrsempfang 2018 der Gemeinde Ammersbek: Bürgervorsteherin Ingeborg Reckling begrüßte zum letzten Mal in dieser Funktion die Gäste im Pferdestall. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Neujahrsempfang 2018 der Gemeinde Ammersbek: Bürgervorsteherin Ingeborg Reckling begrüßte zum letzten Mal in dieser Funktion die Gäste im Pferdestall.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Ingeborg Reckling selber blickte in ihrem Grußwort nicht auf ihr 40 Jahre währendes Engagement, sondern auf das 40 Jahre alte Ammersbek: „Es dauerte etwas, bis die beiden Ortsteile Hoisbüttel und Bünningstedt zusammenfanden.“ Denn, so zeigt es ein Spruch der Ammersbeker aus dieser Zeit – eine Liebesheirat war die Zusammenführung nicht. Reckling: „So eine richtige Identität musste erst noch geschaffen werden.“

Ingeborg Reckling erinnerte an ihren Vorgänger (einzigen) Günther Schmidt: „Er hat Maßstäbe gesetzt, besonders was den Umgang miteinander angeht, zusammen mit dem Bürgermeister wurde vieles festgelegt, was heute in der Gemeinde Bestand hat.“ Und er hat den Leitsatz geprägt, den sich – so scheint es – auch Ingeborg Reckling zur Maxime für sich und ganz Ammersbek wünscht: „Man muss sich kümmern“.

Ein essentieller Satz in der Demokratie und Ingeborg Reckling endete ihre letzte Bürgervorsteherin-Ansprache auf einem Neujahrsempfang mit folgenden gedankenschweren Worten: „Ich meine, wir können glücklich sein, in einem Land zu leben, in dem Demokratie verankert ist und Wohlstand fast garantiert, in einem Land, in dem Flüchtlinge aufgenommen werden können und bei allen Schwierigkeiten kaum Nachteile für uns entstehen und es immer noch weitaus besser ist, als in einem Land, aus dem man fliehen muss.“

Neujahrsempfang 2018 der Gemeinde Ammersbek: Bürgermeister Horst Ansén warb für mutige Entscheidungen für die Gemeinde. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Neujahrsempfang 2018 der Gemeinde Ammersbek: Bürgermeister Horst Ansén warb für mutige Entscheidungen für die Gemeinde.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Der erste Bürgermeister der Gemeinde hieß übrigens Werner Schwiderski. Sein Nachfolger Horst Ansén redete seinen Bürgerinnen und Bürgern auf eine sehr unterhaltsame Weise ins Gewissen: Er erinnerte sie an die Anfänge der Gemeinde vor 40 Jahren. Er zeigte in einer kurzen Diashow – bei deren Vorführung die Technik versagte und natürlich die Feuerwehr in Form einer helfenden Hand von Andreas Christian Schmidt am Laptop des Bürgermeisters aushalf, wer sonst? – die Felder und Wiese, die Höfe, Scheunen und Schulgebäude, für deren Bebauung und Abbruch sich die Ammersbeker einst entschieden hatten.

Vermutlich gehörte so mancher im Saal während der vergangenen 40 Jahre einmal in die Kategorie „Neubürger“. Ansén: „In Ammersbek suchten Menschen auch in der Vergangenheit, eigentlich schon immer, eine neue Heimat und fanden sie hier auch, und ich sehe unsere Gemeinde in der Pflicht, Neubürgern, Familien, Wohnungssuchenden eine Chance zu geben, in unserer schönen Gemeinde eine Neues Zuhause zu finden.“

„Wir profitieren heute von den klugen Entscheidungen in der Vergangenheit“, so Ansén. Als Beispiel nannte er die Grundschule Bünningstedt, für deren Neubau jetzt sich der Bürgermeister auch öffentlich ausgesprochen hat. Und er untermauerte seine Argumente mit einer kleinen historischen Einordnung: „Auch dem Neubau der Schule in den 70er Jahren musste ein lieb gewonnener Altbau weichen, damals entschied man sich für Neubau statt Sanierung.“ Wie damals sei heute das Gebäude nicht mehr den aktuellen Anforderungen des schulischen Alltages gewachsen gewesen, versucht Ansén aufs Neue die Gegner eines Neubaus zu überzeugen.

Daher, so Ansén: „Bei dem einen oder anderen Entwicklungsprojekt sollte man aus Ammersbeker Perspektive den Mut haben größer zu denken und für die Zukunft Weichen zu stellen, so wie das auch in den 1980er Jahren gemacht worden ist.“ Angesichts einer stark belasteten Gemeindekasse halte er eine Kreditaufnahme für diese Projekte auch für legitim und erforderlich. Übrigens: Um die Gemeindekasse nicht weiter zu belasten, wurde politisch beschlossen, den 40. Geburtstag der Gemeinde nicht offiziell zu feiern.

Ansén und Reckling betonten beide den Wert des Ehrenamtes für die Gemeinde und dankten den vielen Aktiven, insbesondere den beiden Feuerwehren. Sie sprachen sich für eine umfassende Unterstützung der Wehren ideell und monetär aus.

Aber auch die Politikerinnen und Politiker tragen große Verantwortung in der Gemeinde. Und sie müssen sich – wer sich denn nicht wie Ingeborg Reckling zurückzieht – im Mai 2018 zur Wiederwahl stellen. Horst Ansén: „Ich finde, unsere kommunalen Vertreter haben eine hohe Wahlbeteiligung verdient.“

Ingeborg Reckling verwies darauf, dass bei den Parteien wie auch bei anderen ehrenamtlichen Aufgaben das Engagement auch an seine Grenzen stoße. So habe aufgrund von fehlenden Kandidaten kein Seniorenbeirat eingesetzt werden können.

Soweit ist es in der Politik noch nicht, es gibt noch reichlich Kandidatinnen und Kandidaten für die Kommunalwahl. Aber durchaus mit Abstrichen, nicht überall können die Ortsverbände der Parteien die notwenige Anzahl an Kandidaten für die Wahlkreise ohne Mühe in ihren Reihen finden. Bündnis 90/Die Grünen aus Ammersbek hat das Problem bereits öffentlich gemacht, lesen Sie dazu auch den Beitrag „Die Grünen in Ammersbek: Wer möchte politisch etwas bewirken?

Ingeborg Reckling: „Die Aktiven sind verhältnismäßig alt, würden den Platz frei machen, junge Leute wollen oder können aus familiären oder beruflichen Gründen nicht die nötige Zeit aufbringen.“ Und der Reckling’sche Grund für ein politische Engagement lässt dann doch wieder ihren Humor durchblicken: „Es ist wichtig, die zum Teil ausufernde Neigung, alles in Gesetze zu fassen, einzudämmen, und die Erfinder von neuen Regelungen und Verordnungen zu bremsen.“

Gäste des Neujahrsempfanges waren neben den Feuerwehren und zahlreichen Politikern, Vertretern von Vereinen und Verbänden sowie dem Landtagsabgeordneten Tobias von Pein (SPD) auch die früheren Bundestagsabgeordneten Werner Zywitz (FDP) und Franz Thönnes (SPD). Letzterer ist im vergangenen Jahr aus dem Bundestag ausgeschieden. Zusammen mit Eckart Kuhlwein leben somit drei ehemalige Bundestagsabgeordnete in Ammersbek – vermutlich liege Ammersbek bei dieser Zahl im Bundesvergleich weit vorne, so Ingeborg Reckling schmunzelnd.

Neujahrsempfang 2018 der Gemeinde Ammersbek. Nun sind sie zu dritt: Mit Franz Thönnes (SPD, rechts) sowie Werner Zywitz (FDP, links) und Eckart Kuhlwein (SPD, nicht im Bild) gibt es in Ammersbek drei ehemalige Bundestagsabgeordnete. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Neujahrsempfang 2018 der Gemeinde Ammersbek. Nun sind sie zu dritt: Mit Franz Thönnes (SPD, rechts) sowie Werner Zywitz (FDP, links) und Eckart Kuhlwein (SPD, nicht im Bild) gibt es in Ammersbek drei ehemalige Bundestagsabgeordnete.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Neujahrsempfang 2018 der Gemeinde Ammersbek im Pferdestall. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Neujahrsempfang 2018 der Gemeinde Ammersbek im Pferdestall.
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