Christine Prayon und der Rezeptions-Koeffizient

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Ahrensburg (ve). Kabarett ist schon eine schwierige Sache. Wer es ordentlich machen möchte, wird damit keinen Erfolg haben.

In diesem Dilemma sieht sich zumindest Christine Prayon. Mit dem leicht Banalen, das sie macht – etwa Birte Schneider in der heute show – lässt sich Geld verdienen. Mit ihrem Kabarett weniger. Sagt sie selber. Mit dieser Aussage also steht sie auf der Bühne des Marstalls und fragt das Publikum im gut besuchten Saal, was es denn gerne für ein Programm hätte, um nicht in der Pause gehen zu müssen.

Wie gut allerdings, dass sich Christine Prayon an ihre eigenen Vorgaben nicht hält und doch über ihr Programm selber entscheidet. Brav im Wollkleid beginnt sie den Abend mit – man möchte sagen – literarischen Bonmots. Allerdings erbaulich sind die nicht. Sondern fies. Und vor allem eines: Von großer Sprachkunst.

Christine Prayon mit ihrem Programm "Diplom Animatöse" im Ahrensburger Marstall. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Christine Prayon mit ihrem Programm „Diplom Animatöse“ im Ahrensburger Marstall.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Sie liest aus einem Roman von der Schlötzmann – sie wissen, die Dame aus dem horizontalen Gewerbe, die auch schreiben kann. Glauben Christine Prayon und Scarlett Schlötzmann jedenfalls. Ein gar feinfühliges Werk über die Wesensart und tiefgreifende Erkenntnisfähigkeit der Frau an sich folgt. Im Marstall wird selten ein so schlecht geschriebenes Werk zu hören gewesen sein. Mit anderen Worten: Es ist schon eine große Prayon’sche Kunst, eine derartige Schlötzmännsch’sche Wortklauberei zu Sätzen zusammen zu fügen – das schreibt sich sicher nicht so leicht von der Hand.

Christine Prayon mit ihrem Programm "Diplom Animatöse" im Ahrensburger Marstall. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Christine Prayon mit ihrem Programm „Diplom Animatöse“ im Ahrensburger Marstall.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Im zweiten Teil der „Diplom Animatöse“ geht es zur Sache. Christine Prayon schreit und stirbt, zetert und witzelt, entlarvt und wird entlarvt. Sie demaskiert sich und statt einer wahren Christine Prayon stehen plötzlich zwölf auf der Bühne. Halt – falsch, die genaue Zahl lässt sich nicht sagen. Und alle diese Persönlichkeiten wollen eigentlich eines: Das Kabarett-Publikum mit Erkenntnissen füttern. Alleine, keiner weiß, ob es gefüttert werden möchte. Zweifelt jedenfalls Christine Prayon.

Christine Prayon mit ihrem Programm "Diplom Animatöse" im Ahrensburger Marstall. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Christine Prayon mit ihrem Programm „Diplom Animatöse“ im Ahrensburger Marstall.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Aber – das Publikum war da und blieb, es applaudierte angetan und war für Ahrensburger Verhältnisse sogar vergleichsweise redselig. Das Programm „Diplom Animatöse“ zeigt Prayon seit längerem, man kennt das Gedicht „Nussloch“ und vieles andere. Aber der Abend entlässt das Publikum mit der Aufforderung, über seinen eigenen Rezeptions-Koeffizienten zu grübeln und über die Art der Wertschätzung dem Künstler gegenüber. Das ist doch mal was.

Christine Prayon mit ihrem Programm "Diplom Animatöse" im Ahrensburger Marstall. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Christine Prayon mit ihrem Programm „Diplom Animatöse“ im Ahrensburger Marstall.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

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