Fake News? Die Kirchengemeinde Hoisbüttel und das Quartierszentrum

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Ammersbek (ve). Was passiert auf dem Gelände der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Hoisbüttel? Ist das Projekt des Quartierszentrum gestorben?

Themenbild Ammersbek. Foto:©ahrensburg24.de

Themenbild Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Hoisbüttel.
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So in etwa könnten es die Besucherinnen und Besucher der Podiumsdiskussion am Donnerstag vermuten. Der Investor zu dem Bauprojekt sei abgesprungen, hieß es auf dem Podium, Olaf Willuhn von der Partei Bündnis 90/Die Grünen brachte dies ins Gespräch.

Dies erfolgte im Rahmen der Veranstaltung des Bürgervereins Ammersbek, der Kommunalpolitiker aller Fraktionen zu dieser Podiumsdiskussion eingeladen hatte. Vor viel Publikum, der große Saal im Dorfgemeinschaftshaus war gut besetzt, debattierten nun Olaf Willuhn, Bündnis 90/Die Grünen, Jürgen Ehrig von der SPD, Bernd A. Sutter von der CDU, Hans-Hinrich Sönksen von der FDP und Gordian Okens von der UWA um ihre politischen Ziele kurz vor der Kommunalwahl am 6. Mai 2018.

Keiner auf dem Podium widersprach dem Einwurf von Willuhn, vielmehr reagierten die Politiker mit Äußerungen wie „Dass der Investor abgesprungen ist, ist mir neu.“ Für das Publikum entstand der Eindruck, die Feststellung sei Tatsache.

Doch ist sie das wirklich? ahrensburg24.de hat bei Bürgermeister Horst Ansén und bei Antje Holz vom Kirchenvorstand der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Hoisbüttel nachgefragt, beide saßen am Abend mit im Saal. Und beide schüttelten nur den Kopf, nein, der Investor sei nicht abgesprungen. Antje Holz: „Die Gespräche ruhen derzeit, wohl auch mit Blick auf die Wahl am 6. Mai. Aber mir ist nicht bekannt, dass der Investor kein Interesse mehr hat.“ Sie gehe vielmehr davon aus, dass sich für das Projekt auf dem Gelände der Kirche ein Kompromiss finden werde.

Um das Projekt rund um die Kirche Hoisbüttel gibt es eine große politische Debatte. Die Idee des Investors ist es, mit einer größeren Wohnbebauung ein Quartierszentrum zu finanzieren, in dem auf diesem Weg auch ein Gemeindezentrum entstehen könnte. Sie wurde über mehrere Jahre in Gesprächen zwischen Kirchenvorstand und Investor durchdacht. Doch in der Nachbarschaft findet die Bebauung wenig Zustimmung, sie sei für dieses Gelände zu  groß dimensioniert, ist der Haupt-Kritikpunkt.

Hintergrund ist, dass die Nordkirche das Gebäude der Kirchengemeinde Hoisbüttel langfristig nicht mehr erhalten möchte. Als Eigentümer des Geländes obliegt es ihr, Konzepte für eine Neubauung zu erarbeiten und eine Bauantrag zu stellen, dem in den politischen Gremien zugestimmt werden muss.

Lesen Sie dazu die Beiträge:

Quartierszentrum Kirche Hoisbüttel: 1.013 Unterschriften dagegen – und so manche Stimme dafür
und
Quartierszentrum Kirche Hoisbüttel: Keine Gespräche mehr mit der Bürgerinitiative IGEL

Podiumsdiskussion des Bürgervereins Ammersbek zur Kommunalwahl: Auf dem Podium saßen Olaf Willuhn, Bündnis 90/Die Grünen, Jürgen Ehrig, SPD, Bernd A. Sutter, CDU, Hans-Hinrich Sönksen, FDP, und Gordian Okens, UWA (von rechts), in der Mitte stehend Moderator Helmut Laudan vom Bürgerverein Ammersbek. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Podiumsdiskussion des Bürgervereins Ammersbek zur Kommunalwahl: Auf dem Podium saßen Olaf Willuhn, Bündnis 90/Die Grünen, Jürgen Ehrig, SPD, Bernd A. Sutter, CDU, Hans-Hinrich Sönksen, FDP, und Gordian Okens, UWA (von rechts), in der Mitte stehend Moderator Helmut Laudan vom Bürgerverein Ammersbek.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Jenseits der Frage, ob der Investor weiterhin Interesse an dem Projekt habe, gab es politische Aussagen auf der Podiumsdiskussion.

Olaf Willuhn, Bündnis 90/Die Grünen, begann seine Aussage mit den Worten, zur Wohnbebauung Quartierszentrum Lottbek habe es einen großen Aufschrei gegeben, nun seien die Pläne vom Tisch, der Investor weg. Willuhn: „Wir müssen mit der Kirche ins Gespräch kommen, um gemeinsam mit der Kirche einen Investor finden.“ Wohnbebauung führe zu mehr Baumasse. Eine wichtige Aufgabe habe die Gemeinde als Treffpunkt, Willuhn: „Wenn das wegfällt, wird das Leben in Ammersbek ärmer und das wäre schade.“ Eine Idee sei es auch, dort eine bienenfreundliche Fläche zu errichten.

Die anderen Fraktionen waren mit ihren Äußerungen vorsichtiger. Jürgen Ehrig von der SPD: „Das ist eine Aufgabe der Kirche, nicht unsere Aufgabe. Die Kirche muss mit einem Vorschlag auf die Gemeinde zukommen.“ Den bisherigen Vorschlag allerdings, bekräftigte Ehrig, werde die SPD nicht mittragen. Haushaltsmittel könne die Kommune Ammersbek nicht beisteuern, Ehrig: „Wir können uns kein weiteres Kostenobjekt leisten.“

Bernd A. Sutter sieht dies ähnlich:  „Es handelt sich um ein Privatgrundstück. Die Kirche in Deutschland hat reichlich Steuereinnahmen. Da kann es nicht sein, dass solche Projekte von den Kommunen finanziert werden müssen.“ Den jetzigen Vorschlag der Kirche hätten alle Fraktionen abgelehnt. Sutter: „Seitdem ist Stillstand, wir hören nichts, auch ich höre das zum ersten mal, das der Investor abgesprungen ist.“

Hans-Hinrich Sönksen von der FDP hofft auf einen Ausgleich: „Eine Bebauung muss sich anpassen, beide Seiten müssen zu ihrem Recht kommen – Bürger und Investor.“ Die vorgeschlagene Variante sei nicht konsenfähig. Und Sönksen ergänzte: „Die Verantwortlichen der Kirche reden nicht mit uns.“ Auch Gordian Okens von der UWA findet den Kommunikationsstillstand bedauerlich. Gleichzeitig aber auch, dass die Nordkirche das Gebäude als nicht erhaltenswert eingestuft hat, Okens: „Es wäre schön, wenn sie erhalten bleiben könnte.“

Aus dem Publikum im Saal kam die Meldung eines Mitgliedes von Bündnis 90/Die Grünen, ebenfalls Kandidat für die Kommunalwahl im Mai. Er wandte sich an seine Kollegen auf dem Podium: „Sie können nicht sagen, es sei nicht Ihr Problem. Sie müssen in die Diskussion gehen.“ Das sehen wohl nicht alle Parteien so.

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