15 Jahre Stiftung Schloss Ahrensburg: Ein schwerer Start mit großer Wirkung

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Ahrensburg (ve). Dr. Tatjana Ceynowa bleibt nicht zurückhaltend: „Das war kein einfacher Start für die Stiftung Schloss Ahrensburg damals.“

Feierstunde zu 15 Jahre Stiftung Schloss Ahrensburg: Thomas Deistler, Vorstand der Stiftung, Geschäftsführerin Dr. Tatjana Ceynowa, Bürgermeister Michael Sarach, Landeskonservator Dr. Michael Paarmann, Susanne Bieler-Seelhoff vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Wolfgang Schäfer vom Freundeskreis Schloss Ahrensburg und Landrat Dr. Henning Görtz (von links) lobten den Erfolg der Stiftungsarbeit. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Feierstunde zu 15 Jahre Stiftung Schloss Ahrensburg: Thomas Deistler, Vorstand der Stiftung, Geschäftsführerin Dr. Tatjana Ceynowa, Bürgermeister Michael Sarach, Landeskonservator Dr. Michael Paarmann, Susanne Bieler-Seelhoff vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Wolfgang Schäfer vom Freundeskreis Schloss Ahrensburg und Landrat Dr. Henning Görtz (von links) lobten den Erfolg der Stiftungsarbeit.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Und sie muss es wissen, denn sie hat nur wenige Monate nach der Gründung der Stiftung Schloss Ahrensburg die Geschäftsleitung des Museums übernomen. 2003 wurde diese Stiftung gegründet mit dem Zweck, das Schloss – also das Herrenhaus der Familien Rantzau und Schimmelmann – der Öffentlichkeit als Museum und Denkmal „zu erhalten, zu betreiben und zu pflegen“.

Dieser Geburtstag wurde nun im Gartensaal des Schlosses mit Gästen gefeiert. Und eben dort stand Tatjana Ceynowa, auch heute noch Museumsleiterin und Geschäftsführerin, am Rednerpult und seufzte: „Wir hatten zwar ein Schloss, aber das war nicht nur sanierungsbedüftig, sondern eigentlich abgängig.“ Dazu kam eine finanzielle Vorgabe, die sich selbst heute wie aus dem Wolkenkuckucksheim liest: 150.000 Euro sollten jährlich erwirtschaftet werden. „Da können Sie noch so viele Tassen Kaffee verkaufen“, scherzte Ceynowa in Anspielung auf ein damaliges Gutachten, „das werden Sie hier mit dem Schloss nicht erwirtschaften.“

Stiftung Schloss Ahrensburg: Ein schwieriger Anfang vor 15 Jahren

Noch eines machte der Kunsthistorikerin zu schaffen: „Für die Öffentlichkeit war es schwer zu verstehen, dass diese finanziellen Vorgaben der Stiftung nicht erreicht werden konnten.“ Das Image der Stiftung und des Schlosses in der Stadt war schnell auf einem Tiefpunkt.

Der allerdings ist heute längst überwunden. Und das ist, so machten es die Redner des Festaktes wie Landrat Dr. Henning Görtz, Bürgermeister und Stiftungsratsvorsitzender Michael Sarach oder Susanne Bieler-Seelhoff vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur deutlich, vor allem ein Verdienst von den engagierten Personen in der Stiftung und von Tatjana Ceynowa. Am Strang mitgezogen haben Dr. Michael Paarmann, Landeskonservator des Landes Schleswig-Holstein, oder Jörg Schumacher, Geschäftsführer der Stiftungen der Sparkasse Holstein gGmbH und natürlich Wolfgang Schäfer als Vorsitzender des Freundeskreises Schloss Ahrensburg, die alle Gäste des Empfangs waren. Begrüßt wurden sie von Thomas Deistler, Vorstand der Stiftung.

„Mit Geduld und Beharrlichkeit“ habe sie sich damals an die Arbeit gemacht, gesteht Dr. Ceynowa ein. „Als erstes haben wir die Audioguides eingeführt und mit ein paar Maßnahmen das Museum attraktiver gemacht“, erinnerte sie sich. Und dann ging es an die richtige Arbeit: Die Grund-Sanierung des Schlosses. „Noch heute denke ich, es war eine gute Idee, mit der Sanierung der Fassade im Jahr 2009 zu beginnen“, betont die Museumsleiterin, „denn damit stieg die Attraktivität und die Identifikation zwischen Stadt und Schloss. So wurde es leichter, die Sinnhaftigkeit der Sanierung der Öffentlichkeit zu vermitteln.“

Schloss Ahrensburg: Heute ein umfassend saniertes Museum

Die Stiftung hat dies alles möglich gemacht, denn sie machte aus dem Schloss, das nach den Grafenfamilien zunächst der Kreissparkasse gehörte, ein öffentlich zugängliches Museum mit entsprechendem Stiftungszweck. Das sorgt für Transparenz, denn die Bilanz der Stiftung wird regelmäßig veröffentlicht. Der Zweck der Stiftung bleibt außerdem bis auf Weiteres bestehen. Investitionen werden damit nachhaltig – und das überzeugte schließlich auch Land, Bund und Europäische Union, die sich an den 3,3 Millionen Euro, die die Sanierung gekostet hat, beteiligt haben.

Sanierung des Mittel- und Ostflügels im Schloss Ahrensburg: Der Festsaal des Schlosses in neuer Farbgebung.

Sanierung des Mittel- und Ostflügels im Schloss Ahrensburg: Der Festsaal des Schlosses in neuer Farbgebung.

„Das Schloss ist heute in einem so guten Zustand, wie vielleicht noch nie in den 400 Jahren seiner Existenz“, ist Ceynowas Bilanz nach 15 Jahren Stiftungs-Arbeit. Und es beeindruckt die Gäste mit einer hohen Eigenwirtschaftsquote, sie liegt inzwischen bei 71 Prozent.

„Die Gründung der Stiftung zeigt sich heute als Erfolg“,  befand somit auch Marianne Syllwasschy-Hansen, die Witwe von Horst Hansen, der die Gründung der Stiftung und den Anwerbung finanzieller Mittel mit vorangetrieben hat. Syllwasschy-Hansen war genauso wie Elisabeth Samusch, Witwe von Bürgermeister Manfred Samusch, Gast bei dem Festakt.

Gäste aus Politik, Kultur und Gesellschaft

Geburtstagsgäste waren zudem Bürgervorsteher Roland Wilde, der frühere Landrat Klaus Plöger, die frühere Bürgermeisterin Ursula Pepper, Florian Ehrich, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Ahrensburg, Stadtarchivarin Dr. Angela Behrens, Dr. Katharina Schlüter, von der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn, Hella Eickenscheidt, Vorsitzendes des Kulturvereins Marstall sowie Rolf Griesenberg von der SPD, Cordelia Koenig von Bündnis 90/Die Grünen und Michael Stukenberg von der FDP.

Unterhaltsam wurde der Nachmittag nach den Reden vor allem durch eine kurzweilige und ziemlich kreative Nachhilfestunde in Sachen Literatur- und Musikgeschichte mit Armin Diedrichsen und Christine Schütze. Sie rezitierten Gedichte und Musik großer Komponisten und Dichter,  die – vermutlich nachweislich – nach Besuchen im Schloss Ahrensburg entstanden waren. Oder wussten Sie etwa nicht, dass sowohl Wolfgang Amadeus Mozart als auch Theodor Storm und natürlich Johann Sebastian Bach und andere im Schloss Ahrensburg inspirierende Stunden erlebt haben und diese in ihren Werken verewigten?

Neues Historienkabinett im Schloss Ahrensburg. Blick in den Ausstellungsraum.

Neues Historienkabinett im Schloss Ahrensburg. Blick in den Ausstellungsraum.

Das Schloss Ahrensburg. Foto:©ahrensburg24.de

Das Schloss Ahrensburg. Foto:©ahrensburg24.de

Das Schloss Ahrensburg. Foto:©ahrensburg24.de

Das Schloss Ahrensburg. Foto:©ahrensburg24.de

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2 Kommentare

  1. @ Frau Tammena: Ich stimme Ihnen vollkommen zu! Wo ist ein Hinweis darauf, dass es Schimmelmann zu seinem Reichtum besonders auch durch Sklavenhandel gebracht hat?
    Ich war lange nicht mehr im Schloss; deswegen meine Frage: Gibt es einen Raum, in dem auch diese dunkle Seite der Geschichte des Schlosses – und des Herrn Schimmelmann hingewiesen wird?
    Da Alfred Rust und Waldemar Bonsels aus gewissen ideologisch geprägten Gründen in Ahrensburg weitgehend ignoriert und totgeschwiegen werden, verstehe ich immer noch nicht, warum sich noch – so mein Eindruck – kaum jemand dafür eingesetzt hat, dass deutlich gemacht wird, dass die prunkvolle Fassade und dito das Innenleben des Schlosses nur einem skrupellosen Menschenhändler zu verdanken sind.
    Ich wünsche mir – ganz gleich, ob es um das Ahrensburger Schloss geht oder um den Petersdom in Rom – immer eine umfassende Information darübr, wie diese Bauwerke zustandegekommen sind – wie im Fall des Schlosses – z.B. durch die Gewinne durch Sklavenhandel.

  2. Gertrud Tammena on

    Mir fehlt in diesem Kontext jeglicher Hinweis auf die kolonialen Grundlagen, Auswirkungen und Folgen, auf denen solcher Reichtum fusst, die z.B. unser Heimatdichter und Essayist Matthias Claudius als damaliger Insider und Kenner des Schlosses und seiner Besitzer im „Wandsbeker Boten“ beschreibt und kritisch beleuchtet: In seinen 400 Jahren war und ist dieses so aufwendig hergerichtete Schloß immer auch Kulisse von Leid, Ausbeutung, Krieg, Verbrechen, Zwangsarbeit und Ungerechtigkeit gewesen. Wenn überhaupt, werden diese Zusammenhänge gering behandelt und marginalisiert: So ist es touristischer Magnet und städtebauprägendes Monument ohne zum musealen Lernort geworden zu sein und verkörpert eine sehr einseitige Kulturausrichtung. Schade, dass diese Chance eines realistischen und objektivierenden Heimatprojektes so nachhaltend besteuert verpasst wird.

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