SPD Ahrensburg: Glückwunsch zu 70 Jahre Mitgliedschaft – und scharfe Kritik Richtung Bund

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Ahrensburg (ve). Eine solche Ehrung wird es wohl nur selten geben: Anneliese Wolf wurde von der SPD für 70 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Und gehadert wurde auf dem Jahresempfang der SPD auch.

Jahresempfang 2018 der SPD Ahrensburg: Der Ortsvereinsvorsitzende Jochen Proske (rechts) und der Landtagsabgeordnete Tobias von Pein (links). Foto:ahrensburg24.de

Jahresempfang 2018 der SPD Ahrensburg: Der Ortsvereinsvorsitzende Jochen Proske (rechts) und der Landtagsabgeordnete Tobias von Pein (links).
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Die Politik der Partei auf Bundesebene war es, die den Empfang der Ahrensburger SPD beherrschte. Ortsvereinsvorsitzender Jochen Proske übte deutlich Kritik an seiner Partei: „Die SPD ist die Partei der Solidarität – doch viele haben sich aus der Solidarität verabschiedet.“ Gegründet habe sich die Partei einmal, um gegen Kapitalisten, Junker und Aristokraten vorzugehen, „nun müssen wir gegen die Kapitalisten und Aristokraten in der eigenen Partei vorgehen.“

SPD-Kritik Richtung Bundesebene: „Kein Platz für Parteiaristokratie“

Bei manchen Sozialdemokraten auf Bundesebene sei die Personaldebatte wichtiger, als die Inhalte, es regiere Scheinheiligkeit, die Kluft zwischen Mandat und Basis sei groß. Proske: „Aber in der SPD ist kein Platz für Eitelkeit und Selbstdarstellung, wir brauchen keine Parteiaristokratie – weg damit!“ Wie solle die Basis die Idee der Solidarität verkaufen, wenn es innerhalb der Partei keine Solidarität gebe, fragte er. Proske wünschte sich, dass die Partei wieder zurückfinde zu ihrem Kern, der Ausrichtung auf die soziale Gerechtigkeit, Solidarität und Freiheit.

„Alles ist bewegt“, beschrieb es der Landtagsabgeordnete Tobias von Pein. Er allerdings habe gerade ein positives Erlebnis gehabt: Am Vortrag habe es ein Treffen mit den Neu-Mitgliedern gegeben. Wie berichtet, hatte die SPD im Zuge der Koalitionsverhandlungen auch dazu aufgerufen, in die Partei einzutreten. Von Pein: „Auf diesem Treffen standen Themen wie eine gerechte Arbeitswelt oder der Weg in die Digitalisierung im Fokus, die Personaldebatte hat die neuen Mitglieder eigentlich gar nicht so sehr interessiert.“ Lesen Sie dazu auch „SPD: Eintrittswelle zu Zeiten der GroKo-Verhandlungen auch in Ahrensburg

Im Landtag, berichtete von Pein, stehe die SPD vor der Herausforderung, die einzige demokratische Oppositionspartei zu sein. „Bei der AfD zeigt sich“, so von Pein, „dass sie ihre Versprechen nicht halten, das geht bis zur Volksverhetzung.“ Damit bezog er sich auf die Äußerung des Fraktionsvorsitzenden der AfD im Kieler Landtag, Jörg Nobis, der wegen eines tweets zu SPD-Parteichef Martin Schulz nun mit einer Anzeige rechnen muss.

Jahresempfang 2018 der SPD Ahrensburg: Helma Schuhmacher, Anneliese Wolf und Karin Horn (von links) wurden für ihre Mitgliedschaft vom Ortsvereinsvorsitzende Jochen Proske (hinten stehend) geehrt. Foto:ahrensburg24.de

Jahresempfang 2018 der SPD Ahrensburg: Helma Schuhmacher, Anneliese Wolf und Karin Horn (von links) wurden für ihre Mitgliedschaft vom Ortsvereinsvorsitzende Jochen Proske (hinten stehend) geehrt.
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Jahresempfang: Ehrung für 70, 40 und 25 Jahre Mitgliedschaft

Der Jahresempfang ist auch immer der Ort der Ehrungen. Und da sind 70 Jahre Partei-Mitgliedschaft eine seltene Leistung. 1948 ist Anneliese Wolf in die SPD eingetreten und der Partei über all‘ die Jahre treu geblieben. Ihre sozialdemokratische Geschichte ist eng mit Kassel verbunden, denn dort hat die Wahl-Ahrensburgerin bis vor drei Jahren gelebt.

„Kassel ist eine ur-sozialdemokratische Stadt und so lag es nahe, dass ich in die Partei eintrete“, sagt sie heute. Geholfen habe sicher auch, dass ihr Vater ebenfalls Sozialdemokrat war, ergänzt sie. Sie war im Vorstand des Ortsvereins aktiv. Heute, mit Blick auf die Turbulenzen in ihrer Partei, ruft sie ihren Genossinnen und Genossen auf dem Jahresempfang zu, dass die Zeiten zwar nicht schön seien, „aber sie werden auch wieder besser!“

Ebenfall geehrt wurde Helma Schuhmacher für 40 Jahre Partei-Mitgliedschaft. „Ich war damals im Schulelternbeirat der Grundschule am Hagen“, erinnerte sich die ehemalige Stadtverordnete, die auch Bürgervorsteherin war, „und habe schnell gemerkt – wenn man etwas durchsetzen will, braucht man dafür eine politische Mehrheit. Da bin ich in die SPD eingetreten.“

25 Jahre lang ist Karin Horn in der Partei. Für sie war es ein Weg der Überzeugung: „Meine Familie ist politisch eher im konservativen Lager“, erzählte sie, „aber über die Jahre wurde mir klar, dass ich eher der SPD nahe stehe.“ Dort ist sie dann auch Mitglied geworden – „um auch selber etwas tun zu können.“ Alle drei wurden mit Urkunden geehrt, die Jochen Proske überreichte.

Jahresempfang 2018 der SPD Ahrensburg. Foto:ahrensburg24.de

Jahresempfang 2018 der SPD Ahrensburg.
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1 Kommentar

  1. Gertrud Tammena on

    „Kein Platz für Eitelkeit und Selbstdarstellung – Wir brauchen keine Parteiaristokratie.“ Mit diesen Worten kritisiert der SPD-Ortsvorsitzende Proske die Bundesebene der SPD – aber muß sich diese Kritik nicht auch an die unteren Ebenen der Landes-, Kreis- und Kommunalpolitik wenden und gilt sie nicht insgesamt für alle Parteien als etwas, woran Demokratie krankt, als Nährboden für Politikverdrossenheit und Populismus? Die Kritik an den Eliten ist ein grundlegendes Erfordernis zur Verbesserung des politischen Umgehens und Wirkens, aber auch an denen, die diese „Eliten“ prägen, stützen, für sich handeln lassen, benutzen und demagogisch demontieren – auch aus Wirtschaft und Medien. Die Kommunikation, die Verzahnung mit Basis und Wählern, aber auch der parteiübergreifende Respekt vor dem Menschen – ob oben oder unten – droht auf allen Ebenen verloren zu gehen. Dabei wäre allseits auch ein Blick in die Parteiengeschichten seit 1945 hilfreich, der zeigt, wie Parteiämter oben wie unten allseits als neue Karrieresprungbretter zur eigenen Läuterung skrupellos benutzt wurden. Auch diesbezüglich sind allerorten Aufarbeitung und Ehrlichkeit angesagt.

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