Baustellen in Ahrensburg: Streit und Verkehrsbehinderungen

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Ahrensburg (ve). Ist die Stadt zu großzügig gegenüber Bauherren? Das finden jedenfalls Mitglieder des Bauausschusses.

Abgesperrt: Entlang der Baustelle in der Hamburger Straße geht für Fußgänger, Radfahrer und Parkende gar nichts mehr. Foto:ahrensburg24.de

Abgesperrt: Entlang der Baustelle in der Hamburger Straße geht für Fußgänger, Radfahrer und Parkende gar nichts mehr.
Foto:ahrensburg24.de

Ahrensburg erlebt zurzeit und auch in den kommenden Jahren einen Bauboom, insbesondere in der Innenstadt. Lindenhof, AOK-Kreuzung, Hamburger Straße, Reeshoop, bald wohl Alte Reitbahn und Bahnhofstraße – überall entstehen große neue Gebäude.

Beschwerden gibt es nun im Bauausschuss darüber, dass diese Bauarbeiten nicht ohne Beeinträchtigungen des öffentlichen Raumes geschehen.

Gerade jetzt wurden entlang der Hamburger Straße vor dem Grundstück des ehemaligen Opel-Standortes Zäune aufgestellt, die den gesamten Fußweg, Fahrradweg und Parkstreifen überspannen. Zahlreiche Parkplätze im hart umkämpften Bahnhofs-Umfeld stehen nicht mehr zur Verfügung.

100 Meter weiter an der AOK-Kreuzung ist der gesamte Fußweg inklusive Bushaltestelle für Bauarbeiten gesperrt. Dadurch ist nicht nur das Überqueren der Straßen beeinträchtigt, es hat für den Busverkehr weitreichende Folgen. Denn die Haltestelle vor dem Ärztehaus entfällt und Fahrgäste, die in die Innenstadt wollen, müssen umständliche Wege in Kauf nehmen. Und das ganze dauert noch bis Sommer 2019.

Dagegen wirkt die Beeinträchtigung am Reeshop fast bescheiden. Auch dort ist während der Bauarbeiten eines neuen Altenheimes der Fußweg gesperrt.

Ärgerlich ist das für die Politiker vor allem durch einen Umstand: Die Stadtverwaltung erteilt für die Nutzung des öffentlichen Raumes, also der Ausweitung der Baustellen auf Fußweg und Fahrradweg, Genehmigungen. Heißt: Die Nutzung des öffentlichen Raumes könnte den Bauherren auch verwehrt werden.

„Es kann doch nicht sein“, regte sich Rafael Haase von der SPD auf, „dass wir den Bauherren derart viele Zugeständnisse machen und ihnen so viel öffentlichen Raum überlassen. Es ist Aufgabe der Bauherren, ihre Baustellen so einzurichten, dass der öffentliche Raum nicht beeinträchtigt wird.“ Andere Fraktionen wie die CDU sehen es ähnlich.

„Ja, schon“, pflichtete Stephan Schott vom Bauamt der Stadt bei, „aber man muss auch sehen, dass die Investoren große Bauprojekte umsetzen. Das wünschen wir uns als Stadt und Sie haben dem politisch zugestimmt.“ Nun müsste den Bauherren auch die Bauarbeiten ermöglicht werden.

Möglich wäre es, andere Formen der Sicherung wie einen Holztunnel einzufordern, die die Nutzung von Fuß- und Radwegen weiterhin ermöglichen. Möglich wäre es auch, wenn unbedingt öffentlicher Raum benötigt wird, bei Bedarf lediglich kurzfristige Genehmigungen zu erteilen.

Ob dies für die Baustellen entlang der Hamburger Straße jetzt noch möglich ist, ist fraglich. Geprüft werden soll aber, ob die Buslinien neu geplant werden können, so dass der Ausstieg zum Beispiel an der Bushaltestelle zwischen Krankenkassen-Verwaltungsgebäude und Pflegeheim erfolgen kann.

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1 Kommentar

  1. Peter Elmers on

    In der letzten Sitzung des Bau- und Planungsauschusses hatte der Stadtverordnete Haase die übermäßige Inanspruchnahme von Geh- und Radwegflächen durch private Baumaßnahmen moniert und selbst die sonst eher nicht besonders für den Busverkehr engagierte Stadtverordnete Hengstler von der CDU (ihr ist zu verdanken, dass die Haltestelle Moltkeallee aufgehoben werden soll) beklagte den ersatzlosen Wegfall der Bushaltestelle am AOK-Knoten für Busse aus Richtung Süden und Osten.

    Während bislang nur bekannt war, dass die AOK-Haltestelle für drei bis vier Wochen wegen Leitungsarbeiten auf dem Gehweg aufgehoben werden sollte (bislang dauert die Aufhebung bereits ca. 6 Wochen ohne dass dort nennenswerte Arbeiten durchgeführt worden wären), wurde in der Sitzung angekündigt, dass die Sperrung (sage und schreibe!) 18 Monate, bis in den Herbst 2019 andauern soll !

    Diese Haltestelle ist bekanntlich die einzige, die für Fahrgäste der Linien 269 (Hagen), 369 (Großhansdorf/Trittau) 376 (Siek/Meilsdorf), 8730 (Hammoor/Sandesneben) und 169/469 (Beimoor/Gewerbegebiet) zwar peripher, aber einigermaßen Innenstadt-nah liegt.

    Die Stadt subventioniert den eigentlich vom Kreis zu finanzierenden Stadtbusverkehr mit ca. 450.000 € pro Jahr, um ihn mit Zusatzangeboten attraktiver zu machen und um die Innenstadtbesucher zu veranlassen, möglichst nicht mit dem Auto zu kommen.
    Und dann mutet sie ca. der Hälfte dieser erwarteten Busbenutzer einen Mehrweg von round-about 325 m vom Bahnhof wieder zurück zur aufgelassenen Haltestelle oder von 850 m bis zum Rondeel zu !

    Gleichzeitig werden kontinuierlich Parkplätze abgebaut und die Autofahrer auf den ÖPNV und das Fahrrad (auch aus Siek und Hoisdorf ?) verwiesen !
    Die exzessiv beschäftigten Gutachter bestätigen zwar immer wieder, es gäbe genug Parkplätze (in den privaten Parkhäusern hinter der Lohe, – aber da will niemand rein… zu teuer oder zu weit weg?), die Bevölkerung sieht das aber anders…
    Das ist Marketing pur für das „Mittelzentrum“ Ahrensburg und die darbenden kleinen Einzelhändler.

    In Erkenntnis dieses Dilemmas wird dann in der Ausschuss-Diskussion der (völlig impraktikable) Vorschlag gemacht, die Busse geradeaus über die Kreuzung fahren zu lassen, so dass der Ausstieg an der Bushaltestelle zwischen Krankenkassen-Verwaltungsgebäude und Pflegeheim erfolgen könnte.

    Dabei wäre eine befriedigende Lösung so einfach, man bräuchte nur mal auf Seite 59 (von 179!) des „Verkehrkonzeptes Innenstadt/Schlossbereich“ vom 29.06.2017 nachzulesen, veröffentlicht unter „www.ahrensburg.de/Bauen-Umwelt/Stadtplanung/Städtebauförderung-Innenstadtkonzept“:

    Dort wird als Option für eine spätere geänderte Buslinienführung (die auf keinen Fall verbaut werden sollte..!) die neue Verbindung zwischen Hamburgerstraße und Manfred-Samusch-Straße neben dem WMD-Gebäude genannt (übrigens ein uralter Vorschlag des ehemaligen Ahrensburger Tiefbau-Abteilungsleiters).

    Die Busse aus Richtung Manhagener Allee könnten nach rechts in die Hamburgerstraße einbiegen, bekämen dort eine (sogar noch Zentrums-nähere) Haltestelle und führen über die neue Verbindung und die Manfred-Samusch-Straße zum Bahnhof; – nur 325 m Mehrweg und leicht über eine um 2 Minuten frühere Fahrplanlage zu realisieren.

    Erfreulicherweise hat sich dort noch kein eigentlich gewünschter Cafe/Bäckerei-Betreiber mit Außen-Gastronomie gefunden, sodass einer Nutzung der 7 m breiten Verkehrsfläche durch Busse eigentlich nichts im Wege stehen dürfte.

    Die Busse aus Richtung Bahntrasse könnten vor der Ampel Woldenhorn/Carl-Barckmann-Straße kurz halten und Fahrgäste zur Innenstadt aussteigen lassen (Einsteigen mit zeitaufwändigem Fahrscheinkauf entfällt dort praktisch).
    Wenn die Ampel auf „Rot“ steht, gibt es keine nennenswerte Behinderung des nachfolgenden Autoverkehrs, – ansonsten müsste er 10-20 Sekunden warten, – was angesichts der den Fußgängern zugemuteten Mehr- und Umwege mehr als akzeptabel sein dürfte..

    Aber wer liest denn schon das dritte (zwischen 150 und 200 Seiten starke) Gutachten zur Innenstadt-Entwicklung und findet diesen Lösungsansatz…

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