Schulausfall, Sanierungsstau, Raumot: Ahrensburgs Schulen in Bedrängnis

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Ahrensburg (ve). Kaputte Technik, keine Räume: Die Arbeit an Ahrensburgs Schulen unterliegt so manchen Hindernissen. Das führt inszwischen auch zu Zwist unter den Schulen. Und zu der Ankündigung, dass das Eric-Kandel-Gymnasium demnächst dreizügig werden müsste.

Themenbild weiterführende Schulen in Ahrensburg. Fotos:©MonikaVeeh/SilkeMascher/Montage:ahrensburg24.de

Themenbild weiterführende Schulen in Ahrensburg.
Fotos:©MonikaVeeh/SilkeMascher/Montage:ahrensburg24.de

Auf einer gemeinsamen Sitzung des Bildungs-, Kultur und Sportausschusses (BSKA) und des Sozialausschusses haben die Verantwortlichen in den Schulen und auch die Eltern ihrem Unmut deutlich Luft gemacht. Starke Kritik wurde geübt am Umgang der Stadt – also dem Schulträger – mit seinen Gebäuden und dem Qualitätsmanagement für den Unterricht der Kinder.

Und da tut sich eine Kluft auf: Im Schulzentrum am Heimgarten muss aktuell Unterricht ausfallen, weil die veraltete Heizungsanlage keine ausreichende Wärmeleitung hat – in einigen Klassenräumen ist es eiskalt. Der Altbau des Gebäudes ist den Schülerinnen und Schüler aufgrund der Gebäudesubstanz ein Greul, „es ist echt eklig in diesem Gebäude“, so die Position des Kinder- und Jugendbeirates in der Sitzung.

Dazu kommt, dass die Anzahl der Räume nicht ausreicht, einige Klassen sind sogenannte Wanderklassen und werden in unterschiedlichen Räumen beschult. Für Gerd Burmeister, Schulleiter des Eric-Kandel-Gymnasiums, ist die Raumnot dramatisch, ohne mittelfristige Erweiterung der Räume könne er ab Sommer 2018 nur Anmeldungen für drei fünfte Klassen statt vier entgegen nehmen.

Mehr noch: Dass die Heizungsanlage kaputt ist, sei seit nahezu einem Jahrzehnt bekannt – repariert worden sei sie trotz mehrfacher Nachfrage von Elternschaft und Schulleitung nicht. Gleichzeitig sei viel Geld in die anderen beiden weiterführenden Schulen, der Stormarnschule und der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule, gesteckt worden. Ralf Wedler vom Vorstand des Schulelternbeirates der Gemeinschaftsschule am Heimgarten übt Kritik: „Das Schulzentrum am Heimgarten betreut die meisten Schülerinnen und Schüler in der Stadt, aber nur 15 Prozent der Investitionskosten für die weiterführenden Schulen landen dort.“

Unterstützt wird diese Beschwerde von den Schulleitern Thomas Gehrke und Gerd Burmeister und weiteren Eltern, die extra zu der Sitzung gekommen waren. „In das Gebäude unserer Schule wird immer nur dann Geld gesteckt, wenn etwas kaputt gegangen ist und saniert werden muss“, hieß es. Beispiele seien eine umfangreiche Sanierung des Daches vor einigen Jahren sowie die Sanierung des Sanitärbereiches in der Sporthalle aktuell, nachdem ein Befall mit Legionellen in den Wasserleitungen festgestellt worden ist. Und auch wenn jetzt die Reparatur der Heizungsleitung von der Zentralen Gebäudewirtschaft der Stadt in Aussicht gestellt wird, fragen sich doch die Eltern: „Wie lange soll es eigentlich dauern, bis sie auf frierende Schülerinnen und Schüler reagieren?“

Seit mehreren Jahren beklagen Elternschaft und Schulleitung eine aus ihrer Sicht Ungleichbehandlung der Ahrensburger Schulen. In den Gremien allerdings stoßen sie damit auf eher wenig Verständnis. Ausschussvorsitzender Christian Schubbert-von Hobe, Bündnis 90/Die Grünen, kritisiert wiederum die Rechnung des Elternbeirates: „Sie müssen nicht nur die Investitionen in die weiterführenden Schulen sehen, sondern auch Investitionen in die gesamte Schullandschaft der Stadt.“ So habe die Stadt kostenintensive Neubauprojekte für die Grundschule am Schloss und die Grundschule am Reesenbüttel umgesetzt, derzeit wird ein Erweiterungsbau für die Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule vorbereitet. Nicht alles aber können gleichzeitig von der Stadt finanziert werden.

Auch Robert Tessmer, im Rathaus zuständig für die Schulen, kann die Rechnung der Heimgärtler nicht nachvollziehen: „Es sind in den vergangenen Jahren umfangreiche Sanierungen an dem Gebäude erfolgt, manche Sanierungsarbeiten haben uns zudem schlichtweg überraschend getroffen.“ Und doch bleibt die Kritik der Schulleitung, Burmeister: „In anderen Schulen der Stadt muss aber nicht aufgrund technischer Mängel der Unterricht ausfallen.“

Sanierungsstau und aktuelle Raumnot sei das eine, mit Blick auf die langfristige Perspektive tun sich weitere schwarze Löcher auf. Derzeit kämpft die Stadt Ahrensburg darum, die Betreuung von Kindern im Kindergartenalter und im Hortalter sicher zu stellen. Sowohl bei den Kindergärten als auch bei der Hortbetreuung kann der Bedarf, den Eltern in der Stadt anmelden, nicht gedeckt werden. Diese Kinder werden eines Tages in die weiterführenden Schulen drängeln: „Was tun Sie dann?“, so fragten die Schulleiter der Schulen in Ahrensburg.

Der aktuelle Schulentwicklungsplan, ebenfalls auf der Sitzung vorgestellt, sieht als Lösung Wanderklassen vor. Zum Entsetzen von Burmeister, Gehrke und Lars Troche, Stellvertretender Schulleiter der Stormarnschule. „Wanderklassen können immer nur eine Notlösung sein, für die Beschulung der Kinder ist es die denkbar schlechteste Lösung“, betonten Burmeister und Troche. Als Lösung des Raumproblems sei dies kein Weg. Bedeutet im Umkehrschluss: Aktuell müsste nicht nur an die Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule erweitert werden, sondern auch die Stormarnschule und das Eric-Kandel-Gymnasium. „Viele Schülerinnen und Schüler beantragen inzwischen schon eine Aufnahme an Schulen in Ahrensburg und in Hamburg gleichzeitig“, benannte es Lars Troche, „wollen Sie, dass diese Kinder alle nach Hamburg gehen, weil es in Ahrensburg keinen Platz gibt? Das kann doch nicht Ihr Ziel sein!“ richtete er einen Appell an den Ausschuss.

Und dann gibt es ja auch noch die Entscheidung für G9 – sowohl die Stormarnschule als auch das Eric-Kandel-Gymnasium führen die Kinder ab dem Schuljahr 2018/2019 wieder in neun Jahren zum Abitur. Daraus werde zwar erst im Jahr 2026 weiterer Raumbedarf entstehen, da die jetzigen Klassen alle in acht Jahren zum Abitur geführt werden. Aber für die Planung und Finanzierung von Erweiterungsbauten ist das nicht wirklich viel Zeit.

Bleibt ein Aspekt: Die Qualität des Unterrichts. Eine Elternvertreterin des Eric-Kandel-Gymnasiums beklagte etwa: „Das Fach Darstellendes Spiel kann nicht unterrichtet werden, weil es kein geeigneten Raum dafür gibt.“ Thomas Gehrke für die Gemeinschaftsschule: „Die Gemeinschaftsschule hat einen starken Bedarf an Binnen-Differenzierung im Unterricht, auch dafür muss es genügend Räume geben.“

Interesse habe das Eric-Kandel-Gymnasium zudem am Lehrerraumsystem, zwei Jahre wurde in einer Arbeitsgruppe eine Umstellung erarbeitet. Beim Lehrerraumsystem hat nicht jede Klasse ein Klassenzimmer, sondern jeder Lehrer ein festes Klassenzimmer. Damit werde es den Lehrerinnen und Lehrern möglich, den Unterricht gezielter vorzubereiten oder Materialien bereit zu stellen. Für die Schüler müssten dann allerdings ausreichend Aufenthaltsräume vorgehalten werden. „Wir brauchen dafür 33 Räume, haben aber nur 29“, so Burmeister, „daher mussten wir das Projekt aufgeben.“ Der Weg in eine zeitgemäße Gestaltung des Schulunterrichts könnte so nicht umgesetzt werden.

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2 Kommentare

  1. So viel Reichtum in dieser Stadt und bei unseren Schulen entsteht ein unglaublicher Sanierungsstau? Da kann irgendetwas nicht richtig sein.
    Natürlich kann man nicht alles gleichzeitig beheben aber es darf eigentlich gar nicht dazu kommen, dass alles gleichzeitig verfällt. Ich vermute, die meisten Hausbesitzer in Ahrensburg handhaben das so, dass kontinuierlich repariert wird. Eine Uraltheizung macht doch auch wirtschaftlich keinen Sinn, von Energieverschwendung ganz zu schweigen. Immerhin tut sich mittlerweile ja auch einiges, das neue Gebäude der Grundschule am Reesenbüttel wird hoffentlich in Kürze fertig. Jetzt heißt es dranbleiben und besser noch engagierter die Sanierung angehen und mir scheint jetzt wäre das Schulzentrum am Heimgarten mal an der Reihe!

  2. Pensionierte Lehrerin on

    Wenn ich dann daran denke, dass die Stadt die einer Ruine ähnlichen Scheune auf dem Marstallgelände vor ca. 1 Jahr für 1 Million Euro erworben hat und obendrein niemand bisher weiß, was damit geschehen soll, treibt es mir die Zornesröte ins Gesicht!
    Aber Bildung und menschenwürdige Schulgebäude war den Verantwortlichen in der Stadt offensichtlich so gut wie nie besonders wichtig.
    Es tut sich erst etwas, wenn die Situation an den Schulen unerträglich wird. Stormarnschule, Schlossschule, Reesenbüttelschule – da war ein riesiger Investitionsstau aufgelaufen; Schüler und Lehrer mussten jahrelang unter z.T. beschämenden Bedingungen lernen und lehren. Erdrückende Enge, unerträgliche Raumknappheit, marode Fenster; 10, ja 20 Jahre alte Anstriche in Klassen und Fluren …
    Jahrelang wurde so gut wie nichts getan; dass dann plötzlich Investitionen von mehreren Millionen € notwendig – aber nicht vorhanden – sind, wundert dann niemanden.

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