Lesermeinung zur Kommunalwahl 2018: Falsche Prioritäten der Politik!

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Lesermeinung zur Kommunalwahl 2018 von Werner Haering

Ahrensburg hat seine Stadtentwicklung vollends auf Wachstum ausgerichtet, wie die Ansiedlung von Gewerbe und Ausweisung von Wohngebieten zeigt. Nach Bau der Gewerbegebiete West (14 Hektar) und Nord (174 Hektar) wurden neue Gewerbegebiete wie Beimoor Süd (21 Hektar) erschlossen und das Fachmarktzentrum (Famila, ALDI, Futterhaus und Tankstelle) am Kornkamp-Süd sowie das Gewerbegebiet „An der Strusbek“, das entlang des Beimoorwegs auch Wohnbebauung vorsieht, beschlossen.

Damit hat Ahrensburg in Schleswig-Holstein mit circa 195 Hektar das größte zusammenhängende Gewerbegebiet. Hinzu kam die Stadtentwicklung mit Geschäfts- und Wohnungsbau (CCA Einkaufszentrum, Lindenhof-Projekt) sowie die Erlenhof-Süd Besiedlung mit Verkehrsentsorgung über die Lübecker Straße.

Die gesamte Politik für Ahrensburg wird von den Repräsentanten der Bürger (30 Stadtverordnete) entschieden. Bürger dürfen nichts entscheiden – außer dass sie in den alle fünf Jahre stattfindenden Gemeindewahl ihre Repräsentanten wählen darf.

Während Ahrensburg ständig weiter wächst und die Einwohnerzahl auf 34.411 (Stand Februar 2018) angewachsen ist – ein Wert, der erst 2030 erreicht werden sollte – zerfällt die Infrastruktur in Ahrensburg, sie zerbröselt und verrottet. Straßen wurden trotz ständig steigender Verkehrsbelegung kaum saniert, sondern – wenn überhaupt – nur notdürftig geflickt und Umgehungsstraßen, die für Verkehrsentlastung und für eine autofreie Innenstadt Grundvoraussetzung sind, erst gar nicht gebaut. So wird auch zukünftig die Hauptverkehrsachse Lübecker Straße im Norden und Hamburger Straße im Süden mitten durch die Innenstadt von Ahrensburg verlaufen und für Dauerstaus, Lärm und hohe Belastung an Feinstaub und Stickstoffdioxid sorgen. Hieraus erschließt sich, dass von der Verkehrsreduzierung durch Umgehungsstraßen alle Bürger von Ahrenburg profitieren.

Die täglich länger werdenden Morgen- und Nachmittagsstaus auf den Hauptverkehrsachsen von Ahrensburg zeigen, dass es erst noch schlimmer werden muss, bevor es besser werden kann. Der AOK Verkehrsknoten mit bis zu 30.000 Kfz/je Tag und die auf der Lübecker Straße bis nach Delingsdorf reichenden Staus mit bis zu 25.000 Kfz/je Tag an den Verkehrsknoten entlang der Lübecker Straße bis Ostring/Beimoorweg/Bahnstraße – mit steigenden Lkw-Verkehren bis 2025 – kündigen an, dass der Verkehr auf den Hauptverkehrsachsen von Ahrensburg in naher Zukunft vor dem Kollaps steht, womit das Versagen der Politik, die die Gewerbeansiedlung und Ausweisung von Wohngebieten während der letzten Jahrzehnte hemmungslos voran getrieben hat, für die Bürger in Ahrensburg sichtbar wird. Irgendeine Maßnahme zur Reduzierung der Verkehre hat es seitens der Politik nicht gegeben. Stattdessen wurde die L82 Lübecker Straße während der letzen 50 Jahre verkehrlich kanalisiert nach dem Motto: „das macht doch nichts, das merkt doch keiner“.

Eine Verkehrsentlastung auf der Lübecker Straße von bis zu 10.000 KFZ/je Tag hätte durch den Bau der Nordtangente von der Lübecker Straße (in Höhe des Getränkehandels Timmermann/ehemalige Ziegelei) zum Kornkamp – Kornkamp-Süd /Ostring erreicht werden können. Für diese etwa ein Kilometer lange Straße ins Gewerbegebiet Nord hätte es vom Land sogar sechs Millionen Euro Fördergeld gegeben. Den Vertrag über den dafür notwendigen Gebietstausch mit Delingsdorf hatten Ahrensburgs Politiker im Jahr 2012 jedoch abgelehnt – mit 15:14 denkbar knapp. Nur die SPD war geschlossen dafür, WAB, Grüne und FDP stimmten dagegen, in der CDU gab es drei Abweichler.

So verzichteten Ahrensburgs Politiker freiwillig auf sechs Millionen Euro Fördergeld und damit auf 75 Prozent der Erstellungskosten für die Nordtangente. Ein geänderter Verlauf der Trasse für die Nordtangente über das Familia Gelände würde voraussichtlich 15 bis 20 Millionen Euro kosten, womit sich die Baukosten für die Nordtangente seit 2012 um den Faktor 7 bis 10 verteuern. Allerdings möchte Delingsdorf – über deren Gebiet die Nordtangente verläuft – nur die kurze Variante zum Kornkamp zustimmen. Aber genau das will Ahrensburg nicht.

Die Nordtangente wird seit nunmehr 15 Jahren (!!!) geplant. Seit der denkbar knappsten Ablehnung 2012 gab es keine nennenswerte Initiative mehr zum Bau der Nordtangente, obwohl laut Verkehrsgutachten die Nordtangente die höchste Entlastungseffizienz aller Umgehungsstraßen aufweist. Kurz vor der Gemeindewahl 2018 jedoch ist die Nordtangente wieder auf der Agenda der Parteien, außer bei den Grünen, die den Bau neuer Straßen grundsätzlich ablehnen.

Einer der Gründe, warum über die Nordtangente vor der Gemeindewahl wieder diskutiert wird, ist, dass Ahrensburg weiter wachsen soll durch Bebauung des Erlenhof-Nord, dessen Verkehrsentsorgung wiederum über die Lübecker Straße erfolgen müsste. Nach der Gemeindewahl wird die Nordtangente vermutlich wieder in den „Schubladen“ des Ahrensburger Rathauses verschwinden, weil die gewählten Repräsentanten der Bürger (Politiker) bis zur nächsten Gemeindewahl 2023 wieder andere Prioritäten setzen.

Fazit: Die Gewerbe- und Stadtentwicklung, die in Ahrensburg auf allen Hauptverkehrsachsen Verkehrsstaus, Lärm, Feinstaub und Stickstoffdioxid verursacht – aufgrund ständig steigender Verkehrsbelegung und wegen fehlender Umgehungsstraßen – ist keine höhere Gewalt, sondern das Resultat konkreter politischer (Mehrheits-) Entscheidungen der 30 Stadtverordneten und damit gewollt.

Diejenigen, die eine Entscheidung treffen, sind verantwortlich für das Ergebnis; denn sie konnten anders entscheiden – bei anderer Prioritätensetzung – und zu einem anderen Resultat kommen.

Viele Bürger glauben, dass Politik notwendigerweise Korruption erzeugt. Ein geflügeltes Sprichwort lautet daher auch: „Jede Macht korrumpiert“. Es ist kein Wunder, dass viele Bürger nicht nur Politikern misstrauen, sondern der Politik selbst. Das ist vermutlich auch der Hauptgrund für das Nichtwählen-gehen und das Erstarken von rechtsradikalen Parteien.

Es ist daher dringend notwendig, dass Bürger in Ahrensburg sich wieder mehr in der Kommunalpolitik engagieren, die politischen Gremien besuchen und Bürger seitens der Politik bei politischen Entscheidungen mit eingebunden werden.

Werner Haering, Ahrensburg

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1 Kommentar

  1. Horst Hausmann on

    Bei dem o.a. Artikel kann man nur jeden Buchstaben unterstreichen. Das unglaubliche, jahrelange „Tangenten-Gemetzel“ ist das Ergebnis einer Kommunalpolitik, die sich um sich selbst kümmert und keinesfalls um die Bürger. Es geht lediglich um Machterhalt und Rechthaberei der Kommunalpolitiker und ihrer Parteien. Und so wird vermutlich noch in 50 Jahren um Tangenten gestritten, gewürzt mit immer mal wieder (über-) fälligen sauteuren Gutachten und einer verkehrsmäßig und emissionsmäßig bis dahin erstickten Innenstadt. Spöttisch: Allein schon mit den Geldern für Gutachten hätte man bereits eine Tangente fertig gestellt. Und dieses rechthaberische Spiel ist auch bei anderen Objekten in Ahrensburg deutlich zu beobachten, wie z.B. an der Alten Reitbahn. Die Vernunft bleibt auf der Strecke, der Proporz siegt!

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