Neubau Grundschule Bünningstedt: Noch sind nicht alle überzeugt von der Idee

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Ammersbek (ve). Der Beschluss, die Grundschule Bünningstedt neu zu bauen, stößt in Ammersbek nicht nur auf Gegenliebe. Das hat eine öffentliche Veranstaltung jetzt erneut gezeigt.

Das Logo der Grundschule Bünningstedt und der Blick in die Zukunft: Soll sie saniert oder neu gebaut werden? Grafik: Grundschule Bünningstedt/Montage:ahrensburg24.de

Das Logo der Grundschule Bünningstedt und der Blick in die Zukunft: Es wird einen Neubau geben.
Grafik: Grundschule Bünningstedt/Montage:ahrensburg24.de

Etwa 100 Interessierte waren zu der öffentlichen Vorstellung des Projektes gekommen, zu der Bürgermeister Horst Ansén eingeladen hatte. Unter ihnen Nachbarn oder Eltern der Grundschulkinder, aber auch viele Vertreter der politischen Parteien in der Gemeindevertretung.

Vorgestellt wurde, warum die Gemeindevertretung sich dazu entschlossen hat, die Schule möglichst für Gesamtkosten von circa fünf Millionen Euro neu zu bauen, statt den Altbau zu sanieren. Dies wurde jüngst auf der Versammlung der Gemeindevertretung debattiert und beschlossen und ist insgesamt seit 2014 Thema in den politischen Gremien. Lesen Sie dazu den Beitrag „Ammersbek: Grundschule Bünningstedt wird ein Neubau„.

Neubau Grundschule Bünningstedt vs Sanierung des Altbaus

Kern der Aussage ist, dass eine Sanierung des Altgebäudes mindestens fünf Millionen Euro kosten würde. In dieser Summe sei jedoch keine Erweiterung des Raumangebotes und keine Modernisierung der pädagogischen Rahmenbedingungen enthalten. Beides sei bei einem Neubau möglich, der deswegen von der Gemeindevertretung favorisiert wird. Allerdings bei gleichem Kostenrahmen: Der Beschluss gilt nur für einen Neubau, der für ebenfalls etwa fünf Millionen Euro finanzierbar ist. Sollte sich herausstellen, dass der Kostenrahmen nicht zu halten ist, werden die politischen Gremien neu entscheiden müssen.

Gleichzeitig soll auf dem Gelände des jetzigen Standortes Wohnbebauung entstehen, dort ergebe sich unter Erhalt des Baumbestandes Platz für neun Einzelhäuser. Die Sporthalle des jetzigen Schulgebäudes soll weiter erhalten bleiben, auch die Sportplätze und Tennisplätze blieben in der jetzigen Form erhalten.

Kollegium und Schulleitung befürworten Neubau

Für die Grundschule selber und die dort arbeitenden Lehrkräfte ist der Neubau des Schulgebäudes eine sinnvolle Perspektive. Schulleiterin Birgit Graumann-Delling war von Beginn an in die Planungen involviert und maßgeblich bei der Abstimmung auf das pädagogische Konzept beratend tätig. Die klare Aussage des Kollegiums: „Wir wünschen uns den Neubau“, benennt es Birgit Graumann-Delling.

Sie begründet auf der Versammlung diese Haltung: „Die Arbeit an einer Grundschule hat sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr geändert, wir sind inzwischen ein Multiprofessionelles Team.“ Diesem könne in einem modernen Schulbau Rechnung getragen werden. Soll heißen, längst besteht der Unterricht an einer Grundschule nicht mehr aus Klasse + Lehrkraft. Angebote am Nachmittag, moderne Formen des Unterrichts wie eine verstärkte Binnendifferenzierung, die Integration von Kindern mit speziellen Bedarfen, die Arbeit von sozialpädagogischem und heilpädagogischem Personal und anderes mehr müssen in den Räumen einer Schule möglich sein.

So könnten in dem jetzigen Schulgebäude nur schwer kreative Bastel- oder Handwerksarbeiten oder Musikprojekte angeboten werden, da ein ursprünglich als Atelier genutzter Raum zum Klassenraum umgewandelt werden musste. Für Leseförderung mit einzelnen Schülern zum Beispiel – dies übernehmen häufig Lesepaten am Nachmittag – gebe es keine kleineren, zurückgezogenen Räume. Die heutigen Klassenräume seien zu klein für eine Differenzierung des Unterrichts. Die Doppelnutzung der Klassenräume für Schulklassen und Nachmittagsbetreuung erschwere zudem den Alltag an der Grundschule Bünningstedt.

Auf noch eines wies Birgit Graumann-Delling hin: „Schleswig-Holstein hat keinen Rahmenplan für Schulneubauten, Hamburg schon. Die Standards in Hamburg sind um einiges höher, als das, was jetzt in Bünningstedt umgesetzt werden soll.“ Was auch verstanden werden kann als Aussage darüber, dass der Neubau in Bünningstedt für fünf Millionen Euro als eine Art bescheidene Lösung gesehen werden kann.

Neubau der Grundschule Bünningstedt - sie stellten das Projekt auf der Informationsveranstaltung vor: Oliver Kühle, Stadtplaner bei B2K Architekten und Stadtplaner, Schulleiterin Birgit Graumann-Delling, Bauamtsleiterin Susann Jandt-Wahls und Bürgermeister Horst Ansén (von links). Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Neubau der Grundschule Bünningstedt – sie stellten das Projekt auf der Informationsveranstaltung vor: Oliver Kühle, Stadtplaner bei B2K Architekten und Stadtplaner, Schulleiterin Birgit Graumann-Delling, Bauamtsleiterin Susann Jandt-Wahls und Bürgermeister Horst Ansén (von links).
Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Versammlung: Kritik am Beschluss und am Verfahren

Auf der Veranstaltung vor Ort in den Räumen des Altgebäudes meldeten sich vornehmlich Kritiker der Neubau-Idee zu Wort. Die Anwohner zogen in Zweifel, dass ein Neubau tatsächlich für den Preis von fünf Millionen Euro zu realisieren sei. Insbesondere, weil ein ursprünglich veröffentlichter Vorschlag eine Kostenrahmen von 7,5 Millionen Euro vorsah. Auch stand der Vorwurf im Raum, dass die Darstellung in der Öffentlichkeit einseitig zugunsten des Neubaus erfolgt sei. Zudem äußerten die Anwohner Sorge, dass die Straße Steenhoop den durch Schulneubau und Wohnungsbau vermutlich zunehmenden Autoverkehr nicht aufnehmen könne und das die Straße auch die Belastung der Abbruch- und Bauphase nicht verkraften würde. Und eine Anwohnerin hoffte, dass sowohl Schulgebäude als auch neue Wohneinheiten in den Dorfcharakter von Bünningstedt passten.

Bürgermeister Ansén gibt sich offen als Befürworter des Neubaus, „es ist doch im Sinne der Kinder und ihrer Ausbildung, wenn wir jetzt investieren.“ Allerdings sicherte er als Bürgermeister Neutralität zu betonte in der Versammlung: „Ihre Bedenken werden gehört und notiert.“

Inhaltlich versuchte Ansén zu überzeugen. So argumentierte er, dass der Kostenrahmen von fünf Millionen Euro dadurch eingehalten werden könne, dass einige Elemente des ursprünglichen Vorschlages wie Ausstattung oder Raumgröße noch modifiziert werden könnten. Zur Frage der Verkehrsbelastung: Im Rahmen der Bauplanung werde ein Verkehrsgutachten erstellt, das die Belastbarkeit des Steenhoops klären würde. Eine Vorabanfrage hätte ergeben, dass der zusätzliche Verkehr nicht zu einer Überlastung der Straße führe. Und der dörfliche Charakter solle durch die Bebauung fortgeführt werden, Detailplanungen zu den neuen Gebäuden gibt es jedoch noch nicht.

Eines ließ Ansén nicht auf sich sitzen: „Es gibt keine einseitige öffentliche Darstellung. Seit 2014 wird in den öffentlichen Sitzungen und gemeinsam mit der Schule über das Thema gesprochen. Wir müssen uns jetzt für einen Weg entscheiden und das ist der Neubau. Die Gründe dafür sind immer benannt worden.“

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