Alte Reitbahn: Neuer Streit um die Pläne im Bauausschuss

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Ahrensburg (ve). „Ja, so – aber doch ein bisschen anders“, so in etwa reagierten die Mitglieder des Bauausschusses auf die ersten konkreten Pläne zu der Bebauung auf der Alten Reitbahn und dem Kino.

Planungen für den Neubau auf der Alten Reitbahn: Das neue Konzept mit den Mehrfamilienhäusern in Richtung Adolfstraße. Ausschnitt aus der Grafik. Grafik: LH Architekten/Melcher Group

Planungen für den Neubau auf der Alten Reitbahn: Das neue Konzept mit den Mehrfamilienhäusern in Richtung Adolfstraße.
Ausschnitt aus der Grafik.
Grafik: LH Architekten/Melcher Group

Das Bauprojekt war nicht zum ersten Mal Thema in dem Ausschuss, schon öfter wurde über die Pläne für das Gelände und auch die damit verbundenen Pläne für den Bau eines Kinos neben dem Alten Lokschuppen gesprochen. Zuletzt war im Sommer 2017 eine Erweiterung des Baugeländes, ein Mehr an Wohnungen und Parkplätzen sowie an sozialem Wohnraum beschlossen worden. Lesen Sie dazu den Beitrag „Neuer Vorschlag für die Alte Reitbahn: Mehr Innenverdichtung, mehr Wohnungen, mehr Parkplätze„.

Diesen Auftrag haben Stadtverwaltung und Investor, die Melchers Group, mit nach Hause genommen und gestern nun die konkreten Pläne für das Gelände vorgestellt. Erforderlich war es jetzt, einen Vorhaben- und Erschließungsplan freizugeben, damit die Planungen und Vorbereitungen auf Seiten des Investors weiter ausgeführt werden können. Und um diesen Beschluss hat der Bauausschuss gestern gerungen.

Projekt Alte Reitbahn: Private Grundstücke wurden angekauft

Durch den Ankauf von Grundstücksteilen der Anwohner in der Adolfstraße wird es jetzt möglich, hinter dem bereits geplanten Gebäude auf der Alten Reitbahn drei Mehrfamilienhäuser zu bauen. Damit erhöht sich die Anzahl der Wohneinheiten. Aus den bisher circa 35 Wohneinheiten könnten nun 77 Wohneinheiten werden. Durch ein neues Parkraumkonzept wird außerdem die Anzahl der Parkplätze vergrößert, statt 120 Parkplätze gebe es dann 184 Parkplätze. Diese würden sowohl Kunden des Edeka-Marktes, der zu dem Projekt gehört, als auch Kunden der Geschäfte in der Innenstadt zur Verfügung stehen.

Im Zuge der Bauplanung steht noch aus, wie die Untere Naturschutzbehörde den Schutz der Grüngürtel und Knicks bewertet und in welcher Form der Baumbestand zu erhalten ist. Auch Verkehrsgutachten müssen noch erstellt werden, so zum Beispiel ob die Belastung durch den Lieferverkehr für den Edeka-Markt zumutbar ist. Um diese in Auftrag geben zu können, musste jetzt ein Beschluss gefasst werden.

Zentrale Frage: Anzahl der Sozialwohnungen

Nicht erhöht wurde bei dem jetzigen Vorschlag die Anzahl der Wohnung im Bereich des Sozialwohnungsbaus. Relativ gesehen verringert sich ihr Anteil damit auf 15 Prozent, da die Anzahl der Wohneinheiten verdoppelt wurde. Bisher war es politischer Wunsch, dass 30 Prozent der Wohneinheiten dem Sozialwohnungsbau zugeordnet werden.

Das gefiel nicht allen Ausschussmitgliedern. Jörg Hansen, Bündnis 90/Die Grünen, kritisierte dies massiv: „Diese Planung hat nur einen Gewinner und das ist der Investor“, so Hansen, „die Verlierer dieser Planung sind die Natur und die Ahrensburger Bürgerinnen und Bürger, die auf preiswerten Wohnraum angewiesen sind.“

In der Folge entspann sich eine ausführliche Debatte über die Anzahl der Sozialwohnungen. Sowohl die WAB mit Peter Egan als auch die SPD mit Rafael Haase sahen die Chance, durch ein zusätzliches Geschoss mehr Wohnraum zu schaffen und dadurch den Anteil an Sozialwohnungen zu vergrößern. Dabei blickte der Ausschuss differenziert auf die einzelnen Baukörper. So wurde vorgeschlagen, die Mehrfamilienhäuser in Richtung Adolfstraße statt dreieschossig jetzt zweigeschossig zu bauen und dafür an der Stormarnstraße teilweise viergeschossig zu bauen. Dieser Idee schloss sich Thomas Bellizzi für die FDP an.

CDU warnt vor Verzögerung des Projektes

Die CDU sah diese Notwenigkeit nicht zwingend und fürchtete mehr das Scheitern des Projektes. Nach mehrjähriger Debatte um die Alte Reitbahn sei es nun erforderlich, Beschlüsse zu fassen. „Es wäre eine Katastrophe für die Stadt und den Investor, wenn wir den Plänen jetzt nicht zustimmen“, so der Fraktionsvorsitzende Detlev Levenhagen. „Es wäre auch ein Signal an potenzielle Investoren, nicht in Ahrensburg zu investieren, weil es dort nicht klappt.“ Die Anzahl der Sozialwohnungen könne nicht Grund dafür sein, das Projekt nicht umzusetzen. Die CDU hätte somit den neuen Plänen des Investors ohne Änderungen zugestimmt.

Das sah Hartmut Möller von der SPD anders: „Es gibt nur wenige Möglichkeiten für uns, überhaupt Einfluss auf die Anzahl von Sozialwohnungen zu nehmen, es muss also die Zahl von 30 Prozent gelten.“

Für Dr. Toufic Schilling eine kaum ertragbare Verzögerung der Debatte: „Warum jetzt wieder eine Grundsatzdebatte? Wir reden jetzt seit drei Jahren über dieses Projekt und immer wieder werden von Ihnen neue Forderungen aufgestellt“, wandte er sich erbost an den Ausschuss. „Sie wollen Parkplätze, Sozialwohnungen, die Bäume erhalten, die Gebäude nicht zu hoch bauen – das kann nicht alles gleichzeitig umgesetzt werden. Wir müssen das Projekt jetzt freigeben und nicht noch nachverhandeln.“

Der Beschluss: Ein Ja – Aber!

Doch ganz konnte sich die CDU mit diesem Argument nicht durchsetzen. Zwar wurde keine Nachverhandlung gefordert und der Beschluss verschoben. Sondern die Mehrzahl der Ausschuss-Mitglieder stimmten schließlich für den Beschluss und eine Ergänzung. So soll die Höhe aller Baukörper erneut überprüft werden, so dass im vorderen Bereich mehr Wohnraum entsteht und die Mehrfamilienhäuser im hinteren Bereich sogar kleiner werden könnten.

Der Beschluss erfolgte mit fünf Ja-Stimmen bei drei Nein-Stimmen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen sowie einer Enthaltung von der SPD. Gleichzeitig wurden die Pläne für das Kino am Alten Lokschuppen mit acht Ja-Stimmen und einer Enthaltung bestätigt. Die beiden Projekte sind miteinander verbunden, da nur durch den Umzug des Edeka-Marktes Platz für ein Kino auf dem Gelände entsteht.

2 Kommentare

  1. @Horst Hausmann: Eine maßvolle Bebauung der Reitbahn unter Weglassung des EDEKA Marktes, der immerhin 3000 qm beansprucht, die m.E. besser einer „luftigen“ Wohnbebauung zugute kommen sollten, wäre ein wie ich finde guter Kompromiss. Dann wäre der Knick unangetastet zu halten und auf den hinteren Grundstücken in der Adolfstrasse – wie ursprünglich angedacht – noch Platz für eine sanfte Nachverdichtung in Grösse von Ein- bis Zweifamilienhäusern mit „Pfeifenstielanschluss“ von der Adolfstrasse. In dem Knick stehen Eichen mit Stammumfang > 4m, die so ca 250 Jahre alt sein dürften. Sollte man sich auf Google earth mal ansehen, welch ein dichter Grüngürtel da fallen soll. Es ist unfassbar, eine Schande!

    Der EDEKA hat in der Bahnhofstrasse m.E. einen optimalen Standort: die Ecke ist für Wohnungsbau sowieso ungeeignet, es gibt keine Probleme mit Nachbarschaftskonflikten wegen der Warenanlieferung vor/nach 7h/22h und wenn man bei einem Neubau gar einen direkten Zugang vom Bahnsteig->Parkhaus ->zum EDEKA-Markt verwirklichen würde, wäre das ein echter Mehrwert.

  2. Horst Hausmann on

    Na, Hauptsache, es wird gebaut auf Teufel komm raus. Wen interessiert schon der Knick und der alte Baumbestand. Vom Umweltamt kommt wohl überhaupt nichts, das wurde anscheinend gleich ruhig gestellt, obwohl man das Umweltamt erst VOR dem Kauf der Grundstücke hätte hören müssen. Die Umwelt-Prüfung steht also immer noch aus. Beim Projekt VW Gelände brachte der Investor gleich selbst das Umweltgutachten ein.
    Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Wie im Tollhaus. Da beim VW Gelände der Knick nur angefressen wird, geht es bei der Alten Reitbahn nun um seine volle Vernichtung. Eichhörnchen, Fledermäuse und die Vogelwelt bedanken sich schon jetzt!
    Massenhaft sicherlich erforderlicher und erwünschter preiswerter bezahlbarer Wohnraum in der Innenstadt wäre z.B. auf dem Sportplatz-Gelände möglich. Diese Fläche mitten in der Innenstadt ist die reine Vergeudung.

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