Podiumsdebatte zur Kommunalwahl 2018 im Hagen: Vertrauen Sie Ihren Politikern?!

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Ahrensburg (ve). Da ging es hoch her im Kirchsaal Hagen: Auf der Diskussionsveranstaltung zur Kommunalwahl wurde nicht weniger als die Vertrauensfrage gestellt.

Diskussionsveranstaltung zur Kommunalwahl im Kirchsaal Hagen: Thomas Bellizzi von der FDP, Cordelia Koenig von Bündnis 90/Die Grünen, Anne Hengstler von der CDU, Jochen Proske von der SPD und Peter Egan von der WAB (von links). Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Diskussionsveranstaltung zur Kommunalwahl im Kirchsaal Hagen: Thomas Bellizzi von der FDP, Cordelia Koenig von Bündnis 90/Die Grünen, Anne Hengstler von der CDU, Jochen Proske von der SPD und Peter Egan von der WAB (von links).
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Auf Einladung der Bürgervereine im Süden Ahrensburgs waren Vertreter von fünf Parteien zu der Diskussionsveranstaltung in den Kirchsaal gekommen, Thomas Bellizzi von der FDP, Cordelia Koenig von Bündnis 90/Die Grünen, Anne Hengstler von der CDU, Jochen Proske von der SPD und Peter Egan von der WAB. Nicht dabei war die Partei Die Linke, die derzeit nicht in der Stadtverordnetenversammlung sitzt, aber zur Wahl antritt. Und die wichtigste Frage für den Hagen kam zu Schluss der Veranstaltung: „Wie können wir der Verwaltung und der Politik vertrauen?“ fragten die Hagener.

Schwierig zu beantworten, denn es geht dabei zum Beispiel um den Neubau des Spechtweges. Der wurde von der Verwaltung in einer Weise vorgeschlagen und von der Politik beschlossen, die die Anwohner entsetzt. „Wir hatten eine ruhige 30er-Zone und einen schönen Knick“, so eine Anwohnerin, „jetzt haben wir eine 50er-Zone mit reichlich Bus- und Lastwagenverkehr und der Knick ist in großen Teilen kaputt.“ Ein anderer Anwohner schildert entsetzt, wie er Informationen im Rathaus einforderte und dafür hohe Rechnungen bezahlen musste – offenbar entgegen der Gebührenordnung, wie er recherchiert habe. Seine Worte: „Es entsteht ein abgrundtiefes Misstrauen gegen die Beschlussgremien.“ Von Willkür und Verstößen gegen Gesetze war die Rede.

Diskussionsveranstaltung zur Kommunalwahl im Kirchsaal Hagen. Jochen Proske von der SPD. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Diskussionsveranstaltung zur Kommunalwahl im Kirchsaal Hagen. Jochen Proske von der SPD.
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Betretenheit auf dem Podium, Jochen Proske von der SPD versuchte eine Antwort: „Es gibt keine komplette Willkür. Aber es ist doch wichtig, dass Sie solche Hinweise auch uns geben, damit wir darauf reagieren können.“ Das allerdings mochte Jürgen Siemers, als Vorsitzender des Bürgervereins Waldgut Hagen Veranstalter des Abends, nicht stehen lassen: „Wir sind oft in den Ausschüssen und tragen unsere Anliegen vor.“ Das ist übrigens auch reichlich im Vorfeld der Bauarbeiten zum Spechtweg geschehen – gebaut wurde trotzdem.

Es war eine Veranstaltung für die Anwohner des Waldgutes Hagen sowie der Ortsteile Hagen und Ahrensfelde. Und obwohl deren Themen zur Sprache kommen sollte, hatten die Politikerinnen und Politiker auf dem Podium ganz Ahrensburg im Blick – das müssen sie schließlich. Vier Themenbereiche waren vorgegeben: Wohnraumplanung, soziale Infrastruktur, Verkehrsplanung und Landschaftsschutz.

Wohnraum: Wo soll in Ahrensburg wieviel Wohnraum entstehen?

Wohnraumplanung ist im Süden ein großes Thema. Streitfrage ist, in welchem Maße die südlichen Ortsteile mit ihrem dörflichen Charakter zum Wachstum von Ahrensburg beitragen sollen. Dies wird derzeit im Flächennutzungplan neu festgelegt – und verweist auf das Thema, wie Ahrensburg insgesamt wachsen soll.

Diskussionsveranstaltung zur Kommunalwahl im Kirchsaal Hagen. Peter Egan von der WAB. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Diskussionsveranstaltung zur Kommunalwahl im Kirchsaal Hagen. Peter Egan von der WAB.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Peter Egan von der WAB: „Ahrensburg muss wachsen. Wohnraum wird benötigt, weil immer mehr Menschen als Single oder in Kleinfamilien leben. Und Wohnraum wird auch benötigt, weil viele Familien in ein eigenes Haus ziehen möchten.“ Geschosswohnungsbau könne ersteres liefern, das sehe die WAB vorrangig in der Innenstadt. Im Süden der Stadt sie das nicht geplant, dort sei der Ort für Einfamilienhäuser und Doppelhäuser.

Das deckt sich mit der Ansicht der SPD, Jochen Proske: „Wir müssen Geschosswohnungen schaffen in Ahrensburg, damit die Menschen, die in Ahrensburg arbeiten, auch dort wohnen können – und es auch bezahlen können. Und in der Stadt gibt es ein großes Defizit bei gefördertem Wohnraum.“ Deshalb sei auch preisgünstiger Wohnraum zu schaffen, wie es derzeit in der Innenstadt geschehe. Für die SPD ist wichtig: „Wenn wir Wohnraum schaffen, reduziert das auch den Pendlerverkehr und entlastet die Stadt damit.“ Für den Süden allerdings sei Geschosswohnungsbau keine Option.

Diskussionsveranstaltung zur Kommunalwahl im Kirchsaal Hagen. Anne Hengstler von der CDU. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Diskussionsveranstaltung zur Kommunalwahl im Kirchsaal Hagen. Anne Hengstler von der CDU.
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Die CDU, Anne Hengstler auf dem Podium führte die Debatte in eine andere Richtung: „Wir müssen auch irgendwann einmal sagen, der Wachstum von Ahrensburg ist begrenzt, mehr Wohnraum kann es in dieser Stadt nicht geben.“ Und sie nannte auch eine Zahl: 40.000 Einwohnerinnen und Einwohner sei für die Schlossstadt die oberste Grenze. Derzeit sind es circa 34.000. Viele Gebiete, die für neuen Wohnbau vorgeschlagen werden, lehnt die CDU zudem ab.

Die FDP geht den Weg genau anders herum: „Wir müssen so viele Potenzialflächen ausweisen, wie nötig, und so wenig wie möglich davon bebauen“, sagte Thomas Bellizzi, „wir brauchen Planungshoheit und eine langfristige Planung für das Stadtgebiet.“

Diskussionsveranstaltung zur Kommunalwahl im Kirchsaal Hagen. Thomas Bellizzi von der FDP. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Diskussionsveranstaltung zur Kommunalwahl im Kirchsaal Hagen. Thomas Bellizzi von der FDP.
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Cordelia Koenig von Bündnis 90/Die Grünen betonte mit Blick auf den Süden insbesondere das Interesse der Grünen, Wohnungsbau in Landschaftsschutzgebieten zu verhindern. Auch dort könnten Potenzialflächen ausgewiesen werden, Koenig: „Wir sind total dagegen. Es gibt durchaus noch andere Flächen im Stadtgebiet.“ Aber sie sagte auch: „Es geht nicht, immer nur mehr zu bauen, das zieht auch mehr Verkehr in die Stadt.“

Diskussionsveranstaltung zur Kommunalwahl im Kirchsaal Hagen. Cordelia Koenig von Bündnis 90/Die Grünen. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Diskussionsveranstaltung zur Kommunalwahl im Kirchsaal Hagen. Cordelia Koenig von Bündnis 90/Die Grünen.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Dringende Bitte zur Kinderbetreuung: „Nennen Sie uns Grundstücke für Kindertagesstätten“

Beim zweiten Thema waren sich die Parteien selten einig: Kinderbetreuung unter dem Oberbegriff Soziale Infrastruktur. Alle betonten mit nahezu gleichem Wortlaut: Am scheitert nicht am Geld, dass es zu wenig Kindergärten und Hortbetreuung in der Stadt gebe, sondern an fehlenden Grundstücken. Derzeit werden in Ahrensburg an allen verfügbaren Standorten Kindertagesstätten eingerichtet. Alle fünf Politiker baten die Südstadtler um Hilfe bei der Benennung von Grundstücken, auf denen eventuell neue Kindertagesstätten entstehen könnten.

Fehlenden Hortplätzen wollen die Ahrensburger Politiker begegnen mit der Einrichtung von Offenen Ganztagsschulen an den Grundschulen. Ein Pilotprojekt soll es geben an der Grundschule am Reesenbüttel, so dass mit der Umsetzung an anderen Schulen frühestens in zwei bis drei Jahren oder mehr zu rechnen ist. Das beschrieben und betonten alle Fraktionen auf dem Podium. Einer Mutter, die ihre Sorge um ihre berufliche Existenz beschrieb, da sie bis jetzt keine Zusage für einen Hortsplatz im August 2018 habe, konnte nur entgegnet werden, dass eine frühzeitige Planung dieser Infrastruktur leider verpasst worden sei.

„Verkehrsberuhigung geht im Süden nur kleinteilig“

Beim Thema Verkehr ging es in erster Linie um den Süden der Stadt. Denn der ist mit dem viel befahrenen Braunen Hirsch überlastet, wünscht sich eine Umgehungsstraße. Die Südumfahrung halten die Mehrheit der Politiker für unrealistisch, da sie durch ein Naturschutzgebiet führen würde. Auf Antrag der WAB und der CDU ist allerdings eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben worden. Die WAB erhofft sich davon Erkenntnisse darüber, ob ein Gesamtkonzept für Umgehungsstraßen rund um Ahrensburg erstellt werden kann.

Damit ergibt sich für die Straßen im Süden: „Wir können nur kleinteilig für Entlastung sorgen“, sagten zum Beispiel Jochen Proske und Anne Hengstler. Bauliche Maßnahmen entlang des Braunen Hirsches könnte die Geschwindigkeit und damit die Belastung reduzieren.

Insbesondere Cordelia Koenig und mit ihr auch Thomas Bellizzi hoffen außerdem auf besseren Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und Radverkehr. Denn der Süden sei an den Regionalbahnhof oder an die U-Bahnhöfe nicht ausreichend angebunden, so dass häufig nur das Auto zur Verfügung stehe. Anne Hengstler bleibt da kritisch: „Es ist doch ein Teufelskreis: Das Angebot ist schlecht, so dass es zu wenige nutzen, und weil es so wenige nutzen, wird es nicht verbessert.“ Denn bei der Planung des ÖPNV sind vorrangig die Verkehrsbetriebe und der Kreis Stormarn in der Verantwortung. Ahrensburg als Stadt kann sich einzelne Leistung dazu kaufen, was auch geschieht.

Thomas Bellizzi schließlich versprach eine Anregung aus dem Publikum zu prüfen, sie kam von Peter Körner, als Anwohner in Ahrensfelde Mit-Veranstalter des Abends. Dabei geht es darum, eine Straßenführung von Ahrensfelde nach Braak und Stapelfeld wieder zu öffnen.

Landschaftschutz im Süden

Bleibt das Thema Landschaftschutzgebiet: Sollen dort Potenzialflächen für Wohnraum im Flächennutzungsplan eingetragen werden? „Ja“, sagen WAB und SPD mit der Einschränkung, dass erst nach einer gründlichen Abwägung tatsächlich über Bebauung entschieden werden könnte. Peter Egan konnte sich auch vorstellen, im Gegenzug aus dem Landschaftsschutzgebiet ein Naturschutgebiet zu machen. „Nein“, sagten Grüne und CDU, eine Bebauung in diesen Gebieten solle es nicht geben.

Und schließlich ein Schlusswort des Dankes

Zweieinhalb Stunden stellten sich die Politikerinnen und Politiker der Debatte. Bereits vor dem Ende des Abends verließen immer mehr Gäste den Saal, in dem es zu Beginn des Abends bis ins Foyer hinein keinen einzigen Stehplatz mehr gab. Veranstaltet war dieser Abend von dem Bürgerverein Waldgut Hagen und der Bürgergemeinschaft  Am Hagen. Zuhörer des Abends war auch Bürgervorsteher Roland Wilde. Moderiert wurde der Abend von Rolf Finkbeiner.

Die intensive Debatte zeigte eines: Es gibt große Kritik an den Entscheidungen der Kommunalpolitik. Kein leichter Stand für die Ahrensburger auf dem Podium. Und so kam von Moderator Finkbeiner ein Schlusswort: „Ich zolle Ihnen auf dem Podium Respekt, dass Sie sich für das Gemeinwohl engagieren und sich der Debatte aussetzen. Und ich zolle Ihnen im Saal Respekt, denn auch Sie haben sich mit der Teilnahme an der Debatte für das Gemeinwohl eingesetzt.“

Der nächste Termin

Eine nächste Veranstaltung zur Kommunalwahl in Ahrensburg gibt es am kommenden Dienstag, 24. April 2018. Dann sitzen die Kommunalpolitiker auf Einladung des Bürgervereins Ahrensburg auf dem Podium, die Veranstaltung ist um 17 Uhr im „Bürgerhaus Bagatelle“.

Diskussionsveranstaltung zur Kommunalwahl im Kirchsaal Hagen. Die Gastgeber: Jürgen Siemers, Silke Quast-Müller und Peter Körner (von links). Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Diskussionsveranstaltung zur Kommunalwahl im Kirchsaal Hagen. Die Gastgeber: Jürgen Siemers, Silke Quast-Müller und Peter Körner (von links).
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Diskussionsveranstaltung zur Kommunalwahl im Kirchsaal Hagen. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Diskussionsveranstaltung zur Kommunalwahl im Kirchsaal Hagen.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

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2 Kommentare

  1. 1) Ich misstraue der Politik (den Stadtverordneten), weil sie Zusagen über politische Entscheidungen während der letzten Jahre nicht eingehalten haben. Beispiel: „Die Nordtangente bekommen Sie nur, wenn Sie sich für die Bebauung des Erlenhofgeländes aussprechen“. Die Bebauung des Erlenhofes ist nahezu abgeschlossen – mit Verkehrsentsorgung über die L82 Lübecker Straße. Die Realisierung der Nordtangente ist in weite Ferne gerückt. Versprechen gebrochen!

    Die Programme der Parteien sind nur Absichterklärungen, für die in der Stadtverordnetenversammlung eine Mehrheit gefunden werden muss.

    2) Der Forderung von Prof. Dr. Wilh. Hummeltenberg zur Einrichtungen von Ortsbeiräten ist zuzustimmen, wenn man die Demokratiedefizite der parlamentarischen Demokratie (Regieren durch Repräsentanten) in Ahrensburg abmildern und Bürger an der politischen Willensbildung beteiligen möchte.

    3) Wenn Bürger über Ortsbeiräte an politischen Entscheidungen mitwirken können, wird die Macht der Stadtverordneten, deren Aufgabe es ja ist für andere zu entscheiden, eingeschränkt. Die Autorisierung, für andere zu repräsentieren, bedeutet „Macht“. Macht – nicht Politik – erzeugt Korruption und zwar dann, wenn in Ahrensburg wenige (31 Stadtverordnete) für viele (34.411 Einwohner) entscheiden. Die Reduzierung der Macht reduziert die Korruption.

    4) Viele glauben, dass Politiker die Präferenzen derer vertreten, die sie gewählt haben. Meistens tun sie das nicht. Auch haben Politiker keine spezielle Kompetenz zum Entscheiden. Jede Entscheidung wird durch Prioritätensetzung – nicht durch Kompetenz bestimmt. Entscheidungen treffen ist eine Rolle, nicht eine Kompetenz; jeder fällt täglich Entscheidungen. Somit kann jeder Bürger auch Politiker sein.

    5) Abstimmen heißt auswählen. Auswählen heißt vorziehen. Durch Stimmen für Politiker wählen wir andere aus, die für uns vorziehen, was unsere Gesellschaft tun soll. Sie sollen lediglich als unser verlängerter Arm dienen. In Wirklichkeit auferlegen sie uns ihre eigenen Prioritäten.

    Warum wird seitens der Politik seit nunmehr 15 Jahren zu jeder Kommunalwahl über die Notwendigkeit oder Nicht-Notwendigkeit von Nordtangente und Südumfahrung diskutiert, ohne sie zu beschließen oder gänzlich abzulehnen?

    Innerhalb der letzen Jahre sind Maßnahmen getroffen worden wie Gewerbeerweiterung Beimoor Süd, Bau des Gewerbegebiets an der Strusbek, Schaffung des Fachmarktzentrums am Kornkamp-Süd, das den Umzug von Famila, ALDI, Fressnapf und Tankstelle vorsieht (Bebauungsplan 88 A), die Bebauung des Erlenhofgeländes, die Nachverdichtung des Quartiers Reeshoop sowie das Lindenhofprojekt beschlossen. Die Bebauung der Reitbahn wird vermutlich 2018 folgen. Irgendeine Maßnahme, die die Verkehre auf den Hauptverkehrsachsen der Stadt reduziert, wurde nicht beschlossen.

    Dass eine städtebauliche Entwicklung des Schloßensemble (Marstall und Schloß) ohne Verkehrsentlastung durch die Nordtangente nicht möglich ist, wird seitens der Politik größtenteils ignoriert. Ebenso, dass eine Neugestaltung des historischen Gebietes „Alter Markt“ nur möglich ist, wenn der Verkehrsknoten Große Straße / Doppeleiche /Alter Markt bis zur Lübecker Straße verkehrlich durch die Nordtangente entlastet wird – können die Stadtverordneten dem Masterplan Verkehr entnehmen, den sie selbst in Auftrag gegeben haben.

    Die Verkehrsprobleme im Norden und Süden von Ahrensburg, der Verfall der Infrastruktur, insbesondere der Sanierungsstau vieler Straßen sind den Stadtverordneten nicht von oben oder unten aufpfropft worden, sondern ist das Ergebnis ihrer Prioritätensetzung.

    Den Befürwortern der Bebauung von Erlenhof Nord – einschließlich östlich der Lübecker Straße – und im Süden von Ahrensburg sollte bei der Kommunalwahl die rote Karte gezeigt werden, da die Leistungsfähigkeit der L82 Lübecker Straße und Hamburger Straße bereits heute erreicht ist und zusätzliche Verkehre den Verkehrsinfarkt herbei führen würden mit sehr nachteiligen Folgen für Ahrensburg als Wohn- und Gewerbestandort.

    In der Zukunftswerkstatt und ISEK haben Bürger sich für moderates Wachstum ausgesprochen. Stattdessen hat die Politik seit Jahren den Bürgerwillen ignoriert und das stärkste Wachstum (Gewerbe- und Einwohnerentwicklung) für Ahrensburg herbei geführt – proportional das Größte Wachstum in Schleswig-Holstein. Dass Ahrensburg im Norden und Süden – exzessiv weiterwachsen soll – ist mit der gegenwärtigen Verkehrsinfrastruktur nicht zu verantworten und auch von den betroffenen Bürgern nicht gewollt.

    6) Wenn Politikentscheidungen spezielle Kenntnisse voraussetzen, warum werden dann solche Kenntnisse nirgends gelehrt? Jeder Handwerker, Ingenieur und Arzt hat ein Zertifikat, das ihn für das Ausüben seines Berufes qualifiziert. Warum hat kein Politiker ein Zertifikat, das seine Qualifikation, Politik zu betreiben, nachweist?

    Fazit: Die Politik ist seit langem überfordert, um die von ihr selbst herbeigeführten Probleme zu lösen und kann aufgrund unterschiedlicher Prioritäten und Meinungsverschiedenheiten nur noch Entscheidungen mit knappster Mehrheit herbei führen , die für die zukünftige Stadtentwicklung von Ahrensburg gut oder schlecht sein kann.

    Aus diesem Grund ist die Beteiligung der Bürger – wie von Prof. Dr. Wilh. Hummeltenberg in seinem Kommentar gefordert – bei der politischen Willensbildung mit der Einrichtung von Ortsbeiräten beispielsweise in Ahrensfelde, Am Hagen, Reesenbüttel, Gartenholz, Erlenhof und Kremerberg dringend notwendig geworden, um weitere Fehlentscheidungen für Ahrensburg zu verhindern.

    Noch besser – als die Einrichtung von Ortsbeiräten – wäre die Einführung von „Direkter Demokratie“ in Ahrensburg. Echte Demokratie ist Politik ohne Politiker und Parteien. Die Bürger von Ahrensburg sollten die Politik nicht den Politikern alleine überlassen und Verwaltung und Stadtverordnete notfalls durch einen Volksentscheid zwingen, dass sie an politischen Entscheidungen durch Mitwirkung zu beteiligen sind.

    Werner Haering, Ahrensburg

  2. Prof. Dr. Wilh. Hummeltenberg on

    DEMOKRATIEDEFIZITE IN AHRENSBURG

    Warum wehren sich Politik und Verwaltung in Ahrensburg gegen die Einrichtung von Ortsbeiräten?

    Die Gemeindeordnung von Schleswig-Holstein sieht für eine gute Bürgerbeteiligung die Einrichtung von Orts- und Bezirksbeiräten vor. §§ 47 a – c regeln die Bildung von Ortsteilen, die Einsetzung von Ortsbeiräten und deren Stellung im Rahmen der Gemeindeverwaltung und der politischen Willensbildung:

    1. Ein Ortsbeirat wirkt in allen Angelegenheiten und bei allen Planungen mit, die einen Ortsteil oder Bezirk betreffen. Im Übrigen nimmt er die per Gesetz oder Beschluss der Stadtverordnetenversammlung übertragenen Aufgaben war.

    2. Ortsbeiräte sollen das Interesse der Bürger für die ortsteilbezogenen Aufgaben wecken, Anregungen aufgreifen und selbst Anregungen geben und so die Verbindung zwischen Bürgern, Politik und Stadtverwaltung stärken. Sie sind als Einrichtungen der Selbstverwaltung dem Wohl der Stadt oder Gemeinde als Ganzen verpflichtet.

    3. Ortsbeiräte werden von den zuständigen Ämtern und Betrieben über alle den Ortsteil betreffenden wichtigen Angelegenheiten, die in der Stadtverordnetenversammlung oder einem Ausschuss behandelt werden sollen, unterrichtet und hierzu gehört.

    Der Respekt vor dem Pluralismus in Ahrensburg gebietet eine Befolgung von §§ 47 a – c der Gemeindeordnung SH! Politik und Stadtverwaltung von Ahrensburg aber halten nichts von Ortsbeiräten:

    -> Ein Ortsbeirat kann nur eingerichtet werden, wenn zuvor durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Ortsteile gebildet worden sind.

    -> Damit keine Ortsbeiräte eingerichtet werden können, gibt es lt. Hauptsatzung der Stadt Ahrensburg keine Ortsteile.

    Die Beschilderung der Ortsausgangs- und Ortseingangsschilder sowie der Wegweiser im Ahrensburger Süden zeigt: Dies ist widersinnig und realitätsfern.

    Dadurch entstehen in Ahrensburg hausgemachte Probleme:

    I. Strukturmängel in der Stadtentwicklungsplanung infolge fehlender Stadtteil- und Bezirksdefinitionen in der Hauptsatzung

    II. Undifferenzierte, unstrukturierte Flächennutzungsplanung aufgrund vager Datenbasis

    III. Unzureichende Bürgerbeteiligung und Abstimmung zwischen Bürgern, Stadtverwaltung und Politik mangels Ortsbeiräte.

    Bürgerbeteiligung kann und darf nicht mit der Stimmabgabe bei der Gemeindewahl enden! Deshalb ist nach der Kommunalwahl die erste Aufgabe von Politik und Verwaltung:

    (1) Stadtteilstrukturen bilden und in der Hauptsatzung verankern,

    (2) Ortsteildatenbank aufbauen und Ortsteildatenatlas erstellen,

    (3) Ortsbeiratssatzung erlassen und Wahlverfahren für Ortsbeiräte beschließen!

    Prof. Dr. Wilh. Hummeltenberg, Ahrensburg

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