PartizipAction! beim Kreisjugendring: So geht Demokratie und Politik

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Lütjensee/Ahrensburg (ve). Was ist eigentlich Demokratie? Eigentlich doch die Debatte aller darum, welcher Kompromiss für alle das Beste ist. Also müssen alle Demokratie lernen. Wie das geht, zeigt der Kreisjugendring Stormarn und der Stadtjugendring Ahrensburg.

PartizipAction! - bei diesem Workshop des Kreisjugendringes Stormarn lernen Kinder und Jugendliche die politische Arbeit. Foto:ahrensburg24.de

PartizipAction! – bei diesem Workshop des Kreisjugendringes Stormarn lernen Kinder und Jugendliche die politische Arbeit.
Foto:ahrensburg24.de

Der Kreisjugendring hat sich seit langem auf die Fahne geschrieben, Kinder und Jugendliche für die Arbeit in der Politik, also zum Beispiel in Kinder- und Jugendbeiräten, zu qualifizieren. PartizipAction! heißt dieser Workshop und er findet seit zehn Jahren beim Kreisjugendring in Lütjensee statt. An diesem Wochenende aber besonders: Denn inzwischen ist es ein landesweite Aktion.

Wahl zu Kinder- und Jugendbeiräten: Im November 2017 erfolgte sie landesweit

„Im vergangenen Herbst haben wir erstmals landesweit dazu aufgerufen, einen Kinder- und Jugendbeirat in den Kommunen zu wählen“, erläutern es Stefan Kühl, Vorsitzender der Kreisjugendring Stormarn (KJR), und Klaus Meeder, im Kieler Sozialministerim zuständig für die Beteiligung der Kinder und Jugendlichen an der politischen Arbeit. Im November erfolgte die Wahl. 26 Kommunen von 60, die einen solchen Beirat haben, wählten also neu. Bei diesem Workshop sind nun die Jugendlichen, die teilweise ganz neu im Amt sind, und lernen, wie sie die politische Arbeit angehen können.

Aus ganz Schleswig-Holstein kommen sie mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Mal haben sich Kommunen zusammengetan für einen übergreifenden Beirat, mal hat ein kleines Dorf einen eigenen Beirat. Mal fanden sich gerade so viel Jugendliche, wie der Beirat haben sollte – und sie wurden ernannt. Mal fanden sich doppelt so viele Kandidatinnen und Kandidaten und es fand eine spannende Wahl statt. Oder der Beirat wird aus den Schülervertretungen am Ort gebildet. In Ahrensburg – dort wird seit vielen Jahren eine von vielen als beispielhaft gesehene politische Jugendarbeit gefördert – gibt es das Delegiertenprinzip. Das heißt, von allen Schulen und Jugendvereinen werden Delegierte in den Kinder- und Jugendbeirat gesandt.

Projektarbeit, Moderation, Öffentlichkeitsarbeit: Das ist wichtig in der Politik

Das Ergebnis: „Wir haben ganz neue Jugendbeiräte mit neuen Kandidaten. Ein zwölfjähriges Mädchen ist dabei, aber auch bereits erwachsene Jugendliche“, so Klaus Meeder. Die meisten Jugendlichen seien im Alter von 13 bis 15 Jahren. 24 von ihnen sitzen an diesem Wochenende in drei Workshops und lernen etwas über Arbeit und Planung von Projekten, Moderation von Sitzungen und Debatten sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

PartizipAction! - bei diesem Workshop des Kreisjugendringes Stormarn lernen Kinder und Jugendliche die politische Arbeit. Emma und Josephine (von  links) erstellen eine Mindmap für ein Treffen von Deutschen und Geflüchteten. Foto:ahrensburg24.de

PartizipAction! – bei diesem Workshop des Kreisjugendringes Stormarn lernen Kinder und Jugendliche die politische Arbeit. Emma und Josephine (von links) erstellen eine Mindmap für ein Treffen von Deutschen und Geflüchteten.
Foto:ahrensburg24.de

Emma aus Kiel und Josephine aus Elmshorn zum Beispiel stehen vor einer großen Mindmap. „Wir wollen ein Fest für Deutsche und Geflüchtete machen“, erläutern sie und zeichnen ein großes Netz von Aufgaben, Ideen, organisatorischen Frage und vielem mehr. In dem Workshop können sie erarbeiten, ob bei der Organisation des Festes wirklich an alles gedacht wurde. „Wir vom Jungen Rat Kiel haben das schon einmal gemacht und möchten es wiederholen“, sagt Emma, „es hat sehr viel Spaß gemacht und es sind viele Kontakte entstanden.“ Und Josephine plant mit und findet: „Eine solche Planung könnten wir auch einmal übernehmen.“

„Das Kinder und Jugendliche an Beschlüssen in der Kommune beteiligt werden müssen, ist gesetzlich vorgegeben und eine Folge der UN Kinderrechtskonvention“, betont Klaus Meeder. „Schleswig-Holstein macht das seit 25 Jahren – damals war noch viel Aufbauarbeit notwendig. Jetzt in der aktuellen Landesregierung wurde die Frage der Kinderrechte auch in den Koalitionsvertrag aufgenommen.“

Demokratie geht nur mit Beteiligung

Doch es passiert noch mehr, denn es verändert die Jugendlichen und damit auch ein bisschen die Gesellschaft. Das beobachtet Professor Dr. Waldemar Stange von der Leuphana Universität Lüneburg. Der Sozialpädagoge und Erziehungswissenschaftler begleitet das Projekt in Schleswig-Holstein. „Wissenschaftliche bewiesen ist: Wenn Kinder und Jugendliche zum Beispiel bei der Planung von Spielplätzen oder Schulhöfen beteiligt werden, gehen sie in der Folge mit der Anlage pfleglicher um“, erläutert es Stange. Mehr noch könne eine politische Beteiligung von jungen Menschen die Identifikation mit ihrem Wohnort stärken – und so etwas dazu beitragen, dass nicht alle jungen Leute die ländlichen Regionen verlassen.

Noch viel wichtiger ist Stange aber der Effekt für die Demokratie: Wer als Kind und Jugendlicher die politsche Arbeit und die Prinzipien der Demokratie verstehen lerne, engagiert sich auch als Erwachsener eher politisch, betont Stange. Eine Grundvoraussetzung für eine funktionierende Demokratie. Denn derzeit müssen Parteien auf kommunaler Ebene oft nach engagierten Ehrenamtlichen suchen. Stange: „Wer als Kind nicht politisch aktiv ist, wird es als Erwachsener auch nicht machen.“ Und noch eines sei erwiesen: „Ein frühes politisches Engagement ist die beste Prävention vor Radikalismus wie dem Rechtsextremismus“, so Stange.

Ein bisschen zu tun ist allerdings noch. Bundesweit haben etwa vier bis fünf Prozent der Kommunen einen Beirat für Kinder und Jugendliche, genaue Statistiken gibt es allerdings nicht. Schleswig-Holstein ist da etwas besser, dort sind es zehn Prozent der Kommunen.

PartizipAction! - bei diesem Workshop des Kreisjugendringes Stormarn lernen Kinder und Jugendliche die politische Arbeit. Im Bild Klaus Meeder vom Sozialministerium, Anna Schmalowski vom Kreisjugendring, der Erziehungswissenschaftler Professor Dr. Waldemar Stange, Julia Jastrembski vom Stadtjugendring Ahrensburg, Ann-Kathrin Wulf vom Kreisjugendring und Stefan Kühl, Vorsitzender des Kreisjugendringes (von links). Foto:ahrensburg24.de Foto:ahrensburg24.de

PartizipAction! – bei diesem Workshop des Kreisjugendringes Stormarn lernen Kinder und Jugendliche die politische Arbeit. Im Bild Klaus Meeder vom Sozialministerium, Anna Schmalowski vom Kreisjugendring, der Erziehungswissenschaftler Professor Dr. Waldemar Stange, Julia Jastrembski vom Stadtjugendring Ahrensburg, Ann-Kathrin Wulf vom Kreisjugendring und Stefan Kühl, Vorsitzender des Kreisjugendringes (von links).
Foto:ahrensburg24.de
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