Junges Theater Marstall: „Didis Wundertüten“ und „Die ersten Boatpeople“

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Ahrensburg (ve). Sklaverei, Missachtung von Menschenrechten, Brutaliät – mit diesen Themen haben sich Jugendliche im Rahmen einer Theaterproduktion befasst.

„Boatpeople“, dass sind heute nicht selten Flüchtlinge, die unter Lebensgefahr über das Mittelmeer von Afrika nach Europa reisen. Doch für Angela Deiniger-Schrader steht da noch viel mehr dahinter – die Diskreminierung vieler Menschen schon als Sklaven in der beginnenden Neuzeit. Die Theaterregisseurin hat dies zum Thema ihrer neuen Produktion gemacht.

Angela Deininger-Schrader leitet die Jugendtheatergruppe im Kulturverein Marstall, das Junge Theater Marstall. Und sie hat die 17 jugendlichen Darstellerinnen und Darsteller einfach gefragt, ob und wie sie mit einer solchen Geschichte auf der Bühne umgehen wollen. Wollten sie – raus aus der Spaßwelt, rein in lebensfeindliche Ernsthaftigkeit. Mit aller Konsequenz – mit im Ensemble ist ein geflüchtetes Mädchen aus Syrien und ein Junge, dessen Vater Afrikaner ist. Flucht, Trauma und Angst vor Diskreminierung stehen mit auf der Bühne.

„Ich habe einen Text geschrieben und ihn den Jugendlichen vorgestellt“, erzählt Angela Deininger-Schrader über die Arbeit zur neuen Produktion. „Im Laufe der Arbeit haben wir gemeinsam einiges am Text geändert, Vorstellung und Ideen der Jugendlichen mit aufgenommen oder anderes gestrichen.“

Das Stück sei schwere Kost, betont Angela Deininger-Schrader, „es nimmt ein schlimmes Ende“ sagt sie immer wieder, ohne eben dieses Ende verraten zu wollen. „Ich bin mir sicher, das im Publikum Tränen fließen werden bei der Aufführung.“ Die Menschenfeindlichkeit der Sklaverei werde deutlich auf die Bühne gebracht.

Für die Jugendlichen offenbar ein Ansporn: „Es ist erstaunlich, mit welcher Ernsthaftigkeit und Disziplin sich das Ensemble an diese Arbeit gemacht hat“, betont die Regisseurin und Theaterpädagogin, große Achtung vor ihrem Ensembel ist zu spüren.

Das Stück „Die ersten Boatpeople“ wird am Sonnabend, 30. Juni 2018, um 18 Uhr im Marstall aufgeführt. Eine weitere Vorstellung gibt es am Sonntag, 1. Juli 2018, um 16 Uhr.

Die Regisseurinnen des Jungen Theater Marstall: Angela Deininger-Schrader leitet die Gruppe für Jugendliche und scheidet zum Sommer aus, Angela Schöttler leitet die Gruppe für Grundschulkinder und Caroline Dibbern übernimmt die Gruppe für Jugendliche nach den Sommerferien (von links). Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Die Regisseurinnen des Jungen Theater Marstall: Angela Deininger-Schrader leitet die Gruppe für Jugendliche und scheidet zum Sommer aus, Angela Schöttler leitet die Gruppe für Grundschulkinder und Caroline Dibbern übernimmt die Gruppe für Jugendliche nach den Sommerferien (von links).
Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Eine Woche vorher, am Sonntag, 24. Juni 2018, stehen die jungen Kolleginnen und Kollegen des Ensembles auf der Bühne des Marstall, die Kindergruppe des Jungen Theater Marstall. Unter der Regie von Angela Schöttler haben sie „Didis Wundertüten“ einstudiert, ebenfalls eine Eigenproduktion.

Sie erinnern sich vielleicht an den Obdachlosen Didi? Der wanderte vor eingigen Jahren entlang der Bundesstraße 75 von Lübeck bis nach Hamburg und damit auch quer durch Ahrensburg. Dabei schob er einen Einkaufswagen mit unzähligen Einkaufstüten vor sich her, sein ganzer Besitz. Diese Figur hat Angela Schöttler zu ihrem Theaterstück inspiriert.

Aus den Tüten am Einkaufswagen werden zahlreiche Wundertüten. „In jeder dieser Tüten befinden sich Utensilien für einen bestimmten Beruf“, erläutert es Angela Schöttler. „Ein Darsteller bekommt eine dieser Tüten und zeigt auf der Bühne nun den entsprechenden Beruf.“

Es ist in diesem Fall die jüngere Gruppe des Jungen Theaters Marstall mit Schülerinnen und Schülern im Grundschulalter. „Sie lernen, sich auf der Bühne zu bewegen und ein Stück zu spielen“, so Angela Schöttler. Denn genau das ist das Ziel der Jugendarbeit: Den Kindern und Jugendlichen einen Raum zu geben, in dem sie sich austesten und ausprobieren können.

Für das Kulturzentrum Marstall ist die Kinder- und Jugendarbeit ein wichtiger Faktor ihrer Arbeit, die zudem stark wächst. „Es gibt diese Theaterprojekte jetzt seit zehn Jahren, 2008 habe ich mit drei Kindern im Ensemble angefangen“, so Angela Deininger-Schrader, „heute sind es zwei große Gruppen.“ Und genau so soll es auch sein, Armin Diedrichsen vom Vereinsvorstand: „Es geht uns bei der Jugendarbeit nicht um große Produktionen, viele Zuschauer oder große Erfolge, sondern um die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Nicht die Aufführung ist wichtig, sondern der Weg hin zur Aufführung.“ Die Kinder und Jugendlichen an die Kultur und an die Theaterwelt heranzuführen, sei der Zweck. Diedrichsen: „Auch für ihre persönliche Entwicklung ist das Theater spielen eine Bereicherung.“ Wenn dann am Ende der Arbeit auch noch eine fertiges Theaterstück und eine Aufführung stünden, sei das nur ein Effekt der Arbeit, betont Diedrichsen.

In dieser Saison – wie übrigens auch in den vorigen mit Inszenierungen wie „Youngstar“ oder „Die fünf Korallis“ – wird dies wieder gelingen. ahrensburg24.de wird rechtzeitig auf den Karten-Vorverkauf hinweisen.

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