Gastbeitrag: Nachruf zum Tode von Franz K. Meißner

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Ahrensburg (ve/pm). Franz K. Meißner ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Der Musiker war beliebt als Pädagoge in seiner Privatschule und an der Volkshochschule Ahrensburg. Lesen Sie einen Nachruf als Gastbeitrag.

Der Musiker und Musikpädagoge Franz K Meißner ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Das Bild entstand im Jahr 2011. Foto:privat

Der Musiker und Musikpädagoge Franz K Meißner ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Das Bild entstand im Jahr 2011.
Foto:privat

Im Alter von 94 Jahren und nach 72 Jahren als Musikpädagoge in Hamburg und Ahrensburg ist Franz K. Meißner am 8. Februar, für viele völlig unerwartet, entschlafen. Noch am 23. Januar hatte er ein letztes Mal Privatschüler in seinem Hause empfangen und unterrichtet. Im Februar wollte er eigentlich noch einen zweiten Gitarrenkurs in der Volkshochschule Ahrensburg anbieten. Der Kurs war bereits ausgebucht. Dazu wird es nun nicht mehr kommen.

Seine zahlreichen Schüler haben sein bescheidenes, freundliches Wesen und seine Zugewandtheit sehr zu schätzen gewusst und hielten ihm über viele Jahre, einige sogar über Jahrzehnte, die Treue.

Seine Geduld und außerordentliche Disziplin waren einzigartig! Unterrichtsausfall gab praktisch nie. Stets auswendig wusste er ganz genau, wo sein Schüler in der letzten Unterrichtsstunde stehen geblieben war und setzte dort gewissenhaft den Unterricht fort. Nicht der kleinste Fehler entging seinem geschulten Gehör. Sanft und beharrlich zugleich wurden seine Schüler darauf freundlich hingewiesen.

Er war ein sehr geduldiger Pädagoge mit dem richtigen Maß an Forderung und Lob und wusste seine Schüler sehr gut auch für anspruchsvolle Musikstücke zu motivieren und manchmal auch durchzumanövrieren.

Einzigartig war auch seine musikalische Begabung. Bereits mit 13 Jahren hatte er seinen Meisterabschluss auf der Violine. Es folgten Mandoline, Saxophon, Bassflügelhorn, Klavier und Gitarre, alles natürlich auf höchstem musikalischen Niveau!

Lebensabschnitte von Franz K. Meißner: Die jungen Jahre

Am 1. Januar 1924 wird Franz K. Meißner als Einzelkind in Mastig (heute Mastek) bei Arnau an der Elbe (heute Hostinne) im böhmischen Teil des Sudetenlandes (heute Tschechien) am Fuße des Riesengebirges geboren.

Schon als Fünfjähriger läuft der kleine Meißner mit Topf und Kochlöffel um sein Elternhaus und ruft „eine kleine Geige möcht´ ich haben, eine kleine Geige die muss her.“ Mit acht Jahren erfüllen ihm seine Eltern, die selbst kein Instrument spielen, diesen Wunsch.

Er bekommt zweimal die Woche Geigenunterricht bei einem „sehr strengen aber herzensguten“ Kapellmeister. Mit zwölf Jahren erhält er außerdem Unterricht auf der Mandoline, mit 13 auf dem Saxofon. Später kommen noch Bassflügelhorn, Klavier und Gitarre hinzu. Bereits mit 13 Jahren macht er seinen Meisterabschluss (18 Hefte Violinenschule!) auf der Violine.

In der Schule hält sich der junge Meißner zu seinem musikalischen Können bescheiden zurück und überrascht eines Tages die Schulleitung, als er spontan den Part eines erkrankten Lehrers in einem Streichquartett ersetzen kann. Nur wenige Tage später kann das Ensemble erfolgreich zu einem großen Festanlass auftreten.

Der Musiker und Musikpädagoge Franz K Meißner ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Das Bild entstand im Jahr 2011. Foto:privat

Der Musiker und Musikpädagoge Franz K Meißner ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Das Bild entstand im Jahr 2011.
Foto:privat

Neben der Musik liebt der junge Meißner das Schwimmen und Skifahren. Auch der Wald und die Natur haben es ihm sehr angetan, so dass er einige Zeit den Beruf des Försters in Betracht zieht. Nach dem Abitur mit 16 (!) Jahren entscheidet er sich dann aber doch für ein Musikstudium in Breslau. Nebenbei verdient er sich mit vielen Konzerten (überwiegend Tanzmusik) sein eigenes Geld, so dass er sich bald eine sehr teure Geige im Stradivari-Stil von der Geigenbauwerkstatt Josef Buchner in Graslitz leisten kann. Sein ganzer Stolz!

Die jungen Jahre werden bald durch die ersten Vorboten des Krieges getrübt. Bald wird Meißner eine ganze Nacht lang in einem Polizeirevier verhört, weil er einer Gruppe jüdischer Frauen auf dem Bürgersteig ausweicht und dafür auf die Straße tritt. Sein Kommentar dazu „Natürlich habe ich den Damen Vortritt gelassen habe. Das gehört sich doch so!“

Nach drei Jahren Studium wird er 1942 zum Reichsarbeitsdienst abkommandiert. Er möchte sich dagegen wehren, spürt aber schnell, dass Widerstand unmöglich ist. „Entweder Sie nehmen sich jetzt die Uniform oder wir stellen Sie gleich an die Wand.“ Er nimmt am Russlandfeldzug teil und wird dreimal verwundet. Doch auch während des Krieges lässt ihn die Musik nicht los.

Eines Abends musiziert er spontan mit einigen Russen in einem kleinen Dorf und bekommt prompt Ärger mit seinem Vorgesetzten. „Sie können doch nicht mit dem Feind zusammen musizieren! Machen Sie das nie wieder!“ Er hat Glück, dass es bei einer Ermahnung bleibt.
Während eines Lazarettaufenthalts in Riga gründet er einen Chor mit lettischen und deutschen Krankenschwestern und Ärzten des Lazaretts und ist von der Musikalität der Balten begeistert.

Kurz vor Kriegsende liegt er erneut in einem Lazarett in Königsberg und findet eines Morgens einen Zettel auf seinem Bett „Wer es noch schafft, soll nach Hause fliehen!“ Es gelingt ihm auf der völlig überladenen „Deutschland“, die Verwundete, Frauen und Kinder evakuieren soll, im Frachtraum zwischen Erbsenkonserven einen Platz zu ergattern. Er überlebt die letzte Fahrt des Schiffes, welches bereits auf der nächsten Fahrt versenkt wird, und schlägt sich nach Hamburg durch.

Seine Heimat, das Sudetenland, ist für immer verloren. Der gesamte Besitz der Familie Meißner, darunter auch die wertvolle Geige, wird konfisziert. Seine Eltern entgehen nur knapp der Ermordung und fliehen ebenfalls nach Hamburg.

Ab 1945 in Hamburg

In Hamburg bekommt er eine Stellung im wiedereröffneten Hamburger Staatsorchester als Hornist. Außerdem vertieft er sein Musikstudium in Hamburg, Lübeck und Wien weiter. 1945 bekommt er die Erlaubnis zum Musikunterricht und eröffnet seine eigene Musikunterrichtspraxis. 1948 gibt es ein erstes Schülerkonzert.

Ab 1980 wird die Schule nach Ahrensburg in den Pionierweg, mit einer Nebenstelle im Sonnenweg, Hamburg, verlegt. Die Nebenstelle Sonnenweg wird 2017 aufgegeben. Im Pionierweg wird bis zum 24. Januar 2018 unterrichtet. Insgesamt arbeitet er 72 Jahre als Musiklehrer! 1964 war er bereits nach Ahrensburg in den Pionierweg gezogen. Franz K. Meißner war verheiratet und Vater einer Tochter.

Staatliche Jugendmusikschule Hamburg: 1962 übernimmt er eine Stellung in der Staatlichen Jugendmusikschule und gibt damit seine Stellung im Staatsorchester auf. Er arbeitet dort 27 Jahre als Bezirksschulleiter, bis er 1989 in Rente geht. 1972 wird er in der neu gegründeten Volkshochschule Ahrensburg Dozent für Gitarre. Er unterrichtet bis Januar 2018 und ist damit 46 Jahre Kursleiter für Gitarrenspiel an der Volkshochschule Ahrensburg!

Seine üblichen Abschiedsworte waren immer: „Machen Sie es gut und bleiben Sie ein guter Mensch.“ Wir alle verneigen uns vor ihm und werden ihn sehr vermissen!

Svenja Furken, im Februar 2018

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