Bürger für Sicherheit: Das Ende des Vereins? Dramatischer Appell des Vorstands

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Ahrensburg (ve). Klaus-Peter Trost sitzt mit versteinerter Mine am Präsidiumstisch der Hauptversammlung. Er sieht seinen Verein Bürger für Sicherheit vor dem Aus.

Hauptversammlung 2018 des Vereins Bürger für Sicherheit: Der Vorsitzende Klaus-Peter Trost fügt seinem Bericht ernste Worte bei. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Hauptversammlung 2018 des Vereins Bürger für Sicherheit: Der Vorsitzende Klaus-Peter Trost fügt seinem Bericht ernste Worte bei.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Seit dem 20. Geburtstag des Vereins vor zwei Jahren mahnt der Vorsitzende des Vereins mit deutlichen Worte, dass neue Strukturen für die Arbeit und neues Personal für den Vorstand gefunden werden müssen. Andernfalls könne der Verein nicht weitergeführt werden. Im vergangenen Jahr noch mit dem Hinweis, dafür habe der Verein noch etwa zwei Jahre Zeit. Lesen Sie dazu den Beitrag „20 Jahre Bürger für Sicherheit: „Wir müssen uns neu erfinden“„.

Die zwei Jahre sind jetzt nahezu um und Neues hat sich nicht gefunden. Im Vorstand organisieren nach wie vor die gleichen Personen die Arbeit, Beisitzer-Posten konnten nicht besetzt werden. Mit dramatischer Konsequenz: „Wenn sich nicht in den nächsten Monaten Mitglieder finden, die die Arbeit des Vorstandes übernehmen, werden wir auf einer außerordentlichen Versammlung im Oktober dieses Jahres die Auflösung des Vereins beantragen müssen“, sagte Klaus-Peter Trost jetzt auf der Hauptversammlung des Vereins.

Bürger für Sicherheit: Weniger Mitglieder, weniger Beobachtungsgänge

Die Gründe sind deutlich und mit statistischen Zahlen zu belegen. Nicht nur nimmt die Zahl der Mitglieder stetig ab und liegt derzeit bei 301, 2013 waren es noch 370. Auch und vor allem ihr Aufwand der Mitglieder wird immer geringer. In erster Linie besteht ihre Aufgabe darin, so genannte Beobachtungsgänge zu absolvieren, um mit dieser Form der „nachbarschaftlichen Wachsamkeit“ die Zahl der Einbrüche in Wohnung, Häuser und Autos zu verringern. Und die Zahl dieser Beobachtungsgänge liegt derzeit bei 21.580, in 2014 waren es 25.480.

Zwei weitere Zahlen lassen die dramatische Situation des Vereins deutlich werden: Zu der Hauptversammlung dieses Jahres kamen von den 301 Mitglieder gerade mal 27. Und: Mitte des vergangenen Jahres gab es ein Schreiben an alle Mitglieder, dass die Situation des Vereins schilderte und mit der Bitte um Engagement der Mitglieder verband. Rückmeldung an den Vorstand: 2. Angebote zur Mitarbeit: 0.

Auch auf der Hauptversammlung am Montag konnte keine Trendwende erwirkt werden. Die Mitglieder im Saal reagierten ähnlich versteinert auf die Ankündigung der Vereinsauflösung, wie Trost sie versteinert verkündete. Ein direktes Angebot zur Übernahme von Aufgaben gab es an diesem Abend nicht. Wohl aber Lob für den Vorstand und seine Arbeit.

Auflösung des Vereins: Auf der Versammlung gab es wenig Reaktionen

Und es gab eine Aussprache. Den emotionalsten Beitrag dazu lieferte bezeichnender Weise Hans-Jürgen Bendfeldt, Vorsitzende der Bürgerinitiative „Mehr Sicherheit in Großhansdorf“ und wie Bürgervorsteher Roland Wilde Gast der Veranstaltung. Bendfeldt: „Wir standen vor einigen Jahren vor genau der gleichen Situation. Damals rief der Bürgermeister Janhinnerk Voß dazu auf, dass sich jemand für die Vorstandsarbeit finden müsse. Da habe ich mich bereit erklärt, für den Vorstand zu kandidieren. So etwas muss doch auch in Ahrensburg möglich sein.“

Mitglieder des Vereins versuchten vorsichtig, andere Maßnahmen wie Öffentlichkeitsarbeit oder Werbung neuer Mitglieder anzuregen, um neues Personal für den Vorstand zu finden. Darauf allerdings reagiert der Vorstand mit deutlichen Worten: „Das ist alles schon passiert, wir waren in den zwei Jahren ja nicht untätig“, so Beisitzer Dr. Johann Friedrichs. Daraus habe sich nichts ergeben, wie insbesondere auch die Rückmeldung auf das Schreiben des Vorstands zeige.

Neue Vorstandsmitglieder müssten jetzt zur Verfügung stehen

Einziger Weg, den Verein zu retten: Es müssen sich in den nächsten Monaten genügend Engagierte finden, die die Arbeit des Vorstandes übernehmen wollen. Dann wäre es auch möglich, durch eine Neuausrichtung der inhaltlichen Arbeit eine neue Perspektive für den Verein zu entwickeln.

Für Klaus-Peter Trost und den Vorstand entstehen die Schwierigkeiten des Vereins aber nicht nur aus dem Altersdurchschnitt der Mitglieder, sondern auch durch einen Wandel der Gesellschaft, Trost: „Wenn es heute schon eine App geben würde, mit der sich Beobachtungsgänge von Zuhause aus organisieren und durchführen ließen, hätten wir wohl keine Nachwuchsprobleme. So aber leben wir mit unserer körperlichen Präsenz bei den Beobachtungsgängen offensichtlich schon hinter dem Mond. Und die vor 20 Jahren an alle aktiven Mitglieder ausgeliehenen Handys – damals der letzte technische Stand – wirken heute so anachronistisch wie die Landwirtschaft mit purer Muskelkraft.“

Die rasante Entwicklung der digital gesteuerten Lebensführung bliebe deshalb auch für die Vereinstätigkeit nicht ohne Folgen. Auf dieser Basis müsse der Verein sich fragen, ob seine Gründungsidee noch trägt. Allerdings betonte Trost auch: „Wir haben es in den letzten 20 Jahren geschafft, in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Nachbarschaftshilfe, eines unserer Satzungsziele, so zu verinnerlichen, dass es dazu im Grunde keiner ausgeprägten Organisation mehr bedarf.“

Es war eine traurige Hauptversammlung des Vereins Bürger für Sicherheit. Mit wenig überraschenen Appellen des Vorstands – wer den Verein kennt, kennt auch diese Appelle seit einigen Jahren. Aber mit einer doch überraschenden Untätigkeit der Mitglieder. Und man muss kein Pessimist sein, um die Vermutung zu äußern, dass es zu einer außerordentlichen Sitzung im Oktober und einer Auflösung des Vereins kommen wird.

Hauptversammlung 2018 des Vereins Bürger für Sicherheit. Der Vereinsvorstand und seine Gäste: Jürgen Martens (Vorstand), Jörg Marienberg, Leiter des Polizeireviers Ahrensburg, Ralf Lorenzen, Leiter der Kriminalpolizeistelle Ahrensburg, Werner Segelken-Voigt, Klaus-Peter Trost, Volkmar Rosink und Dr. Johann Friedrichs vom Vorstand (von links). Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de


Hauptversammlung 2018 des Vereins Bürger für Sicherheit. Der Vereinsvorstand und seine Gäste: Jürgen Martens (Vorstand), Jörg Marienberg, Leiter des Polizeireviers Ahrensburg, Ralf Lorenzen, Leiter der Kriminalpolizeistelle Ahrensburg, Werner Segelken-Voigt, Klaus-Peter Trost, Volkmar Rosink und Dr. Johann Friedrichs vom Vorstand (von links).
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Kriminalstatistik 2017 zu Ahrensburg: Vorgestellt von der Kriminalpolizei

Übrigens: Zu Gast auf der Hauptversammlung sind auch stets Beamte des Polizeireviers Ahrensburg. In diesem Jahr waren es Ralf Lorenzen, Leiter der Kriminalpolizeistelle Ahrensburg, und Jörg Marienberg, der kommissarische Leiter des Polizeireviers Ahrensburg. Regelmäßig geben sie einen Bericht über die Kriminalstatistik in Ahrensburg. Lesen Sie dazu den Beitrag „Kriminalstatistik 2017 für Ahrensburg: Weniger Wohnungseinbrüche, mehr Betrüger„.

Lesen Sie auch den Beitrag aus dem Jahr 2017 „Hauptversammlung Bürger für Sicherheit: Neue Mitglieder dringend gesucht

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