G9 statt G8: Am Eric-Kandel-Gymnasium ist die Entscheidung gefallen

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Ahrensburg (ve). Die Schülerinnen und Schüler des Eric-Kandel-Gymnasiums werden wieder neun Jahre zur Schule gehen. Das hat die Schulkonferenz gestern beschlossen.

Themenbild Eric-Kandel-Gymnasium. Foto:ahrensburg24.de

Themenbild Eric-Kandel-Gymnasium.
Foto:ahrensburg24.de

In der Schulkonferenz des Gymnasiums sitzen jeweils zehn Vertreterinnen und Vertreter der Lehrerschaft, der Elternvertretung und der Schülervertretung. Die Wahl darüber, ob das Gymnasium weiterhin in acht Jahren zum Abitur führen soll, erfolgte in geheimer Wahl. Nach den Gesetzesvorgaben des Bildungsministeriums müssen sich 75 Prozent der Vertreter für einen Erhalt von G8 aussprechen. Doch auf der Versammlung gab es nur sieben Stimmen für G8 und 23 dagegen. Damit sprachen sich circa 75 Prozent gegen G8 aus.

G8 oder G9? Abstimmung auf der Schulkonferenz

Für die Ahrensburger Schüler bedeutet das: Bereits ab dem Schuljahr 2018/2019 – als für die jetzigen Viertklässler – wird der Wechsel zu G9 am Gymnasium im Heimgartenschulzentrum umgesetzt. Das Schulsystem selber wird zwar erst für das Schuljahr 2019/2020 geändert, doch diese Änderung gilt auch für die dann sechsten Klassen. Alle jetzigen Klassen des Gymnasiums werden weiter in acht Schuljahren zum Abitur geführt.

Größter Unterschied zwischen G8 und G9 – neben der ein Jahr längeren Gesamtschulzeit – ist die Anzahl der Wochenstunden sowie die Zuordnung der Zusatzfächer. Da in G9 ein Schuljahr mehr Zeit ist, haben die Schülerinnen und Schüler in den einzelnen Schuljahren weniger Unterrichtsstunden. Derzeit sind es meist 30 bis 32 Stunden Unterricht pro Woche, bei G9 sind es meist 28 Stunden Unterricht pro Woche. Zudem wird die zweite Fremdsprache nicht in Klasse 6 begonnen, wie derzeit, sondern erst in Klasse 7.

Eric-Kandel-Gymnasium: Ein Arbeitskreis soll neue Lerninhalte festlegen

Vielmehr steht allerdings für das neue Konzept G9 noch nicht fest. Schulleiter Gerd Burmeister: „Wir haben jetzt anderthalb Jahre Zeit, unsere Lerninhalte und Lernkonzepte auf G9 auszurichten und neu zu sortieren.“ Dabei sei eines klar: Ein Zurück zum alten G9 werde es nicht geben. „Für uns bietet G9 neue Chancen“, blickt Gerd Burmeister nun auf das neue G9, „wir haben jetzt wieder mehr Zeit für Projektarbeit, die Taktung der Lerninhalte ist nicht mehr so eng.“

Die Gymnasien hatten auf politischen Beschluss in Schleswig-Holstein aus dem Jahr 2006 erst zum Schuljahr 2008/2009 die kürzere Schulzeit eingeführt, 2016 verließen die ersten G8-Abiturienten die Schulen. Bei der Umstellung wurden die Lernpläne gestrafft, „das war wie eine Entrümpelung,“ so Burmeister, „jetzt haben wir die Chance, diese Lehrpläne wieder neu zu füllen.“ Diese Änderungen wird ein Arbeitskreis aus Lehrern, Eltern und Schülern am Eric-Kandel-Gymnasium vorbereiten.

Eines aber betont Burmeister: „Es geht nicht um die Qualität der Lerninhalte, das Abitur darf nicht abgewertet werden.“ Daher rät Burmeister eindringlich die Eltern dazu, die Eignung ihres Kindes für das Gymnasium ausreichend im Blick zu haben: „Schülerinnen und Schüler, die von den Kollegen an der Grundschule nicht für das Gymnasium empfohlen wurde, werden das Abitur wahrscheinlich auch nicht in neun Jahren schaffen. Die Einschätzung der Kollegen an den Grundschulen ist meist sehr zutreffend.“ Ein Quer-Versetzung von einem Gymnasium auf eine Gemeinschaftsschule mit dem Ziel des Ersten Allgemeinen Schulabschlusses oder des Mittleren Schulabschlusses sei zwar in der fünften und sechsten noch Klasse möglich, „eine solche Versetzung schadet den Kindern aber häufig.“

Lehrer am Eric-Kandel-Gymnasium befürworten die längere Schulzeit

Aus pädagogischer Sicht hat sich das Kollegium am Eric-Kandel-Gymnasium für G9 ausgesprochen. G8 habe gezeigt, dass es den Schülerinnen und Schülern nach zwölf Jahren Schule häufig an Lebenserfahrung und Reife fehle. „Aber wir haben diese Meinung nur vorsichtig kommuniziert“, sagt Gerd Burmeister, „weil wir die Eltern und Schüler nicht in ihrer Meinungsbildung beeinflussen wollten.“

Wer auf der Schulkonferenz schließlich für G8 gestimmt hat, bleibt geheim. Allerdings hatten sich in der vorausgegangenen Debatte in erster Linie die Delegierten der Schülervertretung für G8 ausgesprochen. Sie argumentierten, dass eine Überlastung der Schüler, die oft als größtes Nachteil von G8 gilt, nicht eingetreten sei und auch genügend Zeit für Freizeitaktivitäten im Schulalltag bliebe.

Kosten wird der Wechsel von G8 auf G9 akut nicht verursachen. Denn im ersten Schritt werden ja ab dem Schuljahr 2019/2020 weniger Wochenstunden in den neuen Klassen unterrichtet. Das dicke Ende allerdings kommt dann, wenn die G8-Klassen die Schulen verlassen und die Klassen auf G9 umgestellt worden sind – dann ist schließlich insgesamt ein Jahrgang mehr zu unterrichten. „Landesweit werden dann auf einen Schlag mehrere hundert Lehrkräfte benötigt“, prophezeit Gerd Burmeister. Auf eines allerdings können die Lehrer sich jetzt schon freuen: 2026 wird es keinen Abiturjahrgang geben und die Prüfungszeiten bleiben frei.

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1 Kommentar

  1. Alessandra Wolf on

    Zur Information all der 4.Klässler Eltern, die sich nun sorgen, weil es von ihrem Wunschgymnasium keine Abstimmergebnisse gibt:

    Der Artikel impliziert, dass die Gymnasien wählen müssen ob sie G8 oder G9 machen möchten.
    Dies ist nicht richtig !
    Das Schulgesetz in Schleswig-Holstein sieht nach der neuen Gesetzesvorlage jetzt wieder eine Regelschulzeit für Gymnasien von 9 Jahren vor.
    Einzig Schulen, die G8 beibehalten wollen, müssen abstimmen und mit einer Mehrheit von 75% für die Beibehaltung von G8 sein. Sollte dies der Fall sein, kann die Schule in einem nächsten Schritt beim Ministerium in Kiel einen entsprechenden Antrag stellen um G8 beibehalten zu dürfen.

    Grundsätzlich ist also eine Abstimmung „für G9“ in der Schulkonferenz gar nicht nötig, sondern: Abgestimmt werden muss nur, wenn von einem Mitglied der Schulkonferenz ein Antrag auf Beibehaltung von G8 gestellt wird…

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