Gastspiel beim Kulturring Großhansdorf: Mathias Richling und das Jahr 2084/Interview

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Großhansdorf (je/pm). Der Kabarettist Mathias Richling kommt mit seinem neuen Programm „Richling und 2084“ nach Großhansdorf.

Kabarettist Mathias Richling präsentiert sein neues Programm „Richling und 2084“ im Waldreitersaal. Foto: Büro MR

Kabarettist Mathias Richling präsentiert sein neues Programm „Richling und 2084“ im Waldreitersaal. Foto: Büro MR

Der Titel ist eine Anspielung auf George Orwells Roman „1984“, der die Utopie eines totalitären Überwachungsstaates und die Repressalien seiner Bürger schildert. Was zu Orwells Zeiten extrem bedrohlich klang, wird heute weitgehend verharmlost.

Mathias Richling präsentiert seine eigene Sicht auf die Zukunft, allerdings nicht ohne die Tagespolitik außer Acht zu lassen. Wie zukunftstauglich sind unsere deutschen Politiker? Welche Rolle werden die Präsidenten anderer Staaten spielen? Wo bleiben am Ende wir?

Kulturring Großhansdorf: Gastspiel von Mathias Richling nächste Woche

Die Vorstellung ist am Dienstag, 24. April 2018, um 20 Uhr im Waldreitersaal, Barkholt 64. Karten sind an der Abendkasse und im Vorverkauf bei Lotto-Tabak-Presse Wilbert, Eilbergweg 5c, Telefon 0 41 02 / 63 335, zum Preis von 16, 19 und 23 Euro zuzüglich zehn Prozent Vorverkaufsgebühr erhältlich.

ahrensburg24.de veröffentlicht ein Interview des Kulturringes mit Mathias Richling

Gisela Roick: Herr Richling, Sie sind seit über 40 Jahren als Kabarettist unterwegs. Welche Quellen benutzen Sie hauptsächlich, um Ihr Programm zusammenzustellen?
Mathias Richling: Alle Medien, die objektiv berichten.

Gisela Roick: Da bleiben ja nicht viele übrig. Selbst Nachrichtensendungen sind mit subjektiven Kommentaren durchsetzt. Aber Sie haben einen scharfen Blick. Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Themen aus?
Mathias Richling: Erst einmal nach Aktualität und Dringlichkeit.

Gisela Roick: Sie sprechen also etwas an, das den Leuten gerade unter den Nägeln brennt.
Mathias Richling: Ja, absolut. Allerdings überprüfe ich, ob die Inhalte satirefähig sind, dass heisst, ob sie durch Übertreibung und Parodie in ein kritisches Licht gerückt werden können. Außerdem müssen die Themen relevant sein, sowohl im politischen als auch im zwischenmenschlichen Bereich.

Gisela Roick: Gibt es einen festgeschriebenen Text für das Programm „Richling und 2084“?
Mathias Richling: Meine Programme sind works in progress, das heißt, inhaltlich verändern sie sich permanent, je nach Nachrichtenlage. Es kommt vor, dass ich nach einem Jahr mein eigenes Programm nicht wiedererkenne.

Gisela Roick: Ihr erklärtes Ziel ist also aktuell zu bleiben. Da müssen Sie sicher oft improvisieren, oder?
Mathias Richling: Meine Programme haben immer auch eine musikalische Struktur. Deswegen ist der Vergleich mit dem Jazz nicht verwegen: Auch in meinen Programmen gibt es ein harmonisches Grundgerüst, über das ich dann jederzeit improvisiere.

Gisela Roick: Welche Aufgaben hat Ihr Regisseur?
Mathias Richling: Günter Verdin, mit dem ich seit über 40 Jahren zusammenarbeite, ist Ideengeber, erster kritischer Zuhörer und Bilderfinder. Er ist meistens auch für das Bühnenbild verantwortlich. Er verbindet die einzelnen Texte, die er szenisch umsetzt, zu einer Spielhandlung und feilt mit mir auch an den diversen Rollen.

Gisela Roick: Wer ist verantwortlich für die Kostüme und Requisiten?
Mathias Richling: Weil solche Dinge für eine Performance nicht unerheblich sind, delegieren wir sie in professionelle Hände.

Gisela Roick: Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrem Publikum?
Mathias Richling: Das Kabarett-Publikum ist bekanntlich ein sehr aufgeschlossenes, informiertes und gebildetes, das auch schon mal bei satirischen Gratwanderungen an der Geschmacksgrenze aufseufzst, aber sich für gute Pointen auch begeistern kann.

Gisela Roick: Spüren Sie, wenn die Zuschauer abschweifen? Wenn ja, wie reagieren Sie?
Mathias Richling: Es gelingt mir, glaube ich, immer, die Spannung zu halten. Ich lasse das Publikum nicht aus den Augen, deswegen gibt es in meinen Programmen auch keine Pause. Das wird vielleicht nicht allen bewusst: Kabarett ist eine hoch konzentrierte Angelegenheit, Publikum und ich verlassen bei Veranstaltungsbeginn die Wohlfühlzone und stellen uns den Tatsachen.

Gisela Roick: Gibt es regionale Unterschiede in der Begeisterungsfähigkeit der Zuschauer?
Mathias Richling: Das Kabarett-Publikum ist überregional begeisterungsfähig. Zum Beispiel wird in Berlin über meine Kretschmann-Parodie genauso gelacht wie etwa in Stuttgart.

Gisela Roick: Hatten Sie schon mal Ärger durch Ihre Parodien mit Politikern oder anderen Prominenten?
Mathias Richling: Immer wieder gerne. Aber die meisten Politiker und Promis haben verstanden, dass zu ihrer Öffentlichkeit auch die karikierende Begleitung gehört.

Gisela Roick: Gehen Sie privat ins Kabarett? Wenn ja, als Mathias Richling oder Inkognito?
Mathias Richling: Da ich fast das ganze Jahr über auf der Bühne stehe oder für den SWR „Die Mathias Richling Show“ produziere, komme ich kaum dazu, Kollegen im Kabarett zu besuchen. Aber man sieht sich: im Fernsehen.

Gisela Roick: Vielen Dank für das Interview, Herr Richling.

Das Interview führte Gisela Roick vom Kulturring Großhansdorf

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