Von Containern, Krippenkindern und der Suche nach einer Notlösung

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Ahrensburg (ve). Eine Kinderkrippe in Containern? Das ist eigentlich nicht der beste Weg. Und doch hat sich der Sozialausschuss dafür ausgesprochen.

Ortsschild Ahrensburg. Foto:Silke Mascher / ahrensburg24.de

Ortsschild Ahrensburg.
Foto:Silke Mascher / ahrensburg24.de

Die Stadt Ahrensburg sucht händeringend nach Wegen, mehr Plätze für Kinderbetreuungen zu schaffen und greift dabei nach jedem Strohhalm. Einer dieser Strohhalme sind die Container an der Grundschule am Reesenbüttel. Die wurden aufgestellt, weil Klassen der Schule während der Bauphase des Neubaus dort untergebracht worden waren. Dieser Neubau ist gerade in diesen Tagen an die Schüler übergeben worden.

Der Container ist nun also leer. „Klasse“, sagte sich da die Verwaltung, „dann können wir dort ja Kinderbetreuung unterbringen.“ Und da am dringensten Krippenplätze in Ahrensburg fehlen, sollen 20 davon nun in der Containeranlage errichtet werden.

Grundschule: Schüler und Kollegium an der Grenze der Belastbarkeit

Die Politik findet das prinzipiell gut, alle Fraktionen begrüßten auf der Sitzung des Sozialausschusses die Schaffung von Krippenplätzen. Doch Schulleitung und Kolleginnen sind entsetzt. Der Container, in dem die Krippenkinder betreut werden, steht direkt vor dem Schulgebäude. Unruhe und Konflikte zwischen Kita-Betrieb und Schulbetrieb seien vorprogrammiert und würden insbesondere den Unterricht der dritten und vierten Klassen massiv beeinträchtigen.

„Unsere Schule mit ihren 430 Schulkindern steht seit vier Jahren massive Belastungen durch“, betonte Schulleiterin Sabine Knuth auf der Sitzung in Richtung Verwaltung und Politik. „Wir haben den Abbruch und Neubau des Schulgebäudes inklusive der Verzögerung des Neubaus durchgestanden, jetzt steht noch der Neubau des Schulhofes aus. Es kann nicht sein, dass unser Schulbetrieb nun wieder belastet wird durch die Schaffung von 20 Krippenplätzen. Es muss doch irgendwo in Ahrensburg einen anderen Ort geben, an dem die Container aufgestellt werden können.“

Die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer mit den Klassen räumlich genau gegenüber des jetzigen Container-Standortes sei insbesondere im Sommer beeinträchtigt. „Bei den Temperaturen in den Klassenräumen müssen wir im Sommer die Fenster aufmachen. Konzentriertes Arbeiten wird dann kaum möglich sein, wenn vor den Fenstern die Kinderkrippe steht“, so Sabine Knuth, die von einigen Kolleginnen begleitet worden war. Die Interessen der Schulkinder und Krippenkinder stünden sich genau entgegen: Krippenkinder sollen vormittags Zeit zum Spielen auf dem Außengelände haben, wenn die Schulkinder lernen sollen. Mittags, wenn die Schulkinder zu Mittag essen oder auf dem Außengelände spielen, sollen die Krippenkinder Mittagsschlaf halten.

Ein zusätzliches Problem sei die Verkehrssituation. Die Lehrer haben selber keinen Parkplatz mehr, dort stehen die Container. Und der Bringe-Verkehr der Eltern belaste die Umgebung stark. „Sie müssen sich das einmal anschauen, was für ein Verkehrschaos morgens auf der Schimmelmannstraße herrscht“, so eine Anwohnerin, ebenfalls auf der Sitzung anwesend, „die Kinder, die zu Fuß zur Schule kommen, sind gefährdet“, so ihre Beobachtung. Die Errichtung der Kinderkrippe würde diese Situation noch verschärfen.

Krippenplätze: Ja, Standort Grundschule am Reesenbüttel: Vielleicht

Auf der Sitzung des Sozialausschusses wurde das intensiv debattiert. Es wurde deutlich, dass alle Fraktionen die Errichtung von Krippenplätzen für vorrangig halten. Das hat auch die Verwaltung empfohlen nach Abwägung der Interessen von Schule und Bedarf an Krippenplätzen.

„Ich kann Ihre Sorgen und Bedenken nachvollziehen und verstehen“, betonte es zum Beispiel Claas Christian-Dähnhardt von Bündnis 90/Die Grünen. „Aber ich muss als Politiker eine Entscheidung treffen und da scheint mir die Errichtung der Krippenplätze wichtiger.“

Doch alle Fraktionen stellten trotzdem den Standort an der Grundschule in Frage. So wurde die Verwaltung beauftragt, erneut zu überprüfen, ob ein anderer Standort gefunden werden könnte, an dem die Container, die im Eigentum der Stadt sind, aufgestellt werden können. Unter dieser Maßgabe wurde die Errichtung der Krippenplätze mit sieben Ja-Stimmen bei einer Enthaltung der FDP beschlossen.

Noch etwas spielt eine Rolle: die Kommunalwahl. Denn aufgrund der Wahl am 6. Mai 2018 wird es im April keine Sitzung der Stadtverordnetenversammlung geben. Sollte allerdings erst im Juni über die Krippenplätze beschlossen werden können, kann die Errichtung bis zum August 2018 nicht umgesetzt werden. Der Beschluss jetzt, der die Standortfrage in gewissem Rahmen offen lässt, macht eine Eröffnung der Gruppen zum August 2018 möglich. Weiteres muss nun die Stadtverordnetenversammlung am Montag, 26. März 2018, in der Reithalle des Marstalls beschließen.

1 Kommentar

  1. Sabine Heinrich, Lehrerin i.R. on

    Allein überhaupt auf die Idee zu kommen, die Container vor der Reesenbüttelschule zukünftig als Krippenplätze zu nutzen, ist für mich unbegreiflich – aus genau den Gründen, welche die Schulleiterin Frau Knuth anführt.
    Ich verstehe auch nicht, warum man sich in der Stadt nicht schon vor Jahren Gedanken darüber gemacht hat, wo man neue Krippenplätze einrichten könnte, zumal ebenfalls seit Jahren absehbar ist, dass der Bedarf dafür weiter rasant steigen würde.
    Wenn ich daran denke, dass vor ca. 1 1/2 Jahren der marode Schuppen auf dem Marstallgelände von der Stadt für 1 Million € erworben wurde – obwohl bis heute niemand zu wissen scheint, was mit diesem Gebäude geschehen soll und es weiter – nach meiner Beobachtung – vor sich hin rottet – sträuben sich mir die Haare! Hier wäre der nötige Platz – auch draußen – um daraus eine großzügige Krippe zu gestalten – wobei man natürlich einen Teil der Räume auch noch anders nutzen könnte.
    Es muss doch möglich sein, einen geeigneten Platz zu finden! Der Wille muss nur vorhanden sein!
    Wenn Investoren in Ahrensburg etwas wollen, ist doch auch alles möglich!
    Ich finde es unerträglich, dass die Versäumnisse der verantwortlichen Politiker nun von Lehrern und Schülern ausgebadet werden sollen!
    Ich bin froh, in Großhansdorf zu wohnen, wo in den letzten Jahren immer vorausschauend geplant und -handelt wurde – auch, was die Einrichtung von Krippenplätzen betrifft.

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