Aufruf und Leserbrief: Wie wollen die Ahrensburger die Bebauung auf der Alten Reitbahn?

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Ahrensburg (ve/pm). Katrin Jaeger aus Ahrensburg sorgt sich um die Gestaltung der Ahrensburger Innenstadt.

In ihrem Leserbrief kritisiert sie die Arbeit von Politik und Verwaltung im Vorfeld der Beschlüsse zur Bebauung auf dem Grundstück an der Alten Reitbahn. Und sie schließt es nicht aus, das eine Bürgerinitiative gegen das Projekt entsteht. ahrensburg24.de veröffentlicht den Leserbrief im Wortlaut:

Themenbild Bauen in der Ahrensburger Innenstadt. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Themenbild Bauen in der Ahrensburger Innenstadt.
Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Was ist nur los mit unserer Ahrensburger Stadtverwaltung, die doch eigentlich für uns Einwohner da sein sollte?

Da plant ein Investor auf dem ehemaligen Warnke-Gelände eine zwar sehr verdichtete, aber doch ansehnliche Wohnbebauung. Seitens der Stadt wird die angemessene Forderung nach einer Quote von 30 Prozent sozialem Wohnraum erhoben. Was passiert?

Statt auch nur ein einziges Prozent dieser Quote in die geplante Bebauung einzubringen, schlägt der Investor die 30 Prozent in vollem Umfang auf die ursprüngliche Planung drauf. Die Folge ist ein liebloser Geschosswohnungsbau, teils deutlich höher, als die gesamte Umgebungsbebauung. Kein Gedanke des ernsthaften Widerstandes bei unserer Verwaltung.

Nächstes Thema: Beim Verkauf eines Grundstücks in der Adolfstrasse zur Alten Reitbahn hin gelegen erklärt die Stadt den Verkäufern, das ihr bei jedem Verkauf zustehende Vorkaufsrecht auf den hinteren Teil des Grundstücks ausüben zu wollen als ausgewiesene geringwertige Ball-und Spielfläche.

Die Pläne des Investors Alte Reitbahn, der auf exakt dieser Fläche 3-geschossigen Wohnungsbau plant, liegen samt Modell auf dem Schreibtisch der entsprechenden Bauverwaltung. ??

Auf meine Frage beim Bauamt, was mit dem alten stadtprägenden Baumbestand der Alten Reitbahn geschehen wird, in dem hunderte Vögel und andere Tiere wie Fledermäuse ihr Zuhause haben, wird lächelnd erklärt, es sei für die Stadt überhaupt kein Problem, den gesamten Bestand einfach abzuholzen. Man werde halt irgendwo anders Ersatzpflanzung vornehmen.

Es ist Tatsache, dass derartige Ersatzbäumchen nur mit Glück, und dann auch erst nach Jahrzehnten die Qualität eines ausgewachsenen Strassenbaumes erreichen, der jetzt an einem Sommertag im Innenstadtbereich circa zehn Kilogramm Sauerstoff produziert.

Was ist also los mit unserer Stadtverwaltung? Geht Investoreninteresse vor Gemeinwohl?

Es ist allerhöchste Zeit, dass bei unseren Stadtverwaltungen im Rathaus und in der Kommunalpolitik die Maxime des Denkens und Handelns neu geordnet wird. Jetzt erst einmal das Ohr am Herzen der Einwohner!

Dazu gehört auch, dass erst einmal hinreichende Infrastruktur für die bereits hier lebenden Einwohner (eklatanter Mangel an Krippen / Kita-Plätzen, Schulen marode, keine Entlastungsstrassen, Facharztmangel etc. etc.) geschaffen wird, ehe anscheinend grenzenlos Wohnquartiere hinzukommen und damit die schon seit Jahren ungelösten Probleme noch massiv verstärkt werden.

Und wenn mein „Hilferuf“ ungehört verhallt, sollte es angesichts der Vernetzung auch eine Möglichkeit sein, dass gleichgesinnte Einwohner sich verbinden und gemeinsam ihre Stimme für ein liebens- und lebenswertes Ahrensburg erheben!

Katrin Jaeger, Ahrensburg

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1 Kommentar

  1. Katrin Jäger on

    Mir geht es im Kern darum, dass bei vielen derzeitigen Bauprojekten zum einen das Ausmaß der Bebauung (die Höhe, Dichte, Anzahl der Einheiten) ein angemessenes Maß überschreitet und dass zum andern vernünftige Stadtentwicklung auch Schaffung von Infrastruktur beinhaltet! Und dass es genau hier eklatante Mängel gibt!

    Beispiele?
    Seit Jahrzehnten wird über eine Verkehrsentlastung u.a. durch eine Nordtangente nur geredet und geredet; der Verödung der Innenstadt wird nichts entgegengesetzt, weil das Projekt Stadtmarketing nicht vorankommt; der Krippen/Kita-Platzmangel wird seit Jahren nicht behoben; Rathausplatzgestaltung, Stadtpark , alles wird nicht umgesetzt … die Liste ließe sich fortsetzen.

    Dabei kann dahingestellt bleiben, ob die Stadtverwaltung ihren Aufgaben nicht gerecht wird, ob die Stadtverordneten sich über Jahre gegenseitig blockieren, ob Politik und Verwaltung nicht Hand in Hand arbeiten, das ist für uns Bürger oft nicht einmal durchschaubar.

    Entscheidend für uns Ahrensburger Einwohner ist allerdings, dass unterm Strich nicht hinreichender Erfolg bei wichtigen Projekten für das Gemeinwohl herauskommt !

    Und wenn dann noch das Gefühl entsteht, größeren Investoren wird eine Art Freifahrtschein gewährt (sei es der Wunsch nach 30 Prozent mehr an Wohnungen, nach Abholzung von Bäumen, nach jahrelanger Sperrung von Fuß -und Radwegen etc) ist das fatal.

    An vielen Stellen kämpfen Bürger (wie auch Politiker) als „Einzelkämpfer“ für Verbesserung, aber wenn das auch nach den Kommunalwahlen nicht zu sichtbaren Erfolgen führt, setzt genau hier meine Vision einer möglichen Vernetzung an, um gemeinsam mehr Gewicht für ein liebenswerteres Ahrensburg zu erlangen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Katrin Jäger
    Ahrensburg

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