Es gilt: Das Städtebauförderungsprogramm ist beschlossene Sache

0

Ahrensburg (ve). Mit einer Gegenstimme haben die Stadtverordneten auf ihrer Januar-Sitzung am Montag das Städtebauförderungsprogramm für Ahrensburg beschlossen. Nun kann das Bauen losgehen.

Themenbild Städtebauförderungsprogramm Ahrensburg, Ausschnitt aus eine Flyer der Stadt Ahrensburg. Grafik: Stadt Ahrensburg

Themenbild Städtebauförderungsprogramm Ahrensburg, Ausschnitt aus eine Flyer der Stadt Ahrensburg.
Grafik: Stadt Ahrensburg

Aber halt – so schnell schießen die Preußen nicht. Die Politik hat mit ihrem Beschluss am Montag grünes Licht gegeben für den Rahmen des Städtebauförderungsprogrammes sowie das Sanierungsgebiet festgelegt. In diesem Programm sind alle Projekte und Maßnahmen aufgeführt, die innerhalb des Förderprogrammes gebaut und umgesetzt werden können. Jedes einzelne Projekt allerdings muss vorher erneut politisch beschlossen werden.

Und es ist kein kleines Programm – von 75 Millionen Euro ist inzwischen die Rede. Mit diesem Geld, finanziert von Bund, Land und Stadt, kann die Innenstadt von Ahrensburg grundsaniert werden. Da geht es um große Projekte wie die Neugestaltung der Hamburger Straße, da geht es um neue Ideen wie ein Familienzentrum am Pfarrgarten, da geht es um so wichtige neue Strukturen wie die verbesserte Anbindung des Schlossensembles an den Innenstadtbereich. Und da geht es schließlich auch um kleine Bonbons wie die Sanierung des Bruno-Bröker-Hauses oder wie der Kauf des rückwärtigen Teiles des Marstall-Gebäudes. Durch letzteres – bezieht man auch den von der Stadt erworbenen Speicher mit ein – könnte aus Schloss, Schloßkirche und dem Gutshof mit dem kompletten Marstall und Speicher ein geschichtsträchtiges und modernes Zentrum werden.

Es geht bei dem Programm um Gebäude – aber vor allem auch um Wege. Querverbindungen sollen geschaffen werden, Wegeführungen, die es Gästen der Stadt leichter machen, die historische Bedeutung der Stadt zu erfassen. Für die Innenstadt soll eine hohe Aufenthaltsqualität entstehen, gleichzeitig soll eine neue Verkehrsführung das Erreichen der Innenstadt erleichtern.

Städtebauförderungsprogramm: Diese Ziele wurden von Verwaltung, Politik und Bürgerbeteiligung für das Sanierungsprogramm in Ahrensburg formuliert.

Städtebauförderungsprogramm: Diese Ziele wurden von Verwaltung, Politik und Bürgerbeteiligung für das Sanierungsprogramm in Ahrensburg formuliert.

Eigentlich liest sich die Liste der Sanierungsmaßnahmen wie ein Wünsch-Dir-Was-Programm, an dessen Ende die historische Bedeutung der Stadt Ahrensburg weit strahlen kann. „Eigentlich“ – weil eben nicht klar ist, was davon in den nächsten 15 bis 20 Jahren tatsächlich umgesetzt wird. Und „eigentlich“, weil eine so echte mitreißende Begeisterung in der Politik nicht so sehr zu spüren ist.

„Es gibt in dem Programm nur Gewinner“, so benannte es Jörg Hansen von Bündnis 90/Die Grünen. Und auch Hartmut Möller von der SPD betonte, das Programm habe „heere Ziele und vielfältige Maßnahmen.“ Aber große Freude darüber, das Ahrensburg so richtig schön gemacht werden kann?

Das Programm sei ein wichtiger Kompass für die Weiterentwicklung der Stadt, so Peter Egan von der WAB. „Wir müssen verhindern, das uns irgendwann die Puste ausgeht“, warnte Egan und er schlug vor, dass bei Teilprojekten im Vorfeld geklärt werde, ob es politisch konsensfähig sei und ob das Kosten-Nutzen-Verhältnis realistisch sei.

Die FDP allerdings fürchtete eines – die Schwächung der Innenstadt vornehmlich durch das neue Parkraumkonzept im Rahmen des Verkehrskonzeptes. „Die Abstimmung mit den Geschäftsleuten in der Innenstadt reicht nicht aus“, befand Michael Stukenberg. Vor diesem Hintergrund hat die FDP als einzige Partei mit „nein“ gestimmt. Selbst wenn, so Stukenberg, die FDP zukünftig bei einzelnen Projekten sicher zustimmen werde.

Im Vorfeld der Stadtverordnetenversammlung hatte die CDU umfangreiche Anfragen über die Folgen für die Grundstückseigentümer innerhalb des Sanierungsgebietes gestellt. Sie äußerte Bedenken, dass durch das Städtebauförderungsprogramm die Eigentumsrechte der Grundeigentümer zu stark eingeschränkt oder die Eigentümer über die Maßen mit Kosten belastet werden würden.

Dem entgegnete die Verwaltung, dass die Rechte der Eigentümer nur insoweit eingeschränkt sind, als dass Vorhaben der Eigentümer dem Gedanken des historischen Stadtkernes in Ahrensburg, also dem Zweck der Sanierung, nicht entgegen sprechen dürften. Dies sei der Hintergrund, warum Prüfungen und Genehmigungen erforderlich seien. So wurde an anderer Stelle bereits gesagt, dass eine Sanierung der Innenstadt mit dem Ziel der Stärkung der historischen Bedeutung, wenn dann Bauvorhaben diese Sanierungsmaßnahmen wieder zunichte machten.

Eine besondere finanzielle Belastung sei für Eigentümer nicht zu erwarten, so die Verwaltung. Im Allgemeinden seien durch Erschließungsbeiträge für die Eigentümer höhere Kosten zu erwarten, als durch Ausgleichsbeträge. Letztere werden in dem Sanierungsgebiet erhoben, Erschließungsbeiträge gibt es in einem Sanierungsgebiet nicht. Zugleich steige durch die Sanierung der Wert der Grundstücke.

Das Städtebauförderungsprogramm kann nach dem Beschluss nun in die zweite Stufe gehen – die Arbeit geht allerdings jetzt erst richtig los. Seitdem das Programm erstmals vor über vier Jahren von Andrea Becker vom Bauamt der Stadt zunächst im Bauausschuss vorgestellt worden war, hat sich die Blickrichtung, die Höhe der Kosten und das Ziel um einiges erweitert und verändert. Damit ist zum Städtebauförderungsprogramm der Stadt Ahrensburg eigentlich nur eines sicher: Wer weiß schon, was in vier Jahren oder gar in 20 Jahren daraus werden wird?

Kommentieren