Gastbeitrag zur Kommunalwahl 2018: Moderates Wachstum mit den Grünen

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Ahrensburg (ve/pm). Am 6. Mai 2018 werden in Schleswig-Holstein die kommunalen Parlamente neu gewählt. ahrensburg24.de veröffentlicht im Vorfeld der Wahl Gastbeiträge einzelner Parteien. Lesen Sie einen Gastbeitrag von Bündnis 90/Die Grünen Ahrensburg.

Christian Schmidt, Bündnis 90/Die Grünen Ahrensburg. Foto:pm

Christian Schmidt, Bündnis 90/Die Grünen Ahrensburg.
Foto:pm

Liebe Ahrensburgerinnen und Ahrensburger,
wir stehen dafür, dass wir den Charakter unserer Stadt erhalten wollen. Ahrensburg war schon immer eine Stadt, die durch den Zuzug von außerhalb gewachsen ist. Schauen Sie sich die Gedenktafel im ersten Stock des Rathauses an und Sie werden sehen, wie vielfältig die Wurzeln der Menschen in Ahrensburg sind.

Ahrensburg wird weiter wachsen. Wir stehen zum Ergebnis des Integrieren Stadtentwicklungskonzeptes. Und wir stehen seit Jahren für ein moderates Wachstum.

Ahrensburg liegt auf der Siedlungsachse Hamburg-Ahrensburg-Bad Oldesloe-Lübeck. Aus überregionaler Sicht ist es nur sinnvoll, das Bevölkerungswachstum dort zu konzentrieren, wo schon die nötige Infrastruktur (Autobahnen und/oder Bahnstrecken) vorhanden ist. Es wäre viel schwerer, diese Infrastruktur an anderer Stelle komplett neu zu bauen.

Der Regionalplan wird aktuell überarbeitet. Eine Basis dafür ist die Wohnraumbedarfsprognose 2030. Darin wurde ermittelt, dass Ahrensburg bis 2030 circa 720 Geschosswohnungen und circa 1.000 „gartenbezogene“ Wohneinheiten (Einzel- Doppel- und Reihenhäuser, aber auch Geschosswohnungsbau mit Gartenbezug) bauen muss. Wenn Ahrensburg dies bei der Erstellung des Flächennutzungsplans (FNP) nicht berücksichtigt, begeht es einen „Abwägungsfehler“ und dann wird der FNP vom Innenministerium zur erneuten Beratung an die Ahrensburger Politik zurück verwiesen.

Wir stehen dazu, dass der Regionalplan und die übergeordnete Planung in der Diskussion um den Flächennutzungsplan auch eine gewisse Rolle spielt. Allerdings sehen wir noch einige Fragepunkte, die in der übergeordneten Sicht nicht auftauchen, weil sie wahrscheinlich zu detailliert sind.

Wir sehen hier nicht nur Faktoren, wie zum Beispiel Landschaftsschutzgebiete, die wichtig und erhaltenswert sind (Schleswig-Holstein hat im Bundesvergleich sowieso schon zu wenige Landschaftsschutzgebiete), und damit einem Wachstum Grenzen setzen.

Wir sehen hier auch ganz starke Probleme in der Infrastruktur. Aktuell haben wir schon Probleme, dem momentanen Wachstum hinterher zu kommen. Uns fehlt Personal, um Schulen, Kitas und Straßen zu planen und zu bauen. Aber der entscheidende begrenzende Faktor ist hier vor allem, dass es auf dem Markt kaum noch Erzieherinnen und Erzieher gibt. Ahrensburg kann zwar die Gebäude in begrenztem Maße bereitstellen, aber auf die Verfügbarkeit von Fachpersonal haben wir keinen Einfluss. Die Antwort des Bürgermeisters darauf „Das Problem ist in Kiel angekommen, in drei Jahren ist das erledigt“ überzeugt uns nicht.

Ein ganz anders Problem wurde in der Kommunalpolitik noch nie thematisiert, weil die Ahrensburger Politik darauf keinen Einfluss hat. Die Menschen in Deutschland und auch hier in Ahrensburg werden immer älter. Laut Wohnraumbedarfsprognose 2030 wird der Anteil der Haushalte mit Menschen zwischen 65 bis 85 massiv zunehmen, die Haushalte der über 85-Jährigen werden sich bis 2030 verdoppeln.

Erfahrungsgemäß werden einige dieser Menschen pflegebedürftig sein. Die Pflegedienste oder Seniorenheime finden schon jetzt nicht genug Personal, um den Bedarf zu decken. Auch für dieses Problem gibt es keine überzeugende Lösung.

Diese Faktoren müssen berücksichtigt werden. Darum sind wir für ein sinnvolles Wachstum. Wir wollen, dass Ahrensburg sich auf seine wesentlichen Problemfelder zuerst konzentriert. Das sind auf der einen Seite Sozialwohnungen. Davon fallen viele demnächst aus der Bindung und werden damit teurer. Aber auch das „bezahlbare“ Segment im Bereich 7-10 €/m² Miete darf nicht vernachlässigt werden.

Wir sehen die Notwendigkeiten, die aus dem Regionalplan resultieren. Aber aus kommunaler Betrachtungsweise müssen erst einmal die oben genannten infrastrukturellen Probleme geklärt werden, bevor wir über eine größere Ausweisung von Potentialflächen für Wohnbebauung reden können.

Moderates, nachhaltiges Wachstum heißt für uns: Der Charakter unsere Stadt (mit allen Grünzügen usw.) muss erhalten bleiben. Gleichzeitig muss die Infrastruktur (unter anderem für Familien und Pflegebedürftige) genauso schnell wachsen, wie die Wohnbebauung.

Wenn wir das nicht beachten, verliert Ahrensburg seinen liebenswerten und lebenswerten Charakter, der für uns sehr schützenswert ist.

Christian Schmidt
Stadtverordneter Bündnis 90/Die Grünen

Redaktioneller Hinweis

Die auf ahrensburg24.de veröffentlichten Gastbeiträge der Parteien zur Kommunalwahl 2018 geben die Positionen und Inhalte der Parteien wieder. Sie stellen keine redaktionelle Berichterstattung dar. Für den Inhalt sind die Parteien verantwortlich.

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