Kommunalwahl 2018: Das wollen die Ammersbeker Parteien

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Ammersbek (ve). Grundschule Bünningstedt, Seniorenberatung, Stau auf den Straßen – das bewegt die Bürgerinnen und Bürger in Ammersbek.

Podiumsdiskussion des Bürgervereins Ammersbek zur Kommunalwahl: Auf dem Podium saßen Olaf Willuhn, Bündnis 90/Die Grünen, Jürgen Ehrig, SPD, Bernd A. Sutter, CDU, Hans-Hinrich Sönksen, FDP, und Gordian Okens, UWA (von rechts), in der Mitte stehend Moderator Helmut Laudan vom Bürgerverein Ammersbek. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Podiumsdiskussion des Bürgervereins Ammersbek zur Kommunalwahl: Auf dem Podium saßen Olaf Willuhn, Bündnis 90/Die Grünen, Jürgen Ehrig, SPD, Bernd A. Sutter, CDU, Hans-Hinrich Sönksen, FDP, und Gordian Okens, UWA (von rechts), in der Mitte stehend Moderator Helmut Laudan vom Bürgerverein Ammersbek.
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Der Bürgerverein Ammersbek hat den Anfang gemacht und die Fraktionen zur Kommunalwahl 2018 zu einer Podiumsdiskussion geladen. Olaf Willuhn, Bündnis 90/Die Grünen, Jürgen Ehrig von der SPD, Bernd A. Sutter von der CDU, Hans-Hinrich Sönksen von der FDP und Gordian Okens von der UWA saßen von rechts nach links gesehen auf dem Podium und gaben ihren Mitbewohnern zwei Stunden lang Antworten auf viele Fragen. Moderiert wurde der Abend von dem Stellvertretenden Vorsitzenden des Bürgervereins Helmut Laudan. Und das vor vollem Haus, selbst auf der Galerie im Ammersbeker Pferdestall waren viele Plätze besetzt.

Thema in Ammersbek: Eine Gemeinde, in der Senioren gut leben können?

Schnell wurde klar, was die Ammersbeker bewegt: „Es gibt keine Seniorenberatung, keinen Pflegedienst, kein Pflegeheim, kein betreutes Wohnen“, beklagten verschiedene Gäste im Publikum. Und „Ja – Sie haben Recht“ entgegneten einmütig alle Kommunalpolitiker. Mit einem Aber: „Die Gemeinde hat keine eigenen Grundstücke, daher sind wie beim Bau von Senioreneinrichtungen auf andere angewiesen“, so Jürgen Ehrig, genauso sieht es Hans Sönksen: „Dafür brauchen wir einen Investor.“ Ehrig weist noch auf einen anderen Umstand hin: „Die Gemeinde wollte, das ein Seniorenbeirat gewählt wird – es hat sich kein einziger Kandidat gemeldet.“

Gordian Okens gibt zu bedenken: „Wir können auf Barrerefreiheit und gute Nahversorgung bei Bauprojekten achten, ansonsten muss da mehr getan werden“. Und Olaf Willuhn betont: „Ammersbek hat einen dörflich geprägten Charakter, daher passiert viel in Nachbarschaftshilfe und in Vereinen und Verbänden. Es fehlt das seniorengerechte Wohnen, wir haben einen Pflegenotstand und brauchen einen Pflegedienst, das ist eine Frage des Marktes.“ Bernd Sutter fügt noch an: „Unsere Kandidatin Dorothea Ullmann hat sie diese Themas angenommen und hat einen Pflegetisch initiiert, an dem genau über diese Probleme gesprochen werden soll.“

Für viele ein Ärgernis: Die Busverbindungen sind nicht optimal

Nicht nur die Senioren aber insbesondere diese interessierte auch das Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Die schlechte Taktung vieler Busverbindungen wurde angemahnt, ein besonderes Ärgernis sei die Verbindung am U-Bahnhof Hoisbüttel, an dem eine Buslinie genau eine Minute vor Ankunft der Bahn abfahre. „Daras ergeben sich immer wieder Wartezeiten von einer halben Stunde“, so eine Anwohnerin, „und einen Taxenservice kann man auch nicht in Anspruch nehmen.“

Das gestanden die Kommunalpolitiker zu. Fakt sei, betonten alle, dass die Buslinien und -verbindungen vom Anbieter mit dem Kreis Stormarn ausgehandelt wird. Dort versuche die Ammersbeker Politik und Verwaltung stets ausreichend Einfluss zu nehmen. Fakt sei aber auch, das alle Verbindungen, die Ammersbek zusätzlich wünscht, auch aus dem Ammersbeker Haushalt finanziert werden müssen. „Deswegen können wir das nur mittelbar beeinflussen“, so Ehrig, es gebe dafür keine Haushaltsmittel. Sutter beschrieb es mit den Worten „Wir stehen da auf verlorenem Posten“. Auf Kreisebene mehr Einfluss nehmen, das haben sich hingegen alle Parteien vorgenommen.

Podiumsdiskussion des Bürgervereins Ammersbek zur Kommunalwahl: Großes Interesse im Publikum, zahlreiche Ammersbeker verfolgten die Diskussion. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Podiumsdiskussion des Bürgervereins Ammersbek zur Kommunalwahl: Großes Interesse im Publikum, zahlreiche Ammersbeker verfolgten die Diskussion.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Und dann: Stau, Stau, Stau

Wenn mehr Menschen Bus fahren würden, würde der Stau durch Ammersbek geringer, war auch ein Argument am Abend. Das hohe Verkehrsaufkommen entlang der Hauptverbindung Richtung Hamburg sei belastend, insbesondere an im Kreuzungsbereich am U-Bahnhof Hoisbüttel. Und auch für diese Thema mussten die Politiker wieder auf andere verweisen. Es ist eine Landesstraße, die sich quer durch den Ort zieht, und die Planung dafür obliegt dem Landesbetrieb Verkehr (LBV).

Uneinigkeit bestand unter den Politikern darüber, ob noch mehr bewirkt werden könnte. Sutter: „Die Ampelschaltung ist leider ausgereizt, wir können nichts gegen den Stau tun.“ Olaf Willuhn sieht das etwas anders: „Ich verstehe die Verkehrssituation dort nicht. Nach der Georg-Sasse-Strasse löst sich der Stau auf, in dem Bereich davor muss also der Kasus knacktus sein, da muss man doch etwas tun können. Die Situation ist eventuell noch nicht optimal gelöst, vielleicht hilft der Bau einer Fußgängerbrücke über die Strasse oder ähnliches“.

Gordian Okens drängt auf mehr Einfluss: „Ammersbek ist da, wo der Stau ist – so sagen es viele. Es ist eine Landesstraße, der LBV sagt eben, es sei so optimal. Das Problem ist also die Zuständigkeit und wir sollten hartnäckig bleiben und den LBV auch mal einladen“. Das fasst Hans Sönksen noch etwas weiter: „Zuständigkeit liegt nicht in unserem Bereich. Wir wollen an den Zuständigkeiten etwas ändern, wir müssen mehr Einfluss auf diese Bereiche bekommen, mehr Mitspracherecht.“

Neubau oder Sanierung – braucht Ammersbek ein Schulkonzept?

Und auch das Dauerthema Grundschule Bünningstedt bewegte die Gemüter des Abends. Denn die Fraktionen sind durchaus gespalten in der Frage, ob ein Neubau oder eine Sanierung besser sei. Bernd Sutter erläuterte, dass ein Neubau nicht nur die modernen Anforderungen an ein Schulgebäude besser umsetzen könne, sondern am Ende eventuell sogar günstiger sei, da bei einer Sanierung die Kosten nur grob geschätzt werden könnten, bei einem Neubau jedoch eine Deckelung vorgegeben werden könne. So sieht es auch die SPD.

Gordian Okens jedoch fehle ein weitreichendes Konzept für den Schulbau der Gemeinde. Gelder für den Schulbau sollten erst ausgegeben werden, wenn diese auch mit Blick auf eine weiterführende Schule ausgearbeitet sei. Ähnlich sieht es Willuhn: „Wir sind für die Sanierung. Durch den Neubau entsteht keine Bildungsgerechtigkeit in den Ortsteilen, wir brauchen ein Gesamtkonzept für beide Schulen. Eine Verschuldung für den Schulbau in Bünningstedt – wie soll das für alle Schulen stehen?“

Was sind die Ziele Ihrer Partei?

Auch ihre eigenen Ziele benannten die Vertreter der Parteien. Der FDP sei es zum Beispiel wichtig, Satzungen wie die Baumschutzsatzung oder die Satzung zu den Straßenausbaubeiträgen abzuschaffen, „das entlastet auch die Verwaltung stark“, so Sönksen. Die Leitziele der FDP seien vernünftiges Wirtschaften, solide Infrastruktur, gesundes Wachstum.

Die UWA stellt das Thema Finanzen ins Zentrum, Okens: „Wir dürfen nicht unnötig Geld ausgeben“. Daher spreche die Wählergemeinschaft sich auch gegen den Schulneubau und die Abschaffung der Satzung zu den Straßenausbaubeiträgen aus. Wichtig sei zudem Lärmschutz entlang der Hauptverkehrsstraße sowie Umwelt- und Klimaschutz.

Das sind auch Themen von Bündnis 90/Die Grünen, Olaf Willuhn regte zudem ein Radverkehrskonzept an mit Ladstationen für E-Bikes und sicheren Abstellplätzen für Fahrräder. Für Bauprojekte sehen die Grünen die Nach- und Innenverdichtung als das Mittel der Wahl.

Eine solide Finanzlage, Verkehrsberuhigung und gute Busverbindungen seien auch die Themen der CDU, benennt es Sutter. Und er ergänzt, dass finanziell gesehen die Kommunalpolitik nur einen kleinen Spielraum habe. Die CDU wünsche sich, diese Mittel mehr in Kinder- und Jugendarbeit zu stecken, auch wenn das eine Reduzierung der Förderung anderer Projekte für Erwachsene bedeute.

Die SPD könne sich sogar die Einrichtung eines Kinder- und Jugendbeirates vorstellen, benennt es Ehrig. Auch die SPD sehe die Nach- und Innenverdichtung zudem als Leitlinie, Ehrig blickte aber auch auf die Nachbarn: „Wenn in Ahrensburg neue Baugebiete entstehen, kann der Verkehr nicht über die Ammersbeker Dorfstraße abgeleitet werden. Dagegen werden wir uns wehren.“

Lob für die Arbeit des Freundeskreises für Flüchtlinge

Große Einigkeit bestand bei allen Fraktionen zum Freundeskreis für Flüchtlinge. Alle dankten dem Verein und den Ammersbeker, die bisher so viel für die Integration der Geflüchteten geleitet hätten. Alle boten weitere Unterstützung an und baten gleichzeitig, Fragen und Anregungen zur Verbesserung der Integration auch an die Politik zu geben.

Und in noch einem Punkt waren sie sich einig: „Gehen Sie zur Wahl!“ sagten alle Politiker auf dem Podium durchaus auch mit Blick auf die Mitbewerber: „Besser ist es, Sie wählen überhaupt eine Partei, als dass Sie gar keine wählen.“ Dabei blickten sie auch über den Tellerrand und so wurde auf dem Podium die Freude darüber geäußert, dass die AfD in Ammersbek nicht zur Kommunalwahl antrete.

Ein großes Thema des Abends war die Entwicklung im Quartierszentrum Lottbek. Lesen Sie dazu in Kürze einen gesonderen Beitrag.

Podiumsdiskussion des Bürgervereins Ammersbek zur Kommunalwahl: Auf dem Podium saßen Olaf Willuhn, Bündnis 90/Die Grünen, Jürgen Ehrig, SPD, Bernd A. Sutter, CDU, Hans-Hinrich Sönksen, FDP, und Gordian Okens, UWA (von rechts), in der Mitte stehend Moderator Helmut Laudan vom Bürgerverein Ammersbek. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Podiumsdiskussion des Bürgervereins Ammersbek zur Kommunalwahl: Auf dem Podium saßen Olaf Willuhn, Bündnis 90/Die Grünen, Jürgen Ehrig, SPD, Bernd A. Sutter, CDU, Hans-Hinrich Sönksen, FDP, und Gordian Okens, UWA (von rechts), in der Mitte stehend Moderator Helmut Laudan vom Bürgerverein Ammersbek.
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